mini|200px|Flavio Bravo Pardo (1982) Flavio Bravo Pardo (* 18. Juli 1921 in Havanna; † 27. Februar 1988 ebenda) war ein kubanischer Revolutionär und Politiker der Kommunistischen Partei Kubas (PCC), der unter anderem im Ministerrat Kubas von 1972 bis 1981 Vizeministerpräsident beziehungsweise Vizevorsitzende des Ministerrates sowie zwischen 1981 und seinem Tode 1988 Präsident der Nationalversammlung der Volksmacht ANPP, des Parlaments von Kuba, war.
Leben Flavio Bravo Pardo begann Ende 1930er Jahre sein Engagement als Gewerkschaftsfunktionär in der Arbeitergewerkschaft von Havanna (Federación Obrera de La Habana) und später in der Zentralgewerkschaft der kubanischen Arbeiter (Central de Trabajadores de Cuba), der Sozialistischen Jugend (Juventud Socialista de Cuba) sowie der Sozialistischen Volkspartei PSP (Partido Socialista Popular). Er beteiligte sich früh an der am 26. Juli 1953 begonnenen Revolution gegen den diktatorisch regierenden Präsidenten Fulgencio Batista, der schließlich am 1. Januar 1959 gestürzt wurde, und war Mitglied der von Fidel Castro geführten Bewegung des 26. Juli (Movimiento 26 de Julio) und der Rebellenarmee (Ejército Rebelde), in der ihm der zweithöchste Dienstgrad des Capitán del Ejército Rebelde verliehen wurde.
Nach dem Sturz Bastistas übernahm er zunächst Funktionen innerhalb der Revolutionären Streitkräfte FAR (Fuerzas Armadas Revolucionarias) und war von 1959 bis 1964 Chef der Operationsabteilung und danach Chef der Revolutionären Kriegsmarine. Er wurde zudem Vorstandsmitglied der Integrierten Revolutionären Organisationen ORI (Organizaciones Revolucionarias Integradas), eine politische Gruppe, die im Juni 1961 gegründet wurde, um Fidel Castros Bewegung des 26. Juli, Blas Rocas Sozialistische Volkspartei (PSP) und Faure Chomóns Revolutionäre Direktion des 13. März DR-13-3 (Directorio Revolucionario 13 de marzo) zusammenzubringen. Im Anschluss wurde er Vorstandsmitglied der am 26. März 1962 aus der ORI hervorgegangenen Vereinigten Partei der Sozialistischen Revolution Kubas PURSC (Partido Unido de la Revolución Socialista de Cuba) und schließlich im Oktober 1965 Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der Kommunistischen Partei Kubas PCC (Partido Comunista de Cuba).
1970 verließ Bravo Pardo die Streitkräfte und übernahm die Funktion als Leiter des Bereichs Versorgung und Dienstleistungen. Am 24. November 1972 wurde er einer der Vizeministerpräsidenten beziehungsweise ab 1976 Vizevorsitzenden des Ministerrates und damit Stellvertreter von Premierminister Fidel Castro Ruz, der Ministerpräsident beziehungsweise seit 1976 Vorsitzender des Ministerrates (Vicepresidente del Consejo de Ministros) war.Parlament bestätigte Ministerrat. Ernennung Fidel Castros zum Vorsitzenden fand volle Zustimmung, Neues Deutschland, 6. Dezember 1976 Im September 1973 stattete er der DDR und der Leipziger Herbst-Messe einen Besuch ab.Hoher Gast aus Kuba, Neues Deutschland, 7. September 1973Freundschaftliches Gespräch mit kubanischem Gast, Neues Deutschland, 8. September 1973 Das Amt des Vizevorsitzenden des Ministerrates behielt er bis Dezember 1981 und war als solcher verantwortlich für die Ministerien für Leichtindustrie, Binnenhandel, Fischerei, öffentliche Gesundheit, das Nationale Institut für Tourismus und das Nationale Institut für Forschung und Orientierung im Inlandsbedarf. Im November 1976 wurde er außerdem Mitglied der Mitglied der Nationalversammlung der Volksmacht ANPP (Asamblea Nacional del Poder Popular), des Parlaments von Kuba, dem er bis zu seinem Tode 1988 in der ersten bis dritten Legislaturperiode angehörte, Er war des Weiteren Mitglied der Versammlung der Hauptstadtprovinz Havanna, in der er Centro Habana vertrat. Im Dezember 1976 wurde er des Weiteren Mitglied des Staatsrates (Consejo de Estado de Cuba).
