Diese Übersicht zu Fotografen im Kanton Tessin gibt zuerst einen Überblick und listet danach einige Männer und Frauen einzeln auf, die im italienischsprachigen Kanton Tessin fotografiert haben.
Geschichte Gemäss Historischem Lexikon der Schweiz waren die wichtigsten Fotografen der italienischsprachigen Schweiz Antonio Rossi, der 1841 in Locarno ein sogenanntes fotografisches Kabinett für Daguerreotypien eröffnete, und Angelo Monotti, der im Tessin erste Panorama-Ansichten fotografierte. In Lugano führte Grato Brunel mit seinem Zwillingsbruder Ludovico Brunel als Erster einen 1862 eröffneten Salon für Fotografie.Das Tessin und seine Fotografen Ausstellung im Kunsthaus Zürich: Tessiner Fotografie ›‹ 40 Fotografinnen und Fotografen. In: Der Bund. 17. Februar 1988. mini|Kinder in Locarno, circa 1900, Foto Rudolf Zinggeler Antonio Rossi (1823–1898) gilt als der erste Fotograf des Tessins.Von Rossi bis Pedroli. In: Der Bund. 17. Februar 1988. Zu dieser Zeit war die Fotografie noch den Gegebenheiten des täglichen Lebens und der Natur gewidmet. Wanderfotografen wie Roberto Donetta (1865–1932) zogen durch die Täler, während Stadtfotografen wie Grato Brunel (1840–1920) in Lugano ihre Ateliers eröffneten. Eugenio Schmidhauser (1876–1952) porträtierte Dorfbarbiere und Kesselflicker und bewegte sich dabei bereits zwischen Klischee-Idylle und realistischer Darstellung. Auch einen der ersten Fotojournalisten, Gino Pedroli, der 1986 verstarb, faszinierte das Tessiner Leben mit seinen Traditionen. So unterschiedlich die Intentionen der Fotografen waren, so unterschiedlich gestalteten sich auch die Themen: von der Schönheit der Landschaft und Natur über Porträts bis hin zur Arbeitswelt und Katastrophen. Reportagen können einen politisch engagierten Blick zeigen, wie jene von Pia Zanetti zu Südafrika, oder ethnografischer Art sein, wie Adriano Heitmanns Portfolio über Mexiko.
Kurzbiografien (Alphabetisch nach Familiennamen geordnet)
Fiorenza Bassetti Fiorenza Bassetti (* 1948) studierte in Paris, Rom und Mailand Malerei. Von 1974 bis 1978 vertiefte sie das Handwerk des Kupferstichs in Urbino, Venedig und Paris. Sie konzentrierte sich zunächst auf die Gravierkunst und wandte sich später auch der Malerei, der Fotografie, der Collage, der Computerkunst, der Skulptur und der Installation zu. Sie gewann 1981 in Paris den ersten Preis im «Grand prix de la photo pour femmes».Il Ticino e i suoi fotografi: fotografie dal 1858 ad oggi / Das Tessin und seine Photographen: Photographien von 1858 bis heute. Red. Walter Binder et al. Benteli, Bern 1987, ISBN 3-7165-0596-X, S. 276. Sie nahm an zahlreichen Ausstellungen auch zur Fotografie teil.
Armin Berner Armin Berner (1896–1992) stammte aus Unterkulm (Kanton Aargau).Storie di fotografia: il Ticino, i Ticinesi e i loro fotografi nella collezione fotografica dell’Archivio di Stato: 1855–1930. Hrsg. von Gianmarco Talamona, Edizioni dello Stato del Cantone Ticino, Bellinzona 2020, ISBN 978-88-904992-3-4 (PDF; 4,2 MB), S. 164 Nach seiner Ausbildung zum Zahntechniker heiratete er 1919 Chiarina Bonzanigo aus Bellinzona. Diese war um 1924 als Fotografin tätig, 1926 eröffnete ihr Ehemann ein Geschäft für Fotografien und Postkarten in der Viale Stazione (Palazzo Resinelli). Als begeisterter Kinoliebhaber drehte Berner einige Filme, darunter eine Dokumentation über den Erdrutsch am Motto d’Arbino (1928) und L’attività femminile nell’agricoltura ticinese (Die Tätigkeit der Frauen in der Tessiner Landwirtschaft), der auf der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) gezeigt wurde. Seiner Leidenschaft für das Kino folgend, verliess er 1930 Bellinzona und zog nach Berlin, wo er mit der Filmgesellschaft Universum Film (UFA) zusammenarbeitete und eine Karriere als Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur begann. Das Fotostudio in Bellinzona wurde von seiner Frau fortgesetzt.
