Eva-Maria Thüne (Eva Taylor) (* 29. Dezember 1956 in Heilbad Heiligenstadt) ist eine deutsche Germanistin und Autorin.

Leben Eva-Maria Thüne ist in Hannover aufgewachsen. Nach dem Abitur begann sie das Studium an der Universität Heidelberg, das sie – nach einem Semester an der Universität Frankfurt a. M. – dort fortsetzte und 1982 mit dem 1. Staatsexamen (Germanistik und Philosophie) abschloss. Danach war sie Lektorin im Fach Deutsch als Fremdsprache in Italien, 1982/83 an der Universität Macerata und 1983/84 an der Universität IULM in Mailand. 1984 kehrte sie nach Deutschland zurück und legte nach dem Referendariat in Osnabrück 1986 das 2. Staatsexamen ab. Gleichzeitig begann sie ein Studium der Italianistik und promovierte 1990 an der Universität Osnabrück mit einer Doktorarbeit (Dr. phil.) zum Thema: Dichtung als Widerspruch - Zur Entwicklung poetologischer Positionen bei Franco Fortini; die Arbeit wurde mit dem Preis der Akademie Meran für Forschung, Bildung und Kultur ausgezeichnet.

Von 1986 bis 1992 war Thüne DAAD-Lektorin an der Universität Pisa; danach unterrichtete sie von 1992 bis 1996 an der Universität Verona, seit 1997 ist sie Professorin an der Alma Mater Universität Bologna.

Eva-Maria Thüne ist mit dem Briten Peter Taylor verheiratet und lebt in Italien und Deutschland.

Forschung Eva-Maria Thüne hat sich mit der Didaktik von Deutsch als Fremdsprache auseinandergesetzt und mit der Aus- und Fortbildung von Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen in Italien. Zum Thema der Interkulturalität gründete sie beim italienischen Verlag Aracne die Reihe LisT (Lavori interculturali sul tedesco, Interkulturelle Arbeiten zum Deutschen). Zusammen mit Simona Leonardi (Universität Genua) hat sie ein MOOC zu „Deutsch als plurizentrische Sprache“ (Il tedesco in prospettiva pluricentrica) entwickelt, das auf der Plattform federica.eu der Universität Federico II, Neapel, aufgerufen werden kann. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Mehrsprachigkeit, zentral dabei die Auseinandersetzung mit Sprachbiografien; in Forschungsgruppen zum Thema („Orte und Erinnerung“, „Heteroglossia“). Außer zahlreichen Veröffentlichungen dazu hat sie 2017 in Großbritannien ein Interviewkorpus gesammelt: Flucht und Emigration nach Großbritannien (FEGB), das über die Datenbank für Gesprochenes Deutsch zugänglich ist. Im Buch Gerettet. Berichte von Kindertransport und Auswanderung nach Großbritannien sind Auszüge aus den Interviews veröffentlicht, eine Webseite informiert über das Projekt. Eva-Maria Thüne hat auch den Text Die Schlacht um den Hügel. Eine Chronik aus Fiesole im August 1944 der Schriftstellerin und Kunsthistorikerin Hanna Kiel entdeckt und herausgegeben, in dem Kiel die letzten Wochen der deutschen Besatzung auf den Hügeln von Florenz beschreibt.

Ein Überblick der wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf der Webseite der Universität Bologna.

Literarisches Werk Eva-Maria Thüne hat als Eva Taylor literarische Texte sowohl auf Deutsch als auch auf Italienisch veröffentlicht. Intertextualität und Selbstübersetzung sind wichtige Themen für sie.

Auf Italienisch sind seit 2006 mehrere Lyrikbände und ein Roman erschienen: 2006 L'Igiene della Bocca, Edizioni l’Obliquo, Brescia 2010 Volti di parole, Edizioni l’Obliquo, Brescia 2015 Carta da zucchero, (Roman) Fernandel, Ravenna 2019 Lezioni di casa, Arcipelago Itaca, Ancona 2022 Colori tra parentesi, Edizioni l’Obliquo, Brescia 2023 La volpe dentro, MC Edizioni, Milano

Für den Verleger Giorgio Bertelli in Brescia übersetzte sie Texte von Unica Zürn aus dem Deutschen ins Italienische. Sie gehört zur Gruppe der internationalen Lyrikerinnen Compagnia delle poete. Außerdem finden sich Texte von ihr in verschiedenen Anthologien.

Neben Veröffentlichungen in Zeitschriften wie Ort der Augen und Signum hat sie einen ersten Band mit deutscher Lyrik im Jahr 2008 in einer bibliophilen Ausgabe des niederländischen Verlegers Eric van der Wal unter dem Titel Schneebuch veröffentlicht (Lektorat: Hans Georg Bulla). Im Jahr 2010 erschien in der San Marco Handpresse der Band Gartenarbeit mit Radierungen von Peter Marggraf.

In der San Marco Handpresse sind im Jahr 2011 auch Eva Taylors Übersetzungen von Gedichten von Anna Maria Carpi erschienen, Venedig hiess es. Übersetzungen von Elisa Biagini auf Lyrikline.

2025 ist beim Wehrhahn Verlag ihr Gedichtband Im Wundertal als Teil der Lyrikedition Hannover (Herausgeber: Bert Strebe) herausgekommen.

Es gab Übersetzungen ins Englische, Französische, Spanische und Katalanische.

Stipendien und Auszeichnungen 2023 Aufenthalt in der Fondazione Casa Atelier Bedigliora (CH) 2020 Premio di poesia Ponte di Legno (für Lezioni di casa) 2019 Premio Arcipelago Itaca (für Lezioni di casa) 2015 Premio letterario internazionale Merano Europa (2. Preis für “Staubblau”) Premio Gelmi di Caporiacco (für Carta da zucchero) 2014 InediTO-Colline di Torino (für das Manuskript von Carta da zucchero) 2008 Poetry Fellow der Fondazione Bogliasco (Genova).

Weblinks Eva-Maria Christina Charlotte Thune, bei Universität Bologna Eintrag im DAAD-Germanistenverzeichnis Das Projekt „Gerettet“ zum Kindertransport und zur Emigration von Kindern und Jugendlichen 1938/39 nach Großbritannien: https://gerettet2019.wordpress.com/ Literatur von und über Eva-Maria Thüne im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: https://d-nb.info/gnd/11237073X Homepage von Eva Taylor: https://www.evataylor.eu/ Literatur von und über Eva-Taylor im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: https://d-nb.info/gnd/1028638086

Webseite der Universität Bologna. Abgerufen am 28. August 2025.

Einzelnachweise

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