mini|Rudolf Zeller (1930)
Hermann Rudolf Zeller (* 6. Juli 1869 in Thun; † 16. Oktober 1940 in Bern)Der Bund, Band 91, Nummer 495, 21. Oktober 1940 Ausgabe 02Todesfälle.[...] 16. Oktober. Zeller Hermann Rudolf, Ehemann der Jda Margaritha Tanner. Dr. phil., gew. Professor an der Universität in Bern, von Zwetsimmen. geb. 1869., reformiert, von Zweisimmen, war ein Schweizer Geograph, Ethnologe und Museumsfachmann. Er war Professor für Geographie und Ethnologie an der Universität Bern sowie Vizedirektor des Bernischen Historischen Museums, dessen Ethnographische Sammlung er 38 Jahre lang leitete sowie Leiter des Alpinen Museums.Georges Grosjean:Das Schweizerische Alpine Museum. 1953. [...] nach langen Bemühungen [ging] im Jahre 1933/34 Rudolf Zellers Wunsch in Erfüllung: Durch die Errichtung einer öffentlichen Stiftung am 7. Februar 1933 zwischen Eidgenossenschaft, Kanton Bern, Einwohnergemeinde Bern, Gesamt-SAC und Sektion Bern wurde das Museum auf eine tragfähigere Basis gestellt, und im Herbst 1934 konnte, nach jahrelangem Äufnen eines Baufonds durch Gesamt-SAC und Sektion Bern und bei beträchtlichen Zuschüssen der übrigen Stiftungspartner sowie der Burgergemeinde Bern das heutige Gebäude am Helvetiaplatz bezogen werden. In die beiden untern Stockwerke zog das Schweizerische Postmuseum als Mieter ein, da die Stiftung einstweilen nicht leistungsfähig genug war, die Abzahlungskosten für das weitsichtig geplante Museumsgebäude allein zu tragen.
Leben Rudolf Zeller, geboren 1869 in Thun als Sohn des Kaufmanns Johann Rudolf Zeller und der Rosina, geborene Hofer (Rosina Gschwind), wuchs nach dem frühen Tod des Vaters im Haushalt seines Stiefvaters, des altkatholischen Pfarrers Paulin Gschwind, in Starrkirch-Wil auf. Er besuchte die Bezirksschule Olten,Ed. Fischer: Die älteste Schulhäuser der Stadt Olten von 1886 bis 1890 die Kantonsschule Solothurn und studierte Geologie sowie Mineralogie in Basel,Rudolf Zeller war im Wintersemester 1889/90 und Sommersemester 1890, respektive vom 16. Oktober 1889 bis 16. Oktober 1890 an der Universität Basel immatrikuliert. Wohnhaft war er in dieser Zeit in Kaiseraugst/Aargau. Freiburg im Breisgau und Bern.Matrikel WS 1890/91.Matrikel WS 1893/94.Matrikel WS 1896/97. 1895 erlangte er das Diplom für das Höhere Lehramt und promovierte bei Armin Baltzer mit der Arbeit „Ein geologisches Querprofil durch die Centralalpen“.Fritz Nussbaum: Rudolf Zeller †. In: Petermanns Geographische Mitteilungen. 1941, 1. S. 5; [...] die [Arbeit ist] bezeichnend ist für den damaligen Stand der schweizerischen Geologie. Sie enthält bereits Hinweise auf neue Probleme der Alpentektonik, die sozusagen in der Luft lagen und die unmittelbar darauf von anderen Autoren in Angriff genommen wurden. Von 1894 bis 1904 unterrichtete er Naturwissenschaften an der Mädchensekundarschule, danach bis 1918 am Gymnasium Kirchenfeld in Bern.
mini|Oscar Lazar: Persönlichkeiten der Bundesstadt Bern, Rudolf Zeller, 1934. mini|Rudolf Zeller (1869-1940), Porträtfotografie aus der Publikation 50 Jahre Schweizerisches Alpines Museum, 1955 1907 habilitierte er unter Alfred Philippson für Völkerkunde und publizierte 1912 im Baessler-Archiv eine Studie über die Goldgewichte der Asante (Westafrika).Goldgewichte der Asante (Westafrika) Seine zahlreichen Forschungsreisen führten ihn unter anderem nach Nordafrika, in den Nahen Osten und nach Südamerika, was sein ethnologisches Wissen vertiefte.
mini|Altes Standesratshaus an der Zeughausgasse in Bern, Sitz des Alpinen Museums der Schweiz von 1905-1934. Ab 1907 war er Privatdozent, 1918 folgte er Hermann Walser als ausserordentlicher Professor für Geographie und Völkerkunde (Schwerpunkt Orient und Ostasien) an der Universität Bern nach; 1919–1939 bekleidete er den ordentlichen Lehrstuhl und war zugleich 1905–1940 Konservator der völkerkundischen Abteilung des Bernischen Historischen Museums. In dieser Funktion entwickelte er die ethnographischen Sammlungen zu einem wichtigen Bestandsteil des Museums. Seine Tätigkeit als erster dauerhaft angestellter Konservator legte den Grundstein für die systematische Erschliessung und Ausstellung aussereuropäischer Kulturen.
