Sami Tchak (eigentlich Sadamba Tcha-Koura; geb. 1960) ist ein togolesischer Schriftsteller und Soziologe. Er wurde u. a. mit dem Grand prix littéraire d’Afrique noire (2004) und dem Prix Ahmadou-Kourouma (2007) ausgezeichnet sowie 2022 für Le Continent du Tout et du presque Rien mit dem Prix Ivoire geehrt. Seine Bücher sind sozialwissenschaftlich inspiriert und befassen sich mit Körper, Sexualität und transkulturellen Beziehungen; er kritisiert ethnologische Blickregime und Essentialisierungen des Begriffs „Afrika“.

Leben Tchak wurde 1960 in Togo geboren und verwendet „Sami Tchak“ als literarisches Pseudonym. Nach einer Licence in Philosophie in Lomé unterrichtete er drei Jahre an einem Lycée. Im Jahr 1986 zog er zum Soziologiestudium nach Frankreich und wurde 1993 an der Sorbonne (Paris V) promoviert. Ab Mitte der 1990er-Jahre führte er Feldforschungen auf Kuba durch und veröffentlichte dazu den Essay La Prostitution à Cuba (1999) sowie weitere sozialwissenschaftliche Arbeiten. Seine Entdeckungsreisen nach Lateinamerika prägten mehrere Romane, darunter Hermina (2003) und Filles de Mexico (2008). 2013 erschien der im togolesischen Dorfmilieu angesiedelte Roman L’ethnologue et le sage. Tchak tritt regelmäßig auf internationalen Festivals auf; zuletzt wurde er im Rahmen von Étonnants Voyageurs vorgestellt.

Wirken Tchaks Werk verknüpft seine soziologische Ausbildung mit einer poetischen, bisweilen provozierenden Erkundung von Sexualität, Macht und Gewalt, wobei – in seinen eigenen Worten – „der Körper als Bühne menschlicher Beziehungen“ fungiert. In Le Continent du Tout et du presque Rien (2021) nutzt er den Blickwinkel eines Ethnologen zur Ironisierung wissenschaftlicher und ideologischer Deutungen Afrikas seit den 1960er-Jahren. Das Buch wurde als gelehrtes und zugleich erzählerisch wendiges Panorama über Afrika-Diskurse gewürdigt. Mit dem Essay La couleur de l’écrivain (2014) diskutiert Tchak Fragen nach Sprache, Zugehörigkeit und den Erwartungen an die „afrikanische“ Schriftstellergemeinschaft. Zu seinen jüngsten Büchern zählt Mélodie pour une douleur (2023), eine Folge von 23 Erzählungen, in denen die Auseinandersetzung mit Sterblichkeit durch Sinnlichkeit und Freiheit konterkariert wird. Für Le Continent du Tout et du presque Rien erhielt er 2022 den Prix Ivoire.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Soziologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Soziologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Togoer Kategorie:Geboren 1960 Kategorie:Mann