mini|Malignes Melanom der Haut mini|hochkant|Oberflächlich spreitendes Melanom Das maligne Melanom (von „schwarz“ und -om für Geschwulst), auch kurz Melanom, Melano(zyto)blastom oder schwarzer Hautkrebs genannt, ist ein hochgradig bösartiger Tumor der Pigmentzellen (Melanozyten) in der Haut. Er neigt dazu, früh Metastasen (Tochtergeschwülste) über Lymph- und Blutbahnen zu streuen, und ist die am häufigsten tödlich verlaufende Hautkrankheit, mit weltweit stark steigender Anzahl an Neuerkrankungen.
Neben dem malignen Melanom der äußeren Haut gibt es auch maligne Melanome im Auge (Bindehautmelanom, Aderhautmelanom), auf Schleimhäuten (mukosales Melanom) etwa im Mundraum oder im Darm, und im Anus (anorektales Melanom). Sie sind seltener.
Der wichtigste Risikofaktor ist die Lebenszeitbelastung mit dem Ultraviolett-Anteil des Sonnenlichts. Personen mit heller Haut und mit vielen gutartigen Pigmentflecken sind etwas stärker gefährdet. Die wichtigsten Gegenmaßnahmen sind Sonnenschutz und regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen, die in Deutschland ab dem 35. Lebensjahr angeboten werden. Dabei werden beim Hausarzt oder Facharzt alle erreichbaren Hautstellen inspiziert.
Entdeckte Melanome müssen mit großem Sicherheitsabstand operativ entfernt werden. Örtliche Strahlentherapie oder topisch (äußerlich) angewendete Medikamente werden nur selten eingesetzt. Bei größeren Tumoren wird danach eine Systemtherapie mit intravenös verabreichtem Interferon empfohlen. Nach der Operation sollen die Patienten regelmäßig auf Metastasierung untersucht werden, in der Regel fünf Jahre lang durch körperliche Untersuchung, Blutwerte, und Ultraschall der Lymphknoten, manchmal auch mit weiteren bildgebenden Verfahren. Die Heilungsrate für rechtzeitig entdeckte Tumoren ist sehr gut mit > 90 % tumorspezifischem Überleben nach 5 Jahren.Krebs in Deutschland für 2019/202. (PDF) Broschüre des Robert-Koch-Instituts, 2023. Seite 64 Wenn Metastasen auftreten, stehen eine Anzahl von Zytostatika und Biologika für die Chemotherapie zur Verfügung, darunter die erst seit wenigen Jahren verfügbaren Checkpoint-Inhibitoren und onkolytische Viren. Dennoch ist die Prognose der metastasierten Melanomerkrankungen weiterhin schlecht.
Häufigkeit mini|Inzidenz und Mortalität des malignen Melanoms der Haut in Deutschland von 1980 bis 2006. Die Häufigkeit der Erkrankung hat sich in diesem Zeitraum fast vervierfacht. Die Sterberate ist dagegen nahezu konstant geblieben. mini|Altersspezifische Erkrankungsraten für das kutane maligne Melanom pro 100 000 Einwohner, für die Jahre 1980, 1990 und 2006 mini|Inzidenz und Mortalität des malignen Melanoms der Haut in verschiedenen Staaten und Regionen im Jahr 2006 Die Häufigkeit der Neuerkrankung (Inzidenz) beträgt bei der hellhäutigen Bevölkerung in Europa und Nordamerika ca. 15 Neuerkrankungen pro Jahr auf 100.000 Einwohner. Daraus ergibt sich ein Lebenszeitrisiko von etwas mehr als ein Prozent. Zum Vergleich liegt das Lebenszeitrisiko für ein kolorektales Karzinom bei 4 bis 6 Prozent.E. C. Jehle u. a.: (PDF; 1,13 MB) August 2003, , S. 1. 1960 lag das Lebenszeitrisiko noch bei 1:600, während es 2005 auf 1:75 bis 1:100 gestiegen war, vermutlich durch die zunehmenden Urlaubsreisen in sonnenreiche Länder.M. Volkenandt: Maligne Melanome. In: O. Braun-Falco u. a. (Hrsg.): Dermatologie und Venerologie. Verlag Springer, 2005, ISBN 3-540-40525-9, S. 1313–1324 Um 2008 kam es nochmals zu einem Anstieg der Neuerkrankungszahlen in Deutschland, als die systematische Früherkennung eingeführt wurde. Seit ca. 2012 sind die Erkrankungszahlen wieder weitgehend konstant. 2020 erkrankten in Deutschland 23.650 Menschen (11.320 Frauen und 12.240 Männer) an einem malignen Melanom, dies entspricht altersstandardisiert 19 von 100.000 Personen. Im selben Jahr starben 1.162 Frauen und 1.778 Männer an einem Melanom. Das mittlere Erkrankungsalter von Frauen liegt bei 63 und bei Männern bei 69 Jahren. Sowohl die Erkrankungsrate als auch die Sterberate ist bei Männern etwas höher als bei Frauen.Malignes Melanom der Haut. Zentrum für Krebsregisterdaten beim Robert Koch-Institut, Stand 7. Dezember 2023; abgerufen am 11. Juni 2024
Als Todesursache hat das maligne Melanom für beide Geschlechter einen Anteil von 1,3 Prozent an allen Krebstodesursachen in Deutschland. In: Krebsatlas, Deutsches Krebsforschungszentrum, 6. Mai 2009, abgerufen am 27. März 2010.
