Stadtgrenze = ––––; Grüne Linie = 30px 250px

Der Tempelberg (, , oder ) ist ein Hügel im Südosten der Altstadt von Jerusalem oberhalb des Kidrontales. Auf seinem Gipfel befindet sich ein etwa 14 ha großes künstliches Plateau, in dessen Mitte der Herodianische Tempel stand, ein Nachfolgebau des nachexilischen jüdischen Tempels, der wiederum auf den Fundamenten des salomonischen Tempels errichtet wurde. Seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. steht hier der Felsendom. Auf der südlichen Seite der Esplanade befindet sich die al-Aqsā-Moschee. Der Tempelberg ist einer der umstrittensten heiligen Orte der Welt.

Namen mini|Südmauer Biblischer Tempelberg In der Hebräischen Bibel gibt es mehrere Bezeichnungen, die von der Tradition mit dem Tempelberg gleichgesetzt wurden:

Berg des Hauses (Gottes), , ist die hebräische Bezeichnung, die mit „Tempelberg“ übersetzt wird. Innerhalb der Hebräischen Bibel begegnet die Formulierung in als Kurzform von „Berg des Hauses JHWHs“ in .Yaron Z. Eliav: The Temple Mount in Jewish and Early Christian Traditions: A New Look, London / New York 2008, S. 50. Berg Zion. Ursprünglich Name des Südosthügels (=Davidsstadt), wurde Zion teils zum Namen für den Nordosthügel (=Tempelberg), teils für die Stadt Jerusalem insgesamt und ist innerhalb der Hebräischen Bibel die theologisch gefüllte Bezeichnung des Tempelbergs (z. B. ). Die Bezeichnung Zion wanderte in byzantinischer Zeit auf den Südwesthügel.Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt, Göttingen 2007, S. 603. Morija (bekannt auch in der Schreibweise: Moriah): a) Das „Land Morija“ () ist Schauplatz der Erzählung von Isaaks Bindung ; b) der „Berg Morija“ () Ort des Salomonischen Tempelbaus . Interessant ist hierbei, dass die antiken jüdischen Übersetzer ins Griechische (Septuaginta) beide Stellen verschieden behandelten: Gen 22,2 „das hohe Land“ und 2 Chr 3,1 „Berg des Amoria.“Wolfgang Kraus, Martin Karrer (Hrsg.): Septuaginta Deutsch. Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2009, S. 22.520. Dagegen hat Flavius JosephusFlavius Josephus: Jüdische Altertümer 1,224. den Namen transkribiert als . Die Beziehung der beiden Morija-Texte im Buch Genesis und in der Chronik zueinander ist ungeklärt; einige Exegeten (z. B. Hermann Gunkel, Claus Westermann) vermuteten, dass Morija sekundär in den Text von Gen 22 eingefügt wurde, um die Erzählung von der Bindung Isaaks mit dem Jerusalemer Tempelberg in Beziehung zu setzen. Detlef Jericke fasst die Sicht heutiger historisch-kritischer Bibelwissenschaft zusammen: Es sei „nicht zu erweisen, dass Morija in alttestamentlicher Zeit ein Orts- oder Geländename war. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es sich um eine literarische Bildung handelt.“Detlef Jericke: Art. Morija. In: Die Ortsangaben im Buch Genesis: Ein historisch-topographischer und literarisch-topographischer Kommentar. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, S. 153f. Die Identifikation von Morija mit dem Tempelberg steht aber seit frühjüdischer Zeit (siehe: Josephus) fest und wird auch von den Midraschim und Targumim vorausgesetzt.Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt, Göttingen 2007, S. 126. Wie Yaron Eliav und Rachel Elior herausgearbeitet haben, wurde der Begriff Tempelberg erst üblich, nachdem der Tempel 70 n. Chr. von römischen Soldaten zerstört worden war.Sarina Chen: Visiting the Temple Mount – Taboo or Mitzvah?, 2014, S. 28.

