Der Berliner Hockey-Verband (BHV) ist einer der fünf mitgliederstärksten Hockey-Landesverbände im Deutschen Hockey-Bund. Er wurde in seiner jetzigen Form am 3. Januar 1950 gegründet. Sein Verbandsgebiet umfasst das Bundesland Berlin, zusätzlich sind die Brandenburger Hockeyvereine im Umland des Stadtstaates Mitglieder des BHV. Insgesamt spielen 9744 Mitglieder (Stand 1. Januar 2025) in 31 Clubs.

Der BHV organisiert im Erwachsenenbereich im Feld- und Hallenhockey den gesamten Spielbetrieb unterhalb der Regionalligen (Ober- sowie die darunterliegenden Verbandsligen) und darüber hinaus im Feld für Damen und Herren zusätzlich jeweils eine 3/4-Feld-Liga, um mitgliedsschwächeren Vereinen einen zusätzlichen Spielbetrieb zu ermöglichen. Im Jugendbereich organisiert der Verband bis zu drei Wettbewerbe (Meisterschaft, Liga, Pokal) für die männlichen und weiblichen Jahrgänge U18, U16, U14 und U12 sowie den Spielbetrieb für U10-, U8- und U6-Mannschaften in engerer Zusammenarbeit mit den Berliner Hockeyvereinen.

Geschichte des Hockeysports in Berlin Anfänge der Vereins- und Verbandsgründungen, erste Blütezeit Ende des 19. Jahrhunderts gelangte der Hockeysport aus England nach Deutschland. Neben der internationalen Hafenstadt Hamburg fand Hockey vor allem auch in Berlin großen Anklang: Während der erste offizielle (Herren-)Hockeyverein, der 1. Hamburger Hockey Club, 1898 in Hamburg gegründet wurde, ging ein Jahr später im Berliner Damen-Hockey Club das erste Wettspiel der Damen auf Vereinsebene über die Bühne. Hier wurde Berlin gar zum Vorreiter, denn der Herrenbetrieb setzte erst ein Jahr später ein.

1902 wurde der Berliner Hockey-Verband in ersten Version als erster regionaler Hockeyverband in Deutschland gegründet.

Ende Dezember 1909 ins Leben gerufen konstituierte sich der Deutsche Hockey-Bund (DHB) am 26. März 1910 auf seinem 1. Bundestag in Hamburg offiziell mit dem Zweck, den Hockeysport zu fördern. Zum ersten DHB-Präsidenten wurde der Berliner Kurt Doerry gewählt, der ursprünglich aus dem Eishockeysport kam. Bis Mitte der 20er-Jahre regelte der DHB auch die Belange des Wintersports in Deutschland. Noch bis 1937 kamen die DHB-Präsidenten durchgängig aus Berlin – nach Doerry von 1914 bis 1928 Georg Berger, bis 1937 Georg Evers.

Zwischen dem 10. August 1936 und dem Jahr 1945 war Evers zudem Präsident des internationalen Hockeyverbandes FIH.

Der Hockeysport zwischen Machtergreifung, Selbstauflösung und Neuanfang Gleichschaltung 1933 Unmittelbar nach der Machtübernahme 1933 begann die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei mit der Gleichschaltung von Organisationen, die dem Totalitätsanspruch widersprachen. Um einem Verbot zuvorzukommen, beschlossen der DHB und seine Regionalverbände, darunter auch der BHV, am 22. Oktober desselben Jahres ihre Selbstauflösung. Hockey wurde fortan dem Fachamt 9: Hockey, einem von insgesamt 15 Fachämtern im Sportbereich 3: Berlin-Brandenburg im Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen zugeordnet.

