mini|Ludwig Hirsch bei einem Konzert, 2010 Ludwig GustavArtikel aus „Die Welt“ vom 24. November 2011 Hirsch (* 28. Februar 1946 in Weinberg/Buch-St. Magdalena, Steiermark; † 24. November 2011 in Wien-OttakringORF: Ludwig Hirsch ist tot. 24. November 2011.) war ein österreichischer Liedermacher und Schauspieler.

Leben, Ausbildung, Karriere Ludwig Hirsch wurde als Sohn eines Arztes in der Oststeiermark geboren und wuchs in Wien-Leopoldstadt auf. Er studierte nach seiner Schulzeit Grafik an der Hochschule für angewandte Kunst. Dann besuchte er die Schauspielschule Krauss in Wien. Er debütierte 1973 am Stadttheater Regensburg. Danach stand er in Wuppertal und am Thalia Theater in Hamburg auf der Bühne.Sänger dunkelgrauer Lieder. In: Nürnberger Nachrichten vom 25. November 2011, S. 6. Von 1975 bis 1979 war Ludwig Hirsch Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt in Wien.

1978 begann er mit seinem Debütalbum Dunkelgraue Lieder seine Karriere als Liedermacher mit kritischen, makaber-morbiden Texten. Der Sender Ö3 verbot, sein Lied Komm, großer schwarzer Vogel wegen der morbiden und unheimlichen Atmosphäre nach 22 Uhr zu spielen – aus Angst, dass Hörer Suizid begehen könnten.„Großer schwarzer Vogel“ hatte Spielverbot. In: heute.at. 24. November 2011, abgerufen am 11. April 2020. Hirsch war ein bedeutender Vertreter des Austropop. In einigen seiner Werke zeigte er sich aber auch als moderner Interpret des „klassischen“ Wiener Liedguts (etwa des 1834 entstandenen „Hobellieds“).

1989 spielte er die Hauptrolle des Malers Oskar Koschka in der satirischen Miniserie In Zeiten wie diesen. 1991 und 1992 spielte Hirsch mit Band vor insgesamt mehr als 200.000 Zuschauern viele seiner bekanntesten Lieder, eingebettet in eine Rahmenhandlung. Oft ging Ludwig Hirsch nur mit seinem Gitarristen Johann M. Bertl auf Tournee. 2004 trat er auf dem Festival Songs an einem Sommerabend auf.

Sein Studioalbum Perlen erreichte in Österreich Goldstatus. Für dieses Album erhielt er den Amadeus Austrian Music Award. Ein neues Album erschien im Mai 2006 mit dem Namen In Ewigkeit Damen. Darauf sang er den Titel Rebekka und ich gemeinsam mit Rebekka Bakken. Er moderierte außerdem die Radiosendung Siesta beim österreichischen Rundfunksender Ö3.

Ludwig Hirsch war ab 1977 mit der Schauspielerin Cornelia Köndgen verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn.Kapitel Der Turm; Moritz – der Sohn. In: Bertl-Köndgen-Zahradnik: I lieg am Ruckn. Erinnerungen an Ludwig Hirsch. Ueberreuter, Wien 2016, ISBN 978-3-8000-7650-5.

Am 24. November 2011 nahm sich Ludwig Hirsch auf dem Gelände der Klinik Ottakring (damals Wilhelminenspital) das Leben. Er hatte Lungenkrebs und befand sich wegen einer Lungenentzündung im Spital. Zwei Wochen später platzierte sich sein Lied Komm großer schwarzer Vogel, das sich thematisch mit dem Todeswunsch eines todkranken Menschen, der auf den Tod wartet, auseinandersetzt, in den österreichischen Charts.

Hirsch erhielt ein ehrenhalber gewidmetes Grab der Stadt Wien auf dem Gersthofer Friedhof (Gruppe 2, Reihe 6, Nr. 59). Am 8. September 2017 wurde in Wien-Leopoldstadt der Ludwig-Hirsch-Platz nach ihm benannt.

Stil Bekannt wurde Ludwig Hirsch insbesondere durch seine bissig-sarkastischen Texte, die er auf eine charakteristische Weise oft mit einer romantisch-melancholisch anmutenden Melodik kombinierte. Mit diesem Stil des Antagonismus zwischen Text und Musik verschaffte er der inhaltlichen Aussage vieler seiner Lieder eine verschärfende Brisanz.

Trivia 2018 interpretierte der Wiener Liedermacher Voodoo Jürgens auf einer ausgedehnten Tour durch Deutschland und Österreich Lieder von Ludwig Hirsch. Das Projekt erhielt viel Zuspruch und feierte seinen Höhepunkt im ausverkauften Wiener Konzerthaus.Der Standard: Voodoo Jürgens singt Ludwig Hirsch.

