Die Massenentführung nigerianischer Schüler in Papiri 2025 fand am 21. November 2025 statt, wo 303 Schülerinnen und Schüler und zwölf Lehrpersonen am frühen Morgen aus der weiterführenden Schule St. Mary in der Gemeinde Papiri, Bundesstaat Niger, entführt wurden. 50 der 303 der entführten Schülerinnen und Schüler entkamen bisher der Gefangenschaft und befanden sich nun bei ihren Familien. Bislang hat sich keine Gruppe die Tat für sich reklamiert. Als Reaktion auf die Massenentführung hatten 10 von 19 Bundesstaaten im Norden Nigerias ihre Schulen aus Sicherheitsgründen geschlossen. Seither handelt diese Massenentführung sich um die größte Entführung von Schulkindern in Nigeria.
Hintergrund Die Schule St. Mary ist eine römisch-katholische weiterführende Bildungseinrichtung in der abgelegenen Gemeinde Papiri, Bundesstaat Niger, die sich in der nördlichen Ecke des Kainji-Stausees befindet.
Seit den letzten Jahren kam es immer wieder zu Massenentführungen von Schulkindern in Nigeria. Die meisten Entführungen wurden von islamistischen terroristischen Gruppen wie Boko Haram oder bewaffneten Banden verübt, um politische Forderungen zu stellen oder Lösegeld zu erpressen. In den letzten Wochen wurden 38 Gläubige aus einer Kirche im Bundesstaat Kwara verschleppt. Dort wurde für jede Geisel 100 Millionen Naira (ca. 60.000 Euro) an Lösegeld verlangt. Danach wurden 25 Schülerinnen aus einem Internat im Bundesstaat Kebbi verschleppt. Dabei grenzen sich die Bundesstaaten Kebbi, Kwara und Niger aneinander.
Die Massenentführungen und -verschleppungen sind ein Teil von Konflikten zwischen verschiedenen Ethnien und Bevölkerungsgruppen in Nigeria, wo Christen und Muslime gleichermaßen zum Opfer fallen. Sie sind zudem auch ein Teil einer stark entwickelten, lukrativen und wirtschaftlich motivierten Entführungsindustrie seit den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren. Üblicherweise erhoffen sich die Täter Lösegeld. Begünstigt wird dieses kriminelle Geschäftsmodell durch die prekäre Sicherheitslage, insbesondere im Norden des Landes, der sich seit Jahren in einer Wirtschaftskrise befindet. Dazu bedrohen fehlende Entwicklungsperspektiven die Existenz vieler Menschen. Obwohl die Regierung in Abuja seit Jahren versucht, der Gewalt mit militärischen Mitteln – etwa durch besser ausgerüstete Spezialeinheiten – entgegenzuwirken, bleiben die Maßnahmen unzureichend. Das Sicherheitsvakuum besteht fort und erleichtert Entführungen sowie andere Formen organisierter Kriminalität. Besonders der Bundesstaat Niger gilt als anfällig für Viehdiebstahl und Entführungen gegen Lösegeld, die sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt haben. Weitere treibende Faktoren hinter dieser Massenentführungs- und verschleppungswellen sind die Ressourcenknappheit, der Klimawandel, die Armut, aber auch dschihadistischen Gruppen wie Boko Haram und ISWAP (Islamischer Staat der Provinz Westafrika) Zulauf verschaffen.
Die Massenentführungen veranlassten den nigerianischen Präsidenten Bola Tinubu, Auslandsreisen nach Südafrika und Angola abzusagen. Er sollte am G20-Gipfel in Johannesburg und einem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union und der Europäischen Union in Luanda teilnehmen. Tinubu entsandte zudem eine Delegation unter der Leitung des nationalen Sicherheitsberaters in die Vereinigten Staaten. Dort sollten sie sich mit US-amerikanischen Abgeordneten und Regierungsvertretern treffen.
Anfang November 2025 hatte die US-amerikanische Bundesregierung Nigeria wegen der angeblich gezielten Tötung von Christen mit einem Militäreinsatz gedroht. US-Präsident Donald Trump behauptete, Christen seien in Nigeria einer „existenziellen Bedrohung“ und einem Religionskrieg ausgesetzt. Jedoch wurde diese Behauptung von der nigerianischen Regierung und Experten widersprochen, wobei die komplexen Ursachen betont wurden.
Verlauf Der Angriff ereignete sich nachts und dauerte etwa drei Stunden. Gegen 2:00 Uhr nachts westafrikanischer Zeit (UTC+1) trafen Dutzende bewaffnete Männer auf Motorrädern auf dem Schulgelände ein und stürmten die Schule. Die unbewaffneten Wachleute, die mit dem Schutz der Schule beauftragt waren, erkannten ihre Hilflosigkeit und flohen umgehend.
Mehrere Zeugen berichteten, dass die bewaffneten Männer, die es auf die Schlafsäle der Grundschüler abgesehen hatten, Kinder auf einen großen Lastwagen verfrachteten. Ein anderer Zeuge gab an, dass fünfzig Bewaffnete auf Motorrädern unterwegs waren und die Kinder „zusammentrieben“.
