Die Wirtschaft Indonesiens zählt zu den größten in Asien. Als aufstrebendes Schwellenland ist Indonesien die größte Volkswirtschaft Südostasiens und rangierte 2023 weltweit etwa an 16. Stelle nach nominalem Bruttoinlandsprodukt. Seit der Asienkrise Ende der 1990er-Jahre verzeichnet das Land ein stabiles Wirtschaftswachstum. Zwischen 2000 und 2020 hat sich die Wirtschaftsleistung berechnet in US-Dollar etwa versechsfacht.Neue Märkte – Neue Chancen Ein Wegweiser für deutsche Unternehmen: Indonesien Germany Trade and Invest Indonesien ist Mitglied der G20 sowie anderer internationaler Foren und wird seit 2023 wieder als Wirtschaft mit einem oberen mittleren Einkommen eingestuft. Die indonesische Wirtschaft ist diversifiziert, weist aber strukturelle Schwächen auf. Hauptsächliche Stützen sind der Rohstoffexport (u. a. Kohle, Erdgas und Erdöl, Palmöl, Metalle) und Dienstleistungen, während hochproduktive Sektoren und eine tiefere Integration in globale Lieferketten noch unterentwickelt sind. Mit über 280 Millionen Einwohnern verfügt Indonesien über einen großen Binnenmarkt, doch das Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte und die Produktivität können mit den Anforderungen einer schnell wachsenden Volkswirtschaft teils noch nicht Schritt halten. Dennoch gilt der langfristige Ausblick der Wirtschaft als positiv und nach Prognosen von Goldman Sachs könnte Indonesien bis Mitte des Jahrhunderts zu den fünf größten Volkswirtschaften der Welt aufsteigen.

Geschichte

Frühzeit und Kolonialära Indonesiens Wirtschaftsraum war bereits vor der Kolonialzeit in regionale und globale Handelsnetzwerke eingebunden (Gewürzhandel, Export von landwirtschaftlichen Produkten), so z. B. unter dem merkantilen Srivijaya-Reich, welches mit China, Arabien und Indien handelte. Die niederländische Kolonialherrschaft prägte die Wirtschaftsstrukturen über rund 350 Jahre maßgeblich. Im 19. Jahrhundert führte die Kolonialregierung auf Java das sogenannte Kultivierungssystem (Cultuurstelsel) ein (1830–1870), das die einheimische Bevölkerung zwang, einen Teil ihrer Fläche für Cash Crops wie Zucker und Kaffee zu bewirtschaften. Diese staatlich gelenkte Plantagenwirtschaft erzielte enorme Profite für die niederländische Staatskasse, ging aber mit Ausbeutung und Hungersnöten in der lokalen Bevölkerung einher. Ab 1870 folgte eine liberalere Phase: Private europäische Unternehmen investierten in Plantagen und Bergbau. Insbesondere ab der Jahrhundertwende 1900 stiegen die Ausfuhren deutlich an. Zu den wichtigsten Exportgütern der Kolonie Niederländisch-Indien wurden nun Erdöl (erschlossen durch Koninklijke/Shell), Kautschuk, Palmöl, Tropenhölzer und Zinn. Parallel dazu verbesserte die Kolonialmacht die Infrastruktur: Straßen, Eisenbahnlinien (vor allem auf Java und Sumatra) und Hafenanlagen wurden ausgebaut, um Rohstoffe schneller aus dem Inselarchipel exportieren zu können.

Die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre traf die rohstoffexportierende Kolonialökonomie schwer. Absatzmärkte brachen ein, der Zuckerpreis kollabierte und zahlreiche Plantagen mussten schließen. Darauf reagierten die Kolonialbehörden mit Schutzzöllen und Bemühungen, die Wirtschaft etwas mehr auf Selbstversorgung umzustellen (z. B. Förderung des heimischen Reisanbaus). Der Zweite Weltkrieg und die japanische Besatzung (1942–1945) brachten die wirtschaftliche Ordnung endgültig zum Erliegen. Produktionsanlagen wurden zerstört oder demontiert, und am Ende der Kolonialzeit stand ein verwüstetes Land. Nach der Proklamation der indonesischen Unabhängigkeit 1945 und dem Unabhängigkeitskrieg (bis 1949) lag die Produktion am Boden. Zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit lag das BIP pro Kopf bei lediglich ca. 800 US-Dollar und damit unter dem Wert von 1913. Die Startbedingen waren denkbar ungünstig. Es gab wenig einheimisches Know-how, da die wirtschaftliche Macht in der Kolonialzeit auf die niederländische Minderheit konzentriert war, die das Land verlassen hatte. Außerdem war die Infrastruktur in dem territorial zersplittertem Land mangelhaft und das Bevölkerungswachstum sehr hoch.

