mini|Das Pioda-Denkmal (2019) Das Pioda-Denkmal ist ein von Antonio Chiattone gestalteter, 1897 eingeweihter Obelisk in Locarno im Schweizer Kanton Tessin, der dem Gedenken an den Bundesrat Giovanni Battista Pioda (1808–1882) gewidmet ist.

Geschichte Projektierung Als 1888 der liberale Grossrat und Journalist Augusto Mordasini mit erst 41 Jahren in Locarno starb, konstituierte Rinaldo Simen gemeinsam mit Parteigenossen sogleich ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals. Aus 15 eingesandten Entwürfen entschied sich die Jury Anfang Oktober 1888 für jenen von Antonio Soldini,Monumenti Mordasini e Pioda. In: Gazzetta Ticinese 6. Oktober 1888, S. 3 (online). der binnen kürzester Zeit ausgeführt, auf der Piazza Grande aufgestellt und am 19. Februar 1889 feierlich eingeweiht wurde.Il monumento ad Augusto Mordasini. In: Gazzetta Ticinese. 18. Februar 1889, S. 2 (online). Den zweitplatzierten Entwurf von Antonio Chiattone wollte dasselbe Komitee nun für ein Denkmal für den gebürtigen Locarner Giovanni Battista Pioda verwenden, der bereits 1882 in Rom verstorben und begraben worden war. Die konservativ geprägte Gemeinde Locarno verweigerte aber eine Platzierung auf öffentlichem Grund, was die Realisierung jahrelang verzögerte.Per il Monumento a G. B. Pioda. In: Gazzetta Ticinese. 7. September 1897, S. 3 (online). Im Juni 1895 bot die Stadt Bellinzona an, das Denkmal stattdessen auf dem Platz vor dem Palazzo delle Orsoline, dem Sitz der Tessiner Regierung, zu errichten.Monumento Pioda. In: Gazzetta Ticinese. 1. Juni 1895, S. 2 (online). Da es jedoch unbedingt in Piodas Geburtsstadt zu stehen kommen sollte, entschied sich das Komitee 1897, es «provisorisch» im Garten der Casa Pioda aufzustellen. Hier befand es sich zwar auf einem Privatgrundstück, da dieses aber lediglich durch ein Gitter von der Via San Francesco getrennt war, war das Monument für die Allgemeinheit bestens einsehbar. Piodas gleichnamiger Sohn, der als Minister in Washington amtete, erteilte seine Zustimmung. Im Vorfeld der Einweihung wurde am 7. September 1897 Piodas Leichnam nach Locarno überführt und auf dem Friedhof Santa Maria in Selva im engsten Familienkreis bestattet. Die Ehreneskorte bildeten sein Sohn und der Nationalrat Alfredo Pioda.Da Locarno. In: Gazzetta Ticinese. 9. September 1897, S. 2 (online).

Einweihung Die Einweihung fand am 19. September 1897, dem Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, statt und lockte trotz Regenwetter zahlreiche Gäste aus dem gesamten Kanton an. In einem grossen Umzug begab sich die Festgemeinde, begleitet von den Musikkapellen von Bellinzona und Mendrisio, vom Bahnhof Locarno aus zunächst an Piodas Grab, wo sie einen Kranz niederlegte, und dann zur Casa Pioda. Hier intensivierte sich das Unwetter noch einmal, dessen ungeachtet hielten Staatsrat Rinaldo Simen, der Präsident des Denkmalkomitees, Staatsrat Luigi Colombi und der Architekt Augusto Guidini ihre Reden vor dem Denkmal. Zum Abschluss legte man einen weiteren Kranz an Mordasinis Grab nieder.Inaugurazione del monumento a G. B. Pioda. In: Gazzetta Ticinese. 20. September 1897, S. 2 (online).

Die Errichtung fiel mitten in den Tessiner Kulturkampf, und dass es den Liberalen gelungen war, entgegen dem städtischen Verbot einer ihrer Galionsfiguren doch ein Denkmal im Herzen Locarnos zu setzen, war ein ungeheurer Affront für die Konservativen. Die katholische Wochenzeitung Il Patriota Ticinese ereiferte sich, das Monument sei eine «Apotheose des Freidenkertums, der Irreligion, des Materialismus und des Unglaubens» und für die grosse Mehrheit der Tessiner Bevölkerung eine «Beleidigung». Mit seiner Einweihungsfeier werde überdies der nationale Festtag profaniert.Cose del giorno. In: Gazzetta Ticinese. 20. September 1897, S. 1 (online).

Versetzung mini|Das Pioda-Denkmal an der Piazza San Francesco Um die Piazza San Francesco zu vergrössern, wurde der Pioda-Garten 1950 abgerissen und das Pioda-Denkmal 1951 in den benachbarten Garten des (1887 von Augusto Guidini errichteten)Virgilio Gilardoni: Monumento a G. B. Pioda. In: Locarno e il suo circolo (= I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino, Band 1). Birkhäuser, Basel 1972, S. 96 (online). Kindergartens bei der Kirche San Francesco versetzt.Voci del publico. In: Eco di Locarno. 25. August 1951, S. 2 (online).Cento anni fa moriva Giovan-Battista Pioda. In: Eco di Locarno. 5. August 1982, S. 3 (online). Laut der Stadt war dies die einzige Möglichkeit, dem Monument «eine gewisse Würde» zu bewahren. Die liberale Zeitung Eco di Locarno hätte hingegen eine Aufstellung in den öffentlichen Gärten beim Kursaal präferiert.Da una piazza all’altra. In: Eco di Locarno. 4. Mai 1950, S. 2 (online). 1979 schlug dasselbe Blatt vor, es angesichts seiner sträflichen Vernachlässigung und seines zunehmenden Zerfalls auf den Friedhof von Santa Maria in Selva zu verbringen.Monumenti negletti. In: Eco di Locarno. 18. August 1979, S. 5 (online).

Beschreibung Der Obelisk aus Baveno-Granit steht auf einer dreistufigen Krepis. An der Frontseite des Postaments ist ein Bronzemedaillon mit Piodas Reliefporträt eingelassen. Darüber ruht, ungleich grösser und als zentrales Element, ein Freiheitsengel mit phrygischer Mütze, einem seit der Französischen Revolution als «Jakobinermütze» gängigen Freiheitssymbol. Darunter ist eine Tafel mit folgender Inschrift angebracht:

In seiner Symbolik geht das Denkmal weit über ein reines Verdienstdenkmal hinaus und ist ein eigentliches Fanal des Liberalismus.

Das Denkmal gilt gemeinhin als Werk von Antonio Chiattone.Carl Brun: Chiattone, Antonio. In: Schweizerisches Künstler-Lexikon. Erster Band: A–G. Huber, Frauenfeld 1905, S. 295. Der Bollettino Storico della Svizzera Italiana gab 1897 die «Gebrüder Chiattone» (fratelli Chiattone) als Schöpfer an, was auf eine Mitarbeit von Giuseppe Chiattone hinweist.Monumento Pioda. In: Bollettino Storico della Svizzera Italiana. Band 19, Nr. 12, Dezember 1897, S. 200.

Siehe auch Liste von Denkmälern im Kanton Tessin

Literatur Virgilio Gilardoni: Monumento a G. B. Pioda. In: Locarno e il suo circolo (= I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Band 1). Birkhäuser, Basel 1972, S. 96 (online).

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Denkmal in Locarno Kategorie:Bauwerk in Locarno Kategorie:Bronzeskulptur (Schweiz) Kategorie:Skulptur (1897)