mini|Aufgeschlagenes Gotteslob Gotteslob ist der Titel des ersten gemeinsamen Gebet- und Gesangbuchs für alle deutschsprachigen römisch-katholischen Bistümer mit Ausnahme der Schweiz und Liechtensteins. Das 1975 erschienene Buch enthält Texte und Lieder für die Liturgie und für das Gebet der Gläubigen allein oder in Gemeinschaft. Vom 1. Advent 2013 bis Juli 2014 wurde es schrittweise abgelöst durch ein neues Gebet- und Gesangbuch der katholischen Bistümer Deutschlands, Österreichs und Südtirols, das ebenfalls den Namen Gotteslob trägt.
Entstehung und Entwicklung Bemühungen um ein Einheitsgesangbuch im 19. und 20. Jahrhundert Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland eine Diskussion um ein Allgemeines deutsches Kirchengesangbuch, angestoßen von dem Münsteraner Alttestamentler Bernhard Schäfer.Bernhard Schäfer: Einheit in Liturgie und Disciplin für das katholische Deutschland. 1891, referiert in: Philipp Harnoncourt: Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1974, ISBN 3-451-16742-5, S. 377. Bedenken wurden geäußert, weil man Einbußen im Kirchengesang befürchtete, wenn durch ein solches Buch in vielen Bistümern neue Melodien zu bekannten Kirchenliedern eingeführt werden sollten. Der Cäcilienverband befürwortete stattdessen zunächst die Erstellung einer Liste mit Einheitsliedern. Eine solche Liste mit 23 Liedern, zusammengestellt von Hermann Müller,Fabian Weber (Bearb.): Die Kardinalprotektoren, Generalpräsides und Präsidenten des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes für Deutschland. 3. Fassung. Regensburg, Mai 2019, S. 31. gab die Fuldaer Bischofskonferenz am 23. August 1916 heraus. Jedoch gelang es wegen des Ersten Weltkrieges nicht, diese Liste in den deutschen Bistümern einzuführen.Philipp Harnoncourt: Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1974, ISBN 3-451-16742-5, S. 378–390.
Eine gewisse Bedeutung als überdiözesanes geistliches Liederbuch bekam das 1938 in privater Herausgeberschaft erschienene Liederbuch Kirchenlied, das in mehreren Auflagen mit weit über einer Million Exemplaren weite Verbreitung fand.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ergab sich in vielen Bistümern die Notwendigkeit, neue Gebet- und Gesangbücher zu erstellen, da die bestehenden vergriffen, verschlissen oder textlich überholt waren. Zudem waren durch die Flüchtlingsströme und die wirtschaftlichen Binnenwanderungen innerhalb Deutschlands in den Gemeinden Menschen zusammengeführt worden, die nur wenig gemeinsames christliches Liedgut hatten.
Unter Leitung des Trierer Bischofs Franz Rudolf Bornewasser war seit 1942 eine neue Liste von 74 Einheitsliedern erarbeitet und am 29. Juni 1947 von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegeben und als „Pflichtlieder“ zur Aufnahme in die Kirchengesangbücher aller deutschen Diözesen vorgeschrieben worden. Ein deutschsprachiger Einheitstext für die gemeinsam zu sprechenden Teile der Heiligen Messe in der Gemeinschaftsmesse lag seit 1928 vor und wurde in zahlreiche „Volksmessbücher“ und mehrere Diözesangebetbücher übernommen; er blieb bis Mai 1971 der gültige deutsche Einheitstext für den Ordo Missae und den Kanon der deutschen Messe.Adam Gottron: Singende Gemeinde. Briefe zur kirchenmusikalischen Praxis. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1935, S. 32; Philipp Harnoncourt: Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1974, ISBN 3-451-16742-5, S. 392.
