Die taiwanische Rugby-Union-Nationalmannschaft (), von World Rugby als Chinese Taipei geführt, ist die Nationalmannschaft der Republik China auf Taiwan in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Ihre ersten Test Matches bestritt sie als Rugby-Union-Nationalmannschaft der Republik China (), aufgrund des internationalen Druckes seitens der Volksrepublik China tritt sie bei internationalen Wettbewerben inzwischen als Rugby-Union-Nationalmannschaft von Chinese Taipei (; siehe dazu: Chinese Taipei) an. Die organisatorische Verantwortung trägt der 1946 gegründete Verband Chinese Taipei Rugby Football Union (CTRFU; ). Taiwan wird vom Weltverband World Rugby in die dritte Stärkeklasse (third tier) eingeteilt und gilt nach Japan, Hongkong und Südkorea traditionellerweise als eine der stärkeren Nationalmannschaften Asiens.
Der Rugby-Union-Sport in Taiwan geht auf die japanische Besetzung Taiwans zurück und ist seitdem stark von der früheren Kolonialmacht beeinflusst worden. 1969 bestritt Taiwan im Rahmen der ersten Asienmeisterschaft sein erstes Test Match gegen Südkorea. Die Mannschaft errang bei Asienmeisterschaften noch keinen Titel und klassierte sich dreimal auf den dritten Platz. Für eine Weltmeisterschaft konnte sich die Mannschaft bislang nicht qualifizieren. Traditionell spielt Taiwan in dunkelblauen Trikots mit rot-weißen Farbakzenten, dunkelblauen Hosen und dunkelblauen Socken – also in den Farben der Flagge der Republik China.
Organisation
Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in der Republik China ist die Chinese Taipei Rugby Football Union (CTRFU; ). Der taiwanische Verband wurde 1946 als Rugby Football Union of the Republic of China (RFUROC; 中华民国橄榄球协会) in der Republik China gegründet und zog nach dem Ende des chinesischen Bürgerkrieges 1949 nach Taiwan. 1988 wurde sie Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Die CTRFU war im Jahr 1968 außerdem Gründungsmitglied der Asian Rugby Football Union (ARFU; heute Asia Rugby, AR). Da der Weltverband gemäß der Ein-China-Politik nur einen Vertreter Chinas anerkennt, verzichtete der Verband in den 1990er Jahren auf den Namensbestandteil Republic of China und nahm seinen heutigen Namen an, um dem politischen Rivalen den Beitritt zum International Rugby Football Board zu ermöglichen.
Die höchste Rugby-Union-Liga in der Republik China ist die 2022 gegründete Taiwan Rugby League mit vier Mannschaften. Ein Großteil der für die Nationalmannschaft antretenden Spieler speist sich aus dieser Liga, weitere Spieler sind vor allem in Japan als Profisportler tätig.
Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die CTRFU weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt die Republik China über eine U-20-Nationalmannschaft, die an der World Rugby U20 Trophy teilnimmt. Hinzu kommt die Siebener-Rugby-Nationalmannschaft. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung.
Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby mini|Denkmal in Neu-Taipeh zur Erinnerung an die Einführung des Rugbysports in Taiwan mini|hochkant|Ke Zhi-zhang spielte in vier Test Matches für Japan und gilt als Pionier des Rugby in Taiwan Es ist nicht überliefert, wann Rugby erstmals in Taiwan – damals noch Formosa genannt – gespielt wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts trugen europäische Matrosen die ersten Rugbyspiele in nordostasiatischen Hafenstädten wie Shanghai und Yokohama in den Nachbarländern China und Japan aus. Es ist jedoch unbekannt, wann dies in Taiwan seinen Anfang nahm. 1895 wurde Taiwan von Japan besetzt und annektiert. Japan war in dieser Zeit die führende Rugbynation Asiens und das Rugby wurde vermutlich danach von Japanern nach Taiwan gebracht.Bath: Complete Book of Rugby. S. 75.
