mini|Syeda Rizwana Hasan (2025) Syeda Rizwana Hasan (; * 15. Januar 1968 in Habiganj) ist eine bangladeschische Juristin, Anwältin und Umweltaktivistin. Bekannt wurde sie als langjährige Leiterin der Bangladesh Environmental Lawyers Association (BELA) und durch gerichtlich geführte Kampagnen für Umweltgerechtigkeit in Bangladesch. Im August 2024 wurde sie in den Rat der bangladeschischen Übergangsregierung unter Muhammad Yunus berufen und erhielt zunächst das Ressort Umwelt, Wald und Klimawandel sowie kurz darauf auch Verantwortung für Wasserressourcen.

Leben Syeda Rizwana Hasan wuchs in einer politisch engagierten Familie auf. Ihre Entscheidung für die Juristerei wurde durch ihren Vater geprägt, der Jurist und Politiker war. Hasan absolvierte an der Universität Dhaka ein Bachelor- und ein Masterstudium der Rechtswissenschaft und begann 1993 im Alter von 24 Jahren unmittelbar nach ihrem Masterabschluss ihre Arbeit bei BELA. 1997 übernahm sie nach dem Tod von Mohiuddin Farooque als Executive Director die Leitung von BELA.

Im April 2014 wurde ihr Ehemann Abu Bakar Siddique entführt und nach etwa 35 Stunden wieder freigelassen. Hasan erfuhr neben Anerkennung für ihre Arbeit immer wieder auch Ablehnung bis hin zu Gewalt. Sie selbst geht davon aus, dass die Entführung ihres Mannes von Menschen verübt wurde, die ihren Aktivismus ablehnen. 2023 wurden Hasan und ihr Team in Chottogram von Steinewerfern angegriffen, als sie eine Baustelle mit erheblichen Umweltauswirkungen besichtigten.

Wirken Hasan wurde im Rahmen einer von BELA angestoßenen umweltrechtlichen Intervention gegen lärmintensive und rechtswidrige Wahlkampfpraxis bei den Bürgermeisterwahlen in Dhaka 1994 bekannt. Unter ihrer Leitung weitete BELA ihre Programme aus und setzte sich unter anderem für die aktive Durchsetzung eines Gesetzes zum Schutz der Feuchtgebiete in Bangladesch ein. Das 2000 geschaffene Gesetz war bis 2003 nicht angewendet worden. Syeda Rizwana Hasan und BELA waren die ersten, die entsprechende Fälle vor Gericht brachten. Sie kämpften dabei für Standards zum Schutz von Arbeitern und der Umwelt.

Internationale Aufmerksamkeit gewann sie vor allem durch ihren Kampf gegen die umwelt- und arbeitsschutzrechtlichen Zustände in der bangladeschischen Schiffabwrackindustrie und für den Schutz der dortigen Arbeiter.

mini|Verschrottung von Schiffen nahe Chottogram Bangladesch ist eines der wenigen Länder mit einer Verschrottungsindustrie für Schiffe. Die übliche Praxis dabei ist es, die Schiffe einfach an einem Strand auf Grund laufen zu lassen. Anschließend nehmen Arbeiter die Schiffe mehr oder weniger in Handarbeit, nur mit Hilfe einfacher Werkzeuge auseinander. Der dabei gewonnene Stahl sowie andere Metalle sind für Bangladesch besonders wichtig, da das Land über wenig bis keine Mineralvorkommen verfügt. Dabei sind die Schiffe oft mit giftigen Anstrichen versehen oder anderweitig mit Stoffen wie Asbest, PCB, Blei oder Arsen kontaminiert. Häufig befinden sich an Bord der Schiffe auch Öle und Fette, die ebenfalls nach dem Basler Übereinkommen als gefährliche Stoffe für die Umwelt gelten. Durch diese Praxis werden die Ökosysteme der Uferregionen erheblich verschmutzt. Die Arbeiter der Verschrottungsindustrie sind großen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Schätzungen zufolge stirbt jede Woche einer der 20.000 in dieser Industrie Beschäftigten; jeden Tag wird einer verletzt.

2003 wandte sich Syeda Rizwana Hasan gemeinsam mit BELA erstmalig mit einer Petition an den obersten Gerichtshof von Bangladesch, um diese Art des Abwrackens von Schiffen zu verbieten. 2006 erreichte sie erstmals, dass zwei Schiffen – der MT Alfaship und der SS Norway – versagt wurde, zur Verschrottung in bangladeschische Gewässer einzufahren bzw. dort anzulanden. Im gleichen Jahr wurde jedoch der MT Enterprise erlaubt, in Bangladesch zur Verschrottung anzulanden. In dem darauf folgenden Gerichtsverfahren erreichte Syeda Rizwana Hasan, dass erstmalig eine Verurteilung wegen Umweltverschmutzung erfolgte. In der Folge des weiteren Engagements von BELA verordnete die Regierung von Bangladesch 2009, 36 nicht regulierte Abwrackwerften zu schließen. Sie beschloss auch weitere Restriktionen dafür, welche Schiffe zum Abwracken nach Bangladesch gebracht werden dürfen, und verordnete Maßnahmen zur Dekontamination der Schiffe in ihren Heimathäfen.

Nach ihrem Eintritt in die Übergangsregierung kündigte Hasan an, den Kampf gegen Polythene und Einwegplastik, Luft- und Lärmbelastung, Flussverschmutzung, Eingriffe in Wasserflächen sowie die Durchsetzung einschlägiger Gerichtsurteile zu priorisieren. In ihrer zusätzlichen Zuständigkeit für Wasserressourcen verband sie den Schutz von Flüssen und Feuchtgebieten mit Fragen der Wasserrechte und vertrat Bangladeschs Ansprüche in internationalen Flussfragen offensiv, insbesondere mit Blick auf den Teesta.

Auszeichnungen Für ihre Arbeit in der Umwelt- und Menschenrechtsverteidigung erhielt Hasan 2009 als erste Bangladescherin den Goldman Environmental Prize. Im selben Jahr wurde sie von Time als Hero of the Environment ausgezeichnet. 2012 folgte der Ramon-Magsaysay-Preis, und 2022 wurde sie mit dem International Women of Courage Award des US-Außenministeriums ausgezeichnet.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Rechtsanwalt Kategorie:Umweltaktivist Kategorie:Bangladescher Kategorie:Geboren 1968 Kategorie:Frau