Tempelberg in islamischer Rezeption mini|Die al-Aqsa-Moschee von Nordosten aus Im Folgenden geht es um Bezeichnungen der Plattform oder Esplanade, die durch die Baumaßnahmen des Herodes entstanden war und die identisch mit dem Haram ist:Klaus Bieberstein: Die Bauten auf dem Haram – Der biblische Tempelberg in seiner islamischen Rezeption. In: Max Küchler: Jerusalem. Ein Handbuch und Studienreiseführer zur Heiligen Stadt, Göttingen 2007, S. 220–277, hier S. 220f.

Maqdis „Heiligtum“ war in frühislamischer Zeit die gesamte Esplanade, außerdem Bait al-Maqdis, eine Entlehnung von aramäisch Bet Maqdescha, „Haus des Heiligtums“, und Masdschid Bait al-Maqdis „Moschee des Hauses des Heiligtums.“ al-Masdschid al-Aqsa „die ferne Kultstätte“ ist im Koran das Ziel der nächtlichen Himmelsreise des Propheten Mohammed. Diese Bezeichnung wurde seit der Zeit der Omayyaden zum üblichen Namen für den Tempelplatz und gewinnt gegenwärtig an Verbreitung. So definiert z. B. das jordanisch-palästinensische Abkommen zur gemeinsamen Verteidigung von al-Masdschid al-Aqsa (31. März 2013) dieses als ein Gelände von 144 Dunam (14,4 ha), „inbegriffen die Qibli-Moschee der al-Aqsa, die Moschee des Felsendoms und alle zugehörigen Moscheen, Bauten, Mauern, Höfe, damit verbundenen Gebiete über und unter der Erde und die Waqf-Immobilien, die mit al-Masdschid al-Aqsa verbunden sind, mit ihrer Umgebung oder mit ihren Pilgern.“Royal Hashemite Court: Jordanian-Palestinian Agreement to Jointly Defend al-Masjid al-Aqsa. al-Haram asch-Scharif, der „erhabene, abgegrenzte heilige Bereich“ ist eine vergleichsweise jüngere Bezeichnung. Sie kam nach der Rückeroberung Jerusalems von den Kreuzfahrern im 13. Jahrhundert auf und wurde im Frieden von Jaffa 1229 quasi offiziell für die Esplanade mit ihren muslimischen Gebäuden verwendet. Im 19. und 20. Jahrhundert war dies die vorherrschende arabische Bezeichnung im Sprachgebrauch der Jerusalemer Bevölkerung, bei den osmanischen Behörden und folglich auch bei der in dieser Zeit entstehenden Fachliteratur. Im religionsrechtlichen Sinn ist aber fraglich, ob die Jerusalemer heilige Stätte ein Haram ist. Bereits im 14. Jahrhundert wandte sich Ibn Taimiya gegen diesen Sprachgebrauch.

Politische Brisanz der Bezeichnung Die Bezeichnungen Tempelberg bzw. al-Haram asch-Scharif sind nicht neutral; sie bringen bereits eine bestimmte Bewertung der heiligen Stätte zum Ausdruck. So wurde von vielen Kommentatoren kritisiert, dass eine von arabischen Staaten eingebrachte UNESCO-Resolution sich im Oktober 2016 mit der Gefährdung der historischen Bausubstanz der heiligen Stätte befasste und dabei durchgängig die Bezeichnung Al-Aqṣa Mosque/Al-Ḥaram Al-Sharif verwendete.UNESDOC Digital Library: Occupied Palestine. Draft decision, submitted by: Algeria, Egypt, Lebanon, Morocco, Oman, Qatar and Sudan „Tempelverleugnung ist schlimmer als Holocaustleugnung“, so der Archäologe Gabriel Barkay, der zu dieser Zeit im Temple Mount Sifting Project engagiert war.Qantara.de: Wie politisch ist Geschichte? Israel, die Unesco und der Tempelberg, 26. Oktober 2016. „Die Unesco hat somit gemäss israelischen Regierungskreisen die historische Verbindung des Judentums mit dem Tempelberg geleugnet“, bemerkte Carlo Strenger in einem Beitrag für die Neue Zürcher Zeitung.

