300px|mini|Lage 300px|mini|Luftaufnahme des Ortskerns (2020)
Cadolzburg (veraltet auch Kadolzburg; fränkisch „Sporch“, gesprochen [], oder auch Kalsch-buachW. Wiessner: Stadt und Landkreis Fürth. S. 21. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „kalschbuʳch“.) ist ein Markt im Landkreis Fürth (Regierungsbezirk Mittelfranken, Bayern). Namensgebend und zentral gelegen ist die im Jahr 1157 erstmals erwähnte Burg.
Geographie Geographische Lage Der Ort liegt etwa acht Kilometer westlich von Fürth. Die Topographie weist beträchtliche Höhenunterschiede auf. Das liegt auch an den verschiedenen Erhebungen vom Cadolzburger Höhenzug.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind: (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Veitsbronn Seukendorf Fürth Zirndorf Ammerndorf Großhabersdorf Langenzenn
Gemeindegliederung Es gibt 16 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöde Fallmeister zählt zum Gemeindeteil Cadolzburg.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Cadolzburg, Deberndorf (Gemarkungsteil 0), Roßendorf und Steinbach. Die Gemarkung Cadolzburg hat eine Fläche von 5,301 km². Sie ist in 2944 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1800,65 m² haben.
Geschichte Mittelalter Der Ort wurde 1157 erstmals urkundlich erwähnt, als der Vogt von Kadolzburg, ein „Helmericus de Kadoldesburc“Burgschloss Cadolzburg einem Gütertausch des Bistums Würzburg und des Klosters Heilsbronn zustimmte. Der Ortsname lässt sich erklären als Kadolds Burg (Burg des Kadold). Geht sie auf den Grafen Kadold zurück, der um 793 das Kloster Herrieden gründete, wäre sie eine frühmittelalterliche Befestigung aus dem 8. Jahrhundert gewesen. Wahrscheinlicher ist, dass sie im frühen 11. Jahrhundert aus einer Allodialherrschaft der Abenberger hervorgegangen ist.W. Wiessner: Stadt und Landkreis Fürth. S. 21.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 49. Aus dieser frühen Zeit ist allerdings nichts erhalten geblieben. Die ältesten bekannten Anlagen der Burg entstanden um 1250 unter den Hohenzollern, dem Nürnberger Burggrafen Konrad I. und dessen Sohn Friedrich III., als sie die Cadolzburg zu ihrer Residenz ausbauten. Zum ersten Mal als Besitzer der Anlage wurde diese Adelsfamilie im Jahr 1265 in einer Urkunde genannt, in der die Burg als „castrum nostrum in Cadolspurch“ bezeichnet wurde. 1397 erhielt Friedrich VI. das „untergebirgische“ Land mit der Residenz Cadolzburg zugeteilt. 20 Jahre später erhielt er die Kurfürstenwürde von Brandenburg und wurde zum Ahnherrn der preußischen Könige und der deutschen Kaiser seit 1871. Unter seinem Sohn Albrecht Achilles von Brandenburg wurde die Cadolzburg eine Jagdresidenz. Ab 1443 hatte man zunächst um den Ort einen Palisadenzaun errichtet. Klug geworden nach Brandschatzungen während des Ersten Markgrafenkrieges baute man den Schutz nach 1449 aus. Man versuchte, sich vor Angreifern mit einer Mauer aus Steinquadern abzusichern, die mit zahlreichen Bastionen versehen wurde und sich in einem Oval zwischen Torturm und der Burg erstreckte.Sabine Rempe: Auf der Suche nach der Stadtmauer von Cadolzburg 23. nordbayern.de, 9. September 2013 In der Mitte des 14. Jahrhunderts war die Schreibweise „Cadelspurgk“ des Ortsnamens gebräuchlich und erscheint so in zahlreichen Dokumenten der Reichsstadt Nürnberg. Als Teil des Fürstentums Ansbach gehörte der Ort von 1500 bis 1806 zum Fränkischen Reichskreis.
Neuzeit Im Dreißigjährigen Krieg war der Ort im Herbst 1631 schweren Plünderungen ausgesetzt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Cadolzburg ca. 120 Anwesen. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Cadolzburg aus. Grundherren waren das Kastenamt Cadolzburg (Schloss, Wildmeisterwohnung, 2 Torhäuser, Brauhaus, 2 Schmieden, Badstube, 2 Wirtshäuser, 2 Halbhöfe, 105 Häuser, 1 Ziegelhütte) und die Pfarrei Cadolzburg (2 Güter).H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth. S. 107.