Die Christian Association of Nigeria (CAN) erklärte in einer öffentlichen Stellungnahme, dass 303 Schülerinnen und Schüler und 12 Lehrpersonen entführt wurden. 88 der vermissten Schülerinnen waren beim Fluchtversuch gefangen genommen worden. Bulus Dauwa Yohanna, Vorsitzender der CAN im Bundesstaat Niger, mitteilte, gelangen 50 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 10 und 18 Jahren die Flucht. Damit befänden sich weiterhin 253 Kinder sowie 12 Lehrer und Mitarbeiter der Schule in den Händen der Entführer. Die Kinder sind zwischen zehn und 18 Jahren alt und machten rund die Hälfte der gesamten Schülerschaft aus gemäß einer Mitteilung einer örtlichen Abteilung des CAN.
Am 22. November, einen Tag nach der Entführung, gaben die nigerianischen Behörden bekannt, dass sie lokale Jäger und taktische Einheiten zur Suche nach den Entführten eingesetzt hätten.
Einige Tage später veröffentlichte ein mutmaßlicher Terrorist, der mit der Entführung in Verbindung gebracht wird, ein Video in Hausa. Darin behauptete er, die Terrorgruppe habe bereits Studenten in den Bundesstaaten Kebbi und Niger entführt und werde nun auch nigerianische Militärangehörige, Politiker und sogar Präsident Tinubu entführen und in ihr Versteck bringen.
Folgen Trotz vereinzelter Erfolge gegen die Entführer bleibt die Sicherheitslage angespannt. In Nigeria sorgt das für einen größer werdenden Frust, weil eine Verbesserung der Sicherheitslage eines der zentralen Versprechen des nigerianischen Präsidenten Bola Tinubu seit seines Amtseintritts um 2023 war. Stattdessen hat die Massenentführung in Papiri neue Rekorde gebrochen.
Als Reaktion auf die Massenentführungen innerhalb einer Woche sind in zehn der 36 Bundesstaaten Nigerias Schulen geschlossen oder mit zusätzlichem Sicherheitspersonal ausgestattet worden. Die anhaltenden Angriffe auf Schulen würden die Zukunft der Kinder des Landes und sein Bildungssystem ernsthaft gefährden, kritisierte die Nationale Nigerianische Schülervereinigung am Freitag.
Reaktionen und Antworten Im Inland Nach der Massenentführung ordnete die nigerianische Regierung die landesweite Schließung von ca. 50 Internate und Colleges an. Präsident Bola Tinubu ordnete zudem auch zusätzliche 30'000 Polizisten an. Der ehemalige nigerianische Minister Jerry Gana erklärte, dass die verantwortlichen bewaffneten Gruppen, die Kinder nach den Drohungen vom US-Präsidenten Donald Trump als „menschliche Schutzschilde“ einsetzen könnten.
International Papst Leo XIV. äußerte am Sonntag vor dem traditionellen Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom seine Trauer und forderte unverzüglich die sofortige Freilassung der Opfer.
Der muslimische Ältestenrat unter Vorsitz von Ahmad al-Tayyib verurteilte die Massenentführung und erklärte diese als ein Verbrechen, das den Lehren des islamischen Glaubens sowie „allen göttlichen Religionen und Gesetzen“ widerspreche. Der Rat betonte auch, dass diese Taten „gegen die grundlegendsten ethischen und menschlichen Werte sowie gegen internationale Gesetze und Konventionen“ verstießen. Der Ältestenrat versicherte seine Solidarität mit den betroffenen Familien und rief zu raschen internationalen Maßnahmen für die Freilassung aller Entführten auf.
Human Rights Watch (HRW) sprach im Bezug auf die Entführungen in den Bundesstaaten Kebbi und Niger von gezielten Angriffen auf Schulkindern, Lehrpersonen und Schulen in einem sich verschlechterndem Sicherheitsumfeld in Nigeria. Sie betonte außerdem das Versagen und der fehlende Wille der nigerianischen Sicherheitskräfte beim Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen. HRW argumentierte auch, dass Nigeria aus früheren Massenentführungen und -verschleppungen nicht gelernt hatte, indem es keine Frühwarnsysteme eingerichtet hatte. HRW forderte Nigeria zudem dringend auf, sowohl konkrete Maßnahmen zum Schutz der Bildung in Konflikt- und Krisenzeiten zu ergreifen als auch einen Gesetzesvorschlag zur Umsetzung der Erklärung für sichere Schulen voranzutreiben.
Literatur Deutsch
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Einzelnachweise
Kategorie:Entführungsfall Kategorie:Kriminalfall Kategorie:Kriminalfall 2025 Kategorie:Kriminalfall (21. Jahrhundert) Kategorie:Niger (Bundesstaat) Kategorie:Bildung in Nigeria Kategorie:Geschichte (Nigeria)