Quellen: Zur Kilometrierung ab Valmiera siehe auch die Eisenbahnstreckenkarte Lettland, 1925. |} Die Schmalspurbahn Ainaži–Valmiera–Smiltene (Wolmarer Zufuhrbahn, lettisch Valmieras Šaursliežu Pievedceļa sabiedrība, VŠP) war eine mit Zweigstrecken 127 km lange Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 750 mm. Sie führte in Lettland vom Hafen in Ainaži über Valmiera nach Smiltene.
Geschichte Gründung Die Schmalspurbahn wurde 1902 von Großgrundbesitzern des damaligen Gouvernement Livland gegründet. Darüber hinaus erklärten sich die Papierfabrik Staicele und die Bierbrauerei Kocēni bereit, den Bau der vom Besitzer des Gutshofs Smiltene, dem Verkehrsingenieur Graf Paul von Lieven (1875–1963), vorgeschlagenen Eisenbahnlinie mitzufinanzieren.Ainaži-Valmiera-Smiltene Railway Line.
Paul von Lieven begann 1908 mit den Planungsarbeiten und 1910 mit den Bauarbeiten für die Eisenbahnstrecke. Sie wurde mit vorgefertigten geraden und gebogenen 5 m langen Gleisjochen auf jeweils 10 Eisenschwellen gebaut und war dadurch schnell fertig. Insgesamt kosteten die Bauarbeiten 2,9 Millionen Rubel, wovon 74.600 Rubel für den Erwerb von 340 Hektar Land für die Eisenbahnstrecken und für Bahnhofsgebäude bezahlt wurden.Valters Grīviņš: Šaursliežu dzelzceļa tilts (Dzelzs tilts) Valmierā. 21. Juli 2023.
Am 14. August 1911 wurde der Streckenabschnitt Smiltene–Valmiera in Betrieb genommen. Das Bahnhofsgebäude in Valmiera war im September 1911 fertig und der Betrieb auf dem Streckenabschnitt Valmiera–Puikule wurde am 11. Oktober 1911 aufgenommen. Am 12. August 1912 begann der reguläre Verkehr. Ab 1913 waren die Zweigstrecken zur Brauerei Kokmuiža und zur Papierfabrik Staicele in Betrieb.
Weltkriegszeiten Die Regierung gestattete 1913 der Wolmarer Zufuhrbahn-Gesellschaft, Vorarbeiten für eine knapp 60 km lange Verlängerung der Strecke über Neu-Pebalk (Jaunpiebalga) nach Alt-Pebalk (Vecpiebalga) auszuführen.Vorarbeiten für eine Fortsetzung von Neu-Pebalk (Jaunpiebalga) nach Alt-Pebalk (Vecpiebalga). In: Nordlivländische Zeitung N° 156, 13. Juli 1913, S. 2.Möglicher Streckenverlauf der knapp 60 km langen Streckenverlängerung. In den Wirren des Lettischen Unabhängigkeitskriegs wurden diese Pläne aber nicht verwirklicht.
Nach Lettlands Unabhängigkeitserklärung vom 18. November 1918 übernahm die neue Staatsbahn Latvijas Valsts Dzelzsceļi (LVD) in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs spätestens im August 1919 den Betrieb der Zufuhrbahn. Am 1. September 1924 übertrug sie die ihr gehörende Strecke Ainaži–Smiltene mit einer Gesamtlänge von 113,2 km an die Aktiengesellschaft Valmieras šaursliežu Pievedceļš (VŠP, Valmieras Schmalspurbahn). Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Bahn 1941 erneut verstaatlicht.
Während des Rückzugs im Zweiten Weltkrieg, im Herbst 1944, sprengten die Streitkräfte der Wehrmacht zahlreiche Bahnhofsgebäude. Hiervon war der Streckenabschnitt Smiltene-Valmiera betroffen.
Nach 1945 Im Frühjahr 1957 wurde eine knapp 1 km lange Zweigstrecke zum Eisenbahnschotterwerk (Ainažu Dzelzceļa Akmeņu Karjers) in der Nähe der Häuser Kūdriņi () und Vilspuri () verlegt. Die Steine für den Brecher wurden aus der näheren Umgebung herangeschafft, die sehr reich an Steinen unterschiedlicher Größe war. Aus den größten Steinen wurden Denkmäler in mehreren Orten Lettlands errichtet. Die meisten Steine wurden aber zerkleinert, gereinigt und sortiert. Die fertigen Produkte wurden mit der Schmalspurbahn zum Bahnhof Puikule transportiert, wo sie auf Breitspur-Eisenbahnwagen umgeladen wurden, um als Gleisschotter zwischen den Betonschwellen der Eisenbahnlinien der UdSSR eingebracht zu werden. In der Steinbrechanlage arbeiteten die Bewohner der umliegenden Häuser, bis sie 1962 stillgelegt wurde.Eisenbahnschotterwerk bei den Häusern Kūdriņi und Vilspuri: Foto 1, Foto 2 und Foto 3.
Stilllegung Ab 1970 wurde die Strecke abschnittsweise stillgelegt und abgebaut, die letzten Güterzüge fuhren 2002 auf dem Streckenabschnitt zur Torffabrik. Heute verläuft ein stellenweise unbefestigter Greenrailways-Radwanderweg auf der alten Trasse. Entlang der Strecke sind Informationstafeln aufgestellt, die über die Geschichte der Eisenbahn und die an der Route gelegenen Objekte berichten.
