alt=Hermann Schumann mit 48 Jahren|mini|hochkant|Hermann Schumann (1972) Hermann Kurt Schumann (* 9. Dezember 1924 in Düsseldorf; † 7. Februar 1989 in Rostock) war ein deutscher Werkstoffkundler (Metalloge) und Hochschullehrer.

Herkunft Hermann Schumann wurde als Sohn und zweites Kind des Kesselschmiedes gleichen Namens und dessen Ehefrau Emilie, geb. Schlosser, geboren. Er hat eine Schwester, Luise Anna Neppl, geb. Schumann (* 7. April 1920 in Düsseldorf; † 14. April 2002 in München). In Düsseldorf verbrachte er auch seine Schulzeit. Sportlich war er im örtlichen Handballverein aktiv und aufgrund seiner beidhändigen Wurfgewalt auch sehr erfolgreich. Im Oktober 1942 wurde er, knapp achtzehnjährig, zur Wehrmacht in ein Pionierbataillon eingezogen, konnte dort aber weiter Handball spielen und noch Ostern 1943 den „Reifevermerk“ seiner Oberrealschule erhalten.

In der Wehrmacht wurde er zum Funker ausgebildet und zur Artillerie abkommandiert, leistete aber auch als Dolmetscher für Französisch und Italienisch Dienste. Wenige Tage nach seinem 20. Geburtstag, d. h. am 14. Dezember 1944 wurde er in der Po Ebene durch einen Granatsplitter so schwer verletzt, dass er sich einer Amputation am rechten Oberschenkel unterziehen musste. Anderthalb Jahre (bis Juli 1946) verbrachte er in verschiedenen Lazaretten Italiens, Österreichs und Bayerns, ehe er als Gefreiter aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen werden konnte. Bereits 1943 war die Familie Schumann nach ihrer Ausbombung in Düsseldorf nach Freiberg in Sachsen übergesiedelt, so dass Freiberg nun zu seinem neuen Wohnort wurde.Lutz Schumann, persönliche Erinnerungen des Sohnes.

Ausbildung Mit dem Notabitur einerseits und der erheblichen körperlichen Einschränkung durch die Amputation andererseits war ein Studium in der örtlichen Bergakademie naheliegend. Auch wenn dort am 8. Februar 1946 der Lehrbetrieb offiziell wieder aufgenommen wurde, waren die Nachkriegsbedingungen für die studentische Ausbildung, insbesondere durch Demontagen als Reparationsleistungen an die Sowjetunion, sehr kompliziert.

Hermann Schumann bewarb sich zu einer Zeit in Freiberg für das Fach Metallkunde, zu der niemand recht eine Prognose über die weitere Entwicklung des Institutes zu geben vermochte: Die Demontage war noch nicht „vernarbt“, der Lehrstuhl immer noch unbesetzt (kommissarische Leitung durch den Eisenhüttenkundler Prof. E. Diepschlag) und die Gründung des neuen Instituts für Metallkunde und Materialprüfung stand noch aus. Er begann sein Studium am 28. November 1946, dem offiziellen Beginn des Wintersemesters, zusammen mit 2 weiteren Kommilitonen.

Erst 1948 übernahm der Schweißwerkstoffspezialist Friedrich Erdmann-Jesnitzer den Lehrstuhl für Metallkunde und führte die eigentliche Metallkunde, das bis dahin separate Institut für Materialprüfung sowie das Reglersche Röntgeninstitut zusammen, so dass man wieder von einem recht großen und hinreichend leistungsfähigen Institut sprechen konnte. Nach den vorgeschriebenen zwei Jahren, am 5. Dezember 1948 legte Hermann Schumann seine Diplomvorprüfung mit „Sehr gut“ ab.

Am 11. Dezember 1950, also nach fast genau vier Jahren Studium, in dem er fakultativ auch noch Vorlesungen in Theoretischer Physik besucht hatte, legte er seine Hauptprüfung mit Auszeichnung abUrkunde der Bergakademie Freiberg in der Fachrichtung 'Metallogie' vom 11. Dezember 1950 mit der Graduierung zum 'Diplom-Metallogen'.. Das Abschlusszeugnis lässt nichts zu wünschen übrig. In seiner mit „Sehr gut“ bewerteten Diplomarbeit behandelte er das Thema „Quantitative Untersuchungen zur Grobkornbildung bei Stahl nach Langzeitglühungen“, wobei er unter anderem eine Vielzahl von Orientierungsbestimmungen an Einzelkristalliten mit dem Laueverfahren auszuführen hatte, was mit den damals üblichen graphischen Methoden wenig Spaß gemacht haben dürfte. Aus diesen Arbeiten stammt auch seine erste Publikation.

