mini|Joseph Wolfgang von Deschwanden, um 1850 Joseph Wolfgang Aloys von Deschwanden (* 21. Juli 1819 in Stans; † 11. April 1866 in Zürich) war ein Schweizer Maschinenbauer und Mathematiker.
Leben Joseph Wolfgang von Deschwanden wurde 1819 in Stans geboren. Er war der Sohn des Hauptmanns, Anwalts und Kunstdilettanten Louis Victor von Deschwanden und der Carolina, geb. von Deschwanden. Die Eltern entstammten unterschiedlichen Linien, der aus Kerns eingewanderten Familie von Deschwanden. Er hatte drei jüngere Geschwister, Anna (1820–1862), den Juristen, Richter und Historiker Karl von Deschwanden und den Kunstmaler Theodor von Deschwanden. Sein Onkel war der Historien- und Genremaler Melchior Paul von Deschwanden.
Nach der Dorfschule in Stans besuchte von Deschwanden von 1834 bis 1837 die Katholische Kantonsschule (Flade) in St. Gallen. 1838 wurde er in den zweiten Kurs der Oberen Industrieschule in Zürich aufgenommen, wo er vom Mathematiker Ferdinand Redtenbacher unterrichtet und gefördert wurde. Dazu gehörte die Einführung in den neuesten Stand der Maschinenlehre mittels Modellzeichnungen und Fabrikbesichtigungen. Dem Schulabschluss folgte 1840 die Immatrikulation an der Universität Zürich, wo von Deschwanden Mathematik studierte. Er belegte u. Fächer bei Albert Mousson oder Joseph Ludwig Raabe. Er vertiefte auch seine Kenntnisse in Mechanik und Maschinenbau und konnte mit Einverständnis der Geschäftleitung der Maschinenbaufirma Escher, Wyss & Cie. in deren Fabrik die Maschinen studieren. 1841 wechselte von Deschwanden als Hilfslehrer für angewandte Mathematik und Assistent von Ferdinand Redtenbacher an die Obere Industrieschule, wo er 1842, im Alter von nur 23 Jahren, zum Professor ernannt wurde. Von 1847 bis 1855 stand er der Schule als Rektor vor. 1858 heiratete er Ottilie Grossbach aus einer Luzerner Professorenfamilie; ihr Vater Ernst Grossbach war aus Bayern eingewandert. Das Paar hatte eine Tochter.
Anlässlich der Planungsarbeiten für eine eidgenössische Hochschule bestellte der Zürcher Regierungspräsident Alfred Escher von Deschwanden 1851 in die Expertenkommission. Als Kenner der Materie wirkte er massgeblich am Gesetzesentwurf mit, der 1854 im Bundesgesetz betreffend die Errichtung einer eidgenössischen polytechnischen Schule mündete. Dieser stand von Deschwanden ab 1855 als erster Direktor vor; gleichzeitig wurde er zum Professor für darstellende Geometrie berufen. 1859 trat er vom Amt des Direktors zurück, die Professur hielt er bis zu seinem Tod 1866.
Archiv Der Nachlass von Deschwandens befindet sich im Hochschularchiv der ETH Zürich an der ETH-Bibliothek. Eine Übersicht über diesen Bestand bieten die online einsehbaren Nachlassverzeichnisse in der Research Collection der ETH Zürich. Das Familienarchiv befindet sich im Staatsarchiv Nidwalden in Stans.
Literatur
Weblinks
Archivmaterialien im Hochschularchiv der ETH Zürich: Biographisches Dossier, Fonds zu von Deschwanden mit Korrespondenz, Lebensdokumenten, Ausbildungsunterlagen, Materialien aus Lehre und Forschung inkl. Tagebüchern, künstlerischem Werk und Material zur Gründung des Polytechnikums.
Einzelnachweise
Kategorie:Maschinenbauingenieur Kategorie:Mathematiker (19. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (ETH Zürich) Kategorie:Absolvent der Universität Zürich Joseph Wolfgang Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1819 Kategorie:Gestorben 1866 Kategorie:Mann