mini|Geöffnete MQ-9 Reaper-Drohne mit erkennbaren Elementen des Satellitenkommunikationssystems. Ein unbemanntes System ist eine Technologie oder ein Gerät, das ohne menschliche Besatzung oder Personal betrieben wird. Diese Systeme sind durch einen hohen Grad an Automatisierung gekennzeichnet und nutzen autonome und intelligente Systeme, die ihnen die Fähigkeit zur eigenen Steuerung oder zur Fernsteuerung durch einen Menschen ermöglichen. Unbemannte oder unbesetzte Systeme sind Echtzeitsysteme, die aus einer Vielzahl elektrisch-mechanischer Komponenten sowie Software (in der Praxis meist eingebettete Systeme) zur Kontrolle, Steuerung und Regelung bestehen.

Die Einsatzgebiete derartiger Systeme sind Land, Luft und See. Auch Satelliten und viele Raumfahrtsysteme, z. B. Raumsonden, sind unbemannte Systeme.

Allgemein wird auch von einem unbemannten Fahrzeug gesprochen. Unbemannte Flugobjekte oder Fluggeräte werden auch als Drohnen bezeichnet. Der Begriff bezog sich ursprünglich auf unbemannte Flugzeuge, wird mittlerweile jedoch auch elastisch auf land- und seebasierte Geräte angewendet.

Autonome Systeme sind Technologien, die in der Lage sind, eigenständig Entscheidungen zu treffen und Aktionen auszuführen – oft ohne menschliches Eingreifen, aber teilweise auch mit menschlicher Besatzung, vgl. selbstfahrende Kraftfahrzeug bzw. deren Anwendung als „Robotaxis“.

Unbemannte Systeme werden sowohl im zivilen (vgl. Hersteller wie Boston Dynamics) als auch im militärischen Kontext hergestellt. Wenn zivile Anwendungen militärisch genutzt werden, spricht man auch von Doppelnutzung. Diese Systeme werden von der Verteidigungsindustrie im Rahmen der Wehrtechnik entwickelt, getestet und produziert, während die Kommissionierung und Inbetriebnahme in Zusammenarbeit mit dem Militär erfolgt. Militärische autonome und intelligente Systeme sind auch bekannt als Autonome Waffensysteme (AWS), welche einige Ähnlichkeiten zu unbemannten Systemen aufweisen.

Technologien und Domänen Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit. Die Systeme weisen teilweise Schnittmengen in ihren Merkmalen, Fähigkeiten oder Eigenschaften auf. Ebenso sind einige Geräte im zivilen und militärischen Kontext zu finden. Doppelnutzung einzuordnen.

Militärische Anwendungen

Land

Militärroboter oder „Kriegsroboter“ Unbemanntes Landfahrzeug

Luft und Weltraum Generisch: Unbemannte Luftfahrt (Übersichtsartikel zur zivilen und militärischen Geschichte) Optionally Piloted Vehicle (OPV), Hybride Fluggeräte, bemannt oder unbemannt Unbemanntes Luftfahrzeug (Drohne), z. B. das Gerät X-47B oder das ehemalige LOCAAS-Programm u. v. m. Raketendrohnen, Drohnenwaffen oder „Einweg-Drohnen“. Systeme wie Shahed oder LUCAS, siehe auch Loitering Weapon Unbemannte Raketensysteme oder Flugkörper, z. B. Marschflugkörper oder Hyperschallwaffen

See

Drohnenträger Unbemanntes Unterwasserfahrzeug, z. B. Torpedo-artige Waffensysteme wie Poseidon, auch bekannt als Generisch: Unbemanntes Wasserfahrzeug

Zivile Anwendungen

Land

Autonomes Fahren bzw. Selbstfahrendes Kraftfahrzeug (auch Autonomes Parken) Feldroboter Flurförderroboter Humanoider Roboter Rasenmähroboter Selbstfahrendes Schienenfahrzeuge bzw. Autonome Züge Generisch: Unbemanntes Landfahrzeug

Luft und Weltraum

Unbemannte Raumfahrt (vgl. Raumsonde) im Unterschied zur Bemannten Raumfahrt

See

Autonomes Unterwasserfahrzeug „Tauchroboter“: Ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge bzw. Unterwasserroboter Unbemanntes Feuerschiff Unbemannte schwimmende Landeplattform