Im Jahr 2023 war das maligne Melanom ursächlich für 0,31 % aller Sterbefälle in Deutschland.
Die Häufigkeit des malignen Melanoms der Haut ist regional sehr unterschiedlich. In einigen Staaten ist es eine ausgesprochen seltene Erkrankung, während bei der hellhäutigen Bevölkerung Australiens das Lebenszeitrisiko – im Vergleich zu Europäern – etwa vierfach erhöht ist und bei ungefähr vier Prozent liegt. In Nordamerika in der Altersgruppe von 25 bis 34 Jahren ist das Melanom bei Männern die vierthäufigste und bei Frauen die zweithäufigste Krebsart. Der weltweit höchste Wert wird in Auckland (Neuseeland) erreicht.Climate. In: Te Ara: The Encyclopedia of New Zealand. Afroamerikaner haben ein um den Faktor 20 niedrigeres Risiko, am malignen Melanom der Haut zu erkranken, als Menschen mit heller Haut.
Risikofaktoren Tabellarische Zusammenfassung Als Risikofaktoren gelten:H. Hamm, P.H. Höger: Hauttumoren im Kindesalter. In: Dt. Aerzteblatt. 108, 20, 2011.
frühere maligne Erkrankung Hellhäutigkeit, rote und blonde Haare, helle Augenfarbe hohe Zahl gewöhnlicher melanozytärer Nävi (Muttermale) Immunsuppression intermittierende intensive Exposition gegenüber UV-Licht, Benutzer von Solarien haben ein 2,5 mal erhöhtes Risiko kongenitaler melanozytärer Naevus, insbesondere ein riesiger mehrere atypische melanozytäre Nävi Melanome in der Familie Neigung zu Sonnenbränden bei Exposition gegenüber UV-Licht Sommersprossen, aktinische Lentigines Störungen der DNA-Reparatur, insbesondere Xeroderma pigmentosum
UV-Strahlung und Sonnenbrand mini|Sonnenbrände, insbesondere in der Kindheit, erhöhen das Risiko für ein malignes Melanom signifikant. Etwa alle sieben Jahre verdoppelt sich die Zahl der an einem Melanom erkrankten Patienten. Dies wurde früher in erster Linie auf Veränderungen der Freizeitgewohnheiten zurückgeführt. UV-Strahlung gilt als die wichtigste umweltbedingte Melanomursache.U. Beise: In: Ars Medici 15/2004, S. 775f. Der Zusammenhang von Sonnenstrahlung und Krebshäufigkeit wurde erstmals von Eleanor Josephine Macdonald auf Basis des von ihr in den USA errichteten Krebsregisters nachgewiesen.
„Trotz vieler Aufklärungskampagnen“ in den letzten zwei Jahrzehnten konnte das Schönheitsideal „braun sein = gesund sein“ allerdings „noch nicht ausreichend korrigiert werden“, so dass trotz gestiegenen Gesundheitsbewusstseins „die Zahl der Neuerkrankungen jedes Jahr weiter“ ansteige. In: Deutsche Krebsgesellschaft, 7. Juli 2008, abgerufen am 14. Oktober 2008.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum sieht als wesentlichen Umweltrisikofaktor die exzessive Exposition gegenüber Sonnenlicht an. Daneben spiele der Hauttyp als endogener Faktor eine entscheidende Rolle. Rothaarige, die eine gegenüber UV-Strahlung besonders empfindliche Haut haben, erkranken statistisch gesehen 4,7× häufiger an einem malignen Melanom als Schwarzhaarige.
Die Suche nach möglichen beruflichen Risikofaktoren lieferte – wie auch ernährungsepidemiologische Studien – widersprüchliche Resultate. In: Krebsatlas. Deutsches Krebsforschungszentrum, abgerufen am 14. Oktober 2008.
Einfluss von Sonnencreme Die Schutzwirkung von Sonnencremes wird sehr kontrovers diskutiert. Über die Verhinderung der Entstehung von Hautkrebs gibt es sehr widersprüchliche Studien. In einigen Studien wurden eher negative Auswirkungen bei der Anwendung von Sonnencremes festgestellt, oder während in anderen Veröffentlichungen und Studien das Gegenteil behauptet wird. oder Im Tiermodell wurde zwar eine eindeutige Wirkung von Sonnencreme zur Verhinderung der Ausbildung eines Spinalioms der Haut (ein Plattenepithelkarzinom) festgestellt, jedoch ist dies beim malignen Melanom und beim Basaliom nicht der Fall.
