Das Gemälde Weiblicher Akt (Werkverzeichnis BC 25), auch Rückenakt genannt, des deutschen Malers Lovis Corinth entstand im Jahr 1885. Es handelt sich um ein frühes Werk Corinths, das sich in einer privaten Sammlung befindet.Charlotte Berend-Corinth: Lovis Corinth. Die Gemälde. Werkverzeichnis. Neu bearbeitet von Béatrice Hernad. Bruckmann, München 1992, BC 25, S. 58. ISBN 3-7654-2566-4.
Bildbeschreibung Das hochformatige Gemälde zeigt eine stehende nackte Frau als Dreiviertelakt und Kniestück. Sie wendet dem Betrachter den Rücken zu, der Kopf mit dem dunkelbraunen und langen Haar ist leicht nach links geneigt, wobei der Nacken frei bleibt. Der linke Arm hängt ausgestreckt an der Seite herunter und hält an den Fingerspitzen ein Tuch oder Kleid, während der rechte mit der Hand in der Hüfte abgestützt und angewinkelt ist. Hier trägt das Modell einen schmalen goldenen Armreif über dem Handgelenk. Der von hinten angestrahlte Körper und vor allem die breiten Hüften sind plastisch modelliert und er hebt sich deutlich vom dunklen Hintergrund ab. Charlotte Berend-Corinth schrieb dazu in ihrem Werkverzeichnis: „Auf dunklem Hintergrund leuchtet der Körper in hellen, gelblichen Farben.“ Signiert ist das Werk oben rechts mit „CORINTH“.„Lovis Corinth, Weiblicher Akt (BC 25)“ – Auktionsnachweis (Koller/Invaluable), mit Werkangaben und Abbildungen: Losbeschreibung, abgerufen am 3. Oktober 2025.
Hintergrund Das Bild wurde von Corinth 1885 während seiner frühen Studienzeit und laut Charlotte Berend-Corinth in Paris geschaffen. Sie ordnete es in ihrem 1958 erschienenen Werkverzeichnis der Gemälde ihres Mannes mit der Katalognummer 25 (BC 25) ein. Es handelt sich um Corinths erste Darstellung einer weiblichen Rückansicht und einer seiner ersten Akte überhaupt.
Er hatte ab 1876 an der Königsberger Akademie unter Otto Günther studiert und war 1880 auf dessen Empfehlung an die Akademie der Bildenden Künste München gewechselt, wo der Technik der Aktstudie große Bedeutung beigemessen wurde.Deutsches Historisches Museum, LeMO: „Lovis Corinth – Biografie“, dhm.de/lemo/biografie/lovis-corinth, abgerufen am 3. Oktober 2025. Dort studierte er zunächst bei Franz von Defregger, später bis 1884 in der Malklasse von Ludwig von Löfftz, der nach Corinth vor allem in der Aktmalerei mit „proletarischen Modellen“ arbeitete.Bernhart Schwenk: „Der Stoff kann hundertfach behandelt sein…“ Corinth in München. In: Peter-Klaus Schuster, Christoph Vitali, Barbara Butts (Hrsg.): Lovis Corinth. Prestel München 1996; S. 25–36, hier S. 28–29. ISBN 3-7913-1645-1. Nach Bernhart Schwenk war das Interesse Corinths an der Löffzschen Malklasse wohl vor allem „durch sein Interesse für die menschliche Figur begründet.“ Die Münchner Akademie war in dieser Zeit ein Zentrum des Naturalismus, beeinflusst u. a. durch den Leibl-Kreis. Auch Corinth orientierte sich während seiner Studienjahre an einer naturalistischen Malweise mit genauer Beobachtung von Körper und Licht.Kunststiftung Paffrath: „Lovis Corinth – Biografie“, kunststiftung-paffrath.de/.../lovis-corinth/, abgerufen am 3. Oktober 2025. Seine Faszination für den weiblichen, nackten, und meistens üppigen Körper durchzog das gesamte Werk Corinths, wobei niederländische Meister wie Peter Paul Rubens als Vorbild dienten.
Von 1883 bis 1884 reiste Corinth nach Italien, Antwerpen und ab Oktober 1884 nach Paris, um sein Studium an der Académie Julian fortzuführen. Hier konzentrierte er sich weiter auf die Porträt- und auch die Aktmalerei, sodass sein Werk der Zeit stark von Aktdarstellungen geprägt ist.
Provenienz und Ausstellungen Das Gemälde befand sich seit seiner Entstehung durchweg in Privatbesitz. Als Besitzer des Bildes gab Charlotte Berend-Corinth in ihrem Werkverzeichnis zuerst einen W. Becker in München an, von dem es zu Frau Dr. Lippmann in Berlin ging. Der letzte bekannte Besitzer war nach dieser Darstellung Dr. W. Müller von der Grube Ilse in Brandenburg. Im Dresdner Ausstellungskatalog 1927 ist letzterer als Leihgeber vermerkt. Danach befand es sich zuerst in Privatbesitz in Dresden und später in Hessen. Im Juli 2020 wurde es bei dem Züricher Auktionshaus Koller Auktionen für einen Preis von 45.440 Schweizer Franken verkauft.
Nach dem Tod Corinths im Jahr 1925 wurde das Gemälde in mehreren Gedächtnisschauen gezeigt. 1926 präsentierte die Nationalgalerie Berlin die Ausstellung Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis. Im Oktober des gleichen Jahres zeigte der Kunstverein Kassel eine Gedächtnisausstellung, in der das Bild zu sehen war.Martin-Opitz-Bibliothek (Digitalisat): „Lovis Corinth. Ausstellung von Gemälden zu seinem Gedächtnis … 12. Sept. – 15. Okt. 1926, Kassel“, digital.martin-opitz-bibliothek.de/detailseite/id/2920, abgerufen am 3. Oktober 2025. Vom 22. Januar bis Mitte März 1927 folgte die Gedächtnisausstellung im Sächsischen Kunstverein Dresden.Universitätsbibliothek Leipzig, Katalogeintrag (Bibliografie zum Dresdner Katalog 1927): katalog.ub.uni-leipzig.de/Record/0-1118832019, abgerufen am 3. Oktober 2025.
Belege
Literatur Charlotte Berend-Corinth: Lovis Corinth. Die Gemälde. Werkverzeichnis. Neu bearbeitet von Béatrice Hernad. Bruckmann, München 1992, BC 25, S. 61.
Kategorie:Gemälde von Lovis Corinth Kategorie:Gemälde (19. Jahrhundert) Kategorie:Frauenporträt Kategorie:Weiblicher Akt