Stefania Beretta Stefania Beretta (* 1957) lernte Fotografin in Bellinzona, 1984 bis 1986 besuchte sie Studienkurse in Schaffhausen, Mailand und Arles. Sie zeigte 1986 eine Einzelausstellung in Gstaad und war beteiligt an Kollektivausstellungen in Lausanne, Bellinzona, Mailand und Nyon. Sie arbeitete hauptsächlich im Bereich der fotografischen Reproduktion von Kunstgegenständen und Architektur und an Kunst- und Architekturzeitschriften sowie an Katalogen. Diverse Institutionen, beispielsweise die Società Ticinese di Belle Arti oder die Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr, verliehen Beretta Stipendien für ihr künstlerisches Schaffen und ermöglichten ihr Aufenthalte in London, Vilnius, Bogliasco oder Paris.Stefania Beretta
Lorenzo Bianda Lorenzo Bianda, 1956 geboren in Locarno, absolvierte eine Grafiker- und Fotografenlehre und studierte danach Ciné-Video und Filmregie in Paris. Er publizierte Bücher und nahm an zahlreichen Fotoausstellungen und Video-Festivals teil. Er spezialisierte sich auf Sach- und Architekturfotografie sowie Videos.Lorenzo Bianda
Chiarina Bonzanigo Chiarina Meuli Bonzanigo (1896–1952) wurde in Bellinzona geboren und heiratete 1919 Armin Berner. Im Jahr 1924 arbeitete sie als Fotografin in Bellinzona («Ch. Bonzanigo – Bellinzona»). Im Jahr 1926 eröffnete ihr Mann ein Fotostudio in der Viale Stazione (Palazzo Resinelli), in dem sie mitarbeitete. Nach Berners Abreise nach Deutschland im Jahr 1930 übernahm Chiarina Berner Bonzanigo die Leitung des Studios und heiratete später Giacomo Meuli, der sich der Firma anschloss. Das «Bonzanigo & C. Photo Haus» war bis 1944 tätig. Chiarina Meuli Bonzanigo starb 1952 in Zürich.
Grato Brunel Grato Brunel (1840–1920) studierte Architektur in Marseille, wo seine Grosseltern wohnten, und erlernte den Beruf des Fotografen. Nach seiner Rückkehr 1862 eröffnete er ein Fotogeschäft in Lugano. Er erhielt den 1. Preis einer internationalen Fotoausstellung in Como (Aufnahme von Bernardino Luinis Kruzifix in S. Maria degli Angioli, Lugano) und fertigte mehrere fotografische Platten zur Kathedrale S. Lorenzo in Lugano. Er war ein enger Freund des Bildhauers Vincenzo Vela, dessen sämtliche Werke er fotografierte. Sein Spitzname: vecchio Grà-papà dei fotografi. Sein nach Argentinien ausgewanderter Zwillingsbruder Ludovico besass später ein Fotostudio in Bellinzona. Von seinen acht Söhnen wurden vier Fotografen, Luigi, Antonio, Athos und Edoardo.
Giosanna Crivelli Giosanna Crivelli (* 25. Januar 1949 in Lugano; † 21. November 2017 in Sorengo) war eine Schweizer Fotografin. Von 1971 bis 1973 besuchte sie die Bayerische Staatsanstalt für Fotografie in München. Anschliessend arbeitete sie als Pressefotografin bei Keystone in Zürich und besuchte Workshops bei verschiedenen Fotografen. 1975 machte sie sich selbständig, wobei sie sich vorwiegend mit Landschafts- und Reportagefotografie befasste. Ihre Bilder publizierte sie in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern, beispielsweise in der Neuen Zürcher Zeitung oder der Illustrazione Ticinese.
Im Archivio di Stato del Cantone Ticino befinden sich folgende Fotoserien:
Spazio Greina (2008): 139 Fotos dokumentieren in vielfältigen Perspektiven und zu unterschiedlichen Jahreszeiten die Landschaften der Greina-Hochebene an der Grenze zwischen den Schweizer Kantonen Tessin im Westen und Graubünden im Osten. Die Motive umfassen markante Gipfel wie Piz Terri, Piz Vial, Piz Gaglianera und Piz Coroi, Winter- und Sommeransichten, Gletscherformationen (Ghiacciaio Medel), naturbelassene Täler (Val Canal, Valle di Güida) sowie Wege, Spuren im Schnee und Fauna wie Steinböcke und Gämsen. Mehrere Aufnahmen zeigen die Capanna Terri und Capanna Scaletta sowie Alpwirtschaft (Alpe Motterascio, Alpe di Camadra). Thematisch finden sich Fels- und Eisformationen, Schneestrukturen und Alltagsmomente des Wintersports. Parco del Piano di Magadino (2009): Umfangreiche fotografische Dokumentation des Parco del Piano di Magadino mit fast 2000 Bildern. Die Serie umfasst Landschaftsaufnahmen, Feuchtgebiete, Flussräume, Kulturland, Flora und Fauna sowie Wege, Infrastrukturen und landwirtschaftliche Nutzung. Maggia – Paessaggi di vita quotidiana (2014): Die Serie mit 25 Fotografien zeigt Alltagslandschaften im Maggiatal: Dorfstrukturen, Wege, Flussräume, Menschen im Alltag, einfache ländliche Szenen und die topografische Einbettung des Tals. I luoghi del respiro (2014): Eine Serie von 69 Fotografien, die Orte der Ruhe und des Atems im weitesten Sinn dokumentieren: Landschaften, abgelegene Wege, Übergänge, Lichtstimmungen und Naturfragmente. Thematisch stehen Atmosphäre, Leere und Wahrnehmung der Landschaft im Mittelpunkt.
