Unterrath ist ein Stadtteil im Norden der inneren Peripherie Düsseldorfs.
Geographie Unterrath liegt im Rheinland bzw. im historischen Territorium des Bergischen Landes.
Unterrath grenzt an die weiteren Stadtteile Lohausen, Lichtenbroich, Rath, Mörsenbroich, Derendorf und Stockum (von Norden im Uhrzeigersinn). Die entsprechende umlaufende Grenze bilden weitgehend die Straßen Flughafenstraße, Kieshecker Weg, Lichtenbroicher Weg, Theodorstraße, A 52/B 1, Höxterweg, An der Piwipp, Thewissenweg, Deikerstraße und Am roten Haus.Landeshauptstadt Düsseldorf: Statistisches Jahrbuch 2009, 107. Jahrgang. Amt für Statistik und Wahlen, Düsseldorf 2009, Rn. 035 062 Unterrath, Rn. 032 Die Stadtbezirke und Stadtteile am 31. Dezember 2008. Vergleiche auch in OpenStreetMap: Relation: Unterrath (91283). Den Stadtteil durchquert in nördlicher Richtung der Kittelbach, ein Arm der nördlichen Düssel.
Stadtteilbeschreibung Unterrath ist ein Stadtteil im Wandel. War Unterrath bisher eher ein überwiegender Wohnstadtteil für die ältere Bevölkerung, findet gerade zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Umorientierung statt.Stadtbezirk 6, Infos zu den Stadtteilen (Unterrath anklicken). Website der Landeshauptstadt Düsseldorf. Abgerufen am 15. April 2025. Es überwiegen Reihen- und Doppelhäuser sowie freistehende Einfamilienhäuser. Oft findet sich ältere Bausubstanz. Der Stadtteil wird durch zahlreiche kleine Grünflächen aufgelockert, was anschaulich in Luftaufnahmen zu erkennen ist. Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung liegt mit 45 Jahren und 5 Monaten (Stand 2007) 2 Jahre und 3 Monate über dem der gesamten Stadt.Amt für Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Düsseldorf (Stand Dezember 2007): . Der Ausländeranteil ist mit 10,58 % im Vergleich zum gesamtstädtischen (17,19 %) geringer. Ein hoher Anteil der Bevölkerung pendelt zur Berufsausübung in andere Stadtteile oder Städte. An den großen Hauptverkehrsstraßen, den Ein- und Ausfallstraßen im Norden, entstehen neue Bauwerke, Büroviertel und Gewerbeflächen. So hat sich auch der Komplex des Düsseldorfer Flughafens ausgehend von Lohausen nach Unterrath erweitert. Der Unterrather Friedhof liegt an der Unterrather Straße.
Geschichte Urgeschichte, Antike Funde von Artefakten weisen auf die Fauna der Eiszeit vor rund 14.000 Jahren,Julia Brabeck: Wie Falko ein Mammut fand. In: Rheinische Post, 15. Januar 2010, D 4. 5.000 Jahre Kulturgeschichte im Düsseldorfer Norden,J. A. E. Heimeshoff: Ausstellung „Vom Steinbeil zum Schmelzofen-5.000 Jahre Kulturgeschichte im Düsseldorfer Norden“. In Düsseldorfer Jahrbuch, Band 78, S. 369–370, Droste 2008. frühe Siedlungen in der EisenzeitJost Auler: Eine Hofstelle aus der älteren vorrömischen Eisenzeit zwischen Düsseldorf und Ratingen. In Düsseldorfer Jahrbuch, Band 75, S. 431–442, Droste 2005. und keltische Landnahme hin (vergleiche Geschichte der Stadt Düsseldorf). In vorgeschichtlicher Zeit zeigte sich dieses Gebiet geprägt durch den Rhein als Wald- und Bruchlandschaft. Letzteres gründete einerseits im Mäandrieren des Rheins um sein heutiges Bett in östlicher Richtung bis längs des Aaper Waldes. So verlief im Talgrund des heutigen Kittelbachs ein Stromarm. Andererseits führte der Rhein immer wieder Hochwasser oder Eisgang, was zu starken Überschwemmungen führte. Zu römisch-germanischen Zeiten wurde das sehr wildreiche Gebiet zu Jagdzügen genutzt. Hier haben sich die Tenkterer aufgehalten, die später im Stammeskonglomerat der Rheinfranken aufgingen.
