Haddessen ist ein Ortsteil der Stadt Hessisch Oldendorf im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Der Ort bildete bis 1973 eine selbständige Gemeinde im damaligen Landkreis Grafschaft Schaumburg. Innerhalb von Hessisch Oldendorf gehört Haddessen zur Ortschaft Süntel.
Geografie Der Ort liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln am Fuß des südöstlichen Teils des Süntelgebirges auf 202 m ü. NHN, sechs Kilometer östlich der Kernstadt von Hessisch Oldendorf und 11,4 Kilometer nordwestlich der Stadt Hameln am Südrand des Süntel.
Geschichte Wie die Funde von drei verschiedenartigen Schabern bei Welliehausen zeigen, wurde das Gebiet am Süntel bereits in der Mittelsteinzeit (8000–5600 v. Chr.) von Menschen aufgesucht.Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 2025, S. 11, ISBN 978-3-95954-174-9.
Vom Frühmittelalter bis zur Neueren Geschichte Nach der Siedlungsforschung wurden Orte mit den Endungen „-hausen“ und „-husen“ (abgeschliffen zu „-sen“), wie Haddessen, in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends am Süntel in zweitrangiger Siedlungslage angelegt.Helga Knoke, 1968, S. 118. Die Region um Haddessen und Fischbeck war ein früh besiedelter Teil des Schaumburger Landes. „Haddeshusun“ (Haddessen) wurde 954 oder 955 im Zusammenhang mit der Gründung des Stifts Fischbeck gegründet, und ein Hofgründer war Haddo, der dem Ort seinen Namen gab. Der Dorfname bedeutete also ursprünglich „Siedlung der Leute des Haddo“.Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen.
Haddessen lag seit dem Frühmittelalter im altsächsisch-engernschen Tilithigau und gehörte wohl zum Gerichts- und Verwaltungsbezirk der „Fischbecker Goe“Siehe Tilithigau und Gogericht. des Tilithigaus. Das Gogericht (die „Malstatt“) der Fischbecker Goe befand sich in Fischbeck und wurde ab dem Spätmittelalter von der dort ansässigen Adelsfamilie von Post geschützt, welche über mehrere Jahrhunderte regionalen Einfluss besaß. Haddessen gehörte während des Mittelalters und der frühen Neuzeit zur Vogtei Lachem.Jürgen Schlieckau, 2025, S. 25.
Haddessen gehörte zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde.
Die aus altsächsischem Uradel stammenden Grafen von Schaumburg hatten ab dem frühen 12. Jahrhundert als weltliche Grundherren die Landeshoheit und vergaben in den Sünteldörfern Rechte und Meierhöfe als Lehen.Carl Wilhelm Wippermann, 1853. Das Stift Fischbeck besaß als geistlicher Grundherr bereits im Frühmittelalter Ländereien in Haddessen, darunter eine Schenkung. Das Stift Fischbeck besaß im Hochmittelalter weitere Ländereien, Höfe und Zehntrechte in Haddessen.Renate Oldermann: Stift Fischbeck. Eine geistliche Frauengemeinschaft in mehr als tausendjähriger Kontinuität, Schaumburger Studien, Band 64, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2005. Zum Ende des Spätmittelalters und zu Beginn der neueren Geschichte erwarben wohlhabende Patrizier und Bürgerfamilien aus der Stadt Hameln ebenfalls Grundbesitz in den Sünteldörfern.
Der Dreißigjährige Krieg war für Haddessen die verheerendste Epoche. Am 8. Juli 1633 fand die Schlacht bei Hessisch Oldendorf statt. Das Umland der Sünteldörfer wurde von kaiserlichen und schwedischen Truppen rücksichtslos requiriert. Häuser wurden geplündert, das Vieh geraubt und die Ernten vernichtet.
Im Vorfeld der Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 im Siebenjährigen Krieg rückten zehntausende Soldaten in das Gebiet vor. Die Haddesser Bauern wurden gezwungen, französische und alliierte Soldaten einzuquartieren und zu verpflegen. Missernten gingen dem Jahr 1757 voraus, und der Krieg führte in der Region zu Hungersnöten.
