Horst Siegfried Hennemann (* 31. Oktober 1943 in Bremen) ist ein deutscher Japanologe, Sinologe, Kultur- und Kunstwissenschaftler Ostasiens. Als Professor lehrte und forschte er an der Kunstuniversität der Präfektur Okinawa.
Leben Hennemann studierte Japanologie, Sinologie, Ethnologie und japanische Literaturwissenschaft. 1973 wurde er an der Ruhr-Universität Bochum mit der Inaugural-Dissertation „Der japanische Kriminalroman, Eine literarhistorische Darstellung der Gattung“ zum Doktor der Philosophie promoviert.
1986 erhielt Hennemann den Ruf an die neugegründete Kunstuniversität der Präfektur Okinawa in Naha-Shuri (Rektor Yamamoto Masao 山本正男), übernahm das Ordinariat und war von 1990 bis 2002 zugleich Professor am angegliederten Forschungsinstitut.
Von 1988 bis 1993 war er Forschungsmitglied am Internationalen Forschungszentrum für Japanstudien (国際日本文化研究センター) in Kyōto.
1990 habilitierte sich Hennemann an der Ruhr-Universität Bochum in der Fakultät für Ostasienwissenschaften mit „Chasho. Geist und Geschichte der Theorien japanischer Teekunst“ im Fachbereich Japanologie.
Von 1997 bis 2002 hatte Hennemann einen Lehrauftrag Japanologie am Daigakuin Graduiertenkursus der Staatlichen Kōbe Universität und dozierte im Auftrag des erweiterten Studiendienstes der Präfekur Okinawa.
Ab 1999 bis 2003 war er Dekan der Daigakuin Graduiertenschule und für Kunstwissenschaft und Bildende Kunst und von 2001 bis 2003 und 2006 bis 2008 Dekan der Fakultät für Bildende Kunst und Kunsthandwerk der Kunstuniversität der Präfektur Okinawa.Horst Siegfried Hennemann | 名誉教授 (Professor Emeritus) In: Okinawa Prefectural University of Arts (japanisch).
2009 emeritierte Hennemann mit der Verleihung des Titels Professor emeritus (名誉教授) der Kunstuniversität Okinawa.
Forschung Die japanologische Forschungsarbeit Hennemanns erstreckt sich über drei Hauptbereiche.
Gegenstand frühen Schaffens ist die literarhistorische Untersuchung der Darstellungen berühmter richterlicher Urteilssprüche der Vormoderne (hiji-mono 比事物), von deren Unterhaltungsstoff der Komik bis zum popularliterarisch kriminalistischen Interesse, sowie ihre literarische Typologie und Fortentwicklung bis zum 20. Jahrhundert.
Der vorrangigste Teil Hennemanns Forschung und Lehre gilt der Kultur- und Kunstgeschichte und Philosophie Ostasiens, insbesondere der Teekultur des Chanoyu (茶湯).Franziska Ehmcke: Review of: Horst Siegfried Hennemann, Chasho: *Geist und Geschichte der Theorien japanischer Teekunst* In: Asian Ethnology Anthropological Institute, Nanzan University, 2021 (englisch). Untersuchungsgegenstand ist vornehmlich die gediegene Gestaltungskunst mit ihren ästhetischen Kategorien bis zur Teekunstphilosophie des Sadō (茶道).Horst Siegfried Hennemann: Chashō: Geist und Geschichte der Theorien japanischer Teekunst. Harrassowitz, Bochum 1994. Auch: Habilitation, Ruhr-Universität Bochum, 1990 (Harrassowitz) Die bedeutenden sowohl theoretischen als auch praktischen Erörterungen und teils dichterischen Literatur der Teeschriften (Chasho 茶書) entwicklungsgeschichtlich herausragender Meister und Gelehrter stehen im Vordergrund der wissenschaftlichen Arbeit, die notwendigerweise die handschriftliche und ursprünglich mündliche geheime Tradition erschließt.Detlef Kantowsky: Cha Do / Tee Weg : Literatur und Praxis im deutschsprachigen Bereich. (PDF; 6,2 MB) In: uni-konstanz.de, 2006.
Die Ausdehnung der Forschung auf die kulturhistorische Auswirkung der Chanoyu-Überlieferung konzentriert sich auf die höfische Kultur des Königreichs Ryūkyū, vom Standpunkt der Forschung und Lehre in Okinawa. Unter Berücksichtigung der urständlichen Literaturtradition der Lieddichtung Omoro (Umui) in ihren religiösen metaphysischen Bereichen sowie der höfisch-theatralischen Kunst Kumiodori (組踊) dient die Arbeit vornehmlich der Klärung von Grundstrukturen im chinesischen, japanischen und ryūkyūanischen Austausch teespezifischer Kunstkultur, wie unter anderem Ritus, Dichtung und Gerätekunst, im kulturgeschichtlich übergreifenden Zusammenhang Ostasiens.