Mittelalter mini|Rittergut Volkardey () um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Erste ausdrückliche urkundliche Erwähnung findet das noch einheitlich „Rath“ genannte Gebiet 1072 durch die Übertragung des Lehens des ehemaligen Reichsministerialen Guntram in der „villa Rothe“ als Eigentum durch den Salier König Heinrich IV. an das Stift Kaiserswerth.. In: Heinrich Kelleter: Urkundenbuch des Stiftes Kaiserswerth, Bonn 1904, hier Nr. 9 Seit 910 lag Unterrath, der Kern der einstigen Honschaft „Rath“, in der Grafschaft Konrads im Ostfrankenreich. Bereits in einer Schenkung des letzten Karolingerkönigs dieses Reichs Ludwig das Kind von 904 werden zu Mettmann genannt.T. J. Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. Band 1, Düsseldorf 1840, S. 45, Nr. 83. Bei dem „zweiten Königshof“ handelt es sich um „Rath“. Aus der Urkunde ergibt sich zudem, dass der Ort bereits früher an das Stift Kaiserswerth begütert war. Dieser Königshof bzw. Fronhof „Rath“ ist weit vor seiner ersten urkundlichen Erwähnung, noch vor seiner Übernahme durch Karl den Großen, während der zweiten Fränkischen LandnahmeGuntram Fischer, Lohausen und Stockum. Düsseldorf 1989, S. 42. errichtet worden.
Die Siedlung diente im Fränkischen Reich anfänglich inmitten eines großen Waldgebietes in Austrasien zur Verteidigung gegen die jenseits des Aaper Waldes ansässigen Sachsen und bildete die Keimzelle des heutigen Unterrath. Der Königshof und der umgebende Wald waren Reichsbesitz. Reichsbesitz durfte nicht verkauft werden. Der Name „Rothe“ (heute „-rath“) weist darauf hin, dass die ursprüngliche Siedlung wohl durch Rodung, möglicherweise in der intensiven Rodungsperiode von etwa 500 bis etwa 800, entstanden ist. Um den Königshof herum entstanden in der ersten Hälfte des Mittelalters Motten. In „Rath“ waren dies einerseits abhängige adelige Höfe, darunter die „Große Burg“, „Haus Hain“,H. Ferber: Die Rittergüter im Amte Angermund. In Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Band 7, S. 105–106, Ed. Lintz, Düsseldorf 1893 (Digitalisat). „Heiligendonk“, die „Volkardey“, „Kürten-“, „Gather-“ und der „Hoferhof“.Heinz Baumgarten, Monika von Wrisberg: Archivbilder Düsseldorf – Unterrath und Lichtenbroich. Sutton Verlag, Erfurt 2005. Diese Rittersitze wurden später zu Bauernhöfen, auf denen Gutspächter lebten. Neben den adligen Höfen entstanden auch freie Höfe wie die „Alte Burg“ und der „Ickter Hof“.Günther Binding: Die Motte Ickt in Düsseldorf-Unterrath und ihre Stellung in der niederrheinischen Burgenarchitektur, Düsseldorfer Jahrbuch 1966, S. 200f.Guntram Fischer: Die Ausgrabung der Wallburganlage Ickterhof. In: Rath und Unterrath. Ein Beitrag zur Heimatkunde. S. 82. 1248 gab König Wilhelm dem Grafen von Berg den Hof „Rode“ zu Pfandlehen.T. J. Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. Band 2, Düsseldorf 1846. Damit begann die Herrschaft der bergischen Grafen und Herzöge. „Rath“ war zunächst oberster Haupthof aller Höfe diesseits der Wupper und wurde später vom Amt Angermund verwaltet. Aus dem Heberegister des Amtes von 1620 zu der Naturalabgabe der „Grevenhühner“Jedes schatzpflichtige Wohnhaus, aus dem Rauch aufstieg, musste „Rauchhühner“ abliefern, vergleiche: Guntram Fischer, Lohausen und Stockum. Düsseldorf 1989, Seite 86. ergibt sich, dass die „Hondtschaft Rade“ zu diesem Zeitpunkt aus 28 Häusern bestand.H. Ferber: Die Grevenhühner im Amte Angermund. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Band 8, S. 104–108, Ed. Lintz, Düsseldorf 1894 (Digitalisat). Rechnet man pro schatzpflichtigem Haus durchschnittlich sechs Bewohner, so dürften in der Honschaft Rath zu Beginn des 17. Jahrhunderts circa 168 Menschen gelebt haben. Der Königshof ging im Dreißigjährigen Krieg unter. An die genannten Höfe erinnern heute Straßennamen wie „Am Königshof“.
