Heini Wolleb (historisch: Heinrich Wolleb, auch: Heinrich Wohlleb oder Heinrich Wolleben; * um 1445 in Ursern; † 20. April 1499 bei Frastanz) war ein eidgenössischer Söldnerführer (Reisläuferhauptmann) und Talmann des Urserentals. Berühmt wurde er durch seine führende Rolle in der Schlacht bei Frastanz im Schwabenkrieg von 1499, in deren Verlauf er fiel.
Familie Heini Wolleb entstammte der politisch einflussreichen Familie Wohlleb aus dem Urserental. Sein Vater Heini Wohlleb ist seit den 1450er-Jahren als Pferdehändler, Ratsmitglied und Altammann bezeugt.Albert Bruckner: „Heini Wolleb“. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 44. Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 775–777. Die Familie verfügte über ausgedehnte Handelskontakte nach Oberitalien und war wiederholt in Konflikte mit dem Herzogtum Mailand verwickelt.Martin Bundi: Die Schweizer im Schwabenkrieg 1499. Hier + Jetzt, Baden 1999, S. 41–45. Seine Mutter, Angelina Russi, stammte ebenfalls aus einer angesehenen Familie.Historisches Lexikon der Schweiz (HLS): Artikel „Wolleb, Heini“, online unter: https://hls-dhs-dss.ch/. Heinrich hatte mindestens einen Bruder, Peter Wohlleb, der gemeinsam mit ihm in Fehden und militärischen Unternehmungen auftrat.Albert Bruckner: „Heini Wolleb“. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 44. Leipzig 1898, S. 775–776.
Leben Frühe Jahre und Fehden Die frühen Konflikte der Familie, insbesondere der Streit mit dem Herzogtum Mailand 1470/71 über beschlagnahmte Pferde, prägten Wohlleb und spielten eine Rolle im Vorfeld des Irniserkriegs (1478).Martin Bundi: Die Schweizer im Schwabenkrieg 1499. Baden 1999, S. 42. Um 1490 kam es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit florentinischen Kaufleuten. Trotz gewährten Geleits wurden die Brüder Wohlleb überfallen, was in eine ausgedehnte Fehde mündete.Claudio Zanetti: Fehdewesen und Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. Peter Lang, Bern 2003, S. 122–124. Die eidgenössische Tagsatzung genehmigte den Brüdern 1492 zeitweise eine private Fehde gegen Florentiner. Aufgrund zunehmender diplomatischer Probleme wurden sie 1494 verpflichtet, die Übergriffe einzustellen.Claudio Zanetti: Fehdewesen und Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. Bern 2003, S. 125.
Auswärtige Dienste Wolleb trat in französische Dienste unter Karl VIII. und war 1494/95 an der Verteidigung der französischen Grenze bei Perpignan beteiligt. Unter dem Herzog von Orléans, dem späteren Ludwig XII., führte er Schweizer Kontingente nach Italien und war an der Einnahme von Novara beteiligt.Martin Bundi: Die Schweizer im Schwabenkrieg 1499. Baden 1999, S. 88. 1497 wechselte er in den Sold des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza und beteiligte sich an der erfolglosen Eroberung der Burg Mesocco.Albert Bruckner: „Heini Wolleb“. In: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 44. Leipzig 1898, S. 776–777.
Auslöser des Schwabenkriegs Zu Beginn des Schwabenkriegs führte Wolleb das Aufgebot des Urserentals. Am 6. Februar 1499 kam es bei Mels zu einem Zwischenfall: Nach Schmähungen durch kaiserliche Landsknechte überschritt Wolleb eigenmächtig den Rhein und setzte Gebäude in Klein-Mels in Brand.Martin Kamm: Der Schwabenkrieg 1499. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1999, S. 102. Die Innsbrucker Regierung wertete dies als Bruch des Glurnser Friedens und nahm den Vorfall zum Anlass, die Kampfhandlungen zu eskalieren.Martin Bundi: Die Schweizer im Schwabenkrieg 1499. Baden 1999, S. 104.