Militärische Unbemannte Systeme

Militärische unbemannte Systeme können verschiedenen Zwecken dienen, beispielsweise der Überwachung, Aufklärung oder als Waffe. Zu letzteren zählen beispielsweise auch hochautomatisierte Raketenwaffen oder Lenkwaffen wie Marschflugkörper. Drohnen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Merkmale, wie Antriebsart (z. B. Propeller, Raketen, Turbojet), Reichweite, Bewaffnung, Steuerungsmechanismen und Herstellungskosten (zwischen Millionen und Tausend Dollar), sowie dem daraus resultierenden Potenzial zur Abschreckung eines Gegners. Ein Beispiel für eine neuartige Kampfdrohne oder Drohnenwaffe ist das unbemannte Waffensystem, auch bekannt als Raketendrohne, Palianytsia, das von der Ukraine entwickelt wird. Weitere Systeme sind z. B. die Low-cost Uncrewed Combat Attack System (LUCAS), auch bekannt als „Einweg-Drohnen“ oder „Kamikaze-Drohnen“. LUCAS basiert konzeptuell auf der iranischen Drohne Shahed-136. Die russische (lizenzierte) Kopie der Shahed-Drone ist unter dem Namen Geran bekannt und wird in Russland produziert. Diese neuen und relativ günstig zu produzierenden Waffensysteme werden im Russisch-Ukrainischen Krieg und Irankrieg eingesetzt. Die Systeme können zwar durch alte und neue Abwehrmittel abgefangen werden, stellen jedoch moderne Raketenabwehrsysteme vor neue Herausforderungen aufgrund ihrer Flugcharakteristik und wenn mehrere Geräte gleichzeitig abgefeuert werden.

Während ihres militärischen Einsatzes können sie außerdem in Cyberoperationen integriert werden, die digitale Angriffe und strategische Informationen umfassen. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht jeder Einsatz unbemannter Systeme automatisch einem Cyberkrieg gleichgesetzt werden kann.

Russische „Superwaffen“

Im Rahmen der Föderationsversammlung der Russischen Föderation im März 2018 kündigten Vertreter des russischen Rüstungskomplexes eine Vielzahl neuer Waffensysteme an, die auch als „Superwaffen“ („Супероружие“) bezeichnet werden. Einige der Systeme weisen einen hohen Grad an Automatisierung auf und sind unbemannt.

Die Medien bezeichneten die Systeme auch als „Wunderwaffen“. Fachleute sind sich der Einsatzfähigkeit der Systeme nicht sicher und sehen darin eher Propaganda. Hinweise: Die in Klammern angegebenen Zuordnungen erheben keinen Anspruch auf Richtigkeit. Genauere Details zu den Systemen sind nur teilweise bekannt. So ist beispielsweise unbekannt, ob diese Systeme autonome Entscheidungen treffen. Wahrscheinlicher ist, dass diese unbemannten Systeme durch eine oder mehrere militärische Kommunikationsinfrastrukturen ferngesteuert werden.

Zu den Waffen zählen (mit Ergänzungen):

Das Hyperschall-Gleitflugkörper Awangard (strategisch) Die mittels Kernreaktor angetriebene Marschflugrakete 9M7300 Burewestnik (strategisch) Die 3M22 Zircon, eine mit einem Staustrahltriebwerk angetriebene Hyperschall-Marschflugrakete (taktisch/Operationsgebiet) Die Ch-47M2 Kinschal, eine hyperschallfähige, aus der Luft abgefeuerte ballistische Rakete (taktisch/Operationsgebiet) Das unbemannte Unterwasserfahrzeug Poseidon (strategisch) Die RS-28 Sarmat, eine mit Flüssigtreibstoff betriebene, mit MIRV ausgerüstete superschwere Interkontinentalrakete (strategisch) Die bemannte Laser-Energiewaffe Pereswet Das neue Mittelstreckensystem Oreschnik

In diesem Zusammenhang sei auch auf das INF-Abkommen zwischen den USA und Russland hingewiesen, welches 2019 von den USA mit der Begründung gekündigt wurde, Russland teste und mache seit mehreren Jahren Systeme wie das 9M729 Novator Marschflugkörpersystem einsatzbereit.

Armee und Waffensysteme der Zukunft Unbemannte Systeme, beispielsweise Drohnen, beeinflussen die moderne Kriegsführung. Experten weisen jedoch darauf hin, dass diese Systeme konventionelle Streitkräfte und Waffensysteme, wie beispielsweise Kampfpanzer, eher ergänzen als ersetzen sollen. Bei der Abwehr dieser neuen Waffen durch Drohnen- bzw. Luftverteidigungssysteme besteht jedoch Aufholbedarf. Die Armee der Zukunft bleibt eine Herausforderung.

Rüstungskontrolle & Sicherheitsaspekte Aufgrund der sich weiterhin rasch entwickelnden Fähigkeiten unbemannter Systeme, die zu militärischen Zwecken eingesetzt werden, besteht die Gefahr eines Sicherheitsdilemma, das auch die Kriegsplanung und -führung beeinflusst. Die USA betreiben z. B. eine -Einheit, d. h. eine Aufstellung von unbemannten Systemen zu einer Streitkraft.

Die Regulierung autonomer Waffensysteme (AWS) (siehe dort) wird seit etwa den 2010er Jahren diskutiert. Dies betrifft auch die Regulierung der künstlichen Intelligenz in Bezug auf autonome Waffensysteme.

Siehe auch

Autopilot Automobilelektronik DARPA Grand Challenge Drohne-Anti-Radar Drohnen der Bundeswehr Elektronische Kampfführung und Network-Centric Warfare Funktionale Sicherheit Luftüberlegenheit Robotik Rüstungskontrolle Software-definierte Verteidigung (SdV)

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Technisches Fachgebiet Kategorie:Militärroboter Kategorie:Autonomer mobiler Roboter Kategorie:Waffensystem Kategorie:Drohnenkrieg Kategorie:Echtzeitsystem