mini|Kannen, „Blattspreiten“ und Blütenstand von Nepenthes edwardsiana, aus: Spenser: Life in the forests of the Far East; or, Travels in northern Borneo, vol. 1 Nepenthes edwardsiana ist eine fleischfressende Pflanze aus der Gattung der Kannenpflanzen (Nepenthes). Die Art kommt endemisch auf den Bergen Kinabalu und dem Tambuyukon in der Provinz Sabah im malaysischen Teil der Insel Borneo vor. Sie wird in moosigen Wäldern in feucht-tropischen Bedingungen vorgefunden. Nepenthes edwarsiana wächst dort als Liane mit länglichen, unten bauchigen und oben röhrenförmigen Kannen. Diese Kannenpflanzenart ist an schwermetallhaltige (ultramafische) Böden angepasst. Das Artepitheton edwardsiana bezieht sich auf George Warren Edwardes, Gouverneur von Labuan, da der Erstbeschreiber Joseph Dalton Hooker auf Bitten seines Freundes Hugh Low diese Benennung wählte.
Beschreibung mini|Die Liane Nepenthes edwardsiana bildet bis zu 16 Meter hohe Triebe Nepenthes edwardsiana ist eine tropische Liane, die terrestrisch oder epiphytisch wächst und bis zu 15 Meter hoch wird. Der Stängel ist rund, desen Durchmesser beträgt 5 bis 10 Millimeter. Die Internodien, womit man den blattlosen Teil einer Sprossachse zwischen zwei Knoten bezeichnet, sind 20 bis 35 Zentimeter lang. Die Behaarung (das Indument) von Stängel, Mittelrippe, Kanne und Blütenstand ist spärlich und später verkahlend. Sie besteht aus einfachen rotbraunen Haaren von 0,5 bis 0,75 Millimeter Länge.
Die „Blattspreite“wie bei allen Nepenthes eigentlich ein umgebildeter Blattgrund, strenggenommen ist erst die Kanne die Spreite ist ledrig, gestielt, 15 bis 20 cm lang und 4 bis 6 cm breit und schmal länglich, am äußeren Ende spitz und an der Basis keilförmig. Auf jeder Seite der Mittelrippe sind in der Randhälfte zwei bis drei auffällige Längsnerven zu finden. Zahlreiche fiederförmige Nerven erstrecken sich bis zum Blattrand. Die Blattstiele sind rinnenförmig und 6 bis 19 Zentimeter lang. Er umklammert die Sprossachse bis zu 3/4 ihres Umfangs.
Kannen Kannen sind bei Kannenpflanzen spezialisierte Blätter, die als Fangorgane dienen und die Pflanze mit Nährstoffen versorgen. Die Blattspreite ist bei ihnen zu einem kannenförmigen Fangorgan umgestaltet, das in der Lage ist, Tiere zu fangen und zu verdauen. Was bei Kannenpflanzen alternativ wie eine Blattpreite wirkt, ist aus einem Blattgrund entstanden. Wie bei Kannenpflanzen häufig, weisen die Kannen von Nepenthes edwardsiana einen Dimorphismus auf. Somit unterscheiden sich die unteren, bodennah wachsenden Kannen und die höheren, sogenannten Luftkannen (Hochkannen).
Bodenkannen Die unteren Kannen haben zwei gefranste Flügel, die 1 bis 7 Millimeter breit sind.
Hochkannen mini|Die ausgeprägten „Zähne“ am Peristom einer Hochkanne von Nepenthes edwardsiana. Diese Kanne wurde am Tambuyukon fotografiert, Foto: Alastair Robinson Die Hochkannen sind gelblich-grün gefärbt, manchmal orange überzogen, deren Innenseite ist weiß. Die Hochkannen weisen keine gefransten Flügel auf, haben jedoch zwei niedrige Rippen. Sie sind papierartig, fast röhrenförmig (zylindrisch), sind unten bauchig (d. h. deren unteres Viertel bis Drittel ist eiförmig) und deren oberer Teil ist schmal zylindrisch bis trichterförmig. Sie sind 10–35 (–50) × 2–6 (–15) Zentimeter groß. Das Mundfeld (die Öffnung) der Hochkannen ist elliptisch, deutlich schräg, konkav, steigt allmählich bis mindestens zur Vertikalen an. Der Saum (Peristom genannt) des Mundfeldes um die Öffnung der Kannenfalle, ist abgerundet und 6 bis 12 (–25) Millimeter breit. Der Innenrand des Peristoms ist grob gezähnt, die Zähne sind bis zu 10 Millimeter lang. Am kreisförmigen Kannendenkel befinden sich winzige, spärlich verstreute, grubenartige Nektardrüsen (Nektarien), die einen Durchmesser von 0,2 Millimeter aufweisen. Der Kannendeckel hat einen Durchmesser von 3 bis 8,5 Zentimetern, dessen Spitze ist abgerundet, die Basis ist herzförmig. Als Anhängsel ist ein kräftiger Sporn vorhanden, er ist mehr oder weniger 10 Millimeter lang.
