Die Militär-Veterinär-Akademie war eine medizinische Bildungseinrichtung in Berlin.
Einrichtung und Gründungsgeschichte Sie war die bedeutendste Veterinär-Akademie auf dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches. Im Jahr 1903 ging sie aus der Militär-Roßarztschule hervor, welche per Kabinettsorder vom 9. Januar 1862 aus der 1849 gegründeten „Militär-Kurschmiede-Eleven-Institut“ hervorging. In der Akademie wurden die deutschen Militärveterinäre ausgebildet. Die Unterstellung blieb bei der Militär-Veterinär-Inspektion.
Leiter der Militär-Veterinär-Akademie war der Inspekteur des Militär-Veterinärwesens und Stabsoffizier. Dieser erhielt einen Inspizienten und Hilfsinspizienten zur Unterstützung.
Geschichte der Akademie Mit Kabinettsorder vom 21. März 1910 wurde die Leitung der Akademie durch einen Generalveterinär mit dem Range eines Oberst realisiert, welcher dem Allgemeinem Kriegsdepartement unmittelbar unterstellt war. Dem Direktor wurde ein Bureau-Veterinär-Offizier zugeteilt. Am 27. Oktober 1914 verstarb während einer Vorlesung der Direktor Hell.
Im Jahr 1918 wurde sie in Hauptveterinärdepot umbenannt. 1919 wurde nach Bestimmungen des Versailler Vertrages die Militär-Veterinär-Akademie aufgelöst. 1936 entstand sie als Einrichtung der Wehrmacht erneut. Die Einrichtung befand sich in der Karlstraße 23a, die heutige Reinhardtstraße, in Berlin-Mitte.
Ausbildung Für die Aufnahme an der Akademie wurde ein Abitur vorausgesetzt. Zusätzlich waren mindestens 6 Monate Truppendienst erforderlich. Damit wurden grundsätzlich zwei- und dreijährig-Freiwillige zugelassen. Einjährig-Freiwillige der Kavallerie, Feldartillerie und dem Train konnten ebenfalls eingestellt werden. Es folgte als Veterinäraspirant eine 6-monatige Kommandierung an die Militär-Lehrschmiede, ebenfalls in Berlin. Hier musste die Prüfung im Hufbeschlag bestanden werden. Nach erfolgreicher Prüfung wurden sie als überzählige Unteroffiziere an die Militär-Veterinär-Akademie übernommen. Für sieben Semester studierten sie an der Tierärztlichen Hochschule, wobei ab 1910 für diese Zeit sie als Militärangehörige in den Beurlaubungsstand versetzt waren.
Nach dem Ablegen der tierärztlichen Fachprüfung kamen sie als etatmäßige oder überzählige Unterveterinäre in ein Truppenteil, wurden erneut für 6 Monate an die Militär-Lehrschmiede und Klinik in Berlin kommandiert.
Nach Abschluss der Kommandierung mussten die Militärveterinäre für jedes der genutzten Semester als Dienstpflicht ein Jahr als Militär-Rossarzt ableisten. Ab 1910 wurde dies in den Dienst als Veterinär-Offizier verändert.
Siehe auch hierzu den Werdegang von Curt Schulze.
Gliederung 1910 bestand die Gliederung der Militär-Veterinär-Akademie aus folgenden Bereichen: +wissenschaftliche BeraterGeneralveterinär Franz Ludwig Hellordentliches Mitglied des Landes-Veterinär-Amtes und später Direktor der AkademieGeheimer Regierungsrat und Professor Wilhelm Schützfür die Tierärztliche HochschuleGeheimer Regierungsrat und Professor Eugen FröhnerKorpsstabsveterinär und Professor Hubert Köstersfür die Militär-Veterinär-Inspektion, technischer Vorstand der Militär-Lehrschmiede BerlinKorpsstabsveterinär Kuno Tetznerwar vorher Korpsstabsveterinär im XV. Armee-KorpsInspizientenKorpsstabsveterinär Kuno TetznerErster Inspizient und wissenschaftlicher BeraterKorpsstabsveterinär Arnold Christianiab April 1906, vorher Stabsveterinär im Feldartillerie-Regiment 34Korpsstabsveterinär Paul Steffensab 1910, vorher Oberstabsveterinär im Ulanen-Regiment 13Stabsveterinär/Korpsstabsveterinär Oskar Wöhlerspäter GeneralveterinärStabsveterinär Paul Rakettevon 1909 bis 1913, vormals Korpsstabsveterinär der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika, später Korpsveterinär des 22. Reserve-KorpsStabsveterinär Albert Keutzerab 1910, vorher als Stabsveterinär im Husaren-Regiment 10, später Oberstabsveterinär in der AkademieStabsveterinär Ernst Amannspäter Stabsveterinär im Oberkommando der 11. ArmeeStabsveterinär Otto Gerdellauch Leiter der Bücherei der Akademie, vorher Oberveterinär im Kürassier-Regiment 4Bakteriologisches LaboratoriumKorpsstabsveterinär Karl TroesterLeiter des Laboratoriums, später Generaloberveterinär und Professor; führte 1896 nur kurze Zeit nach der Entdeckung eine Röntgenphotographie durch Leiter der Akademie (Auswahl) Inspekteur des Militär-Veterinärwesens bis 1910 Leiter der Akademie Oberstleutnant/Oberst/Generalmajor Oskar Dreher: von 1903 bis 1912 Oberst Gerhard von Glasenapp: 1912/13; vorher Kommandeur des Ulanen-Regiments 9, anschließend mit der Führung der 21. Kavallerie-Brigade beauftragt Direktoren der Akademie
Generalveterinär Franz Ludwig Hell: von 1910 bis 1914 (†) Generalveterinär (später mit dem Rang eines Generalmajors) Heinrich Schlake: von 1914 bis zur Auflösung 1919, vorher technischer Vorstand der Militär-Lehrschmiede in Frankfurt am Main
Bekannte Studierende der Akademie (Auswahl) Claus Eduard Richters: ab 1903 Walter König: ab 1911 Martin Lerche: ab 1912 Wilhelm Rieck: ab 1913 Wilhelm Krüger: ab 1918 Franz Daniels
Literatur Rudolf K. H. Wernicke: Von der Zootomie zur neuzeitlichen Pferdeheilkunde Entwicklung der Tiermedizin in Berlin-Mitte. In: Pferdeheilkunde 21, 4, 2005, S. 334.
Weblinks Artikel zur Umbenennung 1903 in: Berliner und Münchener tierärztliche Wochenschrift, Band 11, 1903.
Siehe auch General-Veterinär
Einzelnachweise
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