Olympische Sommerspiele 1936 in Berlin Im Mai 1931, also noch vor Machtergreifung der Nationalsozialisten, erhielt Berlin den Zuschlag für die Austragung der Spiele der XI. Olympiade 1936. Der Hockey-Wettbewerb – Hockey war seit 1908 olympisch – fand im eigens für die Spiele zwischen 1934 und 1936 erbauten Hockeystadion vor bis zu 18.000 Zuschauenden statt. Indien holte nach einem 8:1-Finalsieg über das Deutsche Reich (Silber) die Goldmedaille, die Niederlande siegte 4:3 gegen Frankreich im Spiel um Bronze.

Erste organisierte Deutsche Meisterschaften mit Berliner Erfolgen Erst in der Saison 1936/1937 feierten Deutsche Meisterschaften, zunächst nur bei den Herren, Premiere. Erster Deutscher Meister wurde der Berliner SC. Drei Jahre später fand analog ein Damen-Wettbewerb statt. Auch in dieser Premierensaison siegt mit dem LTTC Rot-Weiß ein Berliner Verein.

BHV-Mitgliederentwicklung in Zahlen Sofern nicht anders angegeben, sind die Mitgliederzahlen dem Jahresbericht des Landessportbundes Berlin aus dem Vorjahr entnommen, der in der zweiten Jahreshälfte des Folgejahres veröffentlicht wird. Streng genommen sind dies die Mitglieder (Personen) der Vereine, die wiederum Mitglieder des BHV sind.

JahrMitglieder20259744202494562023940020229259202185222020841220198099

Berliner Erfolge, individuell und auf Vereinsebene Olympiamedaillengewinnerinnen und -gewinner aus Berlin Deutsche Hockey-Nationalmannschaften gewannen bisher (Stand 2027) fünfmal Olympisches Gold (1972, 1992, 2008 und 2012 die Herren, 2004 die Damen), sechsmal Silber (Herren 1936, 1984, 1988 und 2024; Damen 1984 und 1992) und fünfmal Bronze (Herren 1928, 1956 und 2004 die Herren sowie 2016 beide deutsche Teams). Bei den Herren finden olympische Turniere im Feldhockey im Rahmen der Sommerspiele seit London 1908 statt, für Damen erst seit den Olympischen Spielen 1980 in Moskau. Folgende Spielerinnen und Spieler spielten zum Zeitpunkt des Olympiasieges für Mitgliedsvereine des BHV:

Gold München 1972 Carsten Keller (Berliner HC; auch Fahnenträger der bundesdeutschen Mannschaft bei der Schlussfeier)

Barcelona 1992 (Herren) Andreas Keller (Berliner HC)

Athen 2004 (Damen) Natascha Keller, Badri Latif , Louisa Walter (alle Berliner HC) und Sonja Lehmann (TuS Lichterfelde)

Peking 2008 (Herren) Florian Keller (Zehlendorfer Wespen) – Peking 2008

London 2012 (Herren) Martin Häner (Berliner HC)

Silber Berlin 1936 Werner Hamel, Erwin Keller, Herbert Kemmer, Heinrich „Heinz“ Schmalix (alle Berliner HC), Werner Kubitzki, Paul Mehlitz, Fritz Messner, Hans Scherbart, Erich Zander (alle Berliner SV 92), Heinz Raack, und Kurt Weiß (beide Berliner SC)

Los Angeles 1984 (Damen und Herren) Andreas Keller (Berliner HC) sowie Christina Moser (SC Brandenburg) und Patricia Ott (beide SC Brandenburg)

Seoul 1988 (Herren) Andreas Keller (Berliner HC)

Barcelona 1992 (Damen) Christine Ferneck, Irina Kuhnt und Anke Wild (alle Berliner HC)

Paris 2024 (Herren) Martin Zwicker (Berliner HC)

Bronze Amsterdam 1928 Bruno Boche, Erich Zander (beide Berliner SV 92), Erwin Franzkowiak, Aribert Heymann, Herbert Müller (alle Berliner SC) und Gerd Strantzen (Berliner HC)

Melbourne 1956

Heinz Radzikowski und Harry Reuff (beide SC Brandenburg) Athen 2004 (Herren)

Tibor Weißenborn (Berliner HC) Rio 2016 (Damen und Herren)

Martin Häner und Martin Zwicker (beide Berliner HC). Damen aus Berliner Hockeyvereinen waren nicht beteiligt.