Der Holzkünstler Jörg Beier schuf 1981 nach Hirschs Lied Komm, großer schwarzer Vogel eine Holzplastik.

Ehrungen und Auszeichnungen Die Österreichische Post ehrte Ludwig Hirsch mit einer am 3. September 1993 erschienenen 5,50-Schilling-Briefmarke.Philatelie-Shop der Österreichischen Post AG: Austropop 2. Wert Ludwig Hirsch. Aufgerufen am 24. November 2011. 2001 wurde ihm das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen. 2003 erhielt er den Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie Künstler Pop/Rock national für sein Album Perlen. Am 28. Juni 2011 wurde ihm der Wiener Goldene Rathausmann überreicht.Der Standard: Ludwig Hirsch erhält Goldenen Rathausmann. Aufgerufen am 28. Juni 2011. Am 1. Mai 2012 wurde ihm posthum der Amadeus Austrian Music Award für sein Lebenswerk verliehen.. 1. Mai 2012. Am 8. September 2017 wurde die Parkanlage Große Sperlgasse im 2. Wiener Gemeindebezirk offiziell Ludwig-Hirsch-Platz benannt.

Bibliografie Kinder- und Jugendliteratur Der Turm. Text zu Bilderbuch mit Illustrationen von Carl Hoffmann. Echter Verlag, Würzburg 1998, ISBN 3-429-02000-X.

Lieder und Texte Ich hab’s wollen wissen. Lieder, Bilder, Texte. Heyne, München 1983, ISBN 3-453-01830-3. Ich weiß es nicht, wohin die Engel fliegen …. Lieder und Texte. Seifert, Wien 2010, ISBN 978-3-902406-78-1.

Diskografie Studioalben 1978: Dunkelgraue Lieder 1979: Komm, großer schwarzer Vogel 1980: Zartbitter 1982: Bis zum Himmel hoch 1983: Bis ins Herz 1984: 6 (Traurige Indianer – Unfreundliche Kellner) 1986: Landluft 1988: Liebestoll 1991: In meiner Sprache 1995: Tierisch 2002: Perlen 2006: In Ewigkeit Damen 2009: Ludwig Hirsch liest Weihnachtsgeschichten (gesprochen) 2010: Geschichten von Till Eulenspiegel (gesprochen) 2011: Ludwig Hirsch liest Ludwig Hirsch (gesprochen)

Livealben 1992: Gottlieb 1999: Dunkelgrau 2008: Gottlieb Live (DVD) 2012: Zum letzten Mal – live

Best-of und Kompilationen 1979: Liederbuchedition 1983: Gel’, du magst mi (Best-of) 1989: Glanzlichter (Kompilation) 1991: Sternderl schaun (Kompilation) 1993: Liederbuch (Kompilation) 1994: Liebeslieder (Kompilation) 1996: Liedermacher Edition (Kompilation) 1998: Master Series (Kompilation) 2004: Ausgewählte Lieder 2016: Himmelblau & Dunkelgrau – die ultimative Liedersammlung (3 CDs)

Singles 1983: Gel’, du magst mi (7″) 1983: Häng net auf (7″) 1984: Marmor, Stein und Eisen bricht (7″) 1984: Tante Marie (7″) 1986: Die Gelse (7″) 1986: Alles Paletti (7″) 1991: Nelli (7″) 1991: Sternderl schauen (7″)

Filmografie (Auswahl)

Literatur

Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen / Georg Müller Verlag, München/Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 404. Cornelia Köndgen: Mit einem kleinen Schuss ins Rot. Die Jahre mit Ludwig Hirsch. Seifert, Wien 2013, ISBN 978-3-902406-91-0. Bertl-Köndgen-Zahradnik: I lieg am Ruckn. Erinnerungen an Ludwig Hirsch. Ueberreuter, Wien 2016, ISBN 978-3-8000-7650-5.

Weblinks

Barbara Petsch: Ludwig Hirsch: Dichter dunkelgrauer Lieder. In: Die Presse. Printausgabe, 25. November 2011. Zitate von Ludwig Hirsch: „Ich hab zwei große Türen aufgemacht.“ In: APA/Die Presse. 24. November 2011. Ludwig Hirsch Gedenkseite (private Website). Ludwig Hirsch: Die Kunst des zerbrechlichen Ichs. (PDF; 992 kB) In: Die Liedermacher. Universal Records, 2012. Archiviert 2016.

Einzelnachweise

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