Da es einen neutralen Namen der Stätte nicht gibt, wird in wissenschaftlicher Literatur die Doppelbezeichnung „Tempelberg / al-Haram asch-Scharif“ (Temple Mount / Al-Haram al-Sharif, TM/HS) gebraucht.Yitzhak Reiter: Contested Holy Places in Israel–Palestine: Sharing and Conflict Resolution. Routledge, London / New York 2017, S. xix. Ebenso z. B. Yuval Jobani, Nahshon Perez: Governing the Sacred: Political Toleration in Five Contested Sacred Sites, Oxford 2020.

Religiöse Bedeutung Im Judentum Das Deuteronomium hebt hervor, dass es für Israel nur einen legitimen Kultort geben kann; die Samuel- und Königsbücher spezifizieren, dass dieser Kultort der Tempel in Jerusalem ist. Dass der Tempel sich auf einem heiligen Berg befinde, kommt in dieser Konzeption nicht vor, wohl aber in den Psalmen und den Prophetenbüchern.Yaron Z. Eliav: The Temple Mount in Jewish and Early Christian Traditions: A New Look, London / New York 2008, S. 49.

In 2 Sam 7 äußert König David den Wunsch, nun da er selbst in einem Palast lebt, für die Lade JHWHs auch ein „Haus“ zu bauen. Der Prophet Natan verkündet ihm daraufhin die göttliche Antwort, dass umgekehrt JHWH dem David ein „Haus“ bauen werde, nämlich eine dauerhafte Königsdynastie. Nicht David, sondern erst sein Sohn (Salomo) aber werde den Tempel erbauen.Thilo Alexander Rudnig: König ohne Tempel. 2 Samuel 7 in Tradition und Redaktion. In: Vetus Testamentum 61, 372011, 426–446.

Wirkungsgeschichtlich bedeutend wurde, wie der Chronist verschiedene Traditionsstränge verknüpfte:Sara Japhet: I and II Chronicles: A Commentary. Westminster John Knox press, Louisville / London 1993, S. 551. Nota bene, erst der Chronist identifiziert die Tenne Araunas mit dem Bauplatz des Tempels: According to the original story … the precise location of Araunah’s threshing floor, although certainly in Jerusalem … is not known, nor is there any indication that this was to be the site of the future temple; correspondingly, I Kings 6,1 does not does not position the Temple on ‚the threshing floor of Araunah‘. The whole context in fact views the ‚threshing floor‘ as unrelated to other ‚holy sites‘.

Salomo baut den Tempel

in Jerusalem, auf dem Berg Morija (geographische Bestimmung, verbunden mit der Erzählung von der Bindung Isaaks, Gen 22); wo JHWH seinem Vater David erschienen war (Theophanie); an der Stätte, die David bestimmt hatte (Salomo führt beim Tempelbau Befehle seines königlichen Vaters aus); auf der Tenne des Jebusiters Arauna (verbunden mit der Kultlegende, dass eine Seuche endete, als David hier einen Altar baute, ). Tennen befanden sich in erhöhter Lage und boten sich daher als Kultplätze an. Die Betonung liegt darauf, dass David ein vorher profan genutztes Gelände für den JHWH-Kult bestimmt habe; die ältere Forschung nahm an, dass dies historisch unzutreffend sei und David im Gegenteil den Stadttempel der Jebusiter vorgefunden und umgewidmet habe.Konrad Rupprecht: Der Tempel von Jerusalem: Gründung Salomos oder jebusitisches Erbe? (= Beihefte zur Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. Band 144) Walter de Gruyter, Berlin / New York 1976, S. 15. Die Diskussion dieser Frage hat zur Voraussetzung, dass Texte des Samuelbuchs im davidisch-salomonischen Großreich verfasst wurden und z. B. eine Erinnerung an einen zur Zeit Davids schon bestehenden JHWH-Tempel enthält (offenbar den umgewidmeten jebusitischen Tempel, vgl. Konrad Rupprecht: Der Tempel von Jerusalem: Gründung Salomos oder jebusitisches Erbe?, Berlin / New York 1976, S. 102). Wenn das Samuelbuch dagegen später verfasst wurde, hat 2 Sam 12,20 keinen so hohen Quellenwert.