mini|Porträt des Malers Franz Siegele (1885–1955) von Adolf Münzer (1870–1953), 1950 Franz Siegele (* 15. Juni 1885 in Schopfheim; † 20. September 1955 in München),Münchner Merkur, Nr. 226, 21. September 1955, S. 10 war ein deutsch-österreichischer Landschaftsmaler und Grafiker.
Leben Franz Siegele war ein Sohn des Architekten Johann Siegele (1849–1908), der ursprünglich aus Tirol stammte und 1888 Amalia Siegele aus Todtnau, geb. Kirner (1860 – 1937) heiratete. Franz war das zweite von 12 Kindern.Vgl. Schmid, Ulla K.: Vom Wandergesellen zum Stadtbaumeister: Architekt Johann Siegele. In: Jahrbuch der Stadt Schopfheim 2022. Schopfheim 2023, S. 88
Siegele wuchs in Schopfheim auf, Hauptstraße 19 (Haus abgerissen um 1973). 1904 zog die Familie in die vom Vater gebaute „Villa Amalia“ in die Amalienstraße 3 um. Franz Siegele lebte hier nur bei Heimataufenthalten. Ohnehin zog die seit 1908 in Brixen lebende Mutter (Johann Siegele war in Brixen Stadtbaumeister geworden, starb aber nach einem Arbeitsunfall) 1910 wieder nach Schopfheim, zunächst in die Hauptstraße 19, ab 1927 wieder in der Amalienstraße Nr. 3, da das Haus immer noch der Familie gehörte. Die Mutter zog mit den drei jüngsten Kindern 1936 nach Leutershausen/Hirschberg, Bergstraße, wo sie 1937 starb.Vgl. Schmid, Ulla K.: Vom Wandergesellen zum Stadtbaumeister: Architekt Johann Siegele. In: Jahrbuch der Stadt Schopfheim 2022. Schopfheim 2023, S. 87–93
Um 1903 ging Siegele an die damalige Baugewerkeschule (heutige Hochschule für Technik Stuttgart) nach Stuttgart und begann Architektur zu studieren.Vgl. Vollmer, Hans: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Bd. 4, S. 277 Er brach das Studium nach einem halben Jahr ab und wechselte an die damalige Kunstgewerbeschule (heutige Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart) über, wo er von 1903 bis 1906 studierte.Biografische Notiz im Stadtarchiv der Stadt Schopfheim; recherchiert und zusammengestellt vermutlich von dem damaligen Vorsitzenden des Museumsvereins, Rolf Hans Brüderlin, der diese Notiz für eine Ausstellung 1985 erstellt hatte.
1906 zog Siegele nach München um (lebte in der Türken- und der Schellingstraße), studierte aber nicht an die Kunstakademie,Vgl. Matrikel-Verzeichnis https://matrikel.adbk.de/schueler-a-z/#c12=S&b_start=1200 sondern lernte als Schüler u. a. bei Gebhard Fugel (1863–1939),Bei Vollmer falsch als „Fügel“ angegeben. Maximilian Dasio (1865–1954), Richard Kaiser (1868–1941),Richard Kaiser. In: mbl.ub.ovgu.de hauptsächlich bei Michael Zeno Diemer (1867–1939).Vgl. Vollmer, Hans: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Bd. 4, S. 277. Vgl. auch die Briefaussagen gegenüber seiner späteren Frau Lissa, abgedruckt in „Das Bild“ (Karlsruhe), 5 (1935), S. 191 f. Diemer, der über 700 Postkartenmotive gestaltet hat, machte Siegele auf die Möglichkeiten des Gelderwerbs über den Postkartendruck aufmerksam.
Seinen Lebensunterhalt verdiente er teilweise auch als erster Violinspieler einer Musikergruppe und als Violinist bei größeren Konzerten.
In den Jahren 1909 und 1910 verbrachte Siegele die Ferien und hohen Feiertage in Güglingen, Oberamt Brackenheim Württemberg, das heute zur Stadt Sachsenheim gehört. Hier entstanden zahlreiche Motive für Postkarten. Siegele erhielt 1910 im Rathaus von Güglingen eine Ausstellung, die u. a. zu einem Auftrag für ein Plakat und einer Postkartenserie für den damaligen Verein für Fremdenverkehr der Stadt Lauffen am Neckar führte.Vgl. Karl Heidinger: Der Maler und Grafiker Franz Siegele im Zabergäu und Umgebung. In: Zeitschrift des Zabergäuvereins. 2003, S. 29–44, hier S. 37, (PDF) mini|Siegele, Franz; (Altstadtszene), Kreide/Pastell auf Papier. Unten rechts signiert „F. Siegele 1910 München“. 56 × 38 cm, aufgezogen auf Malpappe. Dargestellt ist die damalige Hauptstraße (heute Zabergäustraße) von Kleingartach, heute Stadtteil der Stadt Eppingen; Privatbesitz Von 1913 bis 1915 lebte er in Gauting (im Würmtal bei München).
