Netta Engelhardt (; * in Jerusalem, Israel) ist eine israelisch-US-amerikanische theoretische Physikerin am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Sie wurde durch ihre Beiträge zur möglichen Auflösung des von Stephen Hawking formulierten Informationsparadoxons schwarzer Löcher bekannt, darunter die Einführung der Quantenextremalflächen (engl. quantum extremal surfaces) und Arbeiten aus dem Jahr 2019, welche das erwartete Page-Kurven-Verhalten der Hawking-Strahlung zeigen.
Leben Engelhardt wurde in Jerusalem in Israel geboren und zog im Alter von neun Jahren mit ihrer Familie nach Boston in die Vereinigten Staaten. Hawkings populärwissenschaftliches Buch A Brief History of Time weckte in dieser Zeit ihr frühes Interesse an schwarzen Löchern und Grundfragen der Physik. Sie absolvierte an der Brandeis University ein Studium der Physik und Mathematik und sie promovierte an der University of California, Santa Barbara in Physik. Als Postdoktorandin forschte sie an der Princeton University und war Mitglied der Princeton Gravity Initiative. Im Juli 2019 folgte sie einem Ruf ans MIT. Im Jahr 2023 erhielt sie eine unbefristete Stelle (tenure). Heute ist sie Associate Professor of Physics am MIT.
Wirken Gemeinsam mit Aron Wall schlug Engelhardt 2014 die Quantenextremalflächen (QES) als quantenkorrigierte Verallgemeinerung extremaler Flächen zur Berechnung von Entropien in gravitativen Systemen vor. Im Jahr 2019 zeigte sie mit Ahmed Almheiri, Don Marolf und Henry Maxfield sowie unabhängig davon Geoff Penington, dass beim Verdampfen schwarzer Löcher nichtklassische „Inseln“ beziehungsweise geeignete QES entstehen, wodurch die von Don Page erwartete Entropiekurve reproduziert wird und Information erhalten bleibt. Diese Ergebnisse gelten als Meilenstein, weil sie mit gravitativen Methoden ohne zusätzliche Annahmen der Stringtheorie auskommen und den Weg zur Auflösung des Informationsparadoxons geebnet haben. Neben dem Informationsparadoxon arbeitet Engelhardt an Fragen zu Singularitäten und der Gültigkeit der kosmischen Zensur sowie am Zusammenspiel von Gravitation und Quanteninformation (u. a. in holografischen Ansätzen).
Auszeichnungen Für ihre Arbeiten und ihr Forschungsprogramm erhielt Engelhardt bedeutende Auszeichnungen, darunter den New Horizons in Physics Prize (2021), ein Sloan Research Fellowship (2022) und den Presidential Early Career Award for Scientists and Engineers (2025). Sie war Teilnehmerin der 28. Solvay-Konferenzen für Physik (2022). Im Jahr 2023 erhielt sie „für ihre grundlegenden Beiträge zum Verständnis von Quanteninformationen in der Physik der Schwerkraft und der schwarzen Löcher“ die Gribov Medal.
Einzelnachweise
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