Die Grube Abendstern liegt in der mittelhessischen Gemeinde Biebertal am Fuße des Dünsbergs. In der Grube wurde zwischen 1881 und 1958 erst im Tagebau, dann im Untertagebau Erz abgebaut. Inzwischen ist die Grube stillgelegt.
Entstehung und Geschichte Nachdem der Bergbauunternehmer Wilhelm Briel in dem Gebiet alte verlassene Pingen entdeckt hatte, stellte er am 5. Juni 1843 ein Mutungsgesuch bei der Bergbehörde auf Braunstein. Dieses wurde zunächst abgelehnt, da der Bergbauunternehmer Rosenberg einen Antrag zwei Tage früher abgegeben hatte. Als die Mutung Rosenbergs erloschen war, erhielt Briel am 3. April 1848 die Mutung für das Grubenfeld "Auf dem Radfeld" und nach erfolgreichen Schürfarbeiten am 25. März 1850 die Belehnung auf Braunstein.
Im Jahre 1857 baute Briel eine Braunsteinwäsche am Grundbach, welche ihn einen Vorteil verschaffte, wodurch er 1865 das Grubenfeld "Abendstern" des Hainauer Landwirt Dudenhöfer erwerben konnte. Nach jahrelangem Rechtsstreit zwischen Briel und dem Oberhessischen Hüttenverein zu Ludwigshütte, bei dem es um die Abgrenzung zwischen Braunstein und Brauneisenstein ging, kam es im Jahre 1878 zu einer Außergerichtlichen Einigung zwischen Briel und dem Montanunternehmer J. J. Jung (Ludwigshütte). Dabei wurden die Grubenfelder Radfeld, Abendstern, Thiergarten und Rimberg zu der Grube Abendstern konsolidiert. Als Betriebsführungsgesellschaft wurde 1880 die Bergrechtliche Gewerkschaft Abendstern gegründet. Das Grubenfeld Rimberg wurde von J. J. Jung unter dem Namen Grube Gustavszeche betrieben.
In Tagebau Abendstern wurde im Jahre 1881 die Förderung wieder aufgenommen, welche aber im Jahre 1882 wieder eingestellt wurde, da man im Einzelfeld Radfeld hoch manganhaltigen mulmigen Brauneisenstein in einem Tagebau aufgeschlossen hatte. In diesem Tagebau wurden 1884 mit einer Belegschaft von 28 Bergleuten 8640 Tonnen Erz gefördert. Die Erze wurden unter anderem an Siegener Hütten und schwerindustrieelle Werke in Luxemburg und Lothringen verkauft. 1889 wurde der Steinmüller-Stollen und der Briel-Stollen aufgefahren. Der Briel-Stollen erreichte 1892 bei einer Länge von 356 Metern das Erzlager unterhalb des Tagebau Thiergarten, wo ein zwar mächtiges, aber zu der Zeit nicht abbauwürdiges Lager aufgefunden wurde. Nach schwachen Fördermengen von maximal 1000 Tonnen im Jahr kam das Bergwerk 1899 zum Erliegen.
Im Jahre 1917 erwarb die Firma Mannesmann Röhrenwerke über einen "Strohmann" alle Kuxe der Gewerkschaft Abendstern und nahm den Grubenbetrieb am 8. August 1917 mit 3 Bergleuten wieder auf. Der Briel-Stollen wurde wieder aufgewältigt und ein Versuchsschacht (Siegfriedschacht) aus 1888 an der Markscheide zur Grube Morgenstern wurde weiter abgeteuft. Im April 1919 wurde der Nicolausschacht im Radfeld in Angriff genommen, der 1920 die vorgesehene Teufe von 68 Meter erreichte. Im selben Jahr wurde nach erfolglosen Untersuchungen auf der 75- und 90-Meter-Sole des Siegfridschachts die Arbeit an diesem Schacht eingestellt. Der "Neue-Stollen" wurde 1920 zwischen dem Briel-Stollen und dem Steinmüller-Stollen angesetzt und erreichte nach 126 m den Nicolausschacht in einer Teufe von 36 Metern. Er sollte später als Förderstollen dienen. In den Jahren 1921–1925 wurden 8220 Tonnen Erz gefördert, die an oberschlesische Hüttenwerke und Saarhütten verkauft wurden. Absatzschwierigkeiten führten schließlich am 30. Juni 1925 zur Einstellung des gesamten Grubenbetriebs. 1927 ging im Tagebau Thiergarten wieder Abbau um, der aber in Folge der Weltwirtschaftskrise 1931 wieder eingestellt wurde.
Am 15. Mai 1932 kam es zu einer Wiederaufnahme der Bergbautätigkeit im Briel-Stollen. Es wurden Erze zu Farbzwecken an Ziegeleien und Klinkerwerke verkauft, aber auch Manganerze zu Hochofenzwecken gefördert. Nach Kriegsausbruch kam es wieder zu Absatzschwierigkeiten und als Anfang 1945 der Erzlagerplatz mit einem Haldenbestand von 7000 Tonnen erschöpft war, wurde der Betrieb abermals eingestellt.
Die letzte Betriebsperiode fand zwischen 1955 und 1958 statt. Erst 1954 waren die Haldenbestände restlos an Ziegeleien verkauft worden. Um den anhaltenden Bedarf an Farberzen decken zu können, wurde der Briel-Stollen wieder aufgewältigt und mit 5 Bergleuten eine Anfangsförderung von 1700 Tonnen Farberz vollbracht. Durch das "Absaufen" der Grube Königsberg und zur Vermeidung von Entlassungen wurden 1955 19 Bergleute auf die Grube Abendstern verlegt, wodurch sich die Belegschaft von 8 auf 27 Mann erhöhte. im selben Jahr wurden 4367 Tonnen Erz gefördert.
Am 28. Februar 1958 stellte die Firma Mannesmann den Betrieb der Grube Abendstern wegen Unrentabilität endgültig ein.
Siehe auch
Liste von Bergwerken im Lahn-Dill-Gebiet
Literatur Der Dünsberg und das Biebertal, Hrsg. Dünsberg-Verein Biebertal 1982, ISBN 3-9800654-0-5
Abendstern Abendstern Kategorie:Geographie (Biebertal) Kategorie:Geschichte (Landkreis Gießen)