Die Deutsche Liturgische Kommission begann 1946 mit den Vorarbeiten zu einem Einheits-Gebetbuch; hauptverantwortlich war der Kölner Priester Theodor Schnitzler. Das Material lag bis 1949 vor; eine Verzögerung war entstanden, weil das Messantiphonar aufgenommen werden sollte, das auf der Grundlage des Deutschen Psalters von Romano GuardiniDeutscher Psalter, nach der lateinischen Ausgabe Papst Pius' XII., übersetzt von Romano Guardini im Auftrag der deutschen Bischöfe, Kösel-Verlag, München 1949. parallel erarbeitet wurde. Im Herbst 1949 erschien in Köln die Broschüre Die einheitlichen Gebete und Lieder der deutschen Bistümer und wurde den deutschen Bistümern zugesandt. Zahlreiche Bistümer hatten inzwischen jedoch bereits eigene Diözesangebetbücher herausgebracht, so dass die Gelegenheit zur Einführung eines einheitlichen Buches verstrichen war.Philipp Harnoncourt: Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1974, ISBN 3-451-16742-5, S. 393.
Entstehung des Gotteslobs ab 1963 mini|Gebet- und Gesangbuch, herausgegeben vom bischöflichen Ordinariat Mainz, 26. Auflage, 1968, Vorworte: Albert Stohr (1952), Herman Volk (1963), Anhang: Kirchenlieder unserer Brüder aus dem Osten. Aus dem Vorwort von Hermann Volk: „Das Buch ist geeignet, im Sinne der Verhandlungen des II. Vatikanischen Konzils die Feier der Gottesdienste zu beleben und das persönliche Beten anzuregen […]“ Das Einheitsgesangbuch Gotteslob entstand dann erst Jahrzehnte später infolge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils, um den Gläubigen in jeder deutschsprachigen Region die aktive Gottesdienstteilnahme zu ermöglichen. Zudem wurde eine Teilharmonisierung mit dem Liedgut der evangelischen Kirchen angestrebt, um die Gestaltung ökumenischer Gottesdienste zu erleichtern und zu bereichern.
Die Fuldaer Bischofskonferenz beschloss im August 1963, ein einheitliches Gebet- und Gesangbuch für alle Bistümer Deutschlands herauszugeben – also noch bevor das Konzil seine Konstitution über die Heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium verabschiedete –, und setzte dafür zwei Kommissionen ein. Der Kommission für den Gebets-Teil saß der Mainzer Bischof Hermann Volk vor, der Kommission für den Lied-Teil der Limburger Bischof Wilhelm Kempf. Um die in der DDR gelegenen Bistümer einzubeziehen, gingen die Kommissionen dazu über, sich in Österreich und der Schweiz zu treffen. Vorgesehen war ein einheitliches Buch mit der Möglichkeit für die einzelnen Diözesen, Eigengut hinzuzufügen.Philipp Harnoncourt: Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1974, ISBN 3-451-16742-5, S. 413. Die Österreichische Bischofskonferenz beschloss am 29. März 1966 die volle Mitarbeit der katholischen Kirche Österreichs. Für die Schweiz bestanden Verbindungen zu den Bearbeitern des dortigen Kirchengesangbuches (KGB), doch waren die Schweizer Bistümer am Projekt eines Einheitsgesangbuches nicht beteiligt.Philipp Harnoncourt: Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1974, ISBN 3-451-16742-5, S. 414–418.