Von 1797 bis 1808 unterstand Cadolzburg dem Justiz- und Kammeramt Cadolzburg. 1806 kam der Ort zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Cadolzburg gebildet. 1810 wurde die Munizipalgemeinde Cadolzburg gegründet, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Cadolzburg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Cadolzburg (1919 in Finanzamt Cadolzburg umbenannt). 1818 wurde Cadolzburg zum Markt mit dem Magistrat III. Klasse ernannt.H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth. S. 227. Ab 1862 gehörte Cadolzburg zum Bezirksamt Fürth (1939 in Landkreis Fürth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Cadolzburg (1879 in das Amtsgericht Cadolzburg umgewandelt), seit dem 1. März 1931 wird sie vom Amtsgericht Fürth wahrgenommen. Die Finanzverwaltung hat seit 1. Januar 1929 das Finanzamt Fürth. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 4,486 km².
Das zu Cadolzburg gehörende Landgut Pleikershof befand sich von 1936 an im Besitz des vom Internationalen Militärgerichtshof zum Tode verurteilten und hingerichteten NS-Gauleiters Julius Streicher. Der Hof wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der amerikanischen Militärregierung beschlagnahmt. Ab Juli 1945 lebten dort zunächst ukrainische und russische Wissenschaftler eines landwirtschaftlichen Instituts, die das Landgut aber für jüdische Displaced Persons wieder räumen mussten. Zwischen Dezember 1945 und dem Jahreswechsel 1948/49 befand sich auf dem Hof ein DP-Lager und der Kibbuz Nili, in dem junge Juden eine landwirtschaftliche Ausbildung erhielten, die sie auf ihre Auswanderung nach Israel vorbereitete.Bernd Siegler, Jim G. Tobias: Der Kibbuz auf dem Streicher-Hof. Online auf Medienwerkstatt Franken e. V., 1996 & Thies Marsen/Jim G. Tobias: Kibbuz auf Nazi-Hof – Anlaufstelle für Shoah-Überlebende, Audio-Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur, 17. November 2023
Eingemeindungen Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 der größte Teil der Gemeinde Deberndorf eingegliedert, am 1. Juli 1972 kam die damalige Gemeinde Roßendorf hinzu. Am 1. Mai 1978 folgten Steinbach und der Gemeindeteil Seckendorf der aufgelösten Gemeinde Horbach.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Cadolzburg Jahr 1987 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 201720252026Einwohner 8.003 10.130 10.180 10.224 10.297 10.323 10.392 10.470 10.683 10.741 10.976 11.07311.20311.779Häuser 2052 3100 3168 3197 3221Quelle
Ort Cadolzburg (=Gemeinde Cadolzburg bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987Einwohner 976 1298 1333 1342 1344 1345 1319 1285 1237 1227 1280 1417 1494 1584 1655 1747 1870 2025 2215 3160 3309 3296 3480 3811 4257HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 136 165 212 216 228 239 300 388 554 1059Quelle Cadolzburg: 1293 Einwohner, 164 Häuser; Fallhaus: 5 E., 1 H. Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 1301 Einwohner. Cadolzburg: 1312 Einwohner; Fallmeisterei: 7 E. Cadolzburg: 1218 Einwohner, 215 Wohngebäude; Fallmeisterei: 9 E., 1 Wgb.
Politik Marktgemeinderat Bis 2002 hatte der Marktgemeinderat 20 Mitglieder, seit der Kommunalwahl 2008 sind es 24. mini|Rathaus Cadolzburg Wahl CSU/FWG SPD Grüne PWG Freie Wähler BfC Die Linke Sitze gesamt WahlbeteiligungSitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze% 2002 8 8 1 2 1 –––– 202008 12 6 1 4 1 –––– 242014 11 43,7 6 25,1 2 8,8 3 13,6 2 8,9–––– 2465,8 %2020 10 42,5 4 17,3 4 16,4 –– 4 17,6 1 3,6 1 2,7 24 65,0 % 2020 kooperierten die FW (Freien Wähler) mit der PWG (Parteilose Wählergemeinschaft Cadolzburg). Die CSU tritt schon sehr lange gemeinsam mit der FWG an (Freie Wählergemeinschaft Cadolzburg).
Zur Kommunalwahl 2020 zogen erstmals Die Linke und die BfC (Bürger*innen für Cadolzburg) in den Gemeinderat ein.