In einer 2003 erschienenen Metastudie wurde jedoch kein Zusammenhang zwischen der Verwendung von Sonnencreme und der Zunahme von Erkrankungen an malignen Melanomen beim Menschen festgestellt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass in früheren Studien offensichtlich Fehler bei der Berücksichtigung von Konfundierungseffekten gemacht wurden und sie deshalb eine positive Korrelation zwischen der Benutzung von Sonnencreme und dem Auftreten von malignen Melanomen feststellten. Von Konfundierungseffekten spricht man, wenn das zu untersuchende Phänomen (hier die Zunahme an malignen Melanomen) von zwei oder mehr Bedingungen gleichzeitig beeinflusst wird. In den vorhergehenden Studien seien zudem neuere Sonnencremes mit einem Schutzfaktor größer als 15, einem Schutz gegen UV-A-Strahlung und Wasserfestigkeit überhaupt nicht berücksichtigt worden. Die Autoren gehen davon aus, dass es Jahrzehnte dauern kann, um einen positiven Effekt zwischen dem Gebrauch von neueren Rezepturen von Sonnencremes und malignen Melanomen zu ermitteln.
Eine 2014 in Nature veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass Sonnencreme keinen ausreichenden Schutz vor malignen Melanomen bietet. In der Studie wurde der rasierte Rücken von Mäusen, in denen künstlich eine bestimmte Mutation im Wachstumsgen BRAF herbeigeführt wurde, wiederholt einer Dosis an ultravioletter Strahlung ausgesetzt, welche beim Menschen einem leichten Sonnenbrand entspräche. Gänzlich ungeschützte Hautbereiche entwickelten so innerhalb von sieben Monaten Melanome, mit Sonnenschutzfaktor 50 behandelte Hautstellen blieben bis zu 17 Monate ohne Melanome und mit einem Tuch abgedeckte Stellen zu circa 20 Prozent noch mindestens zwei Jahre melanomfrei.Nature, zitiert nach:
Pigmentnävus Die Mehrzahl der Melanome entsteht de novo, das heißt auf zuvor gesunder Haut.amboss.miamed.de Es gibt keine Belege dafür, dass die Schädigung eines Nävus, beispielsweise durch eine Verletzung, die Entwicklung eines malignen Melanoms bewirken kann. Im Durchschnitt hat ein Mensch etwa 20 Nävi auf seiner gesamten Haut. Menschen mit über 50 Nävi haben ein um den Faktor 4,8 höheres Risiko als Menschen mit weniger als 10 Nävi auf ihrer Haut, im Laufe ihres Lebens ein malignes Melanom zu bekommen. Die Anzahl der melanozytären Nävi ist daher ein wichtiger Risikofaktor für maligne Melanome. Bei 30 bis 40 Prozent der Fälle besteht eine Assoziation zwischen melanozytären Nävi und malignem Melanom. Menschen, die eine hohe Anzahl von Nävuszellnävi aufweisen und Träger von dysplastischen Nävuszellnävi sind, haben ein erhöhtes Risiko, im Lauf ihres Lebens an einem malignen Melanom zu erkranken.
Etwa fünf bis zehn Prozent aller malignen Melanome treten familiär gehäuft auf.R. Dobrowolski: In-vitro- und In-situ-Analyse des Tumorsuppressorgens hp19ARF in malignen Melanomen. (PDF; 2,7 MB) Dissertation, RWTH Aachen 2004, S. 8. Hier wird ein polygener Erbgang vermutet.
Genetik Auch wenn der Großteil der Melanome spontan entsteht, findet sich bei 10–15 % eine familiäre Häufung mit autosomal dominanter Vererbung mit variabler Penetranz.
Die häufigsten Mutationen in Melanomzellen betreffen die Zellzykluskontrolle, Signalwege des Zellwachstums und der Differenzierung und die Telomerase.
In 40 % der autosomal dominant vererbten Melanome finden sich Mutationen im CDKN2A-Gen, dessen Genprodukte (p15/INK4b, p16/INK4a und p14/ARF) als Tumorsuppressoren wirken, indem sie den Zellzyklus in der G1-Phase anhalten.
Außerdem finden sich Mutationen, welche den RAS- und PI3K/AKT-Signalweg beeinträchtigen, die das Zellwachstum regulieren.
In der spontanen Form des Melanoms finden sich in 70 % der Tumoren eine Mutation im TERT-Gen, welches die katalytische Untereinheit der Telomerase codiert.
Diagnostik