mini|Topografische Karte mini|Sechseck-Becken in den Golanhöhen mini|Sechseck-Becken des Wadi el-Hawa mini|Detail der Basaltwand Die Golanhöhen (, , ; gräzisiert Γαυλανίτις, Gaulanitis) sind im geographischen Sinne ein hügeliger Landstrich im Nahen Osten.

Geographie und Bevölkerung Bei den Golanhöhen im geographischen und geologischen Sinne handelt es sich um ein basaltisches Hochplateau vulkanischen Ursprungs zwischen dem See Genezareth und der syrischen Hauptstadt Damaskus, das durch den Jarmuk im Süden, den See Genezareth und die Chulaebene im Westen, den Hermon im Norden und den Wadi ar-Ruqqad im Osten begrenzt ist.

Ein großer Teil des Gebiets liegt etwa bei , die Fläche beträgt bei einer Länge von 60 km und einer Breite von 25 km insgesamt ca. 1.500 km². Die höchste Erhebung ist im Norden der Hermon mit 2814 Metern. Durch die Höhe liegt im Winter so viel Schnee, dass bei der israelischen Siedlung Newe Atiw ein Skigebiet eingerichtet werden konnte. Im Nordosten befindet sich ein erloschener Vulkan, der Bental, mit einer Höhe von 1171 Metern.

Die größte Stadt der Golanhöhen war das syrische Quneitra, das von der israelischen Armee während des Sechstagekrieges 1967 besetzt wurde. Vier Kilometer westlich wurde 1967 der Kibbuz Merom Golan gegründet, der im Krater des Har Bental liegt. Im Jom-Kippur-Krieg 1973 wurde die Stadt von der syrischen Armee zwischenzeitlich zurückerobert. 1974 zog sich die israelische Armee, die den syrischen Angriff zurückgeworfen hatte, aus der Stadt zurück. Die Stadt wurde bis heute nur zu geringen Teilen wiederaufgebaut. Der israelische Hauptort des Golan ist Katzrin. Insgesamt wohnen auf den Golanhöhen Stand 2021 etwa 25.000 israelische Siedler in 33 Städten und Dörfern sowie ca. 23.000 Drusen in einem kleinen Gebiet mit vier Dörfern im Norden des Golan.Israel approves plan to double settler population in Golan Heights france24.com (engl.) vom 26. Dezember 2021, abgerufen am 18. Januar 2024.

Die Böden des Golan sind sehr steinig, große Flächen sind vermint. Die Niederschläge sind vergleichsweise hoch. Israel bezieht einen Großteil seines Trinkwassers indirekt (über den Jordan und den See Genezareth) von den Golanhöhen. 8.100 Hektar Land werden landwirtschaftlich genutzt, unter anderem für den Weinbau. Weitere 46.575 ha dienen als Weideland für zirka 15.000 Rinder und 5000 Schafe, die für die Milch- und Fleischproduktion genutzt werden.

Geschichte Die Besiedlung reicht bis weit in die Urzeit zurück. Jüngste Funde zeigen, dass bereits der Homo neanderthalensis in dieser Region seine Spuren hinterlassen hat.

Vor allem im Zusammenhang mit biblischen Erzählungen wird die gräzisierte Namensform Gaulanitis verwandt, die von der Übersetzung der Bibel ins Griechische (Septuaginta) herrührt. In der hebräischen Bibel wird der Golan der Eisenzeit (1000 bis 800 v. Chr.) mit dem Fürstentum Geschur in Verbindung gebracht. Eine jüdische Besiedlung der Golanhöhen reicht bis in die Antike zurück. Ähnlich wie in Masada am Toten Meer gab es in Gamla (Gamala) eine Festung von Zeloten, die allerdings von den Römern im Jahr 67 nach relativ kurzer Zeit eingenommen wurde. Unter dem politischen, wirtschaftlichen und religiösen (vor allem im Byzantinischen Reich) Druck der herrschenden Mächte schwand, wie überall im Nahen Osten, die jüdische Bevölkerung. Das Gebiet wurde von Arabern und Drusen besiedelt.

Um 1900 wurden auf den Golanhöhen jüdische Siedlungen gegründet. 1923 wurden in einem Abkommen zwischen England und Frankreich die Golanhöhen vom britischen Mandatsgebiet Palästina abgetrennt und dem französischen Mandatsgebiet Syrien und Libanon angeschlossen. Im Unterschied zum britischen bestanden für das französische Mandatsgebiet keine Bedingungen über eine Förderung zionistischer Interessen. Alle jüdischen Siedlungen wurden Anfang der 1920er-Jahre aufgegeben.

