Die Jagd (spanischer Originaltitel La caza) ist ein spanischer Film von 1966. Regie führte Carlos Saura, der auch zusammen mit Angelino Fons das Drehbuch schrieb.
Der Film wurde 1966 auf den Berliner Filmfestspielen uraufgeführt und fand international großen Anklang, wodurch Saura zu einem der bedeutendsten Regisseure des spanischen Kinos und zu einer Schlüsselfigur des sogenannten Nuevo Cine Español (Neues Spanisches Kino) wurde. Der Film gilt heute als Kultfilm und als Ausgangspunkt einer brillanten Schaffensphase des Regisseurs.
Handlung José, Paco und Luis, drei Männer mittleren Alters, die während des Spanischen Bürgerkriegs auf der Seite Francos gekämpft haben, treffen sich in einem Dorf in Kastilien, um Kaninchen zu jagen. Der Ort der Jagd ist ein Revier, das José gehört, der die Jagd organisiert hat, und dieses Revier war einst ein Schlachtfeld, auf dem die drei gekämpft haben. José, der aufgrund einer bevorstehenden Scheidung hoch verschuldet ist, lebt mit einer jüngeren Frau über seine Verhältnisse. Sein Hauptmotiv für die Organisation der Jagd ist es, Paco, einen gewieften Geschäftsmann, der ebenfalls in der Liebe unglücklich und auf der Suche nach jüngeren Frauen ist, um einen Kredit zu bitten. José bringt Luis mit: einen schwachen, traurigen und alkoholkranken Mann, der sich für Science-Fiction interessiert und nun in seiner Fabrik arbeitet. Paco lädt Enrique, einen jungen Mann aus seiner Familie, zur Jagd ein.
Der Wildhüter (Juan) und seine junge Nichte Carmen helfen ihnen bei der Jagd, indem sie ihnen mehrere Frettchen zur Verfügung stellen, mit denen sie die Kaninchen in ihren Höhlen jagen wollen. Nach ein paar Drinks bittet José Paco um das Darlehen, das dieser ihm jedoch verweigert. Im Laufe des Tages nehmen die Spannungen zwischen den Mitgliedern der Gruppe zu. Luis, der betrunken ist, übt das Schießen mit einer Puppe und verursacht außerdem einen Brand, der fast außer Kontrolle gerät. José ohrfeigt Luis, der die Demütigung nicht erträgt. Gegen Ende tötet Paco eines der Frettchen, die der Wildhüter für die Jagd zur Verfügung gestellt hat. Obwohl Paco behauptet, es sei ein Unfall gewesen, glaubt José, dass er es aus Bosheit getan hat. Die Jagd wird immer intensiver und die Schüsse fallen immer schneller.
Der latente Hass und die Frustrationen der drei Erwachsenen erreichen ihren Höhepunkt, als Paco von einem Schuss Josés getroffen wird und tödlich verwundet in einen Bach fällt. Luis, außer sich vor Wut, versucht José zu töten, indem er ihn mit einem Land Rover überfährt. José schießt auf Luis, der jedoch lange genug überlebt, um José zu erschießen, bevor er selbst stirbt. Enrique, unverletzt, bleibt allein inmitten der Tragödie zurück. Der Film endet mit seinem Standbild, als er flieht.
Analyse Elena Medina de la Viña sieht in dem Film eine Allegorie auf den Spanischen Bürgerkrieg. Der Film beschäftige sich mit den noch offenen Wunden des Bruderkriegs. Christian von Tschilschke hebt besonders hervor, dass der Film „das frankistische Ideal individuellen und kollektiven Heldentums“ „entlarve“. Er verwirft eine wie immer geartete „Sinnstiftung“ durch einen Krieg. Als filmische Mittel erkennt er „Stakkatomontage, harte Schnitte, Reißschwenks und der abrupte Wechsel von Totalen und Großaufnahmen“. Für ihn besteht das Fazit des Films darin, dass „eine Gesellschaft, die sich nicht ihrer gewaltsamen Vergangenheit stellt und an fragwürdigen Verhaltensidealen fest hält“, sich den Veränderungen der Gegenwart und Zukunft nicht stellen kann und ihre „Selbstzerstörung“ „riskiert“.