Blüten und Samen Wie alle Vertreter der Gattung ist auch Nepenthes edwardsiana zweihäusig getrenntgeschlechtlich (diözisch), das heißt, dass eine Pflanze entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten besitzt.
Der männliche Blütenstand (Infloreszenz) ist 30 bis 40 Zentimeter hoch und 3,5 Zentimeter breit. Die Blütenstiele sind einblütig und weisen keine Hochblätter auf. Die Blütenblätter (Petalen) der Blüten sind elliptisch ausgeformt, 4 Millimeter lang und 1,5 bis 2 Millimeter breit.
Die Samen sind spindelförmig, 8 Millimeter lang und im mittleren Bereich glatt.
Verbreitung mini|Diagramm der Vorkommen und der Verbreitung von Nepenthes am Kinabalu. Die ungefähre Verbreitung aufgrund der Höhenlage von „N. edwardsiana“ ist rechts angegeben, dazu der Hinweis, dort sei es stets bewölkt oder regnerisch. Nach John Muirhead Macfarlane 1908: Nepenthaceae. In: A. Engler Das Pflanzenreich IV, 111, Heft 36: 1–91. mini|Der Kinabalu von Kundasang aus gesehen mini|Der Bundesstaat Sabah auf Nordborneo Die Sundainsel Borneo gilt als Biodiversitäts-Hotspot nicht nur vieler Nepenthesarten, von denen ungefähr zwei Dutzend auf der Insel endemisch sind, d. h. nur dort vorkommen. Insbesondere das Gebiet um den Kinabalu mit seiner artenreichen Flora ist hierbei relvant. Nepenthes edwardsiana kommt endemisch in den Mooswäldern auf den Bergen Kinabalu und dem Tambuyukon im Bundesstaat Sabah im malaysischen Teil der Insel Borneo vor. Der Kinabalu ist der höchste Berg Malaysia und 4095 m hoch. Er besteht größtenteils aus Granit (Adamellit). Dazu kommen ultramafische Böden vor, das sind Böden, die von magmatischem Gestein geprägt sind, das zu 90 Volumenprozent oder mehr aus mafischen Mineralen besteht. Der Olivin der Ultramafite kann in Serpentin verwandelt sein oder anderweitig schwermetallhaltig sein, so dass sie für nicht daran angepasste Pflanzenarten giftige Bestandteile enthalten. Bis auf 2600/2800 m erstreckt sich am Kinabalu ein Nebelwald, darin kommt N. edwardsiana bis zur hochmontanen Höhenstufe vor. Wie Nepenthes edwardsiana gehören die Kannenpflanzenarten Nepenthes burbidgeae sowie die oben bereits aufgrund ihrer Anpassung an spezielles, ultramafisches Gestein erwähnten Nepenthes rajah und Nepenthes villosa dort zu den endemischen Arten. Der Tambuyukon ist mit 2579 m Höhe Malaysias dritthöchster Berg. Er liegt 18 Kilometer nordöstlich des Kinabalu.
Habitat und Ökologie mini|Der Gipfelbereich des Tambuyukon mini|Im Nebelwald des Kinabalu mini|Kanne von Nepenthes edwardsiana in moosigem Wald N. edwardsiana wächst in feuchten Wäldern auf ultramafischen Böden, die von Moosen geprägt sind. Diese Kannenpflanzenart kommt in Höhenlagen zwischen 1500 und 2700 Metern vor, also von der submontanen Höhenstufe über die mittlere Montanstufe bis zur hochmontanen Höhenstufe. Dort wächst N. edwardsiana in einem Nebelwald aus Myrten- und Buchengewächsen, die mit epiphytischen Moosen und Flechten überwachsen sind. Aufgrund des Vorkommens ab 1600 Metern über Meereshöhe wird N. edwardsiana als Hochlandart eingestuft.
