mini|Luftbild der BVfS Gera vom 11. März 1990 mini|Übersicht der Bezirke der DDR mit den Bezirksstädten und den 15 Bezirksverwaltungen
Die Liste der Einrichtungen der Staatssicherheit der DDR bietet einen Überblick über die wichtigsten Einrichtungen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), gemeinhin bekannt als „Stasi“. Die Liste umfasst zunächst die zentralen Einrichtungen mit Verwaltung, Bewachung sowie zentralen Bildungseinrichtungen des MfS, kann aber aufgrund der Menge nicht über eine bestimmte Detailtiefe hinausgehen, denn allein in Berlin unterhielt die Staatssicherheit 4200 Objekte, darunter 3459 konspirative Wohnungen, 285 offizielle Büros und 18 Werkstätten.Gabriel Bonis: Auf den Spuren der Stasi in Berlin, in: Deutsche Welle vom 11. Juni 2019, eingesehen am 15. November 2025. Die Liste umfasst die 15 Bezirkverwaltungen der Staatssicherheit samt den zugehörigen Ausweichführungsstellen der Bezirksverwaltungen, den Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit, die Ferienunterbringungen und Übersichten über die bekannt gewordenen konspirativen Objekte sowie die bekannt gewordenen Standorte der zentralen Isolierungslager, die im Fall des Inkrafttretens der Direktive 1/67 errichtet worden wären,Hubertus Knabe: Die geheimen Lager der Stasi. In: APuZ 4/1993 vom 22. Januar 1993. ebenso die bisher publizierten Grenzschleusen der Staatssicherheit in den Grenzanlagen der DDR.
Im dritten Teil werden die unterstellten 211 Kreis- und Objektdienststellen nach Bezirksverwaltungen untergliedert aufgelistet. Der vierte Teil umfasst die bekannt gewordenen Einrichtungen außerhalb der DDR, in der Bundesrepublik Deutschland besonders die dort überwachten 25 Universitäten sowie die legalen und illegalen Residenturen in etwa 90 weiteren Ländern.
Die angegebenen Zahlen über die 91.015 Hauptamtlichen Mitarbeiter (HA) und die 189.000 Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) spiegeln den letzten bekannten Wert zur Zeit der Auflösung 1989 oder 1990 wider. Unter den IM waren gegen Ende der DDR auch etwa 8.000 Minderjährige.Anna Hansen, Patricia Haensel: DDR-Überwachung wirkt bis heute nach. In: Katapult-Magazin vom 29. Dezember 2022, eingesehen am 9. November 2025. An Waffen standen den MfS zusammen mit dem Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ insgesamt 124.593 Handfeuerwaffen sowie 76.592 Maschinenpistolen zur Verfügung.Michael Sontheimer: Das Ende einer Legende. In: Der Spiegel vom 17. Januar 1999, eingesehen am 15. Oktober 2025.
Am 12. April 1990 wurden 9200 Objekte als ehemaliger MfS-Besitz erfasst – darunter 931 Dienst-, Funktions- und Büroobjekte, 734 Wohnobjekte, 208 Erholungsobjekte wie Ferienheime, 5380 konspirative Wohnungen, 89 Sportobjekte sowie 70 spezielle Objekte wie unterirdische Führungsstellen und Nachrichtenzentralen. Der Grundstückswert wurde auf etwa sechs Milliarden Mark der DDR geschätzt.Liegenschaften MfS, in: lostplacewunderland vom 9. September 2023, eingesehen am 12. Dezember 2025.
Das entstandene Misstrauen wegen der staatlichen Überwachung in der DDR gehört zu den Faktoren, die bis heute das wirtschaftliche Wachstum in der Region dämpfen.Michael Verfürden: Die Stasi-Überwachung hat bis heute Folgen für die Konjunktur. In: Wirtschaftswoche vom 9. November 2019, eingesehen am 9. November 2025:Andreas Lichter, Max Löffler, Sebastian Siegloch: The Long-Term Costs of Government Surveillance: Insights from Stasi Spying in East Germany. In: Journal of the European Economic Association 19/2 (April 2021), S. 741–789, doi:10.1093/jeea/jvaa009
Da nach der Deutschen Wiedervereinigung in Ostdeutschland viele Straßen umbenannt wurden, ist die Identifizierung ehemaliger Adressen von MfS-Einrichtungen teilweise schwierig.
Zentrale Einrichtungen Verwaltung und Bewachung mini|hochkant|Erich Mielke bei der Verleihung des Namens Feliks Edmundowitsch Dzierzynski am 15. Dezember 1967 Die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in Berlin-Lichtenberg diente von 1950 bis 1989 als Sitz des MfS. Neben dem Dienstkomplex Normannenstraße gehörten zur Zentrale des MfS das etwa 500 Meter nördlich gelegene Teilobjekt Gotlindestraße sowie ergänzende Gebäudekomplexe im Berliner Ortsteil Schöneweide, in dem sich einige Spezialabteilungen befanden, sowie das Zentralobjekt Wuhlheide (ZOW) Köpenicker Straße 325b, in dem sich die HA III mit zugeordnetem Rechenzentrum (Abteilung 13), die HA VIII und das Institut für wissenschaftlichen Gerätebau befanden.Frank Lothar Nicht: Die „Stasi“ als Erinnerungsort im vereinigten Deutschland 1990–2010. Tectum Verlag, Marburg 2011, ISBN 978-3-8288-2797-4.Christian Halbrock: Stasi-Stadt – Die MfS-Zentrale in Berlin-Lichtenberg – Ein historischer Rundgang. Ch. Links Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86153-520-1.Peter Erler, Hubertus Knabe: Der verbotene Stadtteil Stasi-Sperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen. Jaron, Berlin 2005, ISBN 3-89773-506-7.
