mini|Logo der NASA Analog Missionen Eine Analog-Mission (auch Analog) ist ein Forschungsprogramm, welches auf der Erde in verschiedenen, isolierten Umgebungen durchgeführt wird. Es simuliert Aspekte bemannter Missionen zu extraterrestrischen Welten, darunter Mond, Asteroiden und Mars. Die Auswahl der Habitate erfolgt aufgrund ihrer physikalischen Ähnlichkeit mit den extremen Bedingungen am Zielort. Darunter zählen Habitate in Wüsten, Vulkanen, Polarregionen, Seen, Meeren und dem nahen Erdorbit. Solche Missionen dienen dazu, Technologien, Ausrüstungen und Einsatzkonzepte unter realistischen Bedingungen zu testen. Kein Analogumfeld kann alle Aspekte einer Weltraummission vollständig simulieren. Aus diesem Grund ist eine Vielzahl von Analogaktivitäten erforderlich, bei denen jeweils nur einige wichtige Konzepte getestet werden.

Neben Forschung und Ausbildung dienen Analog-Missionen auch dazu, das Interesse der Öffentlichkeit an der Raumfahrt zu fördern.

Analog-Astronaut Die Teilnehmenden einer Analog-Mission werden Analog-Astronauten genannt. In einzelnen Habitaten haben sich auf Grund der besonderen Umgebungsbedingungen oder ihrer Lage weitere Namen etabliert, beispielsweise Aquanauten oder Ramonauten. Astronauten nehmen während ihrer Ausbildung und zur Vorbereitung auf ihre Raumfahrtmission an Analog-Missionen teil.

Beispiele für Analogaktivitäten Analogaktivitäten im deutschsprachigen Raum Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt mini|LUNA Analog Facility, Kölnmini|2 Analog-Astronauten in der LUNA-StationDas LUNA Analog Facility ist eine Halle mit einer 700 Quadratmeter große Nachbildung des Erdmondes. Das DLR und ESA betreiben die Anlage seit September 2024 am Standort Köln-Porz. Sie dient zur Vorbereitung künftiger astronautischer und robotischer Mondmissionen. Neben der Simulation des feinen Mondgesteins Regolith erlebt der Analog-Astronaut mittels eines speziellen Haltesystems die verringerte Schwerkraft auf dem Mond. Das Modul FLEXhab ergänzt die Einrichtung seit April 2026 um ein Habitat für 4 Menschen zur Simulation von Leben und Forschung auf dem Mond.

Bei der Artificial Bed Rest Study (AGBRESA) von 2019 und den Sensorimotor Countermeasure Studies (SMC) 2024–2026 wurden und werden im :envihab des DLR in Köln gemeinsam mit ESA und NASA die Folgen von Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper untersucht. Die Teilnehmenden verbringen 60 Tage im Bett. Während in der ersten Studie vor allem die Maßnahme gegen Knochen- und Muskelschwund untersucht wurden, lag bei den weiteren Studien der Augenmerk auf die sensomotorischen Folgen durch erhöhten Flüssigkeitsdruck im Kopf.

SOLIS100 (Study Of Long-term ISolation) startete im April 2026 im :envihab des DLR zu einer 100-tägigen Studie zur Isolation, wobei die gesundheitlichen Auswirkungen durch Enge und Ressourcenbegrenzung auf die 6 Analog-Astronauten untersucht wurden. Dieser Studie ging SOLIS8 über 8 Tage Isolation im Jahr 2025 voraus.

Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz Project Moonwalk (MOONWALK) war ein von 2013 bis 2016 durch die EU-Kommission über das 7. Forschungsrahmenprogramm finanziertes Projekt zur Entwicklung von Technologien für die Astronauten-Roboter-Interaktion bei Außenbordeinsätzen auf fremden Planetenoberflächen. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) aus Bremen leitete das internationale Projekt. Getestet wurden auch Trainingsverfahren für künftige Mond- und Marsmissionen bei reduzierter Schwerkraft im Mittelmeer bei Marseille und in der südspanischen Wüstenlandschaft von Rio Tinto.https://robotik.dfki-bremen.de/de/forschung/projekte/moonwalk/

