Christine Böer (* 2. Februar 1941 in Berlin; † 11. September 2025 in Hamburg) war eine deutsche Zeichnerin, Presse- und Gerichtszeichnerin sowie Journalistin, die vor allem durch ihre Gerichtsreportagen und Porträtserien bekannt geworden ist. Ihre Zeichnungen erschienen in zahlreichen deutschen Leitmedien und prägten die visuelle Berichterstattung über prominente Strafprozesse seit den späten 1980er-Jahren.
Leben Böer wurde 1941 in Berlin geboren und wuchs in Potsdam auf. Im Jahr 1961 verließ sie kurz vor dem Bau der Berliner Mauer die DDR und zog nach Hamburg. An der Hochschule für bildende Künste Hamburg studierte sie zwei Jahre lang. Anschließend arbeitete sie sieben Jahre lang als Kostümmalerin an der Hamburgischen Staatsoper und an weiteren Theatern. Später lehrte sie in der Klasse Kostümdesign an der Fachhochschule Hamburg.
Im Jahr 1984 erschien, begleitend zu einer Ausstellung im Altonaer Museum, ihr Buch Darf ich Sie zeichnen? – Menschen in Hamburg-Altona beim Ernst-Kabel-Verlag. 1992 veröffentlichte sie die gezeichnete Reportage Auf der Kippe – Junkie-Porträts, Zitate, Kommentare zur Sucht, die in Hamburg erschien. 1991 veröffentlichte Böer in der taz die Serien Porträts Hamburger Jugendlicher und Porträts Hamburger Medienmacher mit Zeichnungen und Kurzporträts bekannter und unbekannter Personen aus der Hansestadt.
Wirken Seit 1987 arbeitete Böer regelmäßig als Gerichtszeichnerin; ihre Arbeiten erschienen unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Der Spiegel, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Tagesspiegel und Stuttgarter Zeitung sowie bei ARD und ZDF. Sie dokumentierte zahlreiche aufsehenerregende Strafverfahren, etwa gegen die Gladbecker Geiselnehmer, gegen Erich Honecker und im sogenannten Mykonos-Prozess in Berlin. Weitere bekannte Serien entstanden zu Prozessen gegen den Kaufhaus-Erpresser Dagobert, den „Baulöwen“ Jürgen Schneider sowie im Umfeld der Reemtsma-Entführung; auch der Terrorist Carlos und der DDR-Devisenjäger Alexander Schalck-Golodkowski gehörten zu ihren Sujets.
Über die Eigenarten des Mediums sagte Böer bedauernd dem Spiegel, dass die zeichnerische Reportage vom „Knopfdruck der raffiniertesten Fotoapparate“ verdrängt worden sei; beim Zeichnen könne man „weglassen und übertreiben, auswählen und bewusst zusammenstellen“. Von 1994 an reiste sie jährlich zum Karneval nach Venedig, wo sie Maskenträger und „Paradiesvögel“ porträtierte. 2003 widmete ihr das Museum für Völkerkunde Hamburg (heute MARKK) die Ausstellung Paradiesvögel des Carnevale di Venezia mit rund 50 Porträts, die aufgrund des Publikumsinteresses verlängert wurde.
Im Jahr 2010 erschien ihr Band Gezeichnete. Menschen vor Gericht im Dölling-&-Galitz-Verlag. Eine bibliografische Erfassung des Buchs findet sich unter anderem im Kriminalwissenschaftlichen Dokumentationszentrum der Universität Tübingen. Böers Gerichtszeichnungen wurden zudem in Roman Grafes Dokumentation Deutsche Gerechtigkeit – Prozesse gegen DDR-Grenzschützen und ihre Befehlsgeber verwendet.
Christine Böer starb am 11. September 2025 im Alter von 84 Jahren in Hamburg.
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