Da sein Vater Tiroler war, wurde Siegele 1915 zu den österreich-ungarischen Kaiserjägern eingezogen. 1915 bis Mitte 1916 war er in Prag als Kraftwagenfahrer stationiert, dann 2,5 Jahre in Kronstadt (dem heutigen Brașov, Siebenbürgen/Rumänien) und Umgebung. In Rumänien bestimmte ihn sein Hauptmann neben seinen Kraftwagentransporten als Frontmaler. Zahlreiche seiner Arbeiten von Siebenbürgen wurden vom ungarischen Kriegsarchiv (das im heutigen Österreichischen Staatsarchiv aufgegangen ist) gekauft.Vgl. Brief an seine Frau Lissa, abgedruckt in „Das Bild“ (Karlsruhe), 5/1935, S. 192
1921 heiratete Siegele Gertrude Rescher (* 20. März 1903 in Stuttgart, † an den Folgen eines Suizids am 20. September 1941 in München); die Ehe wurde vor 1926 geschieden.
1924 bis 1929 lebte Siegele in Starnberg.Handbuch des Kunstmarktes: Kunstadressbuch für das Deutsche Reich, Danzig und Deutsch-Österreich — Berlin: Antiqua Verl.-Ges. Kalkoff, 1926, S. 95; Vgl. Angabe im Katalog Münchener Kunstausstellung 1929 im Glaspalast
Anfang der 1930er Jahre heiratete Siegele Lissa (1887–1978, begraben auf dem Friedhof von Holzhausen/Utting am Ammersee)
In der Zeit des Nationalsozialismus war Siegele Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Für diese Zeit ist seine Teilnahme an 16 Gruppenausstellungen sicher belegtMartin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000; S. 562 und passim, darunter 1940 in Berlin die Frühjahrsausstellung des Frontkämpferbundes bildender Künstler und 1938 und 1939 die Große Deutsche Kunstausstellung in München. Dort erwarb Hitler 1938 die Zeichnung "Die Bergen Brücke". Wegen der Bilderfolge „Bayerische Ostmark“ verbrachte Siegele 1937 immer wieder Zeit in Ostbayern und Viechtach, Flossenbürg. In den 1930er Jahren lebte er mit Unterbrechungen und als Gast der Pharmazeuten-Familie Taeschner, in Kipfenberg/Altmühltal,Nach Angaben zur Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst, München, https://www.gdk-research.de/de/obj19403382.html wo zahlreiche Arbeiten entstanden.Amts- und Mitteilungsblatt des Marktes Kipfenberg, 1. Januar 2013mini|Ansicht von Viechtach (Niederbayern). 1944. 49,5 x 65 cm, Mischtechnik/Papier. Privatbesitz Einige Landschaftsbilder (etwa die Ansicht von Viechtach von 1944) entstanden während des Zweiten Weltkrieges. Mindestens von 1940 bis 1950 lebte Siegele mit seiner Frau in Utting am Ammersee,Zahlreiche Tagebucheintragungen Adolf Münzers belegen die Freundschaft und gegenseitigen Besuche. Die Tagebücher Münzers werden z. Zt. von Florian Münzer, einem Enkel Adolf Münzers, transkribiert und für eine Veröffentlichung vorbereitet. ab ca. 1950 bis zu seinem Tod 1955 in Holzhausen am Ammersee, Adolf-Münzer-Str. 12, im sog. „Sommerhaus“ von Adolf Münzer, einer zentralen Figur innerhalb der Künstlergruppe „Die Scholle“. Ab 1945 gehörte Siegele zum Kreis von Künstlern, die sich um die Neugründung der Münchner Künstlergenossenschaft bemühten. Diese gab es nach 1945 gleich zweimal, einmal die latent modernere von Carl Theodor Protzen und dazu die eher rückwärtsgewandte von Constantin Gerhardinger. Für letztere bat Siegele als Mitunterzeichner das Kultusministerium um finanzielle Unterstützung.Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Akten des Kultusministeriums. BayHStA, MK 51591: MKG (Gerhardinger) an das Bayerische Ministerium für Unterricht und Kultus, 17.5.1955. Vgl. dazu: „Carl Theodor Protzen, Maler der Reichsautobahnen“, in: Wolfgang Brassat (Hrsg.): Die Stunde der Heimatmaler. Fritz Bayerlein, die „Gottbegnadeten“ und die NS-Kulturpolitik, Petersberg 2024. S. 161–173
Drucke und Publikationen (Auswahl) mini|Gasse in Oberammergau. Aus: Oberammergau. Von Dr. Aloys Dreyer (München). Mit sechs Abbildungen von Franz Siegele. In: Westermann Monatshefte, 66. Jahrgang, Juni/August 1922, S. 361 1922: Oberammergau. Von Dr. Aloys Dreyer (München). Mit sechs Abbildungen von Franz Siegele. In: Westermann Monatshefte, 66. Jahrgang, Juni/August 1922, S. 357–362 mini|Am Neckar (Schloss Klingenberg). Eins von acht Motiven aus einer Postkartenserie für den Wiechmann-Verlag mini|Ammerland. Aus: Starnberger See. Mit 16 Original-Skizzen auf Zink – von Franz Siegele. Verlag Karl Gerlinghaus, München-Planegg, 1924, S. 3 Ca. 1923: (Postkarten-)Verlag Hermann Wiechmann (München), Bildkarten Sammlung 140. Acht Zeichnungen von Franz Siegele.
