Als Schweiß (von mittelhochdeutsch sweiz‚ Schweiß, Blut;Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 691. hidrós, ) wird ein von der Haut des Menschen und anderer Säugetiere über so genannte Schweißdrüsen abgesondertes wässriges Sekret bezeichnet. Die Schweißabsonderung wird als Schwitzen bezeichnet. Die Verdunstung sorgt für eine Regulierung der Körpertemperatur und das saure Milieu von Schweiß hemmt Bakterien in ihrer Ansiedelung und Ausbreitung.Transpiration. Darum schwitzen wir Quarks Auf: quarks.de; abgerufen am 2. Juni 2023

Der Vorgang des Schwitzens wird auch Transpiration, DiaphoreseSpringer Lexikon Medizin. 1. Auflage, Springer, Berlin / Heidelberg / New York u. a. 2004, ISBN 3-540-20412-1, S. 480. oder HidrosisRegine Ribbeck, Ekkehard Wiesner: Wörterbuch der Veterinärmedizin. 2., neu bearbeitete Auflage, Fischer, Stuttgart 1983, ISBN 3-437-20255-3, S. 526. genannt.

Eine übermäßige, krankhafte Absonderung von Schweiß wird als Hyperhidrose bezeichnet, bei einer reduzierten oder völlig fehlenden Schweißproduktion spricht man von Hypo- bzw. Anhidrose.

mini|Schweißtropfen auf einem Gesicht

Schwitzen beim Menschen Zusammen­setzung und Eigenschaften des menschlichen Schweißes Nach der Art ihrer Sekretion werden zwei Arten von Schweißdrüsen unterschieden: sogenannte ekkrine und apokrine Schweißdrüsen.K. Wilke, A. Martin, L. Terstegen, S. S. Biel: A short history of sweat gland biology. In: International Journal of Cosmetic Science. Juni 2007, Band 29, Nr. 3, S. 169–179, PMID 18489347.

Die ekkrinen Schweißdrüsen sind beim Menschen praktisch über den ganzen Körper verteilt und können beträchtliche Mengen eines klaren, geruchlosen Sekretes produzieren, das zu mehr als 99 Prozent aus Wasser besteht. Außerdem enthält der Schweiß Salze, die ihrerseits aus Elektrolyten wie Na+, Cl−, K+ bestehen; daneben noch Lactate, Amino-, Capron-, Capryl-, Citronen-, Essig- und Propionsäure sowie in Spuren Harnstoff und Harnsäure.Y. Kuno: Human perspiration. Charles C Thomas, Springfield 1956, S. 416.S. Rothman, Z. Felsher, P. Flesch, A. B. Lerner, A. L. Lorincz, H. Pinkus, G. C. Wells: Physiology and biochemistry of the skin. The University of Chicago Press, Chicago 1961, S. 741 ff.W. Raab: Die Hautdrüsen. In: Wolfgang Raab, Ursula Kindl: Pflegekosmetik: Ein Leitfaden. 5. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012, S. 18, ISBN 978-3-8047-2761-8. Daneben befinden sich im Schweiß noch Zucker und Ascorbinsäure in geringen Konzentrationen.Yas Kuno: Physiology of human perspiration. J. & A. Churchill, London 1934. Der pH-Wert liegt im sauren Bereich bei pH 4,5.

Im Gegensatz dazu kommen die apokrinen Schweißdrüsen nur in den behaarten Körperarealen der Achsel- und Genitalregion sowie an den (haarlosen) Brustwarzen vor. Sie produzieren geringe Mengen eines milchigen Sekretes, das Proteine und Lipide enthält und annähernd pH-neutral ist (pH 7,2) (siehe auch Wirbeltierpheromone).F. G. Bechara, J. Schmidt, K. Hoffmann, J. Altmeyer: Krankhaftes Schwitzen. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-020348-8, S. 13.

Frischer Schweiß ist völlig geruchlos. Erst der Abbau von langkettigen Fettsäuren zu kürzeren Ketten wie Buttersäure oder Ameisensäure sorgt für den typischen Schweißgeruch. Dafür sind verschiedene zur natürlichen Hautflora zählende Bakterien verantwortlich.John N. Labows, Kenneth J. McGinley, Albert M. Kligman: Perspectives on axillary odor. In: Journal of the Society of Cosmetic Chemists. Band 33, Nr. 4, S. 193–202.S. Kippenberger, J. Havlíček, A. Bernd, D. Thaçi, R. Kaufmann, M. Meissner: 'Nosing Around' the human skin: What information is concealed in skin odour? In: Experimental Dermatology. September 2012, Band 21, Nr. 9, S. 655–659. Eine Ausnahme bildet die Pubertät: Durch verschiedene hormonell bedingte Vorgänge im Körper kann auch frischer Schweiß schon riechen.

