mini|hochkant|Postkarte zur Einführung der Sommerzeit in Deutschland am 30. April 1916 (Deutsches Uhrenmuseum, Archiv, Inv. 100318) mini|hochkant|Frühling: Umstellung von Normalzeit auf Sommerzeit – die Uhr wird um eine Stunde vorgestellt. mini|hochkant|Herbst: Umstellung von Sommerzeit auf Normalzeit – die Uhr wird um eine Stunde zurückgestellt.
Die Sommerzeit in Deutschland wurde erstmalig 1916 eingeführt. Aktuell gilt die Regelung der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ). Sie beginnt jeweils am letzten Sonntag im März um 2:00 Uhr MEZ, indem die Stundenzählung um eine Stunde von 2:00 Uhr auf 3:00 Uhr vorgestellt wird, und endet jeweils am letzten Sonntag im Oktober um 3:00 Uhr MESZ, indem die Stundenzählung um eine Stunde von 3:00 Uhr auf 2:00 Uhr zurückgestellt wird. Eine Abschaffung der Sommerzeit wurde innerhalb der Europäischen Union beschlossen, aber noch nicht konkretisiert.
Geschichte 1916 bis 1918 Aufgrund der praktischen Schwierigkeiten z. B. beim länderübergreifenden Eisenbahnverkehr ist es kein Zufall, dass die erstmalige landesweite Einführung der Sommerzeit in den Ersten Weltkrieg fällt. Die Sommerzeit sollte die energieintensiven „Materialschlachten“ des Ersten Weltkriegs unterstützen: Dadurch versprach man sich Energieeinsparungen bei der künstlichen Beleuchtung an langen Sommerabenden.
Eine nationale Umstellung auf Sommerzeit wurde erstmals am 30. April 1916 im Deutschen Reich (sowie in Österreich-Ungarn)RGBl. Nr. 111/1916: Verordnung des Gesamtministeriums vom 21. April 1916, betreffend die Einführung der Sommerzeit für das Jahr 1916. In: RGBl. für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. LVI. Stück, ausgegeben am 22. April 1916, S. 247 (online bei alex.onb.ac.at). angeordnet. Die Bestimmung lautete:
Die Sommerzeit bestand in den Jahren 1916 bis 1918:Yvonne Zimber: Sommerzeiten und Hochsommerzeiten in Deutschland bis 1979. Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Arbeitsgruppe Zeitnormale 2003 – Das Kabinett Scheidemann > Band 1 > Dokumente > Nr. 14 b Kabinettssitzung vom 15. März 1919 > VII. Sommerzeit, auf bundesarchiv.de.
Jahr Beginn der Sommerzeit Ende der Sommerzeit 1916Bekanntmachung über die Vorverlegung der Stunden während der Zeit vom 1. Mai bis 30. September 1916 vom 6. April 1916 (Text auf Wikisource). Sonntag, 30. April 1916 23:00 MEZ Sonntag, 1. Oktober 1916 1:00 MESZ 1917Bekanntmachung über die Vorverlegung der Stunden während der Zeit vom 16. April bis 17. September 1917 vom 16. Februar 1917, RGBl., S. 151. Montag, 16. April 1917 2:00 MEZ Montag, 17. September 1917 3:00 MESZ 1918Bekanntmachung über die Vorverlegung der Stunden während der Zeit vom 15. April bis 16. September 1918 vom 7. März 1918, RGBl., S. 109. Montag, 15. April 1918 2:00 MEZ Montag, 16. September 1918 3:00 MESZ
In den Jahren 1919 bis 1939 gab es keine Zeitumstellung.