19. Jahrhundert Bis zum Jahr 1804 gehörte Haddessen zum gemeinsamen Schulverband mit den Nachbarorten Höfingen, Pötzen und Bensen. Ab 1804 wurden die Schüler aus Haddessen und Höfingen in der Schule in Haddessen in einem einklassigen System unterrichtet. Diese Struktur blieb über ein Jahrhundert stabil. In den späten 1960er Jahren wurden die kleinen Dorfschulen am Süntel erneut zu einem gemeinsamen Schulverband mit rollierenden Klassen zusammengeschlossen, bis die Schule in Haddessen ebenso wie die Schule in Höfingen im Jahr 1976 endgültig geschlossen wurde.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Haddessen die Ablösung aller bäuerlichen Lasten vollzogen und eine umfassende Agrarreform durchgeführt. Die Generalteilung der Fischbecker Mark fand statt. Im Rahmen der Spezialteilung wurde die Gemeinheitsteilung und Verkoppelung von Acker- und Wiesenflächen in der Gemarkung Haddessen durchgeführt.
20. und 21. Jahrhundert Im Ersten Weltkrieg wurden fast alle wehrfähigen Männer eingezogen. Den Höfen fehlten Arbeitskräfte, und es herrschte akuter Mangel an Nahrungsmitteln. Im Ersten Weltkrieg gab es 12 Gefallene aus Haddessen, im Zweiten Weltkrieg gab es 40 Gefallene aus dem Ort.
Jagdrecht und Waldwirtschaft Seit der zweiten Hälte des ersten Jahrtausends gehörten die Waldgebiete der sog. Fischbecker Mark um Haddessen zum historischen Süntelwald.Manfred Willeke, 175 Jahre Realverband Forstgenossenschaft Holtensen, Forstgenossenschaft Holtensen (Hrsg.), 1. Auflage, Hameln, 2019, S. 125 f., ISBN 978-3-00-061843-7; zit. Jakob Grimm: „Die drei Süntelmarkgenossenschaften“, in: Deutsche Rechtsaltertümer und Weistümer, 2. Ausgabe, 1854, Nr. 43. Jakob Grimm schrieb: „Die Mark bedeutet ursprünglich Grenze. Die natürliche älteste Grenze war der Wald. Der Name übertrug sich auf den gemeinsamen Wald. Zur Mark gehörte nicht nur der Wald, sondern auch Viehtriften und Hude im Wald, Wild, Vögel und Bienen. Die meisten großen Waldungen sind früher Markengut gewesen. [...] Jeder volle Markgenosse hatte freies Bau- und Brennholz. [...] Die Holtting wurde jährlich abgehalten. Sie stellte das Markrecht fest und überlieferte es. Sie urteilten über Verletzungen des Rechtes und konnten Rechtsbrecher aus der Mark verweisen!“ Die Bauern in Haddessen konnten seit dem Frühmittelalter bis in das 19. Jahrhundert die Holz- und Weiderechte in den Waldgebieten der Fischbecker Mark (dem östlichen Teil der Schaumburger Mark im Süntel nördlich des Ortes und im Großen Finnenberg südöstlich des Ortes) nutzen.Die drei Süntelmarkgenossenschaften waren die Schaumburger Mark, die Mündersche Mark und die Ostermark. Die Fischbecker Mark ist der östliche Teil der Schaumburger Mark. Die Aufteilung der Waldmarken wurde bereits in vorkarolingischer Zeit durch die Altsachsen durchgeführt.
Manfred Willeke, 2019, S. 125 f.; zit. Jakob Grimm: „Die drei Süntelmarkgenossenschaften“, in: Deutsche Rechtsaltertümer und Weistümer, 2. Ausgabe, 1854, Nr. 43. Jakob Grimm schrieb: „Die Mark bedeutet ursprünglich Grenze. Die natürliche älteste Grenze war der Wald. Der Name übertrug sich auf den gemeinsamen Wald. Zur Mark gehörte nicht nur der Wald, sondern auch Viehtriften und Hude im Wald, Wild, Vögel und Bienen. Die meisten großen Waldungen sind früher Markengut gewesen. [...] Jeder volle Markgenosse hatte freies Bau- und Brennholz. [...] Die Holtting wurde jährlich abgehalten. Sie stellte das Markrecht fest und überlieferte es. Sie urteilten über Verletzungen des Rechtes und konnten Rechtsbrecher aus der Mark verweisen!“ Die Urgenossen in der Fischbecker Mark besaßen nach altem, mündlich überlieferten germanischen Gewohnheitsrecht die sog. „Erbaxt“ bzw. den freien Holzhieb.Manfred Willeke, 2019, S. 134. Rechtlich gab es im Frühmittelalter noch keine abgegrenzten Forstgebiete, die exklusiv zu einer der frühen Germanensiedlungen gehörten. Ab dem Hochmittelalter wurden genossenschaftliche Organisationsformen der Waldwirtschaft geschaffen, die aber ebenfalls noch für mehrere Dörfer galten. Die Haddesser Bauern konnten ihr Vieh, vor allem Schweine und Rinder, zur Waldweide (Waldmast) in die Eichen- und Buchenwälder des Süntels, die Allmende treiben und festgesetzte Mengen von Brenn- und Bauholz für den Eigenbedarf schlagen. Die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel, und das Stift Fischbeck sowie das Augustiner-Chorherrenstift in Hameln besaßen durch Schenkungen und Tauschgeschäfte Pachteinnahmen, Zehntrechte und Holzrechte in und um Haddessen. Erst mit den großen Teilungen und Verkoppelungen ab den 1830er Jahren wurden die mittelalterlichen Gemeinschaftswälder real aufgeteilt, und Forstgenossenschaften entstanden.
