mini|Skulptur Andreolettis am Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnels in Göschenen (1889) Pietro Andreoletti (* 17. Mai 1860 in Porto Ceresio; † 24. März 1933 ebenda) war ein italienischer Bildhauer, der vor allem in der Schweiz tätig war. Seine bekanntesten Werke sind die Denkmäler für die verunglückten Arbeiter des Gotthardtunnels in Airolo und Göschenen.
Leben Über Andreolettis Privatleben ist kaum etwas bekannt. Er wurde 1860 in der italienischen Gemeinde Porto Ceresio am Luganersee, direkt an der Schweizer Grenze, geboren. Bereits 1880 ist er in der Tessiner Leventina dokumentiert, als er als 20-Jähriger den Hochaltar für die Kirche Santi Nazario e Celso in Airolo fertigte. Zwischen 1884 und 1885 half er vielleicht seinem Vater Giovanni bei der Innengestaltung der Pfarrkirche Fiesch im Wallis: Ein Vertrag von 1885 legt seine Mitarbeit am Hochaltar nahe, seine Urheberschaft am Taufstein ist unklar.Walter Ruppen: Pfarrkirche Hl. Johannes Baptista. In: Ders.: Das Untergoms. Die ehemalige Grosspfarrei Ernen (= Die Kunstdenkmäler des Kantons Wallis. Band 2). GSK, Bern 1979, ISBN 3-7643-1080-4, S. 357–359 (online).
Im selben Jahrzehnt schuf er seine beiden Hauptwerke, die Denkmäler für die beim Bau des Gotthardtunnels umgekommenen Arbeiter beidseits der Alpen. Das erste wurde am 20. Juni 1886 in Airolo eingeweiht. Bemerkenswert ist insbesondere die Skulptur eines Arbeiters in Carrara-Marmor, der, mit einer Grubenlampe in der Linken und das Haupt mit seiner Rechten abgestützt, am Postament lehnt und erschöpft und traurig auf die den Opfern gewidmete Inschrift blickt. Das Denkmal wurde in der zeitgenössischen Presse sehr wohlwollend beurteilt. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb, das Werk des «wegen mancher schönen gelieferten Arbeit […] schon vortheilhaft bekannten Bildhauer[s] Andreoletti» sei «sehr hübsch in seiner Bescheidenheit» und «äußerst einfach, aber seine Formen sind gewählt und korrekt».Denkmal für die verunglückten Arbeiter des großen Gotthardtunnels. In: Neue Zürcher Zeitung. Beilage. Nr. 171, 21. Juni 1887, S. 1 (online). Im Bund war zu lesen, es sei ein «wahres Kleinod», das dem «jungen, hoffnungsvollen Bildhauer Andreoletti» zu «großer Ehre» gereiche.Tessin. In: Neue Zürcher Zeitung. Beilage. Nr. 171, 21. Juni 1887, S. 1 (online). Das zweite Denkmal wurde am 29. September 1889 in Göschenen enthüllt, wobei Andreoletti eine Rede hielt. Auch hier gestaltete er einen Arbeiter mit einer Lampe in der Hand, der nun aber neben dem Monument sitzt und zur Büste Louis Favres emporblickt. Die Neue Zürcher Zeitung empfand das Denkmal als ein «Werk, das als herrliches Kunstwerk und Zeichen christlicher Liebe Jedermann zur Besichtigung zu empfehlen ist», der Gesichtsausdruck des Mineurs sei «ergreifend und von hohem künstlerischen Werth».Einweihungsfeier des Denkmals für die Verunglückten beim Bau des Gotthardtunnels in Göschenen. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Blatt. Nr. 274, 1. Oktober 1889, S. 2 (online).
Andreoletti liess sich in Faido nieder und führte hier ein Atelier. Er war auf Grabmäler spezialisiert, die er ganz dem Zeitgeschmack dienend fertigte und als Serienprodukte verkaufte. Er gehörte zu jenen «mit Inspiration begabten» Steinmetzen des Tessins, die oft Vorbilder akademisch gebildeter Tessiner Künstler imitierten, die sich wiederum an bekannteren Werken Norditaliens orientierten.
1922 wurde auf dem Friedhof von Faido ein von ihm und seinem Bruder geschaffenes Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen italienischen Soldaten aus der Leventina eingeweiht.Un ricordo agli italiani caduti in guerra. In: Gazzetta Ticinese. 11. April 1922, S. 2 (online).
Andreoletti starb am 24. März 1933, mit 72 Jahren, in Porto Ceresio und wurde am 26. März auf dem dortigen Friedhof begraben. Er hinterliess seine Ehefrau und Kinder.Pietro Andreoletti. In: Popolo e Libertà. 25. März 1933, S. 3 (online).
Werke 1880: Hochaltar, Kirche Santi Nazario e Celso, Airolo 1884/85: Hochaltar und Taufstein, Pfarrkirche Fiesch (unklar) 1886: Denkmal für die verunglückten Arbeiter des Gotthardtunnels, Friedhof Airolo 1889: Denkmal für die verunglückten Arbeiter des Gotthardtunnels («Favre-Denkmal»), Friedhof GöschenenB. v. Tscharner: Die bildenden Künste und das Kunstgewerbe in der Schweiz im Jahr 1889. Schmid, Francke & Comp., Bern 1890, S. 47 f. 1910: Skulptur des auferstandenen Christus (Auferstehung Christi), Giebelnische über dem Eingang der Pfarrkirche Jonen 1919: Grabmal für die Familie Rusca, Monumentalfriedhof Lugano (Sud 22)Cristina Brazzola, Giovanna Ginex, Paola Capozza: Il cimitero monumentale di Lugano. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2016 (= Schweizerische Kunstführer, Band 986–987), ISBN 978-3-03797-274-8, S. 71. 1922: Italienisches Gefallenendenkmal, Friedhof Faido Büste von Luigi Caccia für den Kindergarten in MorcoteAsilo infantile e asilo vecchio. In: Gazzetta Ticinese. 5. April 1924, S. 2 (online).
Galerie
Literatur Giulio Foletti: Arte nell'Ottocento: la pittura e la scultura del Cantone Ticino (1870–1920). Dadò, Locarno 2001. Simona Martinoli: Guida d’Arte della Svizzera Italiana. GSK, Bellinzona 2007, S. 132, 133, 135, 138, 143, 144, 148, 316, 321.
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Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Schweiz) Kategorie:Italiener Kategorie:Porto Ceresio Kategorie:Geboren 1860 Kategorie:Gestorben 1933 Kategorie:Mann