Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Tokyo–Yokohama, ist eine deutschsprachige protestantische Auslandsgemeinde der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Japan. Sie gehört zu den rund 140 EKD-Gemeinden außerhalb Deutschlands. Mittelpunkt der Gemeinde ist die Kreuzkirche im Stadtteil Shinagawa-ku von Tokio.
Geschichte Die Gemeinde entstand 1885 auf Initiative des Schweizer Missionars Wilfried Spinner im Auftrag des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins (Weimar). Am 10. Oktober desselben Jahres konstituierte sich die Kirchengemeinde in Tokio mit 58 Deutschen und 2 Schweizern und schloss sich der Weimarer Landeskirche an.
Kirchengebäude:
Erstes Kirchengebäude (1897–1923): Neugotische Kirche nahe der kaiserlichen Palastgärten, geplant von Hermann Muthesius; zerstört im Großen Kantō-Erdbeben 1923. Eine Altarbibel von 1899 ist bis heute in Besitz der Gemeinde. Zweites Kirchengebäude (1927–1945): Wiederaufbau nach Plänen der Fa. Krupp (Essen) unter Leitung von Wilhelm Landgraf; im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe zerstört. Gemeindefusion (1936): Zusammenlegung der Gemeinden Tokio und Yokohama. Drittes Kirchengebäude (ab 1959): Einweihung der heutigen Kreuzkirche in Gotanda (10. Mai 1959). Kirche als reine Holzkonstruktion nach Entwürfen von Konrad Wiese.
Bis 1971 wurde die Gemeinde von der Deutschen Ostasienmission (DOAM) betreut; seither entsendet die EKD Pfarrerinnen und Pfarrer. Die Kreuzkirche wurde im Jahr 2008 strukturell gegen Erdbeben verstärkt. Im Jahr 2011 wurde ein neues Pfarr- und Gemeindehaus erbaut. Zuletzt wurde 2019 die alte Walker-Orgel durch einen Neubau der Firma Weber Orgelbau aus Leutkirch ersetzt.
Gemeinde und Gemeindestruktur Standort: Kita Shinagawa 6-5-26, Shinagawa-ku, 141-0001 Tokyo Zugehörigkeit: Mitglied des National Christian Council in Japan (NCCJ); Vertrag mit der EKD seit 1961 Mitglieder: Rund 70 Haushalte mit Stimmrecht in der Gemeindeversammlung Sonntägliche Gottesdienste mit 20–30 Besuchern Leitung: Kirchenvorstand (Gemeindekirchenrat), monatliche Sitzungen Finanzierung: Mitgliedsbeiträge und Spenden Pfarrer: Andreas Latz (seit 2024) Musik: Rie Hiroe (Organistin)
Theologie und Ökumene Die Gemeinde orientiert sich an der Heiligen Schrift sowie an der Verkündigung durch Wort, Taufe und Abendmahl.
Sie ist ökumenisch vernetzt: Kooperationen mit der deutschsprachigen Katholischen Kirche St. Michael in Tokio, der evangelischen Kirchengemeinde Kobe-Osaka, der japanischen Kirche sowie diakonischen Werken wie dem Fonds für Bedürftige Deutsche (BDF) in Tokio, Ai No Izumi in Kazo und Kibo no Ie in Osaka.
Profil Die Kreuzkirche ist eine typische Diaspora-Gemeinde. Ein Großteil der Mitglieder lebt nur zeitlich begrenzt in Japan (3–5 Jahre, v. a. für Studium, Forschung oder über eine berufliche Delegation). Daneben bestehen Familien mit jahrzehntelanger Bindung.
Literatur 40 Jahre Kreuzkirche in Gotanda 1959–1999 (1999) (doam.org; PDF) Kurt Meißner: Fünfundsiebzigjährige Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Deutscher Sprache Tokyo–Yokohama. Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Tokyo–Yokohama (Hg.): 1885–1985: 100 Jahre Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Tokyo–Yokohama, 1985. (jdzb.de) 120 Jahre Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Tokyo–Yokohama 1885–2005 (2005). (kreuzkirche-tokyo.jp; PDF)
Weblinks Website der Kreuzkirche Tokyo Blog
Einzelnachweise
Kategorie:Protestantismus in Japan Kategorie:Evangelische Kirche in Deutschland Kategorie:Organisation (Shinagawa) Kategorie:Deutsch-japanische Beziehungen Kategorie:Christentum in der Präfektur Tokio Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1885