Produktion Bei der Suche nach Drehorten für seinen Film Llanto por un bandido waren Saura einige Wüstenlandschaften aufgefallen, die ihn faszinierten. Er beschloss, eine Geschichte zu schreiben, in der sie eine wichtige Rolle spielen sollten. Dabei kam ihm die Idee einer Kaninchenjagd. Nachdem er das Drehbuch geschrieben hatte, wandte er sich an verschiedene Produktionsfirmen, die das Projekt jedoch ablehnten. Elías Querejeta nahm es an und stellte die Hälfte des Budgets zur Verfügung; die andere Hälfte kam von Sauras Vater.
Die Dreharbeiten fanden im August 1964 über vier Wochen in den Orten Seseña, Esquivias und Aranjuez statt. Die Schauspieler und das technische Team beklagten, dass die hohen Temperaturen ihnen Schwierigkeiten bereiteten. Der Film sollte ursprünglich La caza del conejo (Die Kaninchenjagd) heißen, doch dieser Titel wurde aufgrund seiner sexuellen Konnotationen abgelehnt.
Rezeption Saura erhielt einen Silbernen Bären als bester Regisseur für den Film, der außerhalb Spaniens sehr geschätzt wurde. Ein Beweis dafür ist, dass die französische Nouvelle Vague, das britische Free Cinema und die Anfänge des amerikanischen Independent-Kinos La Caza mit den Avantgarden der damaligen Zeit verglichen, die nicht mit der strengen und willkürlichen Zensur Francos konfrontiert waren. Außerdem beeinflusste er andere Regisseure wie Sam Peckinpah, der erklärte, dass La caza sein Leben wirklich verändert habe.
Einige zeitgenössische spanische Kritiker bezeichneten den Film jedoch als „sehr schlecht“. Allerdings wurde die schauspielerische Leistung von Alfredo Mayo als die beste seiner Karriere gewürdigt.
Der Film kam am 9. November 1966 in Barcelona in die Kinos und spielte insgesamt 8 Millionen Peseten (1 458 240 Euro im Jahr 2020) ein (das Vierfache seines ursprünglichen Budgets von 2 Millionen Peseten oder 312.480 € im Jahr 2020) mit mehr als 340.000 verkauften Kinokarten ein. Seit seiner Premiere im Jahr 1966 wurde er dreimal auf DVD veröffentlicht, zuletzt im Jahr 2015.
Auszeichnungen Internationale Filmfestspiele Berlin 1966
Kategorie NameSilberner Bär für beste Regie Carlos Saura
Medallas del Círculo de Escritores Cinematográficos 1966
Kategorie Namen ErgebnisBester Film Bester männlicher Hauptdarsteller Alfredo Mayo Beste Kamera Luis Cuadrado Premio Antonio Barbero Emilio Gutiérrez Caba
Premios San Jorge
Kategorie Kandidat ErgebnisBester spanischer Film
Weblinks
Literatur (Auswahl) Guy H. Wood: La caza de Carlos Saura: expedición documental y memoria histórica In: MEMORIA HISTÓRICA Y CINE DOCUMENTAL. ACTAS DEL IV CONGRESO INTERNACIONAL DE HISTORIA Y CINE. Hrsg.: JOSEP MARIA CAPARRÓS LERA, MAGÍ CRUSELLS, FRANCESC SÁNCHEZ BARBA. CENTRE D’INVESTIGACIONS FILM-HISTÒRIA, Barcelona 2015, S. 11–34. Elena Medina de la Viña: Una vuelta a nuestra memoria: La caza, de Carlos Saura. In: Quaderns de Cine, Nr. 3, 2008, S. 113–119.
Valeria Camporesi: Ya son hechos muy lejanos y es muy difícil recordarlos: La caza (C. Saura, 1965) y la memoria cinematográfica de la guerra civil durante el franquismo. S. 97–107. In: La historia a través del cine : Europa del Este y la caída del muro, el franquismo. Hrsg.: Santiago De Pablo Contreras. Universidad del País Vasco = Euskal Herriko Unibertsitatea, Servicio de Publicaciones 2000, ISBN 84-8373-262-9, Seiten 97–108. Guy H. Wood: La caza de Carlos Saura: un estudio. Prensas Universitarias de Universidad de Zaragoza 2010, (Humanidades; 85). ISBN 978-84-15031-41-3.
Einzelnachweise
Kategorie:Spanischer Film Kategorie:Filmtitel 1966 Kategorie:Filmdrama Kategorie:Carlos Saura