Österreichisches Weltraum Forum AustroMars war 2006 die erste vom Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) durchgeführte Mission. Eine sechsköpfige, rein österreichische Crew simulierte zwei Wochen lang eine bemannte Marsexpedition an der Mars Desert Research Station in Utah, USA. mini|Analog-Astronauten der PolAres-Mission in einer WüstePolAres war ein interdisziplinäres Forschungsprogramm, welches die Basis für mehrere Mars-Analogmissionen darstellte. In diesem Kontext entstand der Aouda-Raumanzugsimulator – ein 45 kg schwerer Prototyp, der wesentliche Einschränkungen eines echten Mars-Raumanzuges realistisch abbildet. Mit diesem fanden 2010 im Kaunertaler Gletscher ersten Arbeitseinsätze im Raumanzug statt. Es folgte 2012 eine fünftägiger Feldtest im Dachstein-Eis und 2013 mit MARS2013 eine zweiwöchige internationale Feldsimulation in der marokkanischen Sahara bei Erfoud. Im Folgeprogramm AMADEE sollen Arbeitsabläufen und Untersuchungsmethoden für zukünftige planetare Oberflächenmissionen genau wie die Interaktion von Mensch und Robotern untersucht werden. AMADEE-15 wurde im August 2015 in der Kaunertal-Gletscherregion in Österreich durchgeführt. Sie dauerte zwei Wochen und wurde von Partnern aus 19 Ländern unterstützt. AMADEE-18 war 2018 die erste Mission bei der eine Signalverzögerung von 10-Minuten zwischen Erde und Mars simuliert wurde. Sie fand über 4 Wochen in der Dhofar-Region im Oman statt. AMADEE-20 fand im Oktober 2021 für vier Wochen im Ramon-Krater in der Negev-Wüste in Kooperation mit der Israel Space Agency statt. AMADEE-24 war eine im März/April 2024 durchgeführte, vierwöchige Mission im armenischen Hochland nahe des Ararat. AMADEE-27 ist eine für 2027 geplante Analog-Mission in der Monsaraz Analog Research Station (MARS) in Portugal.

World's Biggest Analog (WBA) war eine im Oktober 2025 durchgeführte, zweiwöchige internationale Mond/Mars-Analogmission, die 16–17 Habitate auf fünf Kontinenten vereinte. Das ÖWF stellte als Mission Coordination Centre (MICO-VIE) in Wien die zentrale Koordinationsdrehscheibe bereit, über die Kommunikation, Datentransfer und Missionskoordination aller teilnehmenden Habitate liefen.

Schweiz Das Asclepios Projekt ist ein von Studierenden der EPFL Lausanne organisiertes Analogprojekt mit Fokus auf kurzzeitige wissenschaftliche Missionen. Die erste Mission, Asclepios I, fand vom 12. bis 20. Juli 2021 in den Grimsel-Höhlen in der Schweiz statt. Es folgten weitere Missionen mit einer Länge von bis zu 16 Tagen im Festungsgebiet Gotthard. Asclepios VI fand im Sommer 2026 statt.

Europa Mars-500 war eine von Russland, ESA und China finanzierte Langzeit-Isolationsstudie im IBMP (Institut für Biomedizinische Probleme) in Moskau. Eine sechsköpfige Crew lebte 520 Tage in einem simulierten Raumschiff, um psychologische Effekte langer Weltraummissionen zu untersuchen.

CHILL-ICE (Construction of a Habitat Inside a Lunar-analogue Lava tube, ICEE Space, Island)Construction of a Habitat Inside a Lunar-analogue Lava tube - ICEE Space, Iceland (CHILL-ICE) ist eine Mission, bei der Analog-Astronauten ein Habitat in isländischen Lavaröhren errichten und Experimente zur In-Situ-Ressourcennutzung (ISRU) durchführen. Frühere Forschung beinhaltete die Belastbarkeit von Rovern, körperliche und psychische Belastung der Astronauten sowie Kommunikation in Lavaröhren.

Analog Astronaut Training Center (AATC) ist eine kommerzielle Organisation mit zwei vollisolierten Forschungsstationen in Südpolen sowie einem Trainingsprogramm für Analog-Astronauten mit internationaler Zertifizierung. Stand August 2023 wurden 65 Analogmissionen durchgeführt, dazu 4 Promotions-, 9 Master- und 30 Bachelorarbeiten betreut. Das AATC spezialisiert sich auf Humanphysiologie und operationelle Trainings für Wissenschaftler, Ingenieure und Astronautenkandidaten. Es wurde von zwei ehemaligen ESA-Mitarbeitenden gegründet: Matt Harasymczuk (Ingenieur) und Dr. Agata Kołodziejczyk (Wissenschaftlerin). Neben wissenschaftlicher Arbeit organisiert das Zentrum auch Raketenworkshops, Stratosphärenmissionen, Tauchtrainings sowie Mond- und Mars-Analogmissionen. Zur Ausrüstung zählen 4 Raumanzüge, darunter zwei LEM (Lunar Extravehicular Mobility)-Anzüge, zwei visier-offene Unterwasser-Trainingsanzüge und ein druckgeregelter visier-geschlossener Tauchanzug. In Kooperation mit dem International Institute of Astronautical Sciences bietet das AATC außerdem Außenbord-Vorbereitungstrainings im Neutral Buoyancy Laboratory in Groton an.