Schlacht bei Frastanz
Die Schlacht bei Frastanz am 20. April 1499 war eine der entscheidenden Auseinandersetzungen des Schwabenkriegs. Die kaiserlichen Truppen hatten eine komplexe Letzi quer durch das Illtal errichtet, bestehend aus Erdwerken, Schanzen, Gräben und flankierenden Stellungen.Martin Kamm: Der Schwabenkrieg 1499. Zürich 1999, S. 129. Besonders stark war die Stellung auf der Höhe mit rund 300 Büchsenschützen sowie dem sogenannten „stählernen Haufen“ von etwa 1500 gepanzerten Tiroler Erzknappen aus Schwaz.Martin Bundi: Die Schweizer im Schwabenkrieg 1499. Baden 1999, S. 130.
Taktischer Plan Wolleb führte am Vorabend der Schlacht eine persönliche Erkundung durch und schlug vor, die Letzi über einen schmalen Bergpfad zu umgehen. Der Anstieg über den Sattel von Planken war steil, teils nur über Ziegensteige passierbar und erforderte provisorische Leitern für Felsabschnitte.Johannes Stumpf: Schweizerchronik. Zürich 1548. Der Überraschungsangriff sollte vor Sonnenaufgang erfolgen, um die gegnerischen Büchsenschützen zu überrumpeln.
Die Führung der eidgenössischen Kontingente übernahm diesen Plan. Wolleb führte rund 2000 Mann über den schmalen Bergweg. Die Büchsenschützen konnten nur unkoordiniert feuern und wurden rasch zum Rückzug gezwungen, was in den Reihen der Tiroler Erzknappen Unordnung verursachte.Martin Kamm: Der Schwabenkrieg 1499. Zürich 1999, S. 130–133.
Entscheidung im Tal Nachdem die feindliche Flanke aufgerieben war, griffen die eidgenössischen Kontingente im Tal frontal an. Zeitgenössische Berichte schildern, dass die Schweizer die gegnerischen Spieße durch das „Drücken nach unten“ aushebelten.Martin Bundi: Die Schweizer im Schwabenkrieg 1499. Baden 1999, S. 136. Die kaiserlichen Linien brachen nach mehreren Stunden Nahkampf zusammen. Zahlreiche Reichstruppen ertranken beim Rückzug in der Ill.
Tod Zum Tod existieren unterschiedliche Berichte. Nach Stumpf wurde er durch einen Hakenbüchsenschuss in den Hals getroffen, stand jedoch nochmals auf, bevor er durch einen Spießstoß tödlich verwundet wurde. Die Zimmern’sche Chronik erwähnt knapp, dass er „erschossen und gefallen“ sei.Zimmern-Chronik, 16. Jahrhundert.
Rezeption In der frühneuzeitlichen Schweizer Geschichtsschreibung, insbesondere bei Stumpf, erscheint Wolleb als „Held von Frastanz“, dessen Mut und Taktik den Sieg ermöglicht hätten. Sein Bild wurde im 19. Jahrhundert durch die nationalromantische Historiographie verstärkt. Adolfo Müller-Ury schuf 1909 ein idealisiertes Porträt, das im Historischen Museum Uri ausgestellt ist.Historisches Museum Uri: Sammlungskatalog, Eintrag „Heinrich Wolleb“.
Die moderne Forschung bewertet Wolleb differenzierter: Er gilt einerseits als bedeutender taktischer Anführer des Schwabenkriegs, andererseits als Vertreter einer spätmittelalterlichen Fehdekultur, deren Eigenmächtigkeiten die eidgenössische Außenpolitik belasteten.Claudio Zanetti: Fehdewesen und Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. Bern 2003, S. 215–230. Das Historische Lexikon der Schweiz bezeichnet ihn als „prägende Persönlichkeit“ des Schwabenkriegs.
Literatur Albert Bruckner: Heini Wolleb. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 44. Leipzig 1898, S. 775–777. Martin Bundi: Die Schweizer im Schwabenkrieg 1499. Hier + Jetzt, Baden 1999. Martin Kamm: Der Schwabenkrieg 1499. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1999. Claudio Zanetti: Fehdewesen und Eidgenossenschaft im 15. Jahrhundert. Peter Lang, Bern 2003. Johannes Stumpf: Schweizerchronik. Zürich 1548. Zimmern-Chronik (16. Jahrhundert).
Weblinks Heinrich Wolleb im Historischen Lexikon der Schweiz
Einzelnachweise
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