Funktionen des Schwitzens

Temperaturregulation Schwitzen – medizinisch auch als Diaphorese (v. griech. „hindurch tragen“) oder Transpiration bezeichnet – ist ein effektiver Mechanismus, um überschüssige Wärme abzugeben und damit die Körpertemperatur zu regulieren: Die Verdunstungswärme von Wasser beim Übergang zum Wasserdampf beträgt 2400 kJ/Liter. Hierzu dient vor allem das volumenreiche wässrige Sekret der ekkrinen Drüsen, die beim Erwachsenen bis zu 2–4 Liter pro Stunde bzw. 10–14 Liter am Tag produzieren können (10–15 g•min−1•m−2).C. Jessen: Temperature regulation in humans and other mammals. Springer, Berlin 2000, S. 193.G. W. Mack, E. R. Nadel: Body fluid balance during heat stress in humans. In: M. J. Fregly, C. M. Blatteis (Hrsg.): Handbook of physiology. Section 4: Environmental physiology. Oxford University Press, New York 1996, S. 187–214.M. L. Sawka, C. B. Wenger, K. B. Pandolf: Thermoregulatory responses to acute exercise-heat stress and heat acclimation. In: M. J. Fregly, C. M. Blatteis (Hrsg.): Handbook of physiolog. Section 4: Environmental physiology. Oxford University Press, New York, 1996, S. 157–185. Das heißt, dass die Verdunstung dieser Schweißmenge eine Wärmeabgabe von 333 W/m² Körperoberfläche (KOF) bedingt – abtropfender Schweiß wird bezüglich Wärmeregulation vergeblich vergossen. Ohne starke körperliche Aktivität oder heiße Umgebung verliert der Mensch ca. 100–200 ml Schweiß pro Tag.

Schweiß kann allerdings nur verdunsten, wenn der Wasserdampfdruck der Luft geringer ist als der an der Hautoberfläche. Die Differenz der Wasserdampf-Partialdrücke von 1 kPa bewirkt eine Wärmeabgabe von 58 W/m² KOF bei Windstille. Je mehr Wind bläst, desto mehr Wärme kann abgeführt werden. Von der Außentemperatur ist die Wärmeabgabe mittels Schwitzen unabhängig.

Perspiratio insensibilis ist eine Form der Wasserausscheidung, die nicht wahrnehmbar ist. Sie besteht aus der Feuchtigkeit der Ausatemluft und der unmerklichen Wasserverdunstung durch die Haut (Diffusion durch die Haut ohne Beteiligung der SchweißdrüsenPschyrembel. 259. Auflage. 2002, S. 1285.). Dadurch entsteht ein täglicher Verlust von 400 bis zu 1000 ml Wasser und gleichzeitig eine Wärmeabgabe, die ca. 20 % der täglich produzierten Körperwärme in Ruhe entspricht.Die tägliche Abgabe von Wasserdampf bei einem körperlich nicht tätigen Menschen beträgt rund 850 – 1000 g bei einer Umgebungstemperatur von 20 °C, nach VDI-Richtlinie 2078. Zitiert in: Klaus Usemann, Horst Gralle: Bauphysik: Problemstellungen, Aufgaben und Lösungen. Kohlhammer, Stuttgart / Berlin / Köln 1997, ISBN 3-17-013213-X, S. 18. (eingeschränkte Buchsicht bei Google-books; abgerufen im Januar 2017.) Während der Flüssigkeitsverlust über die Ausatemluft ein unvermeidbares physikalisches Phänomen darstellt, dient der nicht wahrnehmbare Wasseraustritt der Hydrierung der Haut und der Produktion des Säureschutzmantels.

Starkes Schwitzen mit kalter Haut, so genannte Kaltschweißigkeit, ist häufig bei schwerkranken Patienten (Herzinfarkt, Lungenödem) anzutreffen. Hier dient das Schwitzen nicht der Temperaturregulation, sondern stellt ein Begleitphänomen dar.

Signalwirkung Im Schweiß enthalten sind auch Sexualduftstoffe (Pheromone), so dass dem Schweiß auch bei der Fortpflanzung bzw. der sexuellen Erregung des Sexualpartners Bedeutung zukommt. Bei Tieren ist dies gut erforscht, und Pheromone werden in der Tierzucht zur Steuerung der Empfänglichkeit eingesetzt (siehe auch Jacobsonsches Organ oder Vomeronasalorgan).