Ab 15. Januar 1951, seine Verschnaufpause nach dem Diplom dauerte somit nur reichlich drei Wochen, startete er als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Metallkunde. Ein interessantes Detail, das im Archiv der Bergakademie nachzulesen ist, beleuchtet ein wenig die Zeit und seine Persönlichkeit. In der für die Einstellung an der Bergakademie üblichen Beurteilung durch den Studentenrat vom 11. Januar 1951, also zu einer Zeit, in der der „Aufbau des Sozialismus’“ schon mit aller Strenge gehandhabt wurde, heißt es über den angehenden Assistenten Schumann: Er sei –– „fleißig, strebsam und wissenschaftlich sehr qualifiziert... –– Er war oft Vertreter formal-juristischer Auffassungen…–– Wir nehmen an, dass er hinter dem Programm der Regierung der DDR steht.“ Zu Deutsch bedeutete das dreierlei: –– er war überdurchschnittlich intelligent und zielstrebig, –– er war sicher unerwünscht kritisch, aber –– man traute sich auf Grund seiner überdurchschnittlichen Leistungen nicht, ihn zu maßregeln.

Sein ihm zugedachtes Promotionsthema sollte sich mit der Wasserstoffdiffusion in Stahl, insbesondere mit dem Einfluss der Korngröße und einer plastischen Verformung beschäftigen. Nach etwa 16 Monaten hatte er die notwendigen Experimente „im Kasten“ und reichte seine Arbeit am 6. Mai 1952 bei der Fakultät für Naturwissenschaften ein. Während die Freiberger Technologen mit seinen Grundvorstellungen zum Thema Schwierigkeiten hatten, beurteilten sein Doktorvater Prof. Erdmann-Jesnitzer und vor allem der hinlänglich bekannte Hallenser Physiko-Chemiker und späteres Ehrenmitglied der DGM Prof. Franz Sauerwald die Arbeit sehr positiv. Die Promotionsurkunde zum Doktor rer. nat. wurde am 27. September 1952 ausgeschrieben.

Familie Am 12. Juni 1953 heiratet Hermann Schumann seine erste Liebe Ruth Bernhardt (* 12. Juni 1925 in Freiberg; † 20. Oktober 2018 in Rostock) aus Freiberg. Ruth Bernhardt war von 1944 bis 1953 an der Bergakademie in den Instituten Angewandte Geophysik (Direktor Prof. Otto Meißer), Mathematik und Technische Mechanik (Direktor: Prof. Gerhard Christian Grüß) und Metallkunde (Direktor Prof. Erdmann Jesnitzer) als Fotolaborantin, Sekretärin und Dokumentaristin tätig. Das Ehepaar hat zwei Söhne: Lutz Schumann (* 1954 in Dresden) und Dietrich Schumann (* 1956 in Hennigsdorf). Beide studierten und promovierten im Fach Physik an der Universität Rostock. Hermann Schumann starb mit 64 Jahren viel zu früh, u. a. an den Folgen einer obstruktiven Kardiomyopathie, am 7. Februar 1989 in Rostock.

Metallographie – sein Lebenswerk Idee und Beginn in Freiberg Parallel zu seiner Dissertation widmete sich Hermann Schumann mit Intensität der Schaffung von neuen Lehrunterlagen für die Metallographie bzw. Metallkunde einschließlich der für eine Gefügeinterpretation unverzichtbaren Zustandsdiagramme. Nutzen konnte er dabei das von Schwarz’sche Probenarchiv, das er erheblich erweiterte. Mit Rückendeckung durch den damaligen Institutsdirektor Prof. Erdmann-Jesnitzer „schüttete“ Hermann Schumann die Metallografie mit „seinen“ Proben regelrecht zu und erstellte so zahlreiche systematische Gefügereihen von Stählen und Buntmetalllegierungen, die in gedruckter Form noch lange Zeit, d. h. bis in die siebziger Jahre hinein der Ausbildung zur Verfügung standen.