1940 bis 1945 Wieder eingeführt wurde die Sommerzeit im Kriegsjahr 1940. Auch die „eingegliederten Ostgebiete“ wurden einbezogen.RGBl. I, 9. Februar 1940, S. 298, „Druckfehlerberichtigung“
Ursprünglich sollte sie am 6. Oktober 1940 enden,Verordnung über die Einführung der Sommerzeit vom 23. Januar 1940, RGBl., S. 232–233. was jedoch vier Tage vor ihrem Ablauf außer Kraft gesetzt wurde. In den Jahren 1940 und 1941 gab es nach Erlass der „Verordnung über die Verlängerung der Sommerzeit“ keine Umstellung zurück auf MEZ; die Sommerzeit galt daher durchgehend von April 1940 bis November 1942: Verordnung über die Verlängerung der Sommerzeit vom 2. Oktober 1940, RGBl., S. 1322.
Jedoch wurde die Sommerzeit ab 1942 dreimal durch sogenannte „Verordnungen über die Wiedereinführung der Normalzeit“ unterbrochen.Verordnung über die Wiedereinführung der Normalzeit im Winter 1942/1943 vom 16. Oktober 1942, RGBl., S. 593–594.Verordnung über die Wiedereinführung der Normalzeit im Winter 1943/44 vom 20. September 1943, RGBl., S. 542.Verordnung über die Wiedereinführung der Normalzeit im Winter 1944/45 vom 4. September 1944, RGBl., S. 198.
Somit ergaben sich in den Kriegsjahren Zeiträume, die keinem klaren Schema folgten: Jahr Beginn der Sommerzeit Ende der Sommerzeit 1940–1942 Montag, 1. April 1940 2:00 MEZ Montag, 2. November 1942 3:00 MESZ 1943 Montag, 29. März 1943 2:00 MEZ Montag, 4. Oktober 1943 3:00 MESZ 1944 Montag, 3. April 1944 2:00 MEZ Montag, 2. Oktober 1944 3:00 MESZ 1945 Montag, 2. April 1945 2:00 MEZ
In der Verordnung vom 4. September 1944 war ein Ende der am 2. April 1945 beginnenden Sommerzeit nicht bestimmt. Nach Kriegsende wurde die gesetzliche Zeit in Deutschland von den Besatzungsmächten festgelegt.
1945 bis 1949 Bei Kriegsende verständigte sich der Alliierte Kontrollrat in Deutschland auf eine einheitliche Uhrenumstellung während der warmen Jahreszeit.Das Zeitwirrwarr nach Kriegsende und die Einführung einer einheitlichen Sommerzeit bzw. einer doppelten Sommerzeit 1947 beschreibt: Johannes Graf, Claire Hölig: Wer hat an der Uhr gedreht? Die Geschichte der Sommerzeit. Furtwangen 2016, S. 62–68. 1947 wurde ab 11. Mai eine doppelte Sommerzeit, d. h. eine Abweichung von zwei Stunden, verordnet, um das Tageslicht maximal auszunutzen. So gab es in Westdeutschland die mitteleuropäische Hochsommerzeit, auch doppelte Sommerzeit genannt (MEHSZ = UT+3). Sieben Wochen später (am 29. Juni) kehrte man zur einfachen Sommerzeit zurück.