Die Golanhöhen wurden von Syrien als militärischer Stützpunkt genutzt, von dem aus immer wieder israelische Gemeinden beschossen wurden. Dies galt insbesondere für die an den Golan grenzenden israelischen Dörfer in den entmilitarisierten Zonen, welche im Zuge des Waffenstillstandsabkommens von 1949 eingerichtet wurden. Arabische Versuche, diese Gebiete zu besiedeln, wurden wiederum von Israel verhindert. mini|Österreichischen Kibbuz-Freiwilligen werden in Ein Hashofet Relikte der Golan-Schlacht von 1967 gezeigt, Sommer 1973 Während des Sechstagekriegs eroberte Israel die Golanhöhen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte Israel im November 1967 in seiner Resolution 242 zum Rückzug aus besetzten Gebieten auf – im Gegenzug für eine Anerkennung Israels und die Respektierung seines Rechts auf Sicherheit. Während des Krieges und danach flohen bis auf die Drusen, welche größtenteils dort weiter wohnen, nahezu alle arabischen Bewohner aus dem Gebiet. Schätzungen liegen dabei zwischen 80.000 und 131.000The Arab Centre for Human Rights in the Golan Heights: NGO Report, OHCHR.org, 25. Januar 2007, S. 3. Personen, die nach israelischen und amerikanischen Quellen flohen bzw. laut der syrischen Regierung größtenteils vertrieben wurden. Ein Grund für das Verbleiben der Drusen war, dass seit den Zeiten des britischen Mandats relativ gute und friedliche Beziehungen zwischen den Drusen und der jüdischen Bevölkerung und Führung bestanden.

Noch vor dem Westjordanland begann auf den Golanhöhen im Juli 1967 mit der Gründung des Kibbuz Merom Golan die israelische Besiedlung,Neve Gordon, Moriel Ram: Ethnic cleansing and the formation of settler colonial geographies. (PDF; 619 kB) In: Political Geography, Heft 53 (2016), S. 20–29, hier S. 23 (englisch), abgerufen am 5. Juni 2018 die vom Weltsicherheitsrat in seinen Resolutionen 446 und 452 von 1979 ausdrücklich als illegal verurteilt wurde. Zwar konnte Syrien Teile des Golans im Jom-Kippur-Krieg 1973 zunächst wieder besetzen, doch gingen diese Gebiete im weiteren Verlauf der Kämpfe erneut verloren. In seiner Resolution 338 vom Oktober 1973 forderte der UN-Sicherheitsrat außer einem Waffenstillstand die Umsetzung aller Teile der Resolution 242, also auch den israelischen Rückzug. Im folgenden Jahr schlossen Israel und Syrien ein Waffenstillstandsabkommen; außerdem wurde eine Pufferzone eingerichtet, die von den Vereinten Nationen (UNO/UN) unter die Aufsicht der „UN-Blauhelme“ von der United Nations Disengagement Observer Force (UNDOF) gestellt wurde. Die 1967 von den Israelis besetzte Stadt Quneitra liegt in dieser Pufferzone. 1979 bot Israel den Drusen auf dem Golan die Möglichkeit an, die israelische Staatsbürgerschaft zu erwerben, was aber nur von wenigen Drusen angenommen wurde. In den Jahren 1981/1982 kam es stattdessen zu massiven Protesten der Drusen gegen Israel. Es wurde unter anderem auch die Rückgabe des Gebiets an Syrien gefordert.Peggy Klein: Die Drusen in Israel, Tectum Verlag, Marburg, 2001, S. 50, 70 und 71 mini|Die verlassene Stadt Quneitra in der Pufferzone, September 2001

Am 14. Dezember 1981 wurde in Israel ein Gesetz erlassen, das dort geltende Gesetze auf die Golanhöhen ausweitete und diese unter die Verwaltungshoheit Israels stellte, was einer formellen Annektierung des Golan gleichkam. Am 17. Dezember 1981 erklärte der UN-Sicherheitsrat dieses Gesetz auf einer Sondersitzung in seiner Resolution Nr. 497 für „null und nichtig“ ().

