mini|Selbstporträt, um 1845, MASILugano Antonio Rinaldi (* 20. November 1816 in Tremona, heute Quartier von Mendrisio; † 27. September 1875 ebenda) war ein Schweizer Maler zwischen Romantik und Realismus. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler des Kantons Tessin im 19. Jahrhundert.
Leben Antonio Rinaldi wurde 1816 in einer wohlhabenden Familie in Tremona geboren. 1829, mit erst 13 Jahren, immatrikulierte er sich an der Accademia di Brera in Mailand, wo er Kommilitone seines Landsmanns Vincenzo Vela und Schüler von Luigi Sabatelli war. 1841 schloss er seine Studien ab und präsentierte als Gesellenstück das Historiengemälde Raffael und die Fornarina an der Akademie. 1843 nahm er an einem Wettbewerb der Brera mit einem weiteren Historienbild zum vorgegebenen Thema Gian Giacomo Trivulzio weist die Anschuldigungen des Grafen von Ligny vor dem französischen König Ludwig XII. zurück teil, unterlag jedoch Cherubino Cornienti. 1844 stellte er ein letztes Mal an der Akademie aus.. 1846 heiratete er Giulia Carolina Andreazzi. Rinaldi kehrte in seinen kleinen Geburtsort Tremona zurück (das Dorf hatte 1850 293 Einwohner), wo er den Rest seines Lebens zurückgezogen mit seiner Familie verbrachte. Er verliess seine engere Heimat kaum, weswegen man ihn darüber hinaus auch nicht kannte, und starb 1875 in Tremona. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er erst 1926 bekannt, als eine von Familien aus dem Mendrisiotto zusammengebrachte Ausstellung mit seinen Gemälden und Zeichnungen in der Villa Ciani in Lugano gezeigt wurde.Tessiner Kunstausstellung in Lugano. In: Der Bund. Erstes Blatt. Band 77, Nr. 164, 20. April 1926, S. 3 (online).
Werk Rinaldi ging von der in der Lombardei dominierenden klassizistisch-romantischen Richtung eines Francesco Hayez, Angelo Inganni oder Cherubino Cornienti aus, öffnete sich im Verlauf seiner Schaffenszeit, insbesondere in seinen Genrebildern und Porträts, aber zunehmend dem aufkommenden Realismus («Verismus»). Das Gros seiner Werke mit 348 Gemälden und Zeichnungen befindet sich heute in der Kantonalen Pinakothek Giovanni Züst in Mendrisio-Rancate. Ein kleinerer Teil ist im Kunstmuseum der italienischen Schweiz in Lugano und im Kunstmuseum Mendrisio zu sehen.
Historienbilder Historiengemälde schuf Rinaldi nur während und unmittelbar nach seinem Studium. Aus späteren Jahren sind einige Skizzen mit historischen Sujets erhalten, zum Beispiel von Wilhelm Tell, Christoph Kolumbus, Paolo und Francesca aus Dantes Göttlicher Komödie und dem Massaker von Castel San Pietro.
Religiöse Malerei Rinaldi schuf zahlreiche Fresken und Gemälde für Kirchen, hauptsächlich im Mendrisiotto: in dessen Hauptstadt Mendrisio in den Kirchen Santi Cosma e Damiano, Santa Maria und San Sisinio alla Torre (Fresko des heiligen Sisinius über dem Eingang, 1865), in den heute eingemeindeten Ortschaften Capolago (Pfarrkirche Santa Maria Maddalena), Genestrerio, Meride und Rancate (Friedhofskapelle), ferner in Balerna, Besazio, Coldrerio, Riva San Vitale und Stabio. 1859 malte er ein Fresko, das Mariä Himmelfahrt darstellt, in der Kapelle des Spitals (heute Palazzo Turconi) in Mendrisio.Angela Windholz: Da ospedale a biblioteca. La storia del legato Turconi. Accademia di architettura, Mendrisio 2021 (PDF), S. 33 f.
Weitere kirchliche Werke finden sich in den lombardischen, an das Tessin angrenzenden Provinzen Como (Casnate, Cernobbio, Como-Civiglio, Ronago und Tavernerio) und Varese (Gemonio). Für die Pfarrkirche von Cavergno im Maggiatal fertigte Rinaldi 1871 Gemälde zur Passion Christi.
Genrebilder In seinen meist kleinformatigen Genrebildern verliess Rinaldi die Pfade der Romantik. Herausragend sind seine Szenen aus Tessiner Osterien, die in ihrem Humor, ihrer Ironie und der karikaturesken Verzerrung an Francisco de Goya und Honoré Daumier erinnern, in ihrem Anspruch aber bereits auf den Realismus verweisen:
Offenbar inspirierten ihn die Burlesken des italienischen Renaissance-Dichters Francesco Berni. Sein Hauptwerk Weinender Kaminfegerjunge weist bereits sozialkritische Züge auf.
Porträts Die Spannung zwischen Romantik (mit einer oft melancholischen Aura) und Realismus zeigt sich auch in Rinaldis Porträts. Hier war er besonders beeinflusst von der Bergamasker Schule der Accademia Carrara (Giovanni Carnovali, Giacomo Trécourt, Giuseppe Rillosi), ab den 1850er Jahren auch von den Mailändern Eliseo Sala und Giuseppe Molteni. Rinaldi malte sowohl Menschen aus dem einfachen Volk als auch Familienmitglieder und Angehörige des gutbetuchten lokalen Bürgertums.
Gedenken Nach Rinaldi sind in Arzo, Meride, Tremona und Mendrisio Strassen (Via Antonio Rinaldi), in Tremona zusätzlich ein kleiner Platz (Piazza Antonio Rinaldi) benannt.
1967 wurde im Rahmen der Neueinweihung der ehemaligen Pfarrkirche Sant’Agata in Tremona eine von Henri Mariotti geschaffene Bronzebüste Rinaldis enthüllt.Festa restauri Sant’Agata. In: Libera_Stampa. 18. Mai 1967, S. 3 (online).
Literatur Maria Will: Antonio Rinaldi 1816–1875. In: Il Bollettino. Informazioni d’arte. Nr. 11, 1984, S. 76 f. Jean Soldini: La Pinacoteca Züst. Catalogo generale. Casagrande, Bellinzona 1988, S. 72–277. Mariangela Agliati Ruggia, Matteo Bianchi, Marcella Snider: La pittura di genere in alcuni maestri ticinesi dell’Ottocento e dei primi decenni del Novecento. In: Kunst+Architektur in der Schweiz. Band 45, Nr. 4, 1994, S. 383–390, .
Weblinks
Antonio Rinaldi auf der Website der Pinacoteca cantonale Giovanni Züst Werke in der Sammlung des MASILugano
Einzelnachweise
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