In der sowjetischen Besatzungszone und Berlin dauerte die Sommerzeit 1945 zwei Monate länger als im übrigen Deutschland. Hier galt außerdem vom 24. Mai 1945 bis zum 24. September 1945 die mitteleuropäische Hochsommerzeit (MEHSZ; so genannte „Doppelte Sommerzeit“), die mit der damals gültigen Moskauer Zeit UTC+3 übereinstimmte, mit einer Zeitdifferenz von plus zwei Stunden zur MEZ; nach deren Ende galt noch bis zum 18. November 1945 die MESZ.Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig (PTB) teilt in ihrer Zusammenstellung der Sommerzeiten und Hochsommerzeiten in Deutschland bis 1979 mit: „Die nachfolgende Liste wurde der PTB freundlicherweise vom Deutschen Hydrographischen Institut in Hamburg zur Verfügung gestellt. Die Angaben decken sich mit einer Ausnahme (für 1945) mit denen in Grimm, Hoffmann, Ebertin, Puettjer: Die Geographischen Positionen Europas, Ebertin-Verlag, Freiburg 1994 (GHEP). In GHEP sind die für die einzelnen Jahre maßgebenden Ausgaben des Reichsgesetzblatts bzw. die Sitzungen des Kontrollrats angegeben. Daher sind stets die Angaben aus GHEP in die Tabelle übernommen worden. Gemäß GHEP galten 1945 und teilweise danach für die westlichen bzw. die sowjetische Zone einschließlich Berlins verschiedene Regelungen, die unter c) angegeben werden.“ Unter c) wird angegeben: „c) abweichende Regelungen für die sowjetische Zone und Berlin gemäß GHEP 24. Mai 1945, 2 Uhr MEZ (?) Umstellung auf MEHSZ bis 24. September 1945, 3 Uhr MEHSZ (?), danach MESZ bis 18. November 1945, 3 Uhr MESZ (?). (Nach Archiv für publizist. Arbeit (Munzinger-Archiv) 652 (Zeitsystem) vom 25. November 1961, 8670, gab es vom 31. Mai bis zum 23. September 1945 ebenfalls Hochsommerzeit, ohne Ortsangaben.)“
Zwischen dem 11. Mai und dem 29. Juni 1947 galt in ganz Deutschland die MEHSZ.
Die Regelungen der Nachkriegszeit waren:
Jahr Beginn der Sommerzeit Ende der Sommerzeit 1945 (Westzonen) Sonntag, 16. September 1945 2:00 MESZ 1945 (Sowjetische Zone, Berlin) Sonntag, 18. November 1945 3:00 MESZ Donnerstag, 24. Mai 1945 2:00 MESZ Montag, 24. September 1945 3:00 MEHSZ 1946Protokoll der 47. Sitzung des Alliierten Kontrollrates. Sonntag, 14. April 1946 2:00 MEZ Montag, 7. Oktober 1946 3:00 MESZ 1947Protokoll der 113. Sitzung des Alliierten Kontrollrates. Sonntag, 6. April 1947 3:00 MEZ Sonntag, 5. Oktober 1947 3:00 MESZProtokoll der 135. Sitzung des Alliierten Kontrollrates. Sonntag, 11. Mai 1947 3:00 MESZ Sonntag, 29. Juni 1947 3:00 MEHSZ 1948Protokoll der 140. Sitzung des Alliierten Kontrollrates. Sonntag, 18. April 1948 2:00 MEZ Sonntag, 3. Oktober 1948 3:00 MESZ 1949Nach Grimm, Hoffmann, Ebertin, Puettjer: Die Geographischen Positionen Europas. Ebertin-Verlag, Freiburg 1994, begann die Sommerzeit 1949 erst um 3 Uhr MEZ (zitiert nach Braunschweiger Physikalisch-Technische Bundesanstalt). Sonntag, 10. April 1949 2:00 MEZ Sonntag, 2. Oktober 1949 3:00 MESZ
Bereits im Gründungsjahr beider deutscher Staaten 1949 einigte man sich zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR darauf, die alljährliche Uhrumstellung zu beenden. Die damaligen Sommerzeitregelungen endeten 1949.Vgl.: Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Eisenbahndirektion Mainz vom 30. März 1950, Nr. 14. Bekanntmachung Nr. 173, S. 88. Von 1950 bis 1979 gab es in Deutschland keine Sommerzeit.