Dona De Carli Dona De Carli (geboren am 21. Dezember 1950 in Locarno), auch bekannt unter dem Namen Dona De-Carli, ist eine Schweizer Künstlerin, die mit Fotografie, Film, Video und Performance-Kunst arbeitet. Sie lebt und arbeitet im Tessin. Von 1970 bis 1974 arbeitete Dona De Carli als fotografische Assistentin bei René Groebli in Zürich. Später besuchte sie Fotografiekurse in München und Arles und studierte von 1978 bis 1979 Bühnenbild an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand. Im Anschluss liess sie sich bei RSI Radiotelevisione svizzera zur Kamerafrau ausbilden. Seit 1976 arbeitet De Carli als freischaffende Fotografin in Locarno und befasst sich seit 1981 auch mit Video- und Aktionskunst.
Roberto Donetta mini|200px|Roberto Donetta: Selbstporträt (1932)Roberto Donetta (1865–1932) war Hausierer und Wanderfotograf.Il Ticino e i suoi fotografi: fotografie dal 1858 ad oggi / Das Tessin und seine Photographen: Photographien von 1858 bis heute. Red. Walter Binder et al. Benteli, Bern 1987, ISBN 3-7165-0596-X, S. 277. Er handelte mit Saatgut und hielt mit seinem Fotoapparat Ereignisse des Bleniotals fest: Hochzeiten, Taufen und auch Dinge des täglichen Lebens oder auch die Natur, die Arbeit oder die Freizeit in der Osteria. Von Donetta existieren noch rund 5000 Glasplatten sowie einige hundert Originalabzüge. Die Casa Rotonda Donetta in Corzoneso beherbergt seit 2003 das Archivio Donetta.
Margarethe Marianne Fellerer Margarethe Marianne Fellerer (1885–1961) war eine österreichisch-schweizerische Fotografin und Anthroposophin. Sie liess sich zwischen 1909 und 1910 in Ascona nieder und lebte später im Haus Cà del Sass auf dem Monte Verità. Als ihr der Bruder Max Anfang der 1930er-Jahre eine Fotokamera schenkte, begann sie, das kulturelle und künstlerische Leben von Ascona fotografisch zu dokumentieren.
Liliana Holländer Liliana Holländer ist eine Schweizer Fotografin, die vor allem durch ihre umfangreiche dokumentarische Tätigkeit im Kanton Tessin seit den 1960er-Jahren hervorgetreten ist und dessen kulturelles, politisches und gesellschaftliches Leben in zahlreichen Fotografien festhielt. Zu ihren charakteristischen Arbeiten zählen folgende Beispiele ihres fotografischen Schaffens:
Jean e Marguerite Arp al Ronco dei Fiori (1965): Das Foto zeigt das ehemalige Wohn- und Atelierhaus Ronco dei Fiori des deutsch-französischen Malers Hans Arp und seiner Frau Marguerite in Locarno-Solduno. Adriana Ramelli con Francesco Chiesa, nell’allora Saletta delle esposizioni della Biblioteca cantonale di Lugano, in occasione della mostra allestita per festeggiare il centesimo compleanno dello scrittore (1971): Hier dokumentiert Holländer die Begegnung zwischen der Schweizer Bibliothekarin Adriana Ramelli und dem Schweizer Schriftsteller Francesco Chiesa während der Ausstellung zum 100. Geburtstag Chiesas im Jahr 1971 in der Kantonsbibliothek Lugano. Die folgenden im Archivio di Stato del Cantone Ticino aufbewahrten Fotografien von Holländer dokumentieren prägnante Momente des öffentlichen und kulturellen Lebens im Tessin zwischen 1969 und 1978: Vecchio Pretorio carcere (1969): Die Aufnahme des «Vecchio Pretorio» dokumentiert ein früher genutztes Justiz- und Gefängnisgebäude, das ein Teil der kantonalen Geschichte ist.