Bürgermeister Von 1978 bis 2002 war Claus Pierer (SPD) Erster Bürgermeister, dem Bernd Obst (CSU) folgte. Am 2. März 2008 wurde dieser mit 79 % der Stimmen gegen Hermann Zempel (SPD) mit 21 % wiedergewählt. Am 16. März 2014 wurde Obst mit 76 % der Stimmen im Amt bestätigt, gegen ihn trat Diana Eichhorn (SPD) an, die 24 % der Stimmen erhielt. Zur Kommunalwahl 2020 trat Amtsinhaber Obst gemeinsam für CSU und FWG an und konnte sich mit 79 % gegen Angelika Abram (SPD) durchsetzen.
Nachdem Obst als Nachfolger Matthias Dießls zum Landrat gewählt worden war, wurde der Bürgermeisterposten zum 1. Januar 2024 vakant. Die Neuwahl fand am 3. März statt. In der Stichwahl am 17. März 2024 konnte sich Sarah Höfler als gemeinsame Kandidatin von SPD und BfC mit 56,9 % der Wählerstimmen gegen ihre Hauptkonkurrentin Claudia Augustin (CSU/FWG) durchsetzen.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist grün-weiß-gelb.
Gemeindepartnerschaften Die Partnergemeinden sind: Le Palais-sur-Vienne, Département Haute-Vienne im westlichen Frankreich Mauterndorf in Österreich, Land Salzburg Ulten in Südtirol
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Burg
Der Name des erstmals 1388 erwähnten Marktes geht auf die 1157 ersterwähnte Cadolzburg zurück, damals Kadoldesburc, „Burg des Kadold“. Der vermutete erste Besitzer und ursprüngliche Bauherr könnte Graf Cadolt gewesen sein, ein fränkischer Grundherr in der Zeit Karls des Großen, der um 793 das Kloster Herrieden gegründet und es dem König geschenkt hatte. Die Cadoltsburg könnte sein Hauptsitz gewesen sein.
Der heutige Baubestand der Burganlage stammt jedoch aus der Zeit vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Über die Abenberger gelangte die Burg auf dem Erbweg an die Hohenzollern. Die ältesten Bauteile stammen aus der Zeit um 1250, als Burggraf Konrad I. von Nürnberg und später sein Sohn Friedrich III. von Nürnberg die Cadolzburg zur Residenz ausbauten. 1260 verlegten die Burggrafen ihren Hauptsitz von der Nürnberger Burggrafenburg, wo sie seit etwa 1192 amtiert hatten, auf die Cadolzburg, die damit zum eigentlichen Herrschaftssitz der Burggrafschaft Nürnberg wurde.
mini|hochkant|links|Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg als Stifterfigur auf dem um 1420 von ihm gestifteten Cadolzburger Altar. Er starb 1440 auf der Cadolzburg. 1398 erbten die Brüder Johann III. und Friedrich VI. die Burggrafschaft. 1427 verkauften sie das Burggrafenamt und die Burggrafenburg an die Reichsstadt Nürnberg, nicht aber die umliegenden Gebiete der Burggrafschaft, die ihre Vorfahren durch Erbschaften und Käufe erheblich vergrößert hatten. Diese teilten sie in das „obergebirgische Land“ und das „untergebirgische Land“ auf, aus denen später das Fürstentum Bayreuth und das Fürstentum Ansbach hervorgingen. Bereits 1397 hatte Friedrich VI. das „untergebirgische“ Land mit der Residenz Cadolzburg übernommen und lebte hier mit seiner Gemahlin Elisabeth von Bayern-Landshut, der „schönen Els“. Er ließ den kleinen Ort planmäßig vergrößern. Durch Feldzüge und Fehden war Friedrich aber zunächst so verarmt, dass er erwog, die Hofhaltung auf der Cadolzburg aufzugeben und zu seinem Bruder auf die Plassenburg zu ziehen. Abhilfe kam dadurch, dass er in die Dienste König Sigismunds trat. Dieser betraute ihn mit verschiedenen Missionen und machte ihn 1411 zum Landeshauptmann der Mark Brandenburg. Da Friedrich den räuberischen und aufmüpfigen Adel dort erfolgreich unterwarf, wurde er 1415 mit der Mark belehnt und 1417 offiziell zum Kurfürsten ernannt. Fortan hieß er Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg. Er pendelte dann zwischen der damaligen brandenburgischen Hauptresidenz, der Burg Tangermünde an der Elbe, und der Cadolzburg, die er grundlegend umbauen ließ und wo er 1440 starb. Seiner Frau, die ihn bei seinen häufigen Abwesenheiten als kluge Regentin vertrat, erbaute er die Wasserburg Ansbach als Witwensitz, wo sie 1442 starb.