1980 bis heute Die erneute Einführung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1978 beschlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. Zum einen wollte man sich bei der Zeitumstellung den westlichen Nachbarländern anpassen, die bereits 1977 als Nachwirkung der Ölkrise von 1973 aus energiepolitischen Gründen die Sommerzeit eingeführt hatten. Zum anderen musste man sich mit der DDR über die Einführung der Sommerzeit einigen, damit Deutschland und insbesondere Berlin nicht auch zeitlich geteilt waren. Die Bundesrepublik Deutschland, mit Ausnahme der Exklave Büsingen am Hochrhein, und die DDR führten deshalb die Sommerzeit gleichzeitig ein. Büsingen richtete sich nach der Schweiz und führte die Sommerzeit erst 1981 ein.
In der DDR regelte die ZeitordnungVerordnung über die Festlegung der Normalzeit in der DDR (Zeitordnung) vom 30. September 1977, GBl. I, S. 346. in Verbindung mit der für das jeweilige Jahr gültigen Verordnung über die Einführung der Sommerzeit (erstmals derjenigen vom 31. Januar 1980) die Umstellung. Wie politisch aufgeladen das Thema in der damaligen Situation war, wurde auch im Herbst 1980 deutlich, als die DDR unvermittelt ankündigte, die Sommerzeit bereits nach dem ersten Jahr wieder abschaffen zu wollen. Dieser Plan sorgte für gewisse Turbulenzen (er wurde in der Bundesrepublik Deutschland als Abgrenzung zum Westen verstanden), obwohl man schließlich doch bei der abgesprochenen Vorgehensweise blieb.Tobias Kaiser: Wie die DDR die Uhren in Bonn verstellte. In: Welt am Sonntag. 28. März 2010. 1981 wurde der Beginn vorverlegt.
1996 schließlich wurden die unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der Europäischen Union vereinheitlicht. Die Gemeinsame europäische Sommerzeit wurde eingeführt. Damit gilt die Sommerzeit in Deutschland einen Monat länger; sie dauert seither jeweils 30 oder 31 Wochen.
In der Zone der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ), in der sich Deutschland befindet, ist die Sommerzeit die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ), auf Englisch (CEST, britisch) oder (CEDT, CET DST, US-amerikanisch) oder auch (MEST). Die Zeitdifferenz der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) zur Koordinierten Weltzeit (UTC) (früher Greenwich Mean Time, GMT / Universal Time, UT) beträgt zwei Stunden (UTC+2), während die Mitteleuropäische Zeit (Normalzeit) um eine Stunde von der UTC abweicht (UTC+1).
Jahr Beginn der Sommerzeit Ende der Sommerzeit 1980 Sonntag, 6. April 1980 2:00 MEZ Sonntag, 28. September 1980 3:00 MESZ 1981–1995 letzter Sonntag im März 2:00 MEZ letzter Sonntag im September 3:00 MESZ seit 1996 letzter Sonntag im März 2:00 MEZ letzter Sonntag im Oktober 3:00 MESZ
Liste der Sommerzeiten
1916–1918 30.04.1916, 23:00 MEZ – 01.10.1916, 01:00 MESZ 16.04.1917, 02:00 MEZ – 17.09.1917, 03:00 MESZ 15.04.1918, 02:00 MEZ – 16.09.1918, 03:00 MESZ
1940–1944 01.04.1940, 02:00 MEZ – 31.12.1940, 24:00 MESZ 01.01.1941, 00:00 MESZ – 31.12.1941, 24:00 MESZ 01.01.1942, 00:00 MESZ – 02.11.1942, 03:00 MESZ 29.03.1943, 02:00 MEZ – 04.10.1943, 03:00 MESZ 03.04.1944, 02:00 MEZ – 02.10.1944, 03:00 MESZ
1945–1949 1945 – Berlin und sowjetisch besetzte Zone 02.04.1945, 02:00 MEZ – 24.05.1945, 02:00 MESZ, 24.05.1945, 02:00 MESZ – 24.09.1945, 03:00 MEHSZ 24.09.1945, 03:00 MEHSZ – 18.11.1945, 03:00 MESZ 1945 – Übriges Deutschland 02.04.1945, 02:00 MEZ – 16.09.1945, 02:00 MESZ