Die Provenienzforschung untersucht Zellers Sammlertätigkeit im Kontext kolonialer Expansion (ca. 1900–1940). Seine weltweiten Netzwerke prägten die ethnographischen Bestände des Museums; konkrete koloniale Verstrickungen sind nicht dokumentiert, seine Rolle gilt als grundlegender Sammlungsaufbau.
mini|Alpines Museum, 1935. Zusätzlich leitete er als Direktor das Alpine Museum von der Eröffnung 1903 in der Zeughausgasse 17 bis zum Umzug 1934 in den Neubau am Helvetiaplatz 4 und förderte die wissenschaftlichen Sammlungen des Geographischen Instituts.
Ethnographische Studien und Sammlungen (Auswahl) mini|Die Goldgewichte von Asante (Westafrika) – eine ethnologische Studie, Tafel 1.mini|Rudolf Zeller. Die Bundu-Gesellschaft, 1912 – Tafel 2.
Zellers 1912 erschienene ethnologische Studie „Die Goldgewichte von Asante (Westafrika)“ repräsentiert einen klassischen Ansatz der frühen Völkerkunde, basieren auf museumsbasierten Sammlungen ohne eigene Feldforschung. Er analysiert die kleinen Messgewichte der Asante (heutiges Ghana), die zum Abwiegen von Goldstaub dienten, als kulturelles Artefakt, mit Fokus auf Formenvielfalt (Tiere, Figuren, Sprichwörter) und symbolische Bedeutungen in Alltag und Wirtschaft. Er verbindet materielle Beschreibung – gestützt auf 21 Tafeln mit Abbildungen – mit ethnologischer Interpretation von sozialen Praktiken.
Zeller veröffentlichte 1912 die Monografie Die Bundu‑Gesellschaft: Ein Geheimbund der Sierra Leone, die auf den Sammlungen und den Tagebüchern des Naturforschers Walter Volz († 1907 in Liberia) basierte. Die von Volz während seiner Westafrika‑Expedition erworbenen Objekte, darunter Masken und Kultgegenstände aus Sierra Leone, gelangten in den Bestand des Bernischen Historischen Museums. Zeller bearbeitete Volz’ Tagebücher, in denen dieser den sogenannten Bundu‑Bund,Secret Societies – The Bundu. In: T. J. Alldridge: The Sherbro and its Hinterland. 1901, S. 136–143. einen weiblichen Initiationsbund des Mende‑Volkes und Pendant zum Poro‑Bund, beschrieb. Die Aufzeichnungen enthalten detaillierte Schilderungen der Aufnahme- und Schulungsrituale („Buschschulen“) sowie der damit verbundenen Beschneidungspraktiken.
1922 erschien Zellers Artikel über die orientalische Sammlung von Henri Moser, 1924 folgte ein Führer durch die orientalische Sammlung und die völkerkundliche Abteilung des Bernischen Historischen Museums.
In Beiträge zur Ethnographie der Cainguàs, Lenguas und Tobas in Paraguay dokumentierte Zeller als Konservator die Schenkung ethnographischer Objekte der Guaraní-Indianer Paraguays des Arztes Adolf Niklaus Schuster (Zofingen), der vor dem Ersten Weltkrieg Paraguay bereiste und 1929 das Standardwerk ParaguaySchuster, Adolf Niklaus 1875–1933. Paraguay : Land, Volk, Geschichte, Wirtschaftsleben und Kolonisation. Stuttgart: Strecker und Schröder. 1929. publizierte. Zeller hob die Seltenheit paraguayischer Sammlungen in europäischen Museen hervor. S. 103: Ethnographische Sammlungen aus Paraguay gehören zu den Seltenheiten europäischer Museen, da das Interesse der Ethnographen sich begreiflicherweise zunächst den noch unberührten primitiven Kulturen zuwandte."
Zeller prägte über mehrere Jahrzehnte die ethnologische und geografische Forschung in der Schweiz und widmete sich der museumspädagogischen Vermittlung von Kultur- und Naturgeschichte. Er gilt als einer der Pioniere der institutionellen Ethnologie in Bern, wo er auch Vorlesungen zur Volks- und Kulturkunde hielt.
Mitgliedschaften und Ämter Zeller war von 1920 bis 1923 Präsident der Geographischen Gesellschaft von Bern und blieb danach Vorstandsmitglied.https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00260658/ThULB_129489832_1941_Perthes_0032.tif 1928/29 präsidierte er die Berner Museumsgesellschaft.1928/29 Präsident der Berner Museumsgesellschaft 32 Jahre gehörte er der Kommission des Botanischen Gartens an.Die Berner Woche Band: 29 (1939) Heft: 29, S.797: W.J. Prof. Dr. Rudolf Zeller : 70jährig Er war Ehrenmitglied des Schweizer Alpen-Clubs.