mini|200px|Flavio Pardo im Gespräch mit Genossenschaftsbauern der LPG Pflanzenproduktion Blankenhain, Kreis Werdau (26. August 1982). Als Nachfolger von Blas Roca wurde er am 28. Dezember 1981 Präsident der NationalversammlungParlament Kubas neu konstituiert. Flavio Bravo als Präsident gewählt, Neues Deutschland, 29. Dezember 1981 und behielt das Amt des Parlamentspräsidenten nach seiner Wiederwahl im Dezember 1986Fidel Castro zum Vorsitzenden des Staatsrates Kubas wiedergewählt. Nationalversammlung konstituiert, Neues Deutschland, 29. Dezember 1986 bis zu seinem Tode nach einer schweren Krankheit am 27. Februar 1988,Parlamentspräsident der Republik Kuba beigesetzt, Neues Deutschland, 29. Februar 1988 woraufhin der bisherige Vizepräsident Severo Aguirre del Cristo seine Nachfolge antrat. Im August 1982 war er Leiter einer Delegation der Nationalversammlung zu einem mehrtägigen Besuch der DDR.Kubanische Parlamentarier zu DDR-Besuch eingetroffen. Flavio Bravo von Horst Sindermann herzlich begrüßt, Neues Deutschland, 23. August 1982Kubanische Parlamentarier zu Gesprächen empfangen, Neues Deutschland, 24. August 1982Kubanische Parlamentarier bei Berliner Werktätigen. Flavio Bravo besuchte Marzahn / Horst Sindermann lud ein, Neues Deutschland, 25. August 1982Kubanische Delegation in Karl-Marx-Stadt, Neues Deutschland, 26. August 1982Parlamenfsabgeordnefe aus Kuba besuchten LPG, Neues Deutschland, 27. August 1982Freundschaftliches Treffen im Hause des ZK. Gespräch Erich Honeckers mit kubanischem Politiker, Neues Deutschland, 27. August 1982 Im September 1984 sowie im November 1985 wiederum empfing er DDR-Delegationen, die vom Präsidenten der Volkskammer, Horst Sindermann, geleitet wurde.Präsident der Volkskammer zu offiziellem Besuch in Kuba. Horst Sindermann herzlich durch Flavio Bravo begrüßt, Neues Deutschland, 4. September 1984Treffen mit Präsidenten der Nationalversammlung Kubas. Horst Sindermann führte Gespräch mit Flavio Bravo, Neues Deutschland, 7. November 1985
Bei einer Festsitzung des Parlaments zum 60. Jahrestag der Gründung der Sowjetunion im Dezember 1982 bezeichnete er Kuba als ein lebendiges Beispiel dafür, wie die Sowjetunion durch ihr Vorbild die Bewegung der sozialen und nationalen Befreiung gestärkt habe und unterstrich, dass sich der Imperialismus nicht mit den Veränderungen in der Welt abfinden wolle.Kubas Parlament würdigt Politik der Sowjetunion. Festsitzung zum 60. Jahrestag der Gründung der UdSSR, Neues Deutschland, 29. Dezember 1982 Im Oktober 1984 gehörte er neben Fidel Castro, den Mitgliedern des Politbüros des ZK der PCC Carlos Rafael Rodríguez und Armando Hart, und Außenminister Isidoro Malmierca zu den Gastgebern eines Empfangs zu Ehren von Willy Brandt, in dessen Funktion als Präsident der Sozialistischen Internationale SI.Havanna: Fidel Castro gab Empfang für Willy Brandt. Sl-Vorsitzender führte Gespräche in Kubas Hauptstadt, Neues Deutschland, 17. Oktober 1984 Er empfing im Februar 1985 vom Vorsitzenden der Redaktionskommission, Blas Roca, den Entwurf eines neuen Zivilgesetzbuchs zur weiteren Beratung in der ANPP.Entwurf für ein neues Zivilgesetzbuch Kubas, Neues Deutschland, 20. Februar 1985 Im Dezember 1985 erklärte er, dass die Unabhängigkeit der Staaten Lateinamerikas in starkem Maße von der Auslandsverschuldung bedroht werde und ein Land, dessen Entscheidungen in Wirtschaft und Politik vom Internationalen Währungsfonds (IWF) diktiert würden, könne nicht unabhängig sein könne. Die USA und die internationalen Finanzinstitute verwandelten Lateinamerika damit in eine Region, die wie in der Kolonialzeit Tribut zahlen müsse.Kubanischer Politiker verurteilt IWF-Politik, Neues Deutschland, 11. Dezember 1985
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