Berliner Feldhockey-Weltmeisterinnen und -meister Dreimal wurden deutsche Hockeyherren bisher Interkontinental-Titelträger, nach 2002 und 2006 vor heimischem Publikum zuletzt 2023 in Indien. Die beiden Erfolge der Damen liegen schon etwas weiter zurück (1976 in Berlin und 1981). Jedes Mal waren auch Berliner Spielerinnen und Spieler dabei:

Birgit Welzel (SC Brandenburg) – Weltmeisterin 1976 in Berlin Christina Moser (SC Brandenburg) – Weltmeisterin 1976 in Buenos Aires Heidemarie Klimpel-Raabe (SC Brandenburg) – Weltmeisterin 1976 in Berlin Martin Zwicker (Berliner HC) – Weltmeister 2023 in Bhubaneswar Steffi Drescher (SC Charlottenburg) – Weltmeisterin 1976 in Berlin Tibor Weißenborn (BHC) – Weltmeister 2002 in Kuala Lumpur Ulrich Bubolz (BHC) – Weltmeister 2006 in Mönchengladbach

Europapokalsiege und Deutsche Meisterschaften von Vereinen aus dem heutigen Gebiet des BHV Europapokalsiege Seit 1969 finden im europäischen Hockeyverband EHF Kontinentalwettkämpfe auf Clubebene statt. Lediglich bei den Damen konnten mit dem Berliner HC und dem SC Brandenburg BHV-Teams Europapokalsiege feiern:

Siegeslisten Damen

Titel Verein Club Champions Club (Feld) Cup Winners Cup (Feld) Club Champions Cup (Halle) 5 Berliner HC 1997 2008 1993, 2012, 2014 1 SC Brandenburg — — 1990

Deutsche Meister Seit 1937 werden bei den Herren Deutsche Hockey-Meister ermittelt, bei den Damen seit 1940. Die im Folgenden aufgeführten Deutschen Meisterinnen und Meister stammen aus dem aktuellen Gebiet des BHV.

Zwischen 1995 und 2001 trug der DHB neben der Deutschen Hockey-Meister auch Deutsche Hockeypokal-Finals aus (14 Mal). Aus Berlin konnten sich nur die BHC-Damen in die Siegerliste eintragen, halten mit vier Titeln in Folge hier allerdings den Rekord.

Auch in der DDR fand ein Hockey-Ligabetrieb statt. Allerdings gingen dort zwischen 1949 und 1990 insgesamt nur drei Titel in der Halle 1954, 1956 und 1970 an Berliner Vereine. An entsprechenden Stellen werden, sofern vorhanden, der Nachfolgeverein und ein entsprechender Hinweis DHSV genannt. Die Sportförderung der DDR sah für den Hockeysport andere Förderzentren als Berlin vor und reduzierte dessen Förderung ab 1969 deutlich.

Siegesliste Herren

Titel Verein Feld Halle 12 Berliner HC 1941, 1942, 1961, 1962, 1963, 1965, 2012 1962, 1963, 1965, 1970, 1975 2 Berliner SC 1937, 1938 2 SV Blau-Gelb (als BSG Lokomotive Pankow) 1954, 1956 (beide DHSV) 2 SC Brandenburg 1956, 1959 1 BSV 92 1940

Siegesliste Damen

Titel Verein Feld Halle Deutscher Hockeypokal 19 Berliner HC 1994, 1996, 1999, 2000, 2005, 2006, 2008, 2010, 2013 1992, 1995, 1996, 2000, 2011, 2013 1995, 1996, 1997, 1998 6 SC Brandenburg 1961 1976, 1978, 1986, 1988, 1989 1 LTTC Rot-Weiß 1940 1 SG Narva (als BSG Narva Berlin) 1970 (DHSV) 1 TSV Zehlendorf 88 1972

Quelle: Archiv und Chronik des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08

Erfolge Berliner Jugendmannschaften Im Hockeysport sind Meisterschaften der Jahrgänge U14, U16 sowie U18 weiterführend. Seit 1970 (U18 weiblich/männlich, inoffiziell seit 1969) richtet der DHB hier überregionale Deutschen Meisterschaften aus.