Sukarno-Ära (1949–1965) Die ersten Jahre nach der Unabhängigkeit waren politisch wie ökonomisch instabil. Präsident Sukarno verfolgte einen nationalistisch geprägten wirtschaftspolitischen Kurs, der als „Geführte Wirtschaft“ (Guided Economy) bezeichnet wurde. Zunächst bestanden in den 1950er-Jahren noch moderate Wachstumsraten, doch regionale Aufstände und eine überschuldete Staatskasse führten bald zu Schwierigkeiten. Im Jahr 1957/58 wurden praktisch alle niederländischen Unternehmen und viele andere ausländische Betriebe nationalisiert, was westliches Kapital vertrieb. Sukarno orientierte sich außenpolitisch zunehmend an der Sowjetunion und China und nahm keine westliche Entwicklungshilfe mehr an. Gleichzeitig wurden ehrgeizige und kostspielige Prestigeprojekte verfolgt (etwa das Bauvorhaben eines gigantischen Nationaldenkmals in Jakarta), die mangels Einnahmen durch exzessives Gelddrucken finanziert wurden. Die Folgen waren verheerend: Die Inflation stieg ab 1962 auf über 100 % jährlich und erreichte 1965 einen Höchstwert von rund 600 %. Exporterlöse und das Pro-Kopf-Einkommen gingen zurück, etwa sanken die Einnahmen aus dem traditionellen Plantagensektor zwischen 1958 und 1966 um ein Viertel.

Eine weitere Belastung stellte die sogenannte Konfrontasi-Politik gegen das neu gebildete Nachbarland Malaysia dar. Es wurden beträchtliche Mittel in militärische Abenteuer gelenkt. Bis Mitte der 1960er-Jahre befand sich Indonesien wirtschaftlich im freien Fall: Lebensmittel wurden knapp, die Infrastruktur verfiel, und ausländische Devisenreserven waren nahezu erschöpft. Nach einem Militärputsch und politischem Chaos 1965/66 verlor Sukarno die Macht. Die Wirtschaft war zu diesem Zeitpunkt durch Planungsversagen und Missmanagement gekennzeichnet, mit hoher Inflation, brachliegender Produktion und isolierter Außenwirtschaft.

„Neue Ordnung“ unter Suharto (1966–1998) Mit dem Regimewechsel 1966 begann die Periode der Neuen Ordnung (Orde Baru) unter Präsident Suharto, die über drei Jahrzehnte stabile autoritäre Herrschaft und wirtschaftlichen Aufschwung brachte. Suharto setzte ein Team westlich ausgebildeter Ökonomen ein (scherzhaft „Berkeley-Mafia“ genannt), um die ruinierte Volkswirtschaft zu sanieren. Zunächst hatte die makroökonomische Stabilisierung oberste Priorität: Die Geldmenge wurde straff begrenzt, Preiskontrollen für Grundnahrungsmittel eingeführt und die völlig entwertete Indonesische Rupiah 1966 im Verhältnis 1000:1 neu denominiert. Die Inflation konnte so von dreistelligen Raten auf unter 10 % gedrückt werden. Zugleich öffnete sich Indonesien wieder für ausländische Hilfe und Investitionen: Bereits 1967 verabschiedete das Parlament ein Investitionsgesetz, das ausländischem Kapital großzügige Anreize bot. Internationale Geber (darunter Weltbank, Niederlande, USA und Japan) spannten einen Hilfsfonds auf, der den Import lebenswichtiger Güter finanzierte und den Grundstein für die Erholung legte.

Ab den 1970er-Jahren profitierte Indonesien enorm vom Ölboom. Durch steigende Erdöl- und Erdgaspreise flossen dem Staat sprudelnde Exporterlöse zu. Suhartos Regierung verwendete einen Teil dieser Einnahmen für den Aufbau von Basisindustrien (z. B. Stahl, Zement, Düngemittel) und den Ausbau der Infrastruktur. Die Wirtschaft wuchs unter Suharto durchschnittlich um etwa 7 % pro Jahr, begleitet von deutlicher Armutsreduktion. Die Weltbank zählte Indonesien in ihrem Bericht East Asian Miracle (1993) zu den asiatischen Erfolgsgeschichten und lobte insbesondere die solide Finanzpolitik und Investitionen in Bildung und Gesundheit. Tatsächlich entstanden in der Orde Baru-Ära neben dem Rohstoffsektor auch arbeitsintensive Industrien (Textil, Schuhe, Nahrungsmittel) und erste diversifizierte Industriecluster auf Java.