Zusätzlich engagierte er sich als Hauptmann der Berner städtischen Feuerwehr und Kommandant einer Rettungskompagnie.
Als leidenschaftlicher Alpinist und einer der ersten Förderer des Wintersports in der Schweiz erwarb er 1895 das Bergführerexamen und war damit geprüfter Bergführer. Im Schweizer Alpen-Club nahm er eine führende Stellung ein: Er war lange Vorstandsmitglied und Vizepräsident der Sektion Bern und förderte deren Bibliothek. Er war Ehrenmitglied des Schweizer Alpen-Clubs.
Persönliches Zeller heiratete 1898 Rosa Junker († 1916), Tochter des Johannes Junker aus Bolligen mit der er zwei Töchter hatte.Thuner Wochenblatt, Band 61, Nummer 44, 1. Juni 1898: Verkündungen [...] Febr[uar] 22. Hermann Rudolf Zeller, Dr. Phil., Gymnasiallehrer, von hier, in Bern, mit Rosa Klara Jucker, von Bolligen, in Wabern. [...] Trauungen [...] April 1. Hermann Rudolf Zeller und Rosa Klara Jucker, vorgenannt.Der Bund, Band 67, Nummer 476, 10. Oktober 1916: Todesfälle [...] 7. Okt. [...] Zeller geb. Juker Rosa Klara, Ehefrau des Hermann Rudolf, Dr. phil., Gymnasiallehrers, von Zweisimmen, geb. 1872. In zweiter Ehe 1917 Ida Margaritha Tanner (auch Margrit genannt), Tochter des Georg Heinrich Tanner aus Herisau, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte.Der Bund, Band 68, Nummer 499, 24. Oktober 1917 Ausgabe 02 Eheverkündungen [...] 23. Okt. [...] Hermann Rudolf, Dr. phil., Gymnasiallehrer, Witwer der Rosa Klara Juker, von Zweisimmen, Klaraweg 1, mit Tanner Jda Margaritha, ledig, von Herisau (Appenzell A.-Rh.).
Tod Am 16. Oktober 1940 starb Zeller an den Folgen eines Schlaganfalles in Bern.
Schriften (Auswahl) Verzeichnis der Publikationen von Rudolf Zeller im Anhang des Nachrufs von E. Rohrer: Prof. Dr. Rudolf Zeller †. In: Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums, 20, 1940, 14–15. Sowie bei Walther Rytz, 1940.
Die Schneegrenze im Triftgebiet. In: Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern. 11, (1891–1892) 1893. S. 198–225.Zeller, Rudolf: Karte des Triftgebiets, 1892. In: Geographisches Institut der Universität Bern, Blogbeitrag, März 2024. https://www.geography.unibe.ch/dienstleistungen/plab/karte_des_monats/index_ger.html [Zugriff: 05.11.2025]. Ein geologisches Querprofil durch die Centralalpen. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern. Bern, 1895. S. 45–114. Dissertation. Nachträge zu meinem geologischen Querprofil durch die Centralalpen. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern. Bern, 1896, S. 1–7. Das Schweizerische Alpine Museum in Bern. In: Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde, Band 2, Heft 3. 1906. S. 253–268. Ein Rundgang durch das Schweizerische Alpine Museum in Bern. Bern 1908. 2. Aufl. Walter Volz. Reise durch das Hinterland von Liberia im Winter 1906–1907. Nach seinen Tagebüchern bearbeitet von Rudolf Zeller. In: Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern. 22, (1908–1910), 1911. S. 113–279.
Die Goldgewichte von Asante (Westafrika) : eine ethnologische Studie. 1912. Beiträge zur Ethnographie der Cainguàs, Lenguas und Tobas in Paraguay. In: Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums. 10, 1930. S. 103–117. Schweizerisches Alpines Museum in Bern. In: Die Alpen. 1935.
Literatur Oscar Lazar: Prof. Dr. R. Zeller. In: Persönlichkeiten der Bundesstadt, Bern 1934 : Porträt-Album : Zeichnungen / Oscar Lazar. Die Museumsbauten am Helvetiaplatz in Bern : erbaut von Klauser & Streit, Arch. BSA, Bern. In: Das Werk. 22,1935, 11. S. 386-390. W. J.: Professor Dr. Rudolf Zeller 70jährig. In: Die Berner Woche. 29, 1939, S. 797. Fritz Nussbaum: † Professor Dr. Rudolf Zeller – Der Gelehrte. In: Der Bund. 1940. Lili OeschLili Oesch: † Professor Dr. Rudolf Zeller – Der Lehrer. In: Der Bund. 1940.