Systematik Nepenthes edwardsiana wurde 1859 von dem britischen Botaniker Joseph Dalton Hooker & Hugh Low (Kolonialbeamter und naturkundlicher Sammler) erstbeschrieben. Das Artepitheton edwardsiana bezieht sich auf George Warren Edwardes, Gouverneur von Labuan, da der Erstbeschreiber Joseph Dalton Hooker auf Bitten seines Freundes, dem britischen Kolonialbeamten Hugh Low, diese Benennung wählte. Der englische Vernakulärname lautet Splendid Pitcher-Plant. Nepenthes edwardsiana ist eng verwandt mit N. villosa und N. macrophylla und wird manchmal mit diesen verwechselt. Nepenthes mira aus Palawan scheint ebenfalls verwandt zu sein.
Abgrenzung zu Nepenthes villosa mini|Hochkanne von Nepenthes villosa Während Nepenthes edwardsiana als Kletterpflanze wächst, so ist N. villosa eine kriechende Pflanze. Während Nepenthes edwardsiana längliche, unten bauchige und oben röhrenförmige Kannen aufweist, so hat N. villosa kurze urnenförmige Kannen. Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen N. edwardsiana und N. villosa ist die Struktur des inneren Peristoms: Bei N. edwardsiana tragen die abgeflachten Peristomzähne eine engmundige Drüse auf der abaxialen, der unterhalb gelegenen Oberfläche, und unter jedem Peristomzahn befindet sich eine deutliche, elliptische Tasche. Bei N. villosa hat die Drüse eine gezähnte Öffnung, und die Taschen sind so vertieft, dass sie eine Reihe rechteckiger Trennwände zwischen dem vorderen Peristom und einer zweiten Reihe unregelmäßiger Zähne bilden. Clarke weist in Nepenthes of Borneo (1997: 79) auf weitere Unterschiede hin: N. edwardsiana hat eine spitze Blattspitze, eine unauffällige Behaarung und der Blütenstand keine Tragblätter (Brakteen), während N. villosa tendenziell eine eingerollte Blattspitze, eine dichte Behaarung und im Blütenstand fadenförmige Tragblätter aufweist. Auch in ihrer Verbreitung auf dem Berg, in ihrer Wuchsform und in ihrer Farbe unterscheiden sie sich deutlich, wie Frederick William Burbidge (1882) feststellte.F. W. Burbidge: Notes on the new Nepenthes,The Gardeners' Chronicle, new series, 17(420): 56
Abgrenzung zu N. macrophylla mini|Hochkanne von Nepenthes macrophylla Zunächst wurde das von Johannes Marabini entdeckte Taxon als Subspecies von N. edardsiana angesehen: Nepenthes edwardsiana subsp. macrophylla.Johannes Marabini: Eine neue Unterart von Nepenthes edwardsiana Hook. fil. sowie Anmerkungen zur Taxonomie der Gattung Nepenthes L. In: Mitteilungen der Botanischen Staatssammlung München. Bd. 23, 1987, 1997 wurde das Taxon von Jebb & Cheek als Art eingestuft: N. macrophylla. Die Kannen von N. edwardsiana unterscheiden sich von denen der sehr nah verwandten N. macrophylla dadurch, dass sie papierartiger, schmal zylindrisch und mindestens viermal so lang wie breit sind. Im Gegensatz dazu sind die Kannen von N. macrophylla holzig, breit zylindrisch und weniger als dreimal so lang wie breit. Die Peristomzähne sind bei N. edwardsiana größer und spärlicher, und die Blattspreite ist nie länger als 20 cm. Bei N. macrophylla ist die Blattspreite häufig 35 cm lang.
Natürliche Hybriden Nepenthes ×harryana ist die natürliche Hybride zwischen N. edwardsiana und N. villosa. Sie wurde im Jahr 1882 von Frederick William Burbidge erstbeschrieben, der sie epiphytisch auf Bäumen der Gattung Casuarina vorfand. In der Beschaffenheit der getrockneten Krüge und der Ränder der Krugmündungen dieser drei Taxa sah er deutliche Unterschiede.F. W. Burbidge: Notes on the new Nepenthes,The Gardeners' Chronicle, new series, 17(420): 56
N. ×trusmadiensis ist die natürliche Hybride zwischen N. edwardsiana und N. lowii. Johannes Marabini entdeckte sie in der Gipfelregion des Trusmadi und verfasste 1983 eine Erstbeschreibung (in Mitt. Bot. München 19: 449–452). Nach seiner Schilderung fand er dort sehr große Kannen vor, die Merkmale beider Elternpflanzen aufwiesen.
Kulturhybriden Zudem gibt es zahlreiche Kulturhybriden, die zum Beispiel in der Gärtnerei Borneo Exotics auf Sri Lanka entstanden. Als Beispiel sei die Mehrfachhybride Nepenthes (veitchii × mira) × (burbidgeae × edwardsiana) genannt.
Gefährdung Von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) wird diese Art als gefährdet (vulnerable) eingestuft.