miniatur|Nikita Chruschtschow und Dwight D. Eisenhower mit ihren Ehefrauen, 27. September 1959 Der Staatsbesuch von Nikita Chruschtschow in den Vereinigten Staaten fand vom 15. bis 27. September 1959 statt. Es war der erste Besuch eines sowjetischen oder russischen führenden Politikers dort und der erste in einem westlichen Land seit 1945.
Vorgeschichte Nikita Chruschtschow war 1953 neuer Generalsekretär der KPdSU nach Stalins Tod geworden. Er leitete politische und wirtschaftliche Reformen in der Sowjetunion ein und bemühte sich auch um eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA. 1955 gab es eine erste Begegnung mit Präsident Dwight D. Eisenhower in Genf. Im Juli 1959 kam Vizepräsident Richard Nixon nach Moskau (wo es auch die Küchendebatte gab). Danach wurde Chruschtschow zu einem Gegenbesuch in die USA eingeladen.
Zu seiner 63-köpfigen Delegation gehörten seine Ehefrau, seine drei Kinder sowie Minister, weitere Politiker, Künstler und andere gesellschaftliche Persönlichkeiten. Es waren etwa 2.500, möglicherweise sogar 5.000 Journalisten aus aller Welt akkreditiert, die bis dahin größte Anzahl bei einem politischen Ereignis.
Verlauf mini|Nikita Chruschtschow besichtigt eine Farm in Maryland mini|Die sowjetische Delegation bei Filmaufnahmen in Hollywood (auf der Tribüne)
Die sowjetische Delegation landete am 15. September gegen 12 Uhr Ortszeit auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington. Dort wurde Ministerpräsident Chruschtschow von Präsident Eisenhower und weiteren Regierungsvertretern mit militärischen Ehren empfangen. Danach fuhren sie mit einem Autokonvoi nach Washington, wo über hunderttausend Menschen an den Straßen standen.Hunderttausende in den Straßen Herzlicher Empfang in der USA-Hauptstadt / Erste Besprechung mit Eisenhower. In: Neues Deutschland vom 16. September 1959, S. 1 (Artikelanfang) Es gab Gespräche im Weißen Haus.
Am 16. September reiste Chruschtschow mit seiner Delegation nach Maryland, wo er auch eine landwirtschaftliche Musterfarm besichtigte. Am Abend gab der National Press Club ein Essen in Washington.
Am 17. September fuhren sie mit einem Zug nach New York, wo wieder Zehntausende Menschen an den Straßen warteten. Dort gab es Gespräche mit dem Gouverneur Nelson Rockefeller, dem Bürgermeister Robert F. Wagner Jr., der ehemaligen Präsidentengattin Eleanor Roosevelt sowie einen Auftritt vor der UNO. Der Economic Club of New York gab ein Festbankett mit etwa 2000 Wirtschaftsvertretern; eine US-Zeitung spottete, dass dies die größte Kapitalisten-Versammlung der Geschichte gewesen sei.
Danach reiste die Delegation nach Los Angeles. In Hollywood traf Chruschtschow bei Filmaufnahmen (zu Can-Can) mit Shirley MacLaine, Gary Cooper, Frank Sinatra, Elizabeth Taylor, Marilyn Monroe und weiteren Schauspielern zusammen. Es wurde auch ein Forschungsgelände des Computerunternehmens IBM in San Jose besichtigt. Ein beabsichtigter Besuch im Disneyland Resort wurde dagegen wegen angeblicher Sicherheitsrisiken abgesagt, was den Gast sehr verärgerte.
Am 22. September reiste die Delegation nach Iowa, wo unter anderem die Musterfarm von Roswell Garst besichtigt wurde, am 24. September dann nach Pennsylvania. Seit dem 25. September gab es Gespräche von Chruschtschow mit Präsident Eisenhower in Camp David. Am Abend des 27. September gab es ein großes Abschiedsdiner. Am frühen Morgen des 28. September flog die sowjetische Delegation zurück nach Moskau.
Bilanz Nikita Chruschtschow und seine Begleitung führten Gespräche mit zahlreichen US-amerikanischen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei kam es einige Male auch zu zugespitzten und provozierenden Äußerungen durch den sowjetischen Regierungschef oder von seinen amerikanischen Gesprächspartnern, die jedoch keine größeren Konsequenzen hatten.Chruschtschow in den USA SRF Die Absicht des Besuches war eine Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Staaten. Es gab nur wenige konkrete Vereinbarungen, wie, dass der Status von Berlin zunächst unverändert bleibt, bis zu einer möglichen Vereinbarung der vier Besatzungsmächte. Der nach dem Besuchsort benannte Geist von Camp David gilt als Beginn einer weltweiten Entspannungspolitik.Imanuel Geiss: Geschichte griffbereit. Band 3: Schauplätze. Die geographische Dimension der Weltgeschichte. (=rororo-Handbuch 6237), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1981, ISBN 978-3-499-16237-4, S. 433.
Präsident Eisenhower wurde zu einem Gegenbesuch in die Sowjetunion für 1960 eingeladen, der aber nach der Entdeckung eines US-Spionageflugzeugs über deren Luftraum im Mai wieder abgesagt wurde. Erst 1987 kam es zu einem kurzen Besuch von Generalsekretär Michail Gorbatschow in Washington und 1988 von Präsident Ronald Reagan in Moskau.
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