1924: Starnberger See. Mit 16 Original-Skizzen auf Zink – von Franz Siegele. Verlag Karl Gerlinghaus, München-Planegg, 1924 mini|Schema einer Talsperre (Möhnetalsperre). Aus: Schuldwandbilder. Aus der Reihe: Der praktische Schulmann 1926 ff., Verlag Keller & Nehmann, Stuttgart. 1926/1932: Schuldwandbilder. Aus der Reihe: Der praktische Schulmann 1926, Verlag Keller & Nehmann, Stuttgart.
1934/1935 mit Maler Otto Flechtner Projekt eines Kalenders (27 × 25,5 cm) „Deutsch ist die Saar“, für den Verlag Carl Neumeister (Bayreuth), über das 1934 noch als Mandatsgebiet des Völkerbundes gehörige Saargebiet, das per Volksentscheid im Januar 1935 zum Deutschen Reich kam. Der Kalender erscheint nicht, aber Siegele publiziert seine Bilder als Lithographien, die er nachkoloriert. Es entstehen 10 Zeichnungen/Lithographien.Vgl. Antiquariat Martin Barbian & Grund, z. B.: Landschaftsansicht mit kleinem Bachlauf bei Homburg - Einöd., abgerufen am 28. August 2025 mini|Titelblatt von Franz Siegele, Ostmärkische Grenzburg Flossenbürg. Aus: Jugend. Sondernummer Ostmark. 29 (1937). 1937: Jugend. Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben, Sondernummer: Bayerische Ostmark;„Nach dem Ersten Weltkrieg eingeführte Bezeichnung für Niederbayern, Oberpfalz und Oberfranken, die namensgebend für den 1933 gebildeten NS-Gau ‚Bayerische Ostmark‘ wurde.“ Bayerische Ostmark, 1933-1945, abgerufen am 28. August 2025 Jg. 1937, Nr. 29: Frontblatt; S. 450, 451, 456, 457, 460, 489 mini|Brückenbau über die Havel bei Phöben am Zernsee. Berlin-Ring-Westtangente. Abbildung aus dem Reichautobahn-Kalender, veröffentlicht in: Siegele, Franz: Der Reichsautobahn-Kalender. In: Das Bild. Monatsschrift für das deutsche Kunstschaffen. Bd. 8 (1938), S. 47 1938: Siegele, Franz: Der Reichsautobahn-Kalender. In: Das Bild. Monatsschrift für das deutsche Kunstschaffen. Bd. 8 (1938), S. 46–50. Mit 4 Abbildungen.
1938–1942: Die Straßen Adolf Hitlers. Reichsautobahn-Kalender. Hg. mit Genehmigung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen. 53 Originalgraphiken von Otto Flechtner und Franz Siegele. Neumeister (Bayreuth), 5 Jahresausgaben.
Zahlreiche Abdrucke von Bildern in Paul Kellers „Bergstadt“, in „Das Bild. Monatsschrift für das Deutsche Kunstschaffen in Vergangenheit und Gegenwart“ und in „Westermanns Monatsheften“.Vgl. Auflistung bei Vollmer, Hans: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Bd. 4, S. 277.
Der Reichsautobahn-Kalender Zu Siegeles wichtigsten Arbeiten dürften die Zeichnungen für den Reichsautobahn-Kalender zählen, der von 1938 bis zum Jahre 1942 erschien. Siegeles Beteiligung ging auf seinen Kollegen Otto Flechtner zurück, der als Illustrator für den „Simplicissimus“, „Jugend“ und „Fliegende Blätter“, in den 30er Jahren hauptsächlich für die rechtsnationale Zeitschrift „Brennessel“ gearbeitet hatte und seit 1935 in Utting (Ammersee) SA-Sturmführer und Ortsgruppenleiter der NSDAP war.Flechtner war mit der Schwester des Malers, Rechtsanwalts und ersten Häftlings des KZ-Dachau, Carl Bastian, Margret, verheiratet. Die Ehe zwischen Margret und Otto Flechtner wurde bald nach dem Krieg kinderlos geschieden.