mini|hochkant=1.25|Der rekonstruierte Haupttempel von Candi Ngawen Candi Ngawen (javanisch: Candhi Ngawèn) ist ein buddhistischer Tempelkomplex aus dem 8.–10. Jahrhundert in der Regentschaft Magelang auf Java. Der Komplex zählt zu den wichtigsten kleineren Sakralanlagen Zentraljavas und steht in engem Zusammenhang mit den nahegelegenen buddhistischen Tempeln Mendut, Pawon und Borobudur.
Lage Der Tempel liegt im Dorf Ngawen, Kecamatan Muntilan, etwa fünf Kilometer nördlich von Candi Mendut und südlich des Stadtzentrums von Muntilan. Die Anlage befindet sich heute am Übergang zwischen Dorfgebiet und Reisfeldern. Der Gebäudesockel liegt rund zwei Meter unter dem heutigen Bodenniveau, was darauf schließen lässt, dass der Komplex über Jahrhunderte durch vulkanische Ablagerungen des nahegelegenen Merapi überdeckt war.
mini|hochkant=1.25|Ansicht der Nordseite des rekonstruierten Tempels
Geschichte Der buddhistische Charakter der Anlage ist durch die Funde zweier Dhyani-Buddhas klar belegt: Ratnasambhava in Tempel II Amitabha in Tempel IV
Stilanalysen datieren Ngawen in das 8.–10. Jahrhundert. Aufgrund sprachlicher Parallelen wird die Anlage häufig mit dem in der Karangtengah-Inschrift von 824 n. Chr. erwähnten Venuvana („Bambuswald“) identifiziert. Diese Deutung wurde besonders von R. Soekmono vertreten.
Die erste moderne Untersuchung erfolgte 1920 durch den niederländischen Archäologen Van Erp, der für seine Ausgrabungen zunächst das überflutete Gelände entwässern musste. Ab 1925 führte Perquin die Rekonstruktionsarbeiten an Tempel II durch, dem einzigen Tempel, der heute wieder vollständig steht. Die übrigen vier Tempel blieben im ruinösen Zustand. Im 20. Jahrhundert kam es mehrfach zu Diebstählen von Skulpturen und Reliefteilen.
Architektur mini|hochkant=1.2|Löwenfigur an der Ecke des Tempels II
Der Komplex besteht aus fünf kleinen, von Süden nach Norden gereihten Tempeln: Ngawen I–V. Alle Gebäude orientieren sich nach Osten. Tempel II und IV besitzen größere Grundrisse und sind an allen vier Ecken mit Löwenfiguren geschmückt. Tempel I, III und V sind kleiner und heute stärker zerstört. Tempel I ist am schlechtesten erhalten und zeigt nur noch Fundamentreste.
Bauform und Bildprogramm Das Bildprogramm des rekonstruierten Tempels II umfasst charakteristische buddhistische Motive Zentraljavas:
Kinnara und Kinnari – himmlische Wesen, halb Mensch, halb Vogel Kalpataru – der Wunschbaum der Götter, flankiert von Kinnara- und Kinnari-Figuren Kala-Makara – Torbogen-Schmuck klassischer javanischer Tempel eine kopflose Statue des Dhyani-Buddha Ratnasambhava im Innenraum
Die Kombination aus Terrassenbau, Stupa-Elementen und buddhistischen Reliefs bestätigt die religiöse Ausrichtung, während einzelne Dachformen und ratna-Pinnakel an hinduistische Architektur erinnern. Diese Mischung führte zu der Theorie, dass Ngawen ursprünglich hinduistisch war und später buddhistisch umgestaltet wurde.
Löwenfiguren Besonders einzigartig sind die vier Löwenfiguren an den Ecken der Tempel II und IV. Neben ihrer symbolischen Schutzfunktion leiteten sie Regenwasser über die geöffneten Löwenmäuler ab – ein für Java selten belegtes Beispiel funktionaler Tempelskulptur.
Denkmalschutz und Restaurierung Zwischen 1925 und 1927 wurde ausschließlich Tempel II vollständig restauriert. Die übrigen Tempel blieben aufgrund fehlender Originalsteine und starker Beschädigungen in ruinösem Zustand. Candi Ngawen gehört heute zum offiziellen archäologischen Schutzgebiet der Provinz Zentraljava.
Siehe auch Borobudur
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Buddhistischer Tempel in Indonesien Kategorie:Java (Insel) Kategorie:Jawa Tengah