Betrieb Die gemischten Züge dienten dem kombinierten Personen- und Güterverkehr. Aufgrund der zeitaufwendigen Lade- und Rangierarbeiten dauerte die einfache Fahrt von Smiltene nach Valmiera fahrplanmäßig eineinhalb Stunden und von Valmiera nach Ainaži sogar fünf Stunden. Folgendes Frachtaufkommen wurde 1923 transportiert:Ineta Amoliņa: Pa bānīša takām… Šaursliežu dzelzceļa Smiltene – Ainaži apraksts. 2010.
Frachtgut Tonnen Brennholz 30.597 t Rohholz: Langholz, Kurzholz, Holzklötze, Holzscheite usw. 12.666 t Steinkohle 11.357 t Steine 9.837 t Schnittholz: Balken, Bretter, Latten 6.542 t Papier und Karton 6.420 t Kunstdünger 4.843 t Kartoffeln 2.906 t Rundholz: Pfähle, Stangen usw. 2.250 t Flachs und Hanf 1.235 t Butter 912 t
Draisinenbahn Auf einem etwa 4 km langen Streckenabschnitt bei Zilaikalns werden für Touristen Draisinenfahrten mit vier muskelbetriebenen Schienenfahrrädern angeboten.
Wichtige Bauwerke
Bild Bauwerk 222px Ainaži, Seehafen, Nord-Mole 222px Bahnhof Ainaži 222px Steinbruchbahn Vilspuri 222px Salaca-Brücke 222px Bahnhof Zonepe und Wasserturm 222px Bahnhof Pāle 222px Zweigstrecke nach Staicele 222px Bahnhof Ārciems 222px Bahnhof Puikule 222px Bahnhof Ozoli 222px Anschlussgleise in der Brauerei Kokmuiža 222px Kocēni (Kokenhof) 222px Gauja-Brücke 222px Güter-Umladebahnhof Valmiera 222px Ehemaliger Güterbahnhof in Smiltene
Schienenfahrzeuge Am 1. September 1924 verfügte die Bahn über sechs Dampflokomotiven, davon fünf der Bauart D n2 und eine der Bauart C n2t+t, 11 Personenwagen mit jeweils 64 Sitzplätzen, 2 Gepäckwagen, 28 gedeckte Güterwagen mit einer Tragkraft von 12,5 Tonnen, 26 Plattformwagen und 19 Güterwagen.
Bild LVD-Nr. o. Werks-Nr. Nr. Anmerkungen 222px Pp-751 A 1 Kolomna Type 65, Bauart D n2, Baujahr 1911 222px Pp-752 A 2 Kolomna Type 65, Bauart D n2, Baujahr 1911Peeter Klaus und Keith Chester: The Narrow Gauge Steam Locomotives of Estonia. ISBN 91-7266-165-8, ISBN 978-91-7266-165-3, S. 87. 222px Pp-753 A 4 Kolomna Type 65, Bauart D n2, Baujahr 1911 222px A 5 Kolomna Type 65, Bauart D n2, Baujahr 1911 222px Pp-785 B 1 Kolomna Type 65, Bauart D n2 222px B 2 Kolomna Type 65, Bauart D n2 222px Bauart C n2t+t Werks-Nr. 3665/1909 Orenstein & Koppel, Bauart C n2t Werks-Nr. 3666/1909 Orenstein & Koppel, Bauart C n2t Werks-Nr. 4366/1911 Orenstein & Koppel, Bauart C n2t Werks-Nr. 4367/1911 Orenstein & Koppel, Bauart C n2t Werks-Nr. 4368/1911 Orenstein & Koppel, Bauart C n2t Werks-Nr. 4686/1911 Orenstein & Koppel, Bauart C n2t Werks-Nr. 4687/1911 Orenstein & Koppel, Bauart C n2t Werks-Nr. 4688/1911Roland Bude, Klaus Fricke and Martin Murray: O&K-Dampflokomotiven: Lieferverzeichnis 1892–1945. Verlag Railroadiana, Buschhoven 1978, ISBN 3-921894-00-X. (Auszugsweiser Nachdruck einer O&K-Veröffentlichung) Orenstein & Koppel, Bauart C n2t 222px Werks-Nr. 3795/1912 J.A. Maffei, Dampfspeicherlokomotive der Bierbrauerei Kokenhof (Kocēni) bei Wolmar (Valmiera), Bauart B fl 222px Motordraisine, um 1925222px M 1 Schienenbus 222px Schienenbus, Baujahr 1928. Er bestand größtenteils aus Eichenholz, verfügte über 34 gepolsterte Sitzplätze und war in Raucher- und Nichtraucherabteile sowie ein separates Gepäckabteil unterteilt.
Weblinks
Anmerkungen mini|Eisenbahnstrecken Lettland, 1925
Einzelnachweise
AinaziValmieraSmiltene Schmalspurbahn AinaziValmieraSmiltene Schmalspurbahn AinaziValmieraSmiltene Kategorie:Unternehmensgründung 1902