mini|Schloss Hülseburg um 1900. mini|Parkseite von Schloss Hülseburg um 1900.
Schloss Hülseburg war ein Herrenhaus in der Gemeinde Hülseburg im heutigen Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Es wurde ab 1861 im Stil der englischen Tudorgotik errichtet und galt im 19. Jahrhundert als einer der vornehmsten Herrensitze der Region. Heute sind nur noch Reste des Anwesens und einige Nebengebäude erhalten.
Geschichte Der Ort Hülseburg wurde erstmals 1571 urkundlich erwähnt, als Claus von Lützow den Hof erbte. Zu dieser Zeit befand sich dort eine von einem Wassergraben umgebene Burganlage.
1683 erwarb Johann Strupp von Gelnhausen das Gut, verkaufte es jedoch bereits elf Jahre später an die Familie von Schack. 1779 ging das Gut an den Kaufmann Velthusen, der ein neues Herrenhaus sowie eine Orangerie errichten und einen Tiergarten anlegen ließ. Nach weiteren Besitzerwechseln kam das Gut in den Besitz von Ernst Georg Ludwig von Campe.
Mitte des 19. Jahrhunderts ließ dessen Sohn Albert Johann August von Campe Hülseburg zu einem repräsentativen Herrensitz ausbauen. Der Tiergarten wurde wiederbelebt, und es entstanden zahlreiche Nebengebäude, darunter Pferdeställe mit Wagenremise, ein Pächterhaus, ein Wirtschaftshaus, weitere Viehställe sowie Gewächs- und Weinhäuser. Ab 1861 ließ er das neue Herrenhaus im Stil der Tudorgotik errichten.
Um 1928, also vor der großen Wirtschaftskrise beinhaltete die Begüterung Hülseburg das Familienfideikommiss Hülseburg, teils Allodgut, mit den Nebengütern Presek und Lehngut Vortsahl eine Gesamtgröße von mind. 640 ha, nach anderen Angaben bis zu 940 ha. Davon waren 123 ha Forstbestand. Als Verwalter agierte der Administrator Georg Radbruch.
Mit dem Einmarsch der Roten Armee im Jahr 1945 endete die Ära der Freiherren von Campe, die danach in Wolfsburg, und der Sohn und Erbe Freiherr Rüdiger von Campe später im Kreis Gifhorn, lebte.
Das Herrenhaus wurde geplündert und diente kurzzeitig als Standort einer sowjetischen Stabstelle. Im Januar 1947 brannte das Gebäude vermutlich infolge von Brandstiftung bis auf die Grundmauern nieder. Die meisten Nebengebäude wurden in den folgenden Jahren abgetragen. Erhalten blieb lediglich das 1858 errichtete Inspektorenhaus.
Im Park sind heute noch die Überreste einer künstlichen Burgruine erkennbar, die von Albert von Campe angelegt wurde.
Architektur Das ab 1861 errichtete Herrenhaus von Hülseburg wurde im Stil der Tudorgotik erbaut, einer neugotischen Strömung, die sich an englischen Landsitzen des 16. Jahrhunderts orientierte. Das Gebäude war von malerischer Wirkung, mit Türmchen, Zinnen und spitzbogigen Fenstern, und fügte sich in eine weitläufige Parkanlage ein.
Neben dem Hauptgebäude entstanden weitere repräsentative und funktionale Bauten: ein Pferdestall mit Wagenremise, ein Pächterhaus, ein Wirtschaftshaus sowie verschiedene Stallungen. Ergänzt wurden diese durch Gewächs- und Weinhäuser, die den Anspruch der Familie von Campe als wohlhabende Gutsherren unterstrichen.
Der angrenzende Landschaftspark wurde um 1860 erweitert und romantisiert. Dort ließ Albert von Campe auch eine künstliche Burgruine anlegen, die als Staffagebau diente und dem Zeitgeschmack des Historismus entsprach. Zum Ensemble gehörten außerdem eine Orangerie sowie ein Tiergarten, die dem Gutshof einen zusätzlichen repräsentativen Charakter verliehen.
Besitzverhältnisse bis 1945 1694–1779: Familie von Schack 1779–1795: Georg Christian Velthusen 1795–1802: Christian Baron von Hammerstein 1802–1803: Ludwig Graf von der Osten-Sacken 1803–1805: Christian Friedrich Tönne Graf von Lüttichau 1805–1806: Johann Matthias Schrader 1806–1808: Hans Christoff Giese 1808–1819: Dorothea Baronin von Hammerstein 1819–1824: Dorothea Baronin von Hammerstein und Christian Baron von Hammerstein 1824–1831: Baron Ernst Georg Ludwig von Campe 1831–1832: Baron Ernst Georg Ludwig und Albert Johann August Baron von Campe ab 1832: Albert Johann (Hans) August Baron von Campe (1819–1898) bis 1905: Albrecht Johann August Baron von Campe 1905–1936: Martin Freiherr von Campe (1855–1936)Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 92, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 55. bis 1938: Horst Freiherr von Campe (1886–1954)Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. A (Uradel). 1963. Band V, Band 30 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1963, S. 35.
Literatur Renate de Veer: Steinernes Gedächtnis – Gutsanlagen und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern. Band 3, Verlag Stock und Stein, Schwerin 2006. ISBN 3-89995-499-8. Gutshäuser & Schlösser in Mecklenburg. Eine fotografische Zeitreise. Band 1, 2. Auflage, Verlag Matuschat, Stralsund 2023. ISBN 978-3-9825634-9-7.
Weblinks
Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern: Gutshaus Hülseburg.
Einzelnachweise
Kategorie:Schloss im Landkreis Ludwigslust-Parchim Kategorie:Herrenhaus im Landkreis Ludwigslust-Parchim Schloss Kategorie:Abgegangenes Bauwerk im Landkreis Ludwigslust-Parchim Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Erbaut in den 1860er Jahren Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Schloss in Europa