mini|Kath. Kirche St. Hedwig in Ganderkesee mini|Innenansicht St. Hedwig in Ganderkesee im niedersächsischen Landkreis Oldenburg ist eine römisch-katholische Filialkirche der Pfarrei St. Marien (Delmenhorst). Sie steht unter dem Patrozinium der hl. Hedwig von Schlesien und gehört zum Dekanat Delmenhorst im Bistum Münster. Das Gotteshaus ist ein weiß gestrichener Backsteinbau mit Turm und bietet 150 Gläubigen Platz.
Geschichte Erzbischof Adalbert von Bremen gründete 1050 in Ganderkesee eine Kirche, die das erste Gotteshaus zwischen Hunte und Weser war. Nach der Reformation wurde diese katholische Kirche evangelisch-lutherisch. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Anzahl der Katholiken in der Diaspora deutlich, denn Tausende von Flüchtlingen und Vertriebenen vor allem aus Schlesien fanden in der Region Ganderkesee eine neue Heimat. Die Gottesdienste feierten die weit verstreut wohnenden Katholiken ab 1946 in der evangelischen Kirche St. Cyprian und Cornelius in Ganderkesee sowie in evangelischen Schulen in benachbarten Ortschaften.
Nach den Plänen des Architekten Karl-Josef Pfeiffer (Oldenburg) wurde 1949/50 die schlichte Backsteinkirche in Ganderkesee gebaut. Weihbischof Joseph Ferche aus Köln weihte am 5. November 1950 das Gotteshaus feierlich der hl. Hedwig, der Patronin Schlesiens. In den 1980er Jahren erfolgte die Renovierung des Außenbereichs und einige Jahre später des Innenraums. Die Gebäude der Kirchengemeinde sind das in unmittelbarer Nachbarschaft stehende Pfarrhaus von 1960 sowie das 1982 an das Pfarrhaus angebaute Pfarrheim (mit Bücherei). Der zu St. Marien (Delmenhorst) gehörende Seelsorgebezirk Ganderkesee wurde 1948 zum Pfarrrektorat erhoben und 1976 der neuen Pfarrei Allerheiligen (Delmenhorst) zugeordnet.
Durch Fusion entstand aus den Pfarreien St. Marien und Allerheiligen in Delmenhorst und den Pfarrrektoraten Bookholzberg und Ganderkesee am 1. Januar 2006 die neue Kirchengemeinde St. Marien mit Sitz in Delmenhorst. Am 1. August 2015 wurde Düsternort eingegliedert. Am 1. Januar 2024 schlossen sich die katholischen Gemeinden St. Marien (Delmenhorst), Heilig Geist (Lemwerder), St. Marien (Hude), St. Paulus (Stuhr-Moordeich), St. Vinzenz Pallotti (Bad Zwischenahn), St. Josef (Oldenburg), St. Willehad (Oldenburg) und St. Marien (Oldenburg) zusammen zum Katholischen Kirchenverband „Pastoraler Raum Oldenburg-Delmenhorst“ mit Sitz in Oldenburg.
Glocken Im Turm von St. Hedwig hängen die folgenden zwei Bronzeglocken, die Flüchtlinge und Vertriebene aus Oberschlesien mit nach Ganderkesee brachten:
Glocke 1: Schlagton: g1; Ø 98 cm; gegossen 1707 von Georg Ignatius Maderhoffer (Troppau); stammt aus Timmendorf (Kreis Pleß) Glocke 2: Schlagton: a1; Ø 93 cm; gegossen im 15. Jahrhundert; stammt aus Lazisk (Kreis Pleß)
Orgel Die erste Orgel (II+P/8) für St. Hedwig stammte von Gustav Brönstrup (Hude). Die von E. F. Walker (Ludwigsburg) 1966 für die evangelische Kirche in Essen-Kray gebaute Orgel (II+P/11) wurde erworben und 1984 von Alfred Führer (Wilhelmshaven) in Ganderkesee aufgestellt. Die Firma Martin Cladders (Badbergen) reinigte und überholte das Instrument 2005. Durch Christian Lobback (Neuendeich) erfolgte 2016 eine Generalreinigung, Überholung und Neuintonation der Orgel sowie die Anfertigung eines Schleierbretts.
Die 1984 aufgestellte Schleifladen-Orgel von 1966 hat 11 Register und besitzt zwei Manuale (C–g3) sowie ein Pedal (C–f1). Die Spieltraktur und die Registertraktur sind mechanisch.
Literatur Willi Baumann, Peter Sieve (Hrsg.): Die katholische Kirche im Oldenburger Land: Ein Handbuch. Plaggenborg Verlag, Vechta 1995, ISBN 3-929358-99-9. Ulrich Menkhaus (Red.): Das Bistum Münster. Bd. 3: Die Pfarrgemeinden. Regensberg, Münster 1993, ISBN 3-7923-064-68. Wolfgang Runge: Kirchen im Oldenburger Land. Band III. Kirchenkreise Oldenburg 1 und 2. Heinz Holzberg Verlag, Oldenburg 1988, ISBN 3-87358-29-88.
Weblinks
Website von St. Hedwig (Ganderkesee) Website der Katholischen Kirche im Oldenburger Land
Einzelnachweise
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