Die letzten drei Deutschen Jugendmeistertitel für Vereine des BHV erlangten: auf dem Feld die Zehlendorfer Wespen (2025 U18 männlich) und der Berliner HC (2017 U14 weiblich, 2025 U14 männlich) sowie in der Halle die Zehlendorfer Wespen (2024 U16 männlich, 2020 U14 männlich) und der Berliner SC (2020 U16 männlich).

Deutsche Jugendmeistertitel männlich (Stand Halle 2026) Titel Verein U14 Feld U14 Halle U16 Feld U16 Halle U18 Feld U18 Halle 27 Berliner HC1994, 2010, 20251971, 1995, 1996, 20141992, 1996, 2009, 20151972, 1997, 2003, 2005, 20101974, 1975, 1998, 19991975, 1995, 1997, 1999, 2002, 2007, 2012 6 SC Charlottenburg2006, 2010 2008 2010, 2011, 2014 3 Neuköllner SF 1970, 1971, 1972 3 TC 1899 Blau-Weiss20162016, 2017 3 Zehlendorfer Wespen2020 2024*2025 2 Berliner SC20022020 1 TuS Lichterfelde1984 1 BSV 92 Berlin1995 * Zusammen mit dem HTHC, dem die Wespen im Finale zunächst unterlegen waren. Eine „strittige Schiedsrichterentscheidung als ‚nicht korrekte‘ Auslegung der Hallenhockeyregeln“ führte 26 Stunden nach dem DM-Finale 2024 zur DHB-Präsidiums-Entscheidung, beide Mannschaften zu Meistern zu erklären.

Deutsche Jugendmeistertitel weiblich (Stand 2024/2025) Titel Verein U14 Feld U14 Halle U16 Feld U16 Halle U18 Feld U18 Halle 27 Berliner HC 1991, 1998, 1999, 2005, 2017 1991, 1992, 1999, 2006, 2018, 2023, 20242000, 2006 2002, 2008 1992, 1993, 2001, 2002, 2012 1993, 2002, 2003, 2010, 2013, 2022 7 TuS Lichterfelde 1994 1994, 1995, 2017 1996, 2003 1997 4 Zehlendorfer Wespen 2007 202220101991 1 SC Brandenburg 1974 1 Berliner SC 1975 1 BSV 92 Berlin 1996 1 TSV Zehlendorf 88 2000 1 SC Charlottenburg 2010

Herbstpokal der Bundesstützpunkte (Feld) Zwischen 2022 und 2024 wurde der Herbstpokal, der die Länderpokal-Endrunden ersetzen sollte, zunächst in einem Format ausgetragen, in dem die U16-Auswahlteams der fünf Bundesstützpunkte Hockey, darunter Berlin, sowie ein Team 6 als Auswahl der Landesverbände, die keinem Bundesstützpunkt angeschlossen sind, aufeinandertrafen.

Dabei konnte die männliche U16 des Bundesstützpunkts Berlin die Premiere 2022 nach einem 5:1-Finalsieg gegen den BSP Baden-Württemberg für sich entscheiden, die weibliche U16 siegte ein Jahr später in Wohltorf bei Hamburg im Finale gegen den BSP Westdeutschland 1:0.

2024 wurde der Herbstpokal reformiert und findet seitdem auswahlübergreifend mit je vier Auswahlteams statt.

Jugend-Länderpokal