Allerdings waren diese Erfolge mit Schattenseiten verbunden. Das Suharto-Regime stützte sich auf ein System aus Korruption, Klientelismus und Nepotismus, das weite Teile von Politik und Verwaltung durchzog. Staatliche Monopole und Günstlingswirtschaft bevorzugten eine kleine Elite, während vielen Unternehmen ohne gute Kontakte der Zugang zu Krediten und Märkten erschwert war. Die wirtschaftlich dominante chinesische Minderheit wurde von dem nationalistischen Suharto-Regime entrechtet. Ab den späten 1980er-Jahren bemühte sich die Regierung zwar um Deregulierung (unter anderem wurden der Bankensektor und der Flugverkehr liberalisiert) und förderte exportorientierte Industrien, doch die wirtschaftlichen Strukturschwächen blieben bestehen. So waren das Finanzsystem und die Aufsichtsbehörden unzureichend entwickelt, viele Banken vergaben risikoreiche Kredite an regimenahe Geschäftsleute. Gleichzeitig führten rapide Kapitalzuflüsse in den 1990ern zu einer Überhitzung im Immobiliensektor.

Die Verwundbarkeit der indonesischen Wirtschaft zeigte sich drastisch während der Asienkrise 1997/98. Ausgelöst durch den Währungskollaps in Thailand, kam es auch in Indonesien zu massivem Vertrauensverlust internationaler Investoren. Die Rupiah, die bis Mitte 1997 relativ stabil gewesen war, verlor innerhalb weniger Monate über zwei Drittel ihres Wertes. Viele lokale Unternehmen hatten sich in US-Dollar verschuldet; durch die Rupiah-Abwertung explodierte ihre Schuldenlast. Das Bankensystem geriet in Panik – zahlreiche Banken kollabierten oder konnten nur durch Notkredite der Zentralbank überleben. Bis 1998 schrumpfte die indonesische Wirtschaft in historisch beispiellosem Ausmaß: Das Bruttoinlandsprodukt brach 1998 um 13,6 % ein, was katastrophale soziale Folgen hatte. Die wirtschaftliche Krise weitete sich zu einer gesellschaftlichen und politischen Krise aus; landesweite Proteste und Unruhen führten schließlich im Mai 1998 zum Rücktritt Suhartos, der 32 Jahre geherrscht hatte.

Entwicklung seit der Asienkrise (1998 bis heute) Nach dem Kollaps von 1998 begann Indonesien mit umfassenden Reformen, die als Reformasi-Phase bezeichnet werden. Politisch vollzog sich der Übergang zur Demokratie, wirtschaftlich stand die Erholung und der Umbau des Finanz- und Staatssektors im Vordergrund. Die Regierung unter Präsident Habibie schloss mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mehrere Abkommen, die Bankenrestrukturierung, Privatisierungen und die Einführung eines modernen Insolvenzrechts vorsahen. Durch Schuldenerlasse und Hilfskredite stabilisierte sich die Lage. Bereits 1999 kehrte die Wirtschaft auf einen Wachstumskurs zurück und in den 2000er-Jahren pendelte sich das jährliche BIP-Wachstum bei soliden 4–6 % ein. Zwischen 1998 und der COVID-19-Pandemie 2020 erlebte Indonesien zwei Jahrzehnte nahezu ununterbrochenen Aufschwung, begleitet von erheblichen Wohlstandsgewinnen. Das Pro-Kopf-Einkommen stieg stark an, und die Armutsquote wurde von über 20 % (1999) auf unter 10 % im Jahr 2019 gesenkt.

Die Inflation wurde durch eine unabhängige Zentralbank und vorsichtige Geldpolitik meist im einstelligen Bereich gehalten, die Staatsverschuldung blieb dank wachsender Wirtschaft auf moderatem Niveau. Zugleich profitierte das Land vom Rohstoffboom der 2000er-Jahre: Hohe Weltmarktpreise für Kohle, Palmöl, Erdgas, Kupfer und Nickel bescherten kräftige Exportüberschüsse. Anders als 1997 erwies sich Indonesien in der globalen Finanzkrise 2008/09 als relativ widerstandsfähig – das Wachstum blieb mit +4,6 % (2009) positiv, gestützt vor allem durch eine starke Binnennachfrage.