1969 schlossen sich die beiden Kommissionen zu einer „Hauptkommission“ (EGB-Kommission) mit dem deutschen Weihbischof Paul Nordhues (Paderborn) als erstem und Weihbischof Eduard Macheiner (Salzburg) als zweitem Vorsitzenden zusammen; der Mainzer Pfarrer und Hauptschriftleiter der Zeitschrift Gottesdienst, Josef Seuffert, wurde Sekretär der Kommission. Sachfragen wurden in Subkommissionen zu den Themenbereichen Lieder und Gesänge, Psalmodie, Stundengebet, Wortgottesdienste und Andachten, Litaneien, Sakramente und Sakramentalien, Buße und Beichte, Einzelgebete, Kinderproprium sowie Aufbau des Einheitsgesangbuchs bearbeitet.Philipp Harnoncourt: Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1974, ISBN 3-451-16742-5, S. 421. Dabei musste inhaltlich und personell Rücksicht genommen werden auf die gleichzeitig erfolgende Umsetzung der vom Konzil beschlossenen Liturgiereform. Bei der Erarbeitung waren das Spannungsverhältnis zwischen Einheitlichkeit und lebendiger Vielfalt sowie zwischen Altem und Neuem, zwischen Tradition und Fortschritt zu klären. Besondere Beachtung erhielten die Messgesänge in deutscher Sprache. Von einer Aufnahme von neuen geistlichen Liedern, wie sie in der Zeit zahlreich entstanden, sah man zugunsten eines eigenen Liederheftes Gesänge der Jugend oder ähnlich ab.Philipp Harnoncourt: Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1974, ISBN 3-451-16742-5, S. 423 f. und 432 f.
Um auch eine ökumenische Orientierung des Buches zu befördern, konstituierte sich 1969 die Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut (AÖL), in der neben der EGB-Kommission die EKD, die Evangelisch-reformierten Kirchen der Schweiz, die Evangelischen Freikirchen und die Altkatholische Kirche in den deutschsprachigen Ländern stimmberechtigt mitarbeiteten, die Evangelische Kirche in Österreich als Gast. 1973 legte die Kommission das ökumenische Gesangbuch Gemeinsame Kirchenlieder – Gesänge der deutschsprachigen Christenheit mit 102 Liedern in „ökumenischer Fassung“ vor, die in großer Zahl ins Gotteslob übernommen wurden.Philipp Harnoncourt: Gesamtkirchliche und teilkirchliche Liturgie. Studien zum liturgischen Heiligenkalender und zum Gesang im Gottesdienst unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Sprachgebiets. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 1974, ISBN 3-451-16742-5, S. 428–432.Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut (Hrsg.): Gemeinsame Kirchenlieder. Gesänge der deutschsprachige Christenheit. Verlag Merseburger GmbH Berlin/Verlag Friedrich Pustet Regensburg/Evangelischer Presseverband Wien/Styria Verlag Graz/Theologischer Verlag Zürich/Union Druck und Verlag AG Solothurn, Berlin/Regensburg 1973, ISBN 3-87537-008-2 (Merseburger GmbH), ISBN 3-7917-0356-0 (Pustet) (Herausgegeben im Auftrag der christlichen Kirchen des deutschen Sprachbereichs).
1972 erschien die erste Vorauspublikation Gesänge zur Messfeier, Ende 1972 ein erstes „Rohmanuskript“ und 1973 das „definitive Manuskript“. Die Bischofskonferenzen Deutschlands und Österreichs beschlossen Ende September 1973 grundsätzlich die baldige Herausgabe; nachdem bis April 1974 noch Anregungen seitens der Bischöfe und einzelne offene Fragen geklärt worden waren, erschien Gotteslob im März 1975.
Zuletzt wurde eine modernisierte Fassung von 1996 verwendet. In Texten des 20. Jahrhunderts wurden darin im Sinne einer inkludierenden Sprache die Wörter „Brüder“ und „Söhne“ durch geschlechterübergreifende Formulierungen ersetzt.Christof Emanuel Hahn: Neudruck der Stammausgabe „Gotteslob“. In: Heiliger Dienst 50 (1996), , S. 97–104.Norbert Weidinger: Das „Gotteslob“ und die inklusive Sprache. In: Katechetische Blätter 119 (1994) Nr. 12, , S. 876. Nr vonNr bisStammteil140IPersönliche Gebete41100IIChristliches Leben aus den Sakramenten101568III Das Leben der Gemeinde im Kirchenjahr569665IVGemeinschaft der Heiligen665800VWortgottesdienst, Stundengebet, Andachten
Neuausgabe 2013