Bis zum Frühmittelalter durften die freien germanischen Siedler das Wild frei jagen. Das Jagdrecht, speziell die sog. Hohe Jagd (auf Rothirsche,Rothirsche wurden im Süntel Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Jagd und die starke Holznutzung ausgerottet. Heute gibt es gelegentlich Rothirsche, die durch die Wälder um Haddessen ziehen, sowie im umzäunten Saupark Springe. Wildschweine, Wölfe,Wölfe wurden im Weserbergland in der Zeitstellung zwischen 1840 und 1850 systematisch ausgerottet. Heute sind Wölfe im Süntel wieder auf Durchreise, aber es gibt im Umkreis von Haddessen (noch) kein festes Wolfsrudel. Steinadler, FischadlerBis ins 19. Jahrhundert gab es im Süntel noch Steinadler, die z. B. auf dem Hohenstein nisteten; sie gibt es in Deutschland heute nur noch in den Alpen. Heute gibt es gelegentlich Fischadler in der Region um Haddessen. und AuerhähneAuerhähne starben im Weserbergland im Verlauf des 19. Jahrhunderts aus.), ging jedoch im Hochmittelalter auf den Landesherrn über; die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel. Die Bauern durften nur das sog. Niederwild wie z. B. Rehe, Marder, Iltisse, Dachse usw. jagen. Nach Aufhebung des Jagdregals im Jahr 1848 kam es durch die verschiedenen politischen Zugehörigkeiten von Haddessen zu den Fürstentümern Hessen, Kurhessen und Schaumburg im Zeitverlauf zu unterschiedlichen Situationen des Jagdrechts. Seit 1866 gibt es einen gemeinschaftlichen Jagdbezirk Haddessen-Höfingen. 1944 wurde der Eigenjagdbezirk Finnenberg-Waldgenossenschaft mit Durchführung des Reichsjagdgesetzes von 1934 aufgelöst. 1946 wurde das Jagdrecht von den Britischen Besatzungsbehörden wahrgenommen. Seit dem 18. April 1949 wurde die Jagd wieder verpachtet. Am 18. Dezember 1957 wurde die Jagdgenossenschaft Höfingen als Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet. 1958 wurden die Jagdbezirke Haddessen (Fläche von 239 ha) und Höfingen neue eigenständige Jagdbezirke.
Infrastruktur Haddessen wurde im Jahr 1964 im Zuge des Aufbaus der zentralen Wasserversorgung für die Sünteldörfer über den „Wasserbeschaffungsverband (WBV) Süntelwald“ an das Trinkwassernetz angeschlossen.Information des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) Süntelwald, abgerufen am 13. Juni 2026.
Im Rahmen der flächendeckenden Erschließung der Ortsteile von Hessisch-Oldendorf wurde Haddessen in den 1990er Jahren an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen.Stadt Hessisch Oldendorf: Satzung über die Abwasserbeseitigung und den Anschluss an die öffentliche Abwasserbeseitigungsanlage der Stadt Hessisch Oldendorf (Abwasserbeseitigungssatzung), in: PDF, abgerufen am 14. Juni 2026.
Haddessen hat einen eingruppigen Kindergarten und gehört seit 1976 zum Einzugsgebiet der Verlässlichen Grundschule Fischbeck. Weiterführende Schulen werden von Schülern aus Haddessen in der Kernstadt von Hessisch Oldendorf oder in der Stadt Hameln besucht. Weitere Kinderkrippen und Kindergärten befinden sich in Zersen und Fischbeck. Im Ort gibt es einen Kinderspielplatz.
Haddessen gehört zur ev.-luth. Kirchengemeinde Fischbeck. An der Süntelstraße 1 befindet sich der örtliche Friedhof.
Ortsfeuerwehr, Dorfgemeinschaft und Vereine