Ein Schwerpunkt der Institutsarbeit in jenen Jahren bildete die Ausbildung junger Metallographinnen. Diese Aufgabe musste der junge Assistent Hermann Schumann übernehmen, und er löste sie mit didaktischem Geschick und großem persönlichen Einsatz. Er war ein gestrenger Chef, es wagte sich z. B. keine der jungen Damen, morgens erst nach ihm das Institut zu betreten. Diese angehenden Metallographinnen unterstützen mit ihren umfangreichen praktischen Übungen seine Bemühungen um die Erstellung von metallographischen Lehrunterlagen. Mit Sicherheit wusste Hermann Schumann von Anbeginn an, dass man aus den Ergebnissen der metallographischen Arbeiten mehr als „nur“ Vorlesungs- und Praktikumsdrucke machen konnte, nämlich ein Buch. Vielen unbekannt ist, dass er bereits 1951 ein Büchlein „Merkblätter zur Metallographie“ im Fachbuchverlag Leipzig publizierte, in dem er auf 64 Seiten einen praktisch orientierten Abriss der Metallographie gab. Eine 2. Auflage erschien 1953.

Nächste Auflagen, erarbeitet am Eisenforschungsinstitut Hennigsdorf Schumann hatte zum 1. August 1953 trotz relativ positiver Gehaltsentwicklungen in Freiberg gekündigt, um an das Henningsdorfer Eisenforschungsinstitut als wissenschaftlicher Abteilungsleiter unter der Direktion des vormaligen Freiberger Professors für Eisenhüttenkunde Eduard Maurer gehen zu können. Die umfangreiche Freiberger Sammlung metallografischer Aufnahmen bildete zusammen mit Ergänzungen aus dem Henningsdorfer Eisenforschungsinstitut die Grundlage für die erste Auflage des eigentlichen Fachbuches Metallographie, die immerhin schon 698 Bilder enthielt und 370 Seiten umfasste.

Der ihm vertraute Fachbuchverlag, der 1955 diese Erstauflage in für die damalige Zeit recht ansprechender Form herausgebracht hatte, bot dieses Buch für deutlich weniger als 30,- Mark an, ein Umstand, der für die weite Verbreitung des Buches durchaus förderlich war. Was Hermann Schumann mit seiner Metallographie beabsichtigte, welches Prinzip er bei der Darstellung des Stoffes realisieren wollte, wird verständlich, wenn man aus seinem Vorwort zitiert.

Dort heißt es:

Bereits 1958, also noch zu seiner von 1953 bis 1960 währenden Henningsdorfer Zeit, erscheint die zweite, deutlich erweiterte Auflage, mit 586 Seiten und 963 Bildern. Waren in der ersten Auflage noch klassische Materialprüfverfahren wie der Zugversuch und die Makrohärte neben die eigentlichen metallografischen Verfahren gestellt worden, bereinigte er das in der zweiten Auflage und fügte die Gefügebildung als Resultat ausgewählter technologischer Ver- und Bearbeitungsstufen ein. Das Henningsdorfer Eisenforschungsinstitut und das Stahl- und Walzwerk des Ortes stellten für diese Erweiterungen eine gute Grundlage dar.

Mit der 1960 folgenden dritten Auflage, die nun auf 600 Seiten und 1012 Bilder angewachsen war, erreicht die Metallographie eine Form, die bis zur 12. Auflage 1987, sieht man von kleineren Korrekturen und Ergänzungen ab, unverändert blieb. So entwickelte sich die Metallographie über mehr als 3 Jahrzehnte zu dem Standardwerk der angewandten Metallographie in deutscher Sprache. Aber auch Übersetzungen ins Rumänische, Kroatische und Koreanische sind Ausdruck der fachlichen Wertschätzung.

Mit neuen Möglichkeiten an der Universität Rostock Mit Wirkung vom 1. September 1960 wurde Hermann Schumann zum Professor mit Lehrauftrag für Werkstoffkunde und Schweißtechnik an der Schiffbautechnischen Fakultät der Universität Rostock ernannt und mit Wirkung vom 28. Oktober 1960 außerdem zum Direktor des Institutes gleichen Namens.Eintrag von „Hermann Schumann“. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. Universität Rostock, 17. November 2022. (online) Er trat damit die Nachfolge von Prof. Friedrich-Carl Althof an, der 1959 die DDR „illegal“ nach Aachen verlassen hatte.Eintrag von „Friedrich-Carl Althof“. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. Universität Rostock, 17. November 2022. (online) Um möglichen Fluchtabsichten nach Westdeutschland entgegenzuwirken und als Zeichen des Erfolges und der Wertschätzung der Arbeiten von Hermann Schumann, wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1961 zwischen ihm und dem Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen der Regierung der DDR ein sogenannter Einzelvertrag geschlossen.