mini|Schloss Tourelles am Ufer der Seine Vernon Schloss Tourelles (französisch Château des Tourelles) ist ein mittelalterlicher Donjon in Vernon im Département Eure in der Region Normandie. Das um 1200 errichtete Bauwerk gehört zu den bedeutenden königlichen Brücken- und Wehrbauten an der Seine und steht seit dem 12. Januar 1945 als monument historique unter Denkmalschutz.
Lage Das Schloss liegt am rechten Ufer der Seine im Osten des Départements Eure, nahe der durch die Gemälde von Claude Monet bekannten Alten Mühle von Vernon und der historischen Brückenstelle von Vernonnet. Es befindet sich in der Landschaft des Vexin normand und bildet zusammen mit dem alten Mühlenensemble, der früheren Brückenanlage und den Inseln Talus, Hébert und Saint-Jean einen seit 1943 geschützten Flussabschnitt.
Geschichte mini|Infotafel zum Chateau des Tourelles franz. Ursprünge des Brückensystems von Vernon Die mittelalterliche Brücke über die Seine und das Ensemble des Vieux-Moulin bilden den historischen Kontext des späteren Donjons der Tourelles. Die Anlage liegt in einem seit dem 22. November 1943 geschützten Naturbereich. Ein gemeinsames Projekt von Département Eure und den Städten Vernon und Giverny ermöglichte ab 2013 die Öffnung des gesamten Uferabschnitts für Fußgänger und Radfahrer.
Die erste Erwähnung eines Brückenturms erscheint 1203 in einem königlichen Register. Bereits zuvor existierten hölzerne Brückenkonstruktionen mit Mühlen, Lagerräumen und Zollstellen, deren Pfeiler und Pfahlgründungen sowohl die Brücke als auch die Nutzung des Flusswassers trugen. Bis ins 19. Jahrhundert blieb der Standort nahezu unverändert und war eng in die Stadtbefestigung integriert.
Am 14. Januar 1189 ließ König Philipp II. August die bestehende Brücke zerstören, um einen möglichen Vorstoß Richard Löwenherz’ zu erschweren. Die Engländer errichteten anschließend eine eigene Holzbrücke und ein befestigtes Torhaus, dessen Fundamente bis heute sichtbar sind.
mini|Château des Tourelles und die Alte Mühle am Ufer der Seine. Entstehung im frühen 13. Jahrhundert Nach der Rückeroberung von Vernon im Jahr 1196 ließ Philipp II. August die Befestigungen des rechten Seineufers neu anlegen. Der Donjon der Tourelles ersetzte wahrscheinlich eine ältere, möglicherweise unter Heinrich I. von Normandie entstandene Anlage. Die neue Befestigung diente der Sicherung der Brücke und der Kontrolle des Verkehrs auf dem Fluss. Die erste Erwähnung erscheint 1202/1203 als „tour du pont“ („Brückenturm“).
Restaurierung durch Le Moine de Belle-Isle (1760–1763) Am 30. Mai 1760 überließ Marschall de Belle-Isle das Schloss M. Le Moine de Belle-Isle. Dieser leitete eine umfassende Restaurierung ein, wie eine lateinische Inschrift von 1763 („Restauratum anno domini 1763“) auf der Westfassade belegt. Dabei verschwanden die mittelalterlichen Zinnen und Maschikulis; der Donjon erhielt ein pavillonartiges Dach, die Tourellen konische Schieferdächer.
Umnutzung im 18. und 19. Jahrhundert 1778 wurde das Gebäude an den Müller Planter verkauft, der es zu einer Minoterie umgestaltete: große Öffnungen wurden gebrochen, hölzerne Plattformen auf Tourellen errichtet und zahlreiche Schießscharten vermauert. Während der Revolution diente das Schloss als Gefängnis; zwischen 1841 und 1849 wurde es als Kaserne genutzt. 1854 erwarb der Industrielle Ogerau das Anwesen und richtete eine Gerberei ein.
Zerstörungen und Wiederaufbau im 20. Jahrhundert Bombardierungen im Juni 1940 und erneut 1944 beschädigten Dach und westliche Tourelle. Restaurierungen erfolgten 1959–1960 sowie 1982. Am 4. Oktober 1955 ging das Schloss in den Besitz der Stadt Vernon über.
Architektur Der Donjon besteht aus einem quadratischen Baukörper mit etwa 10,5 m Seitenlänge und vier zylindrischen Ecktourellen. An der Südseite befand sich ein weiterer quadratischer Bau mit zwei überkragenden Tourellen zur Seine. Das Ensemble war von Mauern und Gräben umgeben.
Der erste Stock beherbergt eine große Halle mit Kreuzrippengewölbe und einer mit Weinblättern und Trauben verzierten Schlussplatte; die Rippen enden in Konsolen mit Blattwerk und Köpfen. Das zweite Obergeschoss („Kapelle“) besitzt ebenfalls ein Kreuzrippengewölbe, dessen Rippen auf Engelsköpfen ruhen. Die nördliche Tourelle bewahrt eine ursprüngliche Wendeltreppe, die südliche eine moderne.
Denkmalschutz Das Schloss ist seit dem 12. Januar 1945 als monument historique klassifiziert. Es ist außerdem Teil eines geschützten Natur- und Landschaftsbereiches am rechten Seineufer.
Kultur Das Schloss diente als Drehort für den Film Balduin, der Ferienschreck (frz. Les Grandes Vacances) mit Louis de Funès.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Schloss in der Normandie Kategorie:Bauwerk im Département Eure Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Kategorie:Monument historique in Vernon (Eure) Kategorie:Wehrturm in Frankreich