Liesing ist der 23. Wiener Gemeindebezirk. Er entstand 1938 als 25. Wiener Gemeindebezirk durch den Zusammenschluss mehrerer zuvor selbständiger Gemeinden und besteht in seiner jetzigen, verkleinerten Form seit 1954/56.
Geographie mini|hochkant=1.5|Blick auf Liesing vom Kadoltsberg in Richtung Osten mit dem Wohnpark Alterlaa in der Bildmitte Lage Liesing liegt im Südwesten Wiens und ist mit einer Fläche von 32,29 km² dessen fünftgrößter Gemeindebezirk. Mit einem Anteil von 7,7 Prozent an der Gesamtfläche der Stadt umfasst Liesing die Ufer des Liesingbachs vom Wienerwald im Westen bis ins Wiener Becken im Osten. Zwischen alten Ortskernen wurden ausgedehnte Wohnsiedlungen errichtet und zahlreiche Industriebetriebe angesiedelt.
Nachbarbezirke und -gemeinden mini|Aquädukt Liesing Im Süden grenzt Liesing an Niederösterreich, wobei der Gemeindebezirk seine südwestliche Grenze mit Breitenfurt bei Wien und seine südliche Grenze mit Kaltenleutgeben, Perchtoldsdorf, Brunn am Gebirge und Vösendorf (von West nach Ost) teilt. Im Norden grenzt Liesing an die Wiener Gemeindebezirke Hietzing und Meidling und im Nordosten an Favoriten. Die nördliche Grenze von Liesing verläuft gegenüber dem Bezirk Hietzing durch den Wienerwald entlang der Mauer des Lainzer Tiergartens und über die Wittgensteinstraße zur Speisinger Straße. Zum Bezirk Meidling zweigt die Grenze vor der Katastralgemeinde Rosenberg zum Rosenhügel ab und verläuft entlang der Südbahnstrecke und der Kirchfeldgasse. Die Grenze zu Favoriten liegt entlang der Bahnstrecken der Pottendorfer Linie und Donauländebahn. Gegenüber Niederösterreich verläuft die Grenze von Liesing im Wesentlichen entlang des Straßenzuges Obere Grenzgasse – Triester Straße – Auf der Schanz – Ketzergasse – Beethovenstraße und an der Kaltenleutgebner Straße. Im Westen liegt die Bezirksgrenze im Wienerwald (Leopoldsdorfer Wald, Perchtoldsdorfer Bürgerspitals-Wald und Dorotheer Wald).
Geologie In Liesing liegen drei geologische Regionen, die Teile des Wienerwalds und des Wiener Beckens umfassen. Im Südwesten des Bezirks befinden sich die steilen und schroffen Felsen der Nördlichen Kalkalpen (Kalksteinwienerwald), die bis nördlich des Dorotheer Walds und im Osten bis südlich der Antonshöhe reichen. Die Kalkzone in Liesing gliedert sich in zwei Abschnitte. Die Anhöhe des Leopoldsdorfer Walds besteht aus Hauptdolomit, einer Gesteinsform, die sich in Richtung Kalksburg bis zur Himmelswiese zieht. Nördlich der Dolomitzone erstreckt sich ein breiter Streifen von Allgäuschichten. Auch nördlich der Kaltenleutgebner Straße wurden entlang der unter anderem aus Kalken, Mergel und Sandstein bestehenden Talflanke Steinbrüche betrieben, die Kalke für die Bauindustrie lieferten.
Im Norden schließen sich an die Kalksteinzone die sanften Hügel der Flyschzone (Sandsteinwienerwald) an. Im Zuge der Alpenfaltung wurden hier mehrere Gesteinsschichten (Decken) übereinander geschoben, die aus Sandstein, Mergel und Kalkmergel bestehen. Darin eingeschuppt liegt die nicht mehr zur Kalksteinzone zählende, sondern aus der Tiefe emporgeschürfte Kalkklippe der Antonshöhe, wo in einem jungsteinzeitlichen Bergbaubetrieb Radiolarit für Feuersteinklingen abgebaut wurde (vgl. Roter Berg). Die für Liesing relevante Laaber und Kahlenberger Decke der Flyschzone sind Relikte einer Tiefseerinne, die sich während der Kreide- und frühen Tertiärzeit zwischen der sich erhebenden Alpenfront und der Böhmischen Masse erstreckte.
In der Endphase der Alpenbildung während des Miozäns senkte sich der Meeresgrund ab, wodurch das Wiener Becken entstand. Dieses liegt heute im Wesentlichen östlich der Waldgrenze. Schotter, Sande und Sandstein prägen diesen Bezirksteil. In Atzgersdorf (westlich der Gatterederstraße) wurde über Jahrhunderte der „Atzgersdorfer Kalkstein“ abgebaut, der aus dem Sarmatium stammt. Im Bereich von Liesing kam es während des Miozäns und Pliozäns zur Ablagerung von Tegel.Thomas Hofmann: Die bunte Geologie Liesings. In: Wiener Bezirkshandbücher. 23. Bezirk Liesing. Wien 2002, S. 18–21.