LunAres ist eine Analog-Forschungsstation in einem ehemaligen Militärflughafen in Polen. Die Station kann 2-wöchige Mond- oder Marsmissionen mit 6 Personen simulieren und bietet komplette Isolation inklusive eines 250 m² Außenbereichs.

ESA CAVES (Cooperative Adventure for Valuing and Exercising human behaviour and performance Skills) ist ein dreiwöchiges Trainings und Analog-Missionen-Programm der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), bei dem multikulturelle Astronautenteams unter weltraumähnlichen Bedingungen in Höhlen trainieren.

Nordamerika mini|Desert Research and Technology Studies (DesertRATS), 2022Desert Research and Technology Studies (D-RATS) ist ein NASA-finanziertes Programm, das jährlich im Herbst in der Wüste Arizonas Rover-Prototypen und Einsatzkonzepte wie beispielsweise zur Probenentnahme testet.

Pavilion Lake Research Project (PLRP) ist ein gemeinsames Projekt der kanadischen Weltraumagentur und NASA, das mikrobielle Gesteinsformationen (Mikrobialithe) in Süßwasserseen wie dem Pavilion Lake erforscht und gleichzeitig Konzepte für Weltraummissionen erprobt. Obwohl der See physisch kein direkter Mars- oder Mondanalog ist, macht die komplexe Missionsstruktur das Projekt zu einem exzellenten operationellen Analog.

mini|NEEMO-Training, 2013NEEMO (NASA Extreme Environment Mission Operations) verwendet das Unterwasser-Habitat Aquarius der Florida International University zur Simulation von Operationen in Schwerelosigkeit. Gruppen von „Aquanauten“ leben dort bis zu drei Wochen und führen Außeneinsätze im Habitat und am Korallenriff durch.

Arctic Mars Analog Svalbard Expedition (AMASE) ist eine jährlich stattfindende NASA-finanzierte Expedition auf dem Svalbard-Archipel (Norwegen). Die geologischen Bedingungen dort gelten als vergleichbar mit dem urzeitlichen Mars. Ziel ist der Nachweis geringer Mengen organischer Verbindungen und geologischer Biomarker durch Instrumente und Probenahmen.

Mars Analogue Research Station Program (MARS) ist eine Initiative der Mars Society mit den Stationen FMARS auf der arktischen Devon Island und MDRS (Mars Desert Research Station) im südlichen Utah. Internationale Crews leben 2–4 Wochen in Isolation, führen Experimente durch und testen Ausrüstung sowie Missionskonzepte.

Haughton Mars Project (HMP) ist eine gemeinsame Initiative der Mars Society und SETI auf Devon Island, die marsähnliche Landschaft und einen Einschlagskrater nutzt, um Technologie und Einsatzprozeduren zu testen sowie menschliches Verhalten in Enge und Isolation zu erforschen.

mini|Crew vor dem Habitat in North DakotaInflatable Lunar-Mars Analog Habitat (ILMAH) ist ein aufblasbares Habitat betrieben durch die RaumfahrtabteilungUniversity of North Dakota's Human Spaceflight Laboratory der North Dakota State University. Die NASA finanziert Forschung zu menschzentrierten Systemen bei Planetenmissionen.

Weitere Projekte Die Desert Mars Analog Ramon Station (D-MARS) befindet sich im Machtesch Ramon (Ramon-Krater) in der israelischen Negev-Wüste. Die Geologie ähnelt dem Marsboden. Seit 2018 werden dort regelmäßig Analog-Marsmissionen mit je sechs Ramonauten mit den Untersuchungsschwerpunkten Physik, Boden, Mikrobiologie, Psychologie, Wasser, Landwirtschaft und Technik durchgeführt.

Habitat Marte ist eine permanente Station in der Halbwüstenregion Brasiliens, 120 km westlich von Natal. Das stationäre Habitat verfügt über ein Gewächshaus für Hydro- und Aquaponikforschung, ein Auditorium und ist weltweit einzigartig mit einem Schwimmbecken für Unterwasser-EVAs. Monatliche Missionen sind möglich, Bewerbungen weltweit offen.