Stefan Kutzsche (* 15. April 1954 in Frankfurt am Main) ist ein norwegischer Kinderarzt, Neonatologe, Anästhesiologe, Medizinhistoriker und Professor der Medizin. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der neonatologischen Physiologie und Neurowissenschaft, insbesondere bei Mechanismen neonataler Hirnschädigungen und der kritischen Versorgung Neugeborener. Darüber hinaus veröffentlichte er Arbeiten zu medizinischer Ethik, medizinischer Ausbildung und der Geschichte der Kindergesundheit.
Leben Er wurde in Frankfurt am Main geboren und ist Enkel des norwegischen Mathematikers Theodor Haagaas. Wegen der beruflichen Tätigkeit seines Vaters als bakteriologischer Forscher verbrachte er seine Kindheit an verschiedenen Orten, darunter in West-Berlin. Er schloss sein Medizinstudium 1983 an der Universität Hamburg ab, und lebt seit 1983 in Norwegen. 2002 promovierte er an der Universität Oslo im Fach Neonatologie mit einer experimentellen Arbeit zur Pathophysiologie neonataler Hirnschädigungen. Er ist Facharzt für Kinderheilkunde sowie für Anästhesiologie.
Zwischen 1994 und 2014 arbeitete er am Universitätskrankenhaus Oslo (Ullevål) als Oberarzt bzw. Leitender Oberarzt in der Kinderanästhesie, der pädiatrischen Intensivmedizin und der Neonatologie; zeitweise leitete er die pädiatrische Intensivstation. Er war außerdem an den Universitäten Tromsø und Oslo in der medizinischen Forschung tätig. Zudem war er über viele Jahre als Arzt im Such- und Rettungsdienst der 330. Staffel (Banak) der norwegischen Luftstreitkräfte im äußersten Norden Norwegens sowie in den arktischen Gewässern – einschließlich der Region um Svalbard – im Einsatz. Er war später Chefarzt der Norwegischen Luftambulanz-Stiftung. Von 2014 bis 2018 war er Professor an der International Medical University in Kuala Lumpur und Direktor des dortigen Zentrums für medizinische Ausbildung. Er war zudem in humanitären Projekten in Kambodscha und Laos tätig, unter anderem am Angkor Hospital for Children. 2019 wurde er fachlicher Berater für Bildungsfragen am Universitätskrankenhaus Oslo.
Er war Vorsitzender des norwegischen Ausschusses für die Anerkennung ausländischer medizinischer Abschlüsse, Mitglied des Vorstands der Norwegischen Kinderärztegesellschaft und Herausgeber ihrer Zeitschrift Paidos, Mitglied der norwegischen Fachkommission für Kinderheilkunde sowie Mitglied der Klinischen Ethikkommission des Universitätskrankenhauses Oslo. Zudem ist er beratendes Mitglied des Centre for Bioethics and Humanities der International Medical University und Vorstandsmitglied zweier wohltätiger Stiftungen der Osloer Frauen-Gesundheitsvereinigung sowie Mitglied des Herausgebergremiums von Acta Paediatrica.
Forschung
Seine biomedizinische Forschung konzentriert sich auf die Physiologie neonataler Hirnschädigungen und der Intensivmedizin; zudem veröffentlichte er Arbeiten zu medizinischer Ethik, medizinischer Ausbildung und zur Geschichte der Kindergesundheit. Im Bereich der Neonatologie und Neurowissenschaften befasste er sich mit der Frage, wie sauerstoffabhängige Mechanismen sekundäre Hirnschäden nach perinataler Asphyxie beeinflussen. Gemeinsam mit seinem Doktorvater Ola Didrik Saugstad untersuchte er, inwieweit die bei der Notfallreanimation eingesetzte Sauerstoffkonzentration (100 % Sauerstoff im Vergleich zu Raumluft) das Ausmaß neurologischer Schädigung und die Erholung beeinflussen kann – ein klinisch hochrelevantes Thema, das zu den technisch und ethisch anspruchsvollsten Bereichen der modernen Neonatalmedizin zählt, da die Behandlung innerhalb weniger Minuten erfolgen muss und sowohl das Überleben als auch den neurologischen Langzeitverlauf prägen kann. Bereits in den 1990er-Jahren trug er damit zu den experimentellen und physiologischen Arbeiten bei, die die langjährige Praxis des routinemäßigen Einsatzes von 100 % Sauerstoff bei Neugeborenenreanimationen in Frage stellten und zu den Grundlagen der späteren Änderung internationaler Leitlinien im Jahr 2010 gehörten. Darüber hinaus veröffentlichte er experimentelle Studien zu systemischer Inflammation und intensivmedizinischer Physiologie, unter anderem zu Endotoxämie und Organreaktionen in Großtiermodellen. Er veröffentlichte über 35 Arbeiten in medizinischen Fachzeitschriften, darunter in Pediatrics, Pediatric Research, Biology of the Neonate, Critical Care Medicine, Pediatric Critical Care Medicine, Thrombosis Research, Acta Paediatrica und Acta Anaesthesiologica Scandinavica.
Einzelnachweise
Kategorie:Pädiater Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Oslo) Kategorie:Norweger Kategorie:Geboren 1954 Kategorie:Mann