Schriften Der Japanische Kriminalroman. Eine literarhistorische Darstellung der Gattung. Ruhr-Universität Bochum, Bamberger Fotodruck, Bamberg 1973. Die Kriminalliteratur der Edo-Zeit. Aspect 11, Rikkyō Universität, Tōkyō 1977. Erziehung zum Weltbürger? Aspect 12, Rikkyō Universität, Tōkyō 1978. Studie zur Kriminalliteratur in Ost und West. Die Entwicklung der westlichen Kriminalliteratur und ihr Einfluß auf Japan der Meiji-Zeit. EQ 13, Kōbunsha, Tōkyō 1980. Cha-no-yu: die Tee-Kultur Japans. Eine Ideengeschichte der Ästhetik des Sadō. Nachrichten der Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens OAG, Bd. 127-128, Universität Hamburg 1980. Kriminalroman. Japan-Handbuch, Hg. Horst Hammitzsch, Franz Steiner, Wiesbaden 1981. 茶道における美の移ろい。Geijutsu to minzoku. Hg. Yamamoto Masao, Tamagawa-Universität, Tōkyō 1984. Die Itakura-Urteile des Seisuishō. Erläuterung und Übersetzung. Geijutsu-gengo kenkyū, Tsukuba Universität 1986. Chanoyu und seine soziokulturelle Institution des Sadō-Iemoto-Systems. Bruno Lewin zu Ehren, Festschrift aus Anlaß seines 65. Geburtstages, Bd. 2, Japan, Fakultät für Ostasienwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum, Bd. 12, Bochumer Jahrbuch zur Ostasienforschung 1989, Bd. 13, Brockmeyer, Bochum 1989. Vereinfachung zur Dürftigkeit. Die ästhetische Inversion der japanischen Teekunst. Daidalos, 31, Bertelsmann, Berlin 1989. Shin, gyō, sō: Stil und Methode. Die Ästhetik der Teekunst des „Yamanoue no Sōji no ki“ und „Nampō-roku“. Aesthetics, 4, The Japanese Society for Aesthetics (Bi-gakkai), Tōkyō 1990. 400. Todestag Sen no Rikyūs. Stadien einer Großmeisterkarriere des „Yamanoue no Sōji no ki“ und das Teeheiligenbild des „Nampō-roku“ zum 100. Todestag im Licht der biographischen Forschung heute. Beiträge zur Japanologie, Bd. 29-1, Universität Wien, 1991. Kiyo, Kunstuniversität der Präfektur Okinawa, Naha 1991. Geist- und Jenseitsvorstellungen in den Omoro Okinawas und die Problematik des Obutsu. Bochumer Jahrbuch zur Ostasienforschung, Bd. 15, Ruhr-Universität Bochum 1991. Mujō: Glaube und Ästhetik. Zur dichterischen Idee mittelalterlicher Einsiedler am Beispiel Saigyōs. Nachrichten der Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens OAG, Bd. 149-150, Universität Hamburg 1991. S. 41–56. (Universität Hamburg) Zentralgewalt und Kunstgenie. Zum 400. Todestag der Hinrichtung Sen no Rikyūs. Zentrum und Peripherie in Japan. 2. Japanologen Tag. OAG Tōkyō. Iudicum, München 1992. Nō in der Gestalt des Kumiodori. Ein dramaturgischer Vergleich der Stoffe und Stile. Angegliedertes Forschungsinstitut der Kunstuniversität Okinawa, Kiyo, Okinawa geijutsu no kagaku, Bd. 5, Naha 1992. 琉球王朝の茶の湯。受容史における喜安の実像と利休流伝来の一考察。(Chanoyu des Königreichs Ryūkyū. Eine Betrachtung über das wahre Bild des Kian in der Rezeptionsgeschichte und die Überlieferung der Rikyū-Schule). 6. Forschungstreffen der Japanese Society for Studies of Chanoyu an der Kunstuniversität der Präfektur Okinawa 1997. Okinawa kara geijutsu wo kangaeru. Geijutsu bunkagaku sōsho 1, Marumasa, Naha 1998. 琉球王朝の茶の湯。(Chanoyu Teekunst im Königreich Ryūkyū). Sadō zasshi, Bd. 63, Nr. 2, Kawahara-shoten, Kyōto 1999. 茶湯文化論への問い掛け。(Fragen zur Diskussion der Teekultur). Chanoyu bunka gakkai, Chanoyu bunkagaku, Bd. 11, Shibunkaku-shuppan, Kyōto 2005. 書かざる芸術論 ー「宗旦示遺書」を例に。(Die ungeschriebene Kunsttheorie — am Beispiel „Sōtans Vermächtnis“). Okinawa kenritsu geijutsu daigaku, Kiyo, Bd. 18, Ōzato insatsu, Shuri 2010. 茶の湯の普遍と特殊 ー 伝統芸術の内外に関して。(Universalität und Spezialität der Chanoyu-Teekunst — Zum Internen und Externen traditioneller Kunst). Kokusai dentō geijutsu kenkyū, Bd. 2, Ishikawa insatsu, Ōsaka 2013. 臺子随感随想。(Beiläufiges zum Daisu). Kokusai dentō geijutsu kenkyū, Bd. 5, Tamekuni insatsu, Kyōto 2016.
Weblinks Artikel von Horst S. Hennemann in den Mitteilungen der Okinawa Prefectural University of Arts (2010), National Diet Library, Japan (japanisch) Horst Siegfried Hennemann. Suchergebnisse im Katalog der Universitätsbibliothek Bochum
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstwissenschaftler Kategorie:Kulturwissenschaftler Kategorie:Japanologe Kategorie:Sinologe Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Mann