Als einer der Pioniere im taiwanischen Rugby gilt der 1910 in Taipeh geborene Ke Zhi-zhang. 1930 war er Teil der ersten Auswahl Japans, die im September mehrere Spiele gegen Vereine und Auswahlteams in der kanadischen Provinz British Columbia bestritt. Zwischen 1930 und 1934 spielte er in insgesamt vier Test Matches für Japan und legte dabei einen Versuch. Nach der Rückgabe der Insel Taiwan an die Republik China und dem Rückzug der Kuomintang nach Taiwan am Ende des chinesischen Bürgerkrieges kehrte Ke Zhi-zhang in sein Heimatland zurück und half dort beim Aufbau des Rugby. 1946 war er, unterstützt durch die Japan Rugby Football Union, an der Gründung des Verbandes Rugby Football Union of the Republik of China (RFUROC, 中华民国橄榄球协会; heute Chinese Taipei Rugby Football Union, CTRFU; 中華民國橄欖球協會) beteiligt. Danach half er bei der Organisation mehrerer Freundschaftsspiele gegen Mannschaften aus Nachbarländern wie Japan, Südkorea und Thailand, um den Sport in der Republik China beliebt zu machen.
Erste Asienmeisterschaften Die Mannschaft trat in ihren ersten Jahren unter der Bezeichnung Rugby-Union-Nationalmannschaft der Republik China () an. Im Vergleich zur Volksrepublik China hat die Republik China auf Taiwan eine ununterbrochene Rugbygeschichte, da die Ausrufung der Volksrepublik 1949 eine weitere Verbreitung des Rugbysports auf dem Festland verhinderte. In dieser Zeit erhielt das taiwanische Rugby eine zweite Stütze. Das starke Wirtschaftswachstum seit den 1950er Jahren als einer der Tigerstaaten führte zu einer engen Zusammenarbeit zwischen japanischen und taiwanischen Unternehmen. Anfangs verfügte der Inselstaat über wenig geeignete Rugbyplätze, jedoch über genügend Mittel und Verantwortliche wie Lin Chang Tang, die dabei halfen, Rugby als Schulsport zu etablieren. Im Dezember 1968 war die Republik China in Bangkok eines der Gründungsmitglieder der Asian Rugby Football Union (ARFU; heute Asia Rugby, AR); die anderen waren Hongkong, Japan, Malaysia, Singapur, Sri Lanka, Südkorea und Thailand. Eines der Gründungsziele des Kontinentalverbandes war die Förderung des Sports durch eine jährlich ausgetragene Asienmeisterschaft und dadurch freundschaftliche Beziehungen zwischen den Mitgliedsländern zu verstärken. Folglich wurde bereits im März des darauffolgenden Jahres die erste Asienmeisterschaft in Japan ausgetragen, in der den Taiwanern in ihrem ersten Test Match überhaupt ein Sieg über Südkorea gelang, jedoch Niederlagen gegen Hongkong, Thailand und dem Gastgeber resultierten.
Die Aufnahme der Volksrepublik anstelle der Republik in die Vereinten Nationen 1971 mit der Resolution 2758 der UN-Generalversammlung und deren zunehmende internationale Anerkennung anstelle des demokratisch regierten Inselstaates hatte zunächst keinen Einfluss auf die internationale Teilnahme der Nationalmannschaft, da der Rugbysport in Taiwan wesentlich weiter entwickelt war als auf dem Festland und die Volksrepublik nicht auf demselben Niveau spielte wie die Republik. Taiwan nahm wieder an der Asienmeisterschaft 1976 teil, wobei die Taiwaner einen Sieg über Malaysia erzielten, aber Japan, Thailand und Südkorea unterlagen. Aufgrund der besseren Punktedifferenz resultierte mit dem dritten Platz dennoch der vorläufige Höhepunkt für das Team.