Im Jahr 2000 scheiterten Verhandlungen über die Golanhöhen mit Syrien unter der israelischen Regierung von Ehud Barak (1999–2001). Die darauffolgende Regierung unter Ariel Scharon (2001–2006) kündigte im Januar 2004 an, in neuen jüdischen Siedlungen, die im Golan errichtet werden sollten, weitere 900 Familien ansiedeln zu wollen. Die Absicht dieser Regierung war es, die israelische Bevölkerung dort innerhalb von drei Jahren zu verdoppeln.Die Golan-Höhen gehören uns. In: Tagesspiegel, 2. Januar 2004

Am 3. November 2012 drangen im Zusammenhang des 2011 ausgebrochenen Bürgerkriegs in Syrien drei Panzer der syrischen Regierung, begleitet von zwei gepanzerten Transportfahrzeugen, in die demilitarisierte Zone auf den Golanhöhen ein., tagesschau.de, 3. November 2012, abgerufen am 4. November 2012 Dabei lieferten sie sich ein längeres Feuergefecht mit syrischen Rebellen in der Ortschaft Bi’r Adscham. Schon zuvor waren syrische Mörsergranaten in der demilitarisierten Zone eingeschlagen. Israel legte daraufhin bei der in der demilitarisierten Zone stationierten UN-Friedenstruppe Beschwerde ein.Syrische Panzer dringen auf Golanhöhen vor, spiegel.de, 3. November 2012, abgerufen am 4. November 2012 Zwei Tage später wurde nach Angaben der israelischen Streitkräfte ein Armeefahrzeug auf den Golanhöhen nahe der Demarkationslinie von mehreren aus syrischem Gebiet abgefeuerten Geschossen beschädigt. Ob diese Schüsse von der syrischen Armee oder von den Rebellen abgegeben wurden, konnte nicht ermittelt werden.Syrische Kugeln treffen israelisches Armeefahrzeug, spiegel.de, 5. November 2012, abgerufen am 6. November 2012 Am 11. November wurde ein israelischer Grenzposten auf den Golanhöhen von einer syrischen Mörsergranate getroffen. Schon zuvor waren einige Geschosse der syrischen Armee auf den Golanhöhen eingeschlagen. Zwar wertete die israelische Regierung den Beschuss als Versehen, doch feuerten die israelischen Streitkräfte als Warnung noch am selben Tag mindestens eine Panzerabwehrrakete auf syrisches Territorium ab. Erneut legte die israelische Regierung zudem bei der auf den Golanhöhen stationierten UN-Truppe Beschwerde ein.Israel feuert Warnschüsse auf Syrien, spiegel.de, 11. November 2012, abgerufen am 12. November 2012 Einen Tag später reagierte die israelische Armee auf eine syrische Granate, die in der Nähe eines israelischen Militärpostens eingeschlagen war, indem sie die für den Beschuss verantwortliche Artillerieeinheit mit Panzern unter gezieltes Feuer nahm.

Am 27. Juli 2024 traf eine – laut israelischer Darstellung durch die Hisbollah – aus dem Südlibanon abgefeuerte Rakete einen Fußballplatz der Stadt Madschdal Schams, wobei mindestens zwölf drusische Kinder und Jugendliche getötet sowie rund 30 Personen verletzt wurden.

Politische und militärische Bedeutung mini|Die Golanhöhen mini|Wirtschaft und Landnutzung (Stand 1993) mini|Von UNDOF-Truppen bemannter Grenzübergang zwischen israelisch und syrisch kontrolliertem Gebiet bei Quneitra (2012) Israel macht für die Besetzung militärstrategische und die Wasserversorgung betreffende Gründe geltend. Von Stellungen auf den Golanhöhen könnte die syrische Artillerie weite Teile Nordisraels beschießen, was sie vor der israelischen Besatzung 1967 auch regelmäßig tat.. Website der NGO Committee on Disarmament, Peace and Security. Ab 1964 versuchte Syrien, das Wasser des Jordan durch Umleitung der nicht auf israelischem Gebiet liegenden Quellflüsse des Jordan, Banyas und Hasbani, vermehrt selbst zu nutzen.Weder Krieg noch Frieden. In: Die Zeit, Nr. 23/1965 Die vollständige oder teilweise Rückgabe der Golanhöhen an Syrien soll nach israelischer Position nur im Zuge eines vollwertigen Friedensvertrages erfolgen, der auch Lösungen für diese Fragen einschließt. Einige Annäherungsversuche zwischen Israel und Syrien waren im Jahr 2000 gescheitert. Mehrere israelische Ministerpräsidenten haben ihre grundsätzliche Bereitschaft zu territorialen Kompromissen signalisiert. Im Dezember 2003 schlug der syrische Präsident Baschar al-Assad zunächst erfolglos eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Israel vor. Obwohl die israelische Regierung offizielle Kontakte zu Syrien verneinte, fanden seit 2004 indirekte Gespräche zwischen beiden Staaten unter türkischer Vermittlung statt. Im Mai 2008 gaben die syrische und die israelische Regierung bekannt, offizielle Friedensgespräche aufzunehmen, in denen die Rückgabe der Golanhöhen im Zentrum der Verhandlungen stehen sollten.

Ansprüche der Hisbollah