In der Münzstätte Cornavin in Cornavin, einem Quartier der heutigen Schweizer Stadt Genf, setzte die Münzprägung in den 1430er-Jahren unter den Herzögen von Savoyen ein und dauerte, abgesehen von zwei längeren Unterbrüchen, bis 1533.Diese Informationen lassen sich anhand der überlieferten Münzmeister ableiten.
Münzherrschaften Herzöge von Savoyen Der römisch-deutsche Kaiser Sigismund (1368–1437) erhob Savoyen im Jahre 1416 zum Herzogtum, womit es als Lehen in das Heilige Römische Reich eingegliedert wurde.Vgl. Alain Becchia, Sandra Coram-Mekkey, Dominique Zumkeller: Savoyen. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 15. Januar 2015. Daraufhin beanspruchten die Herzöge von Savoyen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts einen Grossteil der umliegenden Gebiete Genfs, um diese zu ihrem Zweck nutzbar zu machen. Der Entscheid, in Cornavin eine Münzstätte einzurichten, wurde bereits am 12. September 1431 gefällt. Spätestens ab 1435 nahm diese Münzstätte gemäss Schriftquellen ihren Betrieb auf, wobei unter dem savoyischen Herzog Ludwig (1413–1465) Groschen (Parpagliola), Grossi, Denare (Bianchi), Testoni, Obole, Scudi und Dukaten geprägt wurden.Vgl. Matteo Campagnolo: Cornavin (Genevra; Svizzera), in: Lucia Travaini (Hg.): Le zecche italiane fino all’unità, Rom 2011. Auf diese erste Prägetätigkeit, die nur bis 1451 andauerte, folgte eine längere Pause, in der die Münzstätte stillstand.Siehe Münzmeisterliste. Unter Herzog Amadeus IX. (1435–1472) wurde die Arbeit ab 1464 wieder aufgenommen und die Münzstätte blieb auch unter den ihm nachfolgenden savoyischen Herzögen relativ durchgehend bis in die Jahre 1505/06 in Betrieb. Danach stand die Münzstätte für knapp zwei Jahrzehnte still, bis sie in den Jahren von 1525 bis 1533 für ein letztes Mal ihre Tore öffnete. Einige der in Cornavin geprägten Münzen zeigen auf der Vorderseite das Profil des Herzogs sowie auf der Rückseite das Wappen des Herzogtums Savoyen, welches aus einem weissen Balkenkreuz auf weissem Grund und teilweise einem Liebesknoten samt Wahlspruch der Savoyer besteht.Vgl. Bernard Andenmatten: von Savoyen. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 4. April 2013.
Standorte der Münzstätte Münzstätte an der Münzgasse Die Münzstätte Cornavins kann aufgrund fehlender Quellen nicht eindeutig lokalisiert werden. Sie muss sich allerdings im Quartier Cornavin der heutigen Stadt Genf bzw. knapp ausserhalb des damaligen Stadtgebietes befunden haben.
Personal der Münzstätten Im Folgenden werden alle Personen, die an der Herstellung und Verarbeitung der in Cornavin geprägten Münzen beteiligt waren, ihrer Position nach aufgeführt. Mehrfachnennungen sind möglich; sie sind dem Umstand geschuldet, dass ein und dieselbe Person mehrere Funktionen übernehmen konnte. Unter der Rubrik «Münzmeister» werden alle Personen zusammengefasst, die administrativ und/oder technisch an der Münzprägung bzw. Münzproduktion beteiligt waren.
Münzmeister Guido Besson (1450–1451) Giacomo Philippe (1464–1468 o. 1482) Michele di Bardonecchia (1468 o. 1469–1481) Pietro di Bardonecchia (1483–1484) Bartolomeo Camus (1484–1485) Nicola Gatti (1485–1490 ev. bis 1500) Francois Savoie (1497–1504) Thomas Blondel (1500–1505) Rodolphe d’Aigente (1500–1506 o. 1505) Guillaume Roget (1504) Claude Savoie (1525–1526) Henri Goulaz (1528–1533)
Literatur Monika Bilfinger, Hanspeter Koch: Die Eidgenössische Münzstätte in Bern, Bern 2006 (Schweizerische Kunstführer GSK 799). ISBN 978-3-85782-799-0.
Weblinks In: CoinGallery auf: Auction.fr
Einzelnachweise
Cornavin Kategorie:Münzprägung Kategorie:Unternehmen (Genf)