Die Bedeutung beim Menschen ist umstritten, da sich das Vomeronasalorgan, das zur Wahrnehmung dieser Geruchsstoffe dient, während der Embryonalperiode zu einem Rudiment zurückbildet. Trotzdem gibt es zahlreiche wissenschaftliche Belege, dass Menschen in ihrem Verhalten durch Schweißgeruchskomponenten beeinflusst werden,A. Prehn-Kristensen, C. Wiesner, T. O. Bergmann, S. Wolff, O. Jansen, H. M. Mehdorn, R. Ferstl, B. M. Pause: Induction of empathy by the smell of anxiety. In: PLOS ONE. 24. Juni 2009, Band 4, Nr. 6, S. e5987.L. R. Mujica-Parodi, H. H. Strey, B. Frederick, R. Savoy, D. Cox, Y. Botanov, D. Tolkunov, D. Rubin, J. Weber: Chemosensory cues to conspecific emotional stress activate amygdala in humans. In: PLoS One. 29. Juli 2009, Band 4, Nr. 7, S. e6415. insbesondere durch das Sekret der apokrinen Schweißdrüsen.S. Kippenberger, J. Havlíček, A. Bernd, D. Thaçi, R. Kaufmann, M. Meissner: ‘Nosing Around’ the human skin: What information is concealed in skin odour? In: Experimental Dermatology. 21. September 2012, Band 21, Nr. 9, S. 655–659.C. Wyart, W. W. Webster, J. H. Chen u. a.: Smelling a single component of male sweat alters levels of cortisol in women. In: The Journal of Neuroscience. Februar 2007, Band 27, Nr. 6, S. 1261–1265, doi:10.1523/JNEUROSCI.4430-06.2007, PMID 17287500. Lay summary – UC Berkeley News (6. Februar 2007). Beim Menschen spielt dies insbesondere im Zusammenhang mit dem emotionalen oder stressbedingten Schwitzen eine Rolle.

Im Unterschied zum thermoregulatorischen Schwitzen (= Schwitzen zum Zweck der Kühlung) tritt das Stress-Schwitzen schlagartig auf. Dieses entsteht auch unabhängig von der Umgebungstemperatur, z. B. bei Stress-Situationen im Büro, bei „Dates“ oder ähnlichen Situationen. Stress-Schweiß wird oft auch als „kalter Schweiß“ bezeichnet. Die in der Stressreaktion freigesetzten Hormone Adrenalin und Noradrenalin verengen die Blutgefäße der Haut und sorgen so für eine Umverteilung des Blutes zugunsten der Muskeln. Die verminderte Durchblutung der Haut senkt deren Temperatur, und die Verdunstung von Schweiß führt zu einer weiteren Abkühlung. Im Gegensatz dazu wird beim thermoregulatorischen Schwitzen, z. B. bei körperlicher Anstrengung, die Hautdurchblutung gesteigert, um möglichst viel Wärme über die Körperoberfläche abzuführen.

Beim emotionalen Schwitzen in der Achsel sind sowohl ekkrine wie auch sogenannte apokrine Schweißdrüsen beteiligt. Apokrine Schweißdrüsen findet man nur in Verbindung mit Haaren der Achsel- und Genitalregion sowie im Bereich der Brustwarze. Sie spielen eine besondere Bedeutung beim axillären emotionalen Schwitzen.T. M. Chalmers, C. A. Keele: The nervous and chemical control of sweating. In: British Journal of Dermatology. 1952, Band 64, Nr. 2, S. 43–54, PMID 8502263.J. A. Allen, D. J. Jenkinson, I. C. Roddie: The effect of β-adrenoceptor blockade on human sweating. In: British Journal of Pharmacology. 1973, Band 47, Nr. 3, S. 487–497, PMID 4147190.J. H. Eisenach, J. L. Atkinson, R. D. Fealey: Hyperhidrosis: evolving therapies for a well-established phenomenon. In: Mayo Clinic Proceedings. 2005, Band 80, Nr. 5, S. 657–666, PMID 15887434. Apokrine Drüsen produzieren ein Sekret, das Lipide und Proteine sowie Substanzen enthält, die von Hautbakterien zu flüchtigen Molekülen verstoffwechselt werden können. Diese nimmt man dann als typisch schweißigen Geruch wahr.K. Wilke, A. Martin, L. Terstegen, S. S. Biel: A short history of sweat gland biology. In: International Journal of Cosmetic Science. 2007, Band 29, Nr. 3, S. 169–179, PMID 1848934.