Ab den 1980er Jahren nahm Taiwan regelmäßig an den Asienmeisterschaften teil und traf dabei auf die meisten asiatischen Nachbarländer mit einer Rugbytradition, darunter Hongkong, Japan, Malaysia, Singapur, Sri Lanka, Südkorea und Thailand. Dabei waren Japan und Südkorea unüberwindbare Gegner, während Hongkong sich als ebenbürtig erwies, wodurch Taiwans Resultate gemischt ausfielen. So erreichte die Mannschaft 1980 das Spiel um den dritten Platz, unterlag aber Hongkong. Nach der Übereinkunft von Lausanne 1981 mit dem Internationalen Olympischen Komitee verwendete die Nationalmannschaft fortan den offiziellen Namen Rugby-Union-Nationalmannschaft von Chinese Taipei (; siehe Chinese Taipei). Beim Turnier 1982 kam sie nicht über die Gruppenphase hinaus, während sie 1984 das Spiel um Platz drei gegen Thailand für sich entschied. Bei den Asienmeisterschaften 1986 und 1988 unterlagen die Taiwaner jeweils im Spiel um Platz drei. In der Gruppenphase des Turnieres 1988 gelang gegen Singapur mit 86:3 der höchste Sieg der Verbandsgeschichte bisher. Zu dieser Zeit hatten sich Japan und Südkorea als führende Rugbynationen Asiens fest etabliert und machten den Titel unter sich aus.Bath: Complete Book of Rugby. S. 70. Gegenüber ihren asiatischen Gegnern waren Taiwans Spieler aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts benachteiligt, doch Geschwindigkeit und Durchsetzungsvermögen von Spielern wie Chae Wei Che, Chang Chyi-Ming und Tseng Chi Ming trugen dazu bei, die Republik China zu dieser Zeit als die viertbeste Rugbynation Asiens (nach Japan, Südkorea und Hongkong) zu etablieren.
Der International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby), der damals noch sehr exklusiv war und nur acht Mitglieder zählte, beschloss 1985 die Einführung der Weltmeisterschaft. Für die erste Austragung 1987 vergab der IRFB neun Startplätze durch Einladungen, wobei die Republik China unberücksichtigt blieb. Im Jahr 1988 wurde Taiwan Vollmitglied des IRFB, nahm jedoch nicht an der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1991 teil. Bei der Asienmeisterschaft 1990 kam das Team nicht über die Gruppenphase hinaus, wonach es in den Turnieren 1992, 1994, 1996 jeweils im Spiel um Platz drei unterlag. Die Asienmeisterschaft 1994 zählte gleichzeitig als Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1995, wodurch das Team die Endrunde in Südafrika verpasste.
Nach der Übergabe der Kronkolonie Hongkong durch die Briten an die Volksrepublik China im Jahr 1997 nahm das Interesse am dem Sport auch auf dem Festland zu. Da der Weltverband gemäß der Ein-China-Politik lediglich einen Vertreter Chinas anerkennt, verzichtete der taiwanische Verband auf Bitten des damaligen Trainers von Hongkong, George Simpkin, in den 1990er Jahren auf den Namensbestandteil Republic of China, um den politischen Rivalen den Beitritt zu ermöglichen und nahm seinen heutigen Namen Chinese Taipei Rugby Football Union (CTRFU; ) an. Seitdem sind drei Verbände aus dem chinesischen Sprach- und Kulturgebiet Vollmitglied des Weltverbandes. Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1999 begann Taiwan 1997 in Runde 2, in der es sich gegen Malaysia und Sri Lanka durchsetzte. In der Asienmeisterschaft 1998 kam Taiwan nicht über die Gruppenphase hinaus, da diese gleichzeitig die dritte Runde der WM-Qualifikation war, versäumte es damit die Endrunde. Dagegen gewannen die Taiwaner jeweils die Bronzemedaille bei den Rugbyturnieren der Asienspiele 1998 in Bangkok und 2002 in Busan, beide Male hinter Südkorea und Japan.
Im neuen Millennium Bei den Asienmeisterschaften der Jahre 2000 und 2002 war für Taiwan jeweils in der Gruppenphase Schluss. Aufgrund des Rundenturniers 2000 war dies gleichbedeutend mit dem dritten Platz. Im selben Jahr ließen die Taiwaner in der Runde 1 der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2003 Malaysia und Singapur hinter sich. In der Runde 2 schrieb die Republik China Geschichte, als sie auf das Nationalteam der Volksrepublik China traf; dies war das erste Test Match gegen eine Mannschaft vom chinesischen Festland. Die Partie fand in Shanghai statt, wobei die Republik China als Chinese Taipei antrat. Den Gästen gelang ein 29:21-Sieg. Da ihnen zuvor ein Überraschungssieg von 20:15 über Hongkong gelungen war, erreichten sie die nächste Runde. Dort scheiterten sie nach jeweils zwei Niederlagen gegen Japan und Südkorea. Im Rahmen der WM-Qualifikation 2003 kassierten die Taiwaner bis heute ihre höchste Niederlage: 3:155 gegen Japan.