Neuzeit König Heinrich VII. gestattete dem Stift die Errichtung einer Kapelle in Rath, In: Heinrich Kelleter: Urkundenbuch des Stiftes Kaiserswerth, Bonn 1904, hier Nr. 33. die 1224 geweiht wurde. Zuvor gehörte das Gebiet religiös zur inzwischen zerstörten Kirche St. Walburgis in Kaiserswerth.St. Maria unter dem Kreuze. Website der Katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie Düsseldorf. Abgerufen am 15. April 2025. Die Kapelle wurde 1673 durch eine kleine Kirche abgelöst;Hatto Küffner, Edmund Spohr: Denkmäler in Düsseldorf. Düsseldorf 1985, Band 1, S. 46, Abbildung 37. 1694 wurde dort das Bild „Muttergottes in der Not“ aufgestellt, das später der Gemeinde ihren Namen gab. Unweit entfernt wurde wenig später an der heutigen Ecke Kürtenstraße/Lichtenbroicher Weg die erste und bis 1856 einzige Schule für die Kinder der Gemeinde erbaut.Julia Brabeck: Alte Schule soll weichen. In: Rheinische Post, 15. November 2011, D 4. Gleich neben dem Königshof lag das wohl zeitlich mit der Rather Kapelle von Kaiser Friedrich II. gestiftete älteste Düsseldorfer Kloster „Maria Not“ der Klausnerinnen, das 1347 erstmals urkundlich erwähnt wirdDüsseldorfer Zeitleiste, Zeitraum: circa 1300 bis 1500. Website der Landeshauptstadt Düsseldorf. Abgerufen am 15. April 2025. und später dem Franziskanerinnenorden beitrat. Infolge der Auswirkungen des Reichsdeputationshauptschlusses erhielt die Kapelle zu Rath 1811 den Status einer Pfarrkirche. In räumlicher Nähe haben die „Töchter vom Heiligen Kreuz“ zunächst von 1857 bis 1875 eine Lehr- und Erziehungsanstalt für Mädchen betrieben und errichteten 1881 dann das bis heute bestehende Haus St. Josef für geistig und körperlich behinderte Menschen.
mini|hochkant|links|Gedenkstätte Kartäuserkloster in Unterrath
1869 ging das frühere adelige Rittergut „Haus Hain“, das zu den Vorhöfen des Königshofes gehörte, in den Besitz der Kartäusermönche über, die dieses zum Kloster Kartause Maria Hain ausbauten. Es war die erste neue Niederlassung des Kartäuserordens auf deutschem Boden. Der Grundstein für die heutige Kirche Maria unter dem Kreuz wurde im November 1870 gelegt und nach deren Konsekration 1873 die alte „Rather Kirche“ niedergelegt.Markus Eckstein: St. Maria unter dem Kreuz. In Manfred Becker-Huberti u. a.: Düsseldorfer Kirchen. Die katholischen Kirchen im Stadtdekanat Düsseldorf. J.P. Bachem Verlag, Köln 2009, ISBN 978-3-7616-2219-3, S. 93. Bis 1898 war sie die einzige Kirche für Unterrath. Infolge des Anwachsens der Bevölkerungszahl wurde die Gemeinschaft der Gläubigen im Jahre 1905 zur Pfarrei erhoben. Unterrath wurde 1808 in der Zeit der französischen Herrschaft unter Napoleons Schwager Murat der Mairie Eckamp im Arrondissement, dem späteren Kreis, Düsseldorf angegliedert, 1899 selbständige Bürgermeisterei und wurde 1909 nach Düsseldorf durch Übernahmevertrag eingemeindet. Das Gebiet der Landgemeinde „Rath“ war wesentlich größer als der heutige Stadtteil. Teile wurden bereits im Zuge der Eingemeindung nach Düsseldorf, aber auch noch später, an Nachbargemeinden abgetreten. Der Stadtbezirk 6 entspricht in etwa der Ausdehnung des ursprünglichen „Rath“. Der bereits im Volksmund gängige Name UnterrathAnton Fahne: Referat des Friedensrichter Fahne über die Erhebung der Gemeinde Rath, Bürgermeisterei Eckamp, zu einer abgesonderten Bürgermeisterei. In: Rheinische Zeitung, Düsseldorf, 1854, S. 4 am Ende. ist urkundlich in der Neufassung der Satzung der St. Sebastianus Schützenbruderschaft vom 22. Oktober 1845 belegtHeinz Baumgarten: . und wurde als Bezeichnung für den 1891 dank der Bemühungen des 1888 eingeführten Pfarrers Franz SchautenGünther von Roden: Beiträge zