Miklós Bándy (* 21. August 1904 in Marosvásárhely, Königreich Ungarn; † 26. September 1971 in Paris) war ein ungarischer Publizist und Schriftsteller, der in Deutschland, der Sowjetunion und Frankreich lebte.
Leben und Wirken Miklôs Bándy kam aus einer jüdischen deutschsprachigen Familie in Neumarkt am Mieresch/Marosvásárhely in Siebenbürgen, das jetzt zu Rumänien gehört. Sein ursprünglicher Familienname war Neumann. 1919 beteiligte er sich als Schüler an der Ungarischen Räterepublik.Berlin Avant-Garde of the 1920s. Hände Musée d'art et d'histoire, Paris, 2025, zur Ausstellung über den Film Hände, mit einigen biographischen Informationen über Miklós Bándy 1922 verließ er das Land, nachdem das Horthy-Regime größere Einschränkungen gegen jüdische Studenten erlassen hatte.
Miklós Bándy studierte in Wien und Berlin Philosophie, führte dieses aber wahrscheinlich nicht zu Ende. 1925 zog er nach Paris, wo er auch mit avantgardistischen Filmemachern wie Jean Epstein in Kontakt kam und an einigen Filmen als Assistent mitwirken konnte. Nach seiner Rückkehr nach Berlin 1926 verfasste er mehrere filmtheoretische Aufsätze und war Regisseur des experimentellen Kurzfilms Hände, nach dessen Erstaufführung 1927 er auch einen anerkennenden Brief vom bekannten Regisseur Fritz Lang bekam.Márton Orosz, The Hungarian Contribution to Avant-Garde Film in the Weimar Republic, in Ralf Burmeister, Thomas Köhler, László Baán, András Zwickl (ed.), Magyar Modern. Hungarian Art in Berlin 1910–1933, Berlin 2022, S. 210–217, besonders S. 210–211 (Digitalisat), mit detaillierten Angaben zu seinen filmischen Aktivitäten; der Brief befindet sich im Archiv Lefèbrè in Paris Von etwa 1929 bis 1932 führte Miklós Bándy auch eine kleine Fotoagentur Ecce Photo mit seiner Frau Ida (Ina) Gurjewitsch (Gurevitch), die in den Zeitschriften Der Arbeiter-Fotograf, Der Querschnitt, Bifur und Vu einige Fotos veröffentlichte.Der Arbeiter-Fotograf, Dezember 1929, S. 251, mit zwei Fotos; (in den Berliner Adressbüchern von 1930 und 1931 ist bei den Photostudios dieses aber nicht zu finden, auch der Name Bandy ist nicht im Einwohnerverzeichnis eingetragen; möglicherweise trug er seinen deutschen Namen Neumann) 1930 trat er der KPD bei und arbeitete mit deren Medienunternehmer Willi Münzenberg zusammen.
1934 erhielt Miklós Bândy von der Komintern den Auftrag, Informationen aus den Akten vom Reichstagsbrandprozess gegen Georgi Dimitroff von 1933 zu besorgen.Manés Sperber, Nicolas Baudy, 1971, p. 2; dieses verarbeitete Miklós Bándy auch in seinem autobiographischen Roman Les Créneaux de Weimar, 1961 In diesem Jahr emigrierte er nach Moskau, wo er für mehrere französische Zeitungen, den deutschsprachigen Pester Lloyd und die sowjetische Iswestija Artikel schrieb.
1936 zog er nach dem Beginn der Moskauer Schauprozesse nach Frankreich und änderte seinen Namen in Nicolas Baudy. 1939 kämpfte er in der französischen Fremdenlegion und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. 1940 konnte er fliehen und beteiligte sich während der deutschen Besatzung an den Kämpfen der Résistance.
1946 gründete Nicolas Baudy die jüdische Zeitschrift Evidence, in der er auch vor den Gefahren totalitärer Ideologien warnte, und die auf französische Intellektuelle in dieser Zeit einen größeren Einfluss hatte.Manés Sperber, Nicolas Baudy, 1971, p. 2, mit Würdigung
Publikationen Nicolas Baudy veröffentlichte einige Bücher und zahlreiche Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, vor allem in französischer Sprache und seltener in deutscher Sprache.
Le Piano d’Arlequin, 1946, Roman Les Moissons du désert, 1949, Roman L'Innocent Cavalier, 1956, Roman Jeunesse d’octobre. Témoins et combattants de la Révolution hongroise, 1957 (Digitalisat) Les Créneaux de Weimar , 1961, Roman über seine politischen Erfahrungen in Berlin Les Grandes Questions juives, 1967 Le Marxisme, le centenaire du capital, 1967
Literatur
Borbándi Gyula: Nyugati magyar irodalmi lexikon és bibliográfia. Budapest 1992 (ungarisch/deutsch) Manés Sperber: Nicolas Baudy. In: Les Nouveaux Cahiers, 27, 1971, p. 2–4, Nachruf
Weblinks
Handschriften von und an Miklôs Bándy Kalliope
Einzelnachweise
Kategorie:Publizist Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren 1904 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Mann Kategorie:KPD-Mitglied Kategorie:Emigrant zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Résistancekämpfer Kategorie:Autor