Das Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ war ein militärischer Verband und Teil der Bewaffneten Organe der DDR. Es wurde im November 1954 gegründet und unterstand dem MfS. Ab 1967 war es nach Feliks Dzierżyński benannt, dem Gründer der sowjetrussischen Geheimpolizei Tscheka. Es hatte in erster Linie die Aufgabe, Partei- und Staatsobjekte wie die Politbüro-Siedlung Wandlitz zu bewachen und die Sicherheit führender Repräsentanten der DDR einschließlich ihrer Gäste zu gewährleisten. Die 11.426 Mann (1989) umfassende Truppe, die zuletzt Manfred Döring unterstand, wurde am 2. Oktober 1990 aufgelöst.Hagen Koch, Peter Joachim Lapp: Die Garde des Erich Mielke. Der militärisch-operative Arm des MfS. Das Berliner Wachregiment „Feliks Dzierzynski“. Helios-Verlag, Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-72-4.Eberhard Rebohle: Rote Spiegel. Wachsoldaten in der DDR. Edition Ost, Berlin 2009, ISBN 978-3-360-01809-0.
Die Linie II des MfS war ein Arbeitsbereich des MfS der DDR. Die von 1953 bis zur MfS-Auflösung 1990 bestehende Linie II war zuständig für die innere und äußere Spionageabwehr, also die Aufdeckung und Abwehr geheimdienstlicher Angriffe gegen die DDR auf politischem, ökonomischem und militärischem Gebiet. Da das Regime der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) hinter Handlungen, die gegen die DDR gerichtet waren, zumeist feindliche Geheimdienste vermutete, waren die Kompetenzen der Linie II entsprechend weit gefasst und gingen deutlich über die einer „klassischen“ Spionageabwehr hinaus. Die Linie II umfasste die Abteilungen II der 15 Bezirksverwaltungen (BV), einzelne Arbeitsgruppen und Mitarbeiter auf der Ebene der Kreisdienststellen sowie die zugehörige „Hauptabteilung II“ (HA II) mit Sitz in der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg. Der letzte Stellenplan der HA II vom 31. Dezember 1988 weist 1424 Mitarbeiter aus, darunter 123 Offiziere im besonderen Einsatz (OibE) und 114 Hauptamtliche Inoffizielle Mitarbeiter (HIM). Zudem verfügte die HA II über etwa 3.500, die Abteilungen II der Bezirksverwaltungen über rund 4000 IM. Hinzu kamen weitere IM der Kreisdienststellen sowie 109 IM in der Bundesrepublik.Hanna Labrenz-Weiß: Die Hauptabteilung II: Spionageabwehr. In: Anatomie der Staatssicherheit. MfS-Handbuch III/7, 2., durchgesehene Auflage, BStU, Berlin 2001, ISBN 978-3-942130-05-9, bundesarchiv.de
mini|hochkant|MfS Hauptverwaltung Aufklärung, Schulungsobjekt „Kombinat Gosen“
Bildungseinrichtungen Das „Schulungszentrum der DDR-Staatssicherheit für Auslandsagenten“ war eine Bildungseinrichtung der Hauptverwaltung A des MfS der DDR. Sie lag in der Gemeinde Gosen-Neu Zittau im heutigen Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Der Gebäudekomplex mit dem Tarnnamen „Kombinat“ wurde am 21. Juni 1988 fertiggestellt.MfS Hochschule Gosen, eingesehen am 23. April 2023. Im Januar 1990 wurde die Lehrtätigkeit eingestellt.Stefan Appelius: Die Toten der friedlichen Revolution In: Spiegel-Online vom 17. September 2010, eingesehen am 23. April 2023.Petra Zoepf: Neuanfang im ehemaligen Stasi-Hotel. In: Berliner Morgenpost vom 30. Juli 2007, eingesehen am 23. April 2023.
Die Juristische Hochschule des MfS (offizieller Tarnname: „Juristische Hochschule Potsdam“, „JHS“) im Potsdamer Ortsteil Eiche-Golm war eine geheime Bildungseinrichtung für Angehörige des MfS der DDR. Sie wurde am 16. Juni 1951 als „Schule des MfS“ gegründet und erhielt am 16. Februar 1965 den Status einer Hochschule für die juristische Ausbildung. Im November 1989 erfolgte die letzte Umbenennung in „Hochschule des Amtes für Nationale Sicherheit“. Letzter Rektor der 758 Mitarbeiter (Oktober 1989) war Willi Opitz.Günter Förster: Die Juristische Hochschule des MfS (MfS-Handbuch). Hrsg.: BStU. Berlin 1996, ISBN 3-942130-22-X. bstu.bund.de (PDF).Günter Förster: Die Juristische Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Sozialstruktur ihrer Promovenden, Münster 2001, ISBN 3-8258-4589-3.
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