Topographie mini|Zusammenfluss von Reicher und Dürrer Liesing in Rodaun
Prägendes Gewässer für Liesing war von jeher der Liesingbach. Die „Reiche Liesing“ fließt aus westlicher Richtung kommend durch Kalksburg, wo sie zunächst den Grenzgraben, den Klausgraben und den Gütenbach aufnimmt. Letzterer entwässert Teile des Lainzer Tiergartens und hat den Kaisergraben als wichtigen Zubringer. Noch in Kalksburg mündet der Kalksburger Graben unterirdisch in die Reiche Liesing, bevor sich diese in Rodaun mit der „Dürren Liesing“ zur „Liesing“ vereint. Die harte Verbauung der Liesing wurde in Teilbereichen durch eine Renaturierung ersetzt.
Auf den Anhöhen des Maurer Walds entspringen der Knotzenbach, der Lindgrabenbach und der Asenbauergraben, die in Bachkanäle eingeleitet werden, die unterirdisch in den Liesingbach münden. Mit dem Altmannsdorfer Graben verläuft ein Liesingbach-Zubringer offen durch den Bezirksteil Inzersdorf. Durch den Bezirksteil Siebenhirten fließt der Petersbach, der in Perchtoldsdorf entspringt und in Maria-Lanzendorf in die Schwechat mündet.
Der Pappelteich im Maurer Wald ist ein beliebtes Ausflugsziel. Nicht öffentlich zugängliche stehende Gewässer sind der Schellensee in Siebenhirten sowie der Schlosssee, der Steinsee und ein unbenannter Teich bei der Trentinigasse in Inzersdorf. Dabei handelt es sich um Ziegelteiche, die heute als Badeteiche dienen.
Die höchsten Erhebungen befinden sich im Westen des Gemeindebezirks, wobei der Eichkogel mit Höhe im äußersten Südwesten den höchsten Punkt des Bezirksgebiets markiert. Nördlich der Reichen Liesing liegen die zweit- und dritthöchsten Erhebungen des Bezirks: ein namenloser Hügel südlich des Gütenbachs () und der Wilde Berg (). Nach Osten hin fällt die Höhe der Hügel auf dem Bezirksgebiet ab. Während der Kroissberg (), der Kadoltsberg und der Neuberg die Reste des ehemals weitläufigen Weinanbaus beherbergen, befindet sich auf dem dazwischen liegenden Georgenberg () die Wotrubakirche. Im Norden von Liesing liegt der Südhang des Rosenhügels (), dessen nördlicher Teil sich in den Gemeindebezirken Hietzing und Meidling befindet. Zwischen den alten Ortskernen von Mauer und Atzgersdorf erhebt sich der Steinberg (). Weiter östlich grenzt Liesing an den Wienerberg im Gemeindebezirk Favoriten. Den tiefsten Punkt im Bezirksgebiet () markiert das Liesingbachbett im Blumental an der Grenze zu Favoriten.
Flächennutzung Die Baufläche Liesings umfasst 52,6 Prozent (wienweit 35,4 Prozent) der Bezirksfläche, wobei alleine 18,6 Prozent auf Betriebsbaugebiete entfallen. Liesing verfügt dadurch über den größten Prozentanteil an Betriebsbaugebieten eines Gemeindebezirks und hat mit 596 ha Betriebsbaugebieten die größte Nettofläche nach dem Bezirk Donaustadt. Mit einem Anteil von 3 Prozent an der Bezirksfläche verfügt Liesing hingegen über einen geringen Anteil an kulturellen, religiösen, sportlichen und öffentlichen Einrichtungen. Der zweitgrößte Teil der Bezirksfläche wird von Grünflächen eingenommen. 31,4 Prozent der Bezirksfläche werden demnach von den Wäldern des Wienerwalds (16,2 Prozent), landwirtschaftlicher Nutzfläche (6,6 Prozent), Wiesen (5,2 Prozent), Parkanlagen (2,1 Prozent), Sport- und Freizeitflächen (1,3 Prozent) bedeckt. Drittwichtigste Nutzungsart auf dem Liesinger Bezirksgebiet sind mit 14,7 Prozent der Bezirksfläche Verkehrsflächen, auf Gewässer entfallen lediglich 1,3 Prozent (vor allem Liesingbach und Wienerwaldbäche).
+ Flächennutzung in Hektar 2022 Baufläche Grünfläche Gewässer Verkehrsflächen 1.727,2 952,6 42,9 483,5 Wohn- und Mischnutzung - Schwerpunkt Wohnen Soziale und technische Infrastruktur Betriebsbaugebiet Landwirtschaft Parks Wälder Wiesen Sport- u. Freizeit1.056,884,1586,3173,979,6538,4121,439,4
Grünflächen Ein wichtiges Naherholungsgebiet ist der Maurer Wald, bestehend aus Wald und Wiesenflächen wie der Eichwiese, der Todtenwiese und der Himmelswiese. Über das Gütenbachtor kommt man aus dem Maurer Wald in den Lainzer Tiergarten des benachbarten Bezirks Hietzing. Von großer Bedeutung ist auch die Naturkletterwand Mizzi-Langer-Wand, nahe der Perchtoldsdorfer Heide.
Parkanlagen und Friedhöfe: Siehe Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bezirksteile Größe der BezirksteileVerwaltungsgrenzen Wien auf data.gv.at, 15. Dezember 2023, abgerufen am 25. Juni 2024.Atzgersdorf346,65 haErlaa238,76 haInzersdorf856,34 haKalksburg375,90 haLiesing273,78 haMauer642,66 haRodaun215,88 haSiebenhirten252,32 ha
Liesing wurde aus acht ehemals selbständigen Gemeinden gebildet, die heute als Wiener Katastralgemeinden weiter bestehen. Im Osten liegen der durch Industriegebiete geprägte heutige Bezirksteil Inzersdorf. Westlich davon befindet sich Erlaa, das heute vor allem durch den Wohnpark Alt-Erlaa bekannt ist (eine große Wohnanlage nördlich des alten Dorfkerns, die allerdings auf dem Gebieten der Katastralgemeinden Atzgersdorf und Inzersdorf liegt). Das sich südlich anschließende Siebenhirten wird ebenfalls vor allem als Wohngebiet genutzt. Westlich von Siebenhirten liegt der namensgebende Bezirksteil Liesing, in dessen altem Stadtkern sich das Amtshaus Liesing mit dem Magistratischen Bezirksamt befindet. Nördlich von Liesing befindet sich Atzgersdorf, das eine Mischung aus locker verbauten Wohngebieten und Gewerbegebieten entlang der Strecke der Südbahn darstellt, jedoch wenige frei zugängliche Grünflächen bietet. Im Nordwesten des Bezirkes liegt der große Bezirksteil Mauer, der neben locker verbauten Wohngebieten den Großteil des Anteils am Wienerwald umfasst. Südlich von Mauer befinden sich Rodaun und Kalksburg, die über einen hohen Grünlandanteil verfügen.
Eine weitere Gliederung des Bezirksgebiets besteht in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die 83 Zählgebiete des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die 19 Zählbezirke in Liesing sind Atzgersdorf, Atzgersdorf-West, Blumental, Draschegründe, In der Wiesen, Industriegebiet Breitenfurter Straße, Industriezentrum Liesing, Inzersdorf, Kalksburg - Kaltenleutgeben, Kroissberg, Mauer, Mauerberg, Neu-Erlaa - Hungereck, Rodaun, Schwarze Haide, Siebenhirten, Steinberg, Wohnpark Alt-Erlaa und Zentrum Liesing. Die Grenzen der Katastralgemeinden stimmen jedoch nicht mit jenen der gleichnamigen Zählbezirke überein.
Wappen 120px|rechts|Ehemaliges Stadtwappen Liesing Zur Beachtung: In der Heraldik werden die Wappen so beschrieben, wie sie ein Wappenträger (der selbst den Wappenschild nur von hinten sieht) beschreiben würde, also umgekehrt. Was wir im Wappen links sehen, ist für den Heraldiker rechts.
Für den Bezirk wird in der Regel das alte Stadtwappen von Liesing verwendet. Eine geplante Adaptierung des Wappens unter Berücksichtigung aller Bezirksteile wurde bis heute noch nicht breitflächig umgesetzt, auch die offiziellen Stellen benutzen nach wie vor das Stadtwappen.Mitteilung Wien.at-Team März 2005 Somit ist Liesing der einzige Bezirk Wiens, der nicht alle Bezirksteile im Wappen vertreten hat. Das Stadtwappen von Liesing ist in den Grundfarben blau und silber gehalten. Die untere, silberne Fläche läuft nach oben hin spitz zu, in den darüber liegenden blauen Winkeln sind in Gold zwei Wappenfiguren abgebildet. Rechts ein Winzerkorb, links ein goldenes Kammrad, die die früheren Hauptwirtschaftszweige Liesings repräsentieren. Auf der unteren, silbernen Fläche ist über flammendem Boden die Jahreszahl 1683 sowie ein Haselnusszweig abgebildet. Drei grüne Blätter und vier Früchte sind sternförmig angeordnet. Die Symbolik weist auf die zweite Türkenbelagerung, 1683, hin. rechts|120px|Bezirkswappen Liesing In der adaptierten Fassung des Bezirkswappens sind die acht Bezirksteile des Bezirkes repräsentiert. Das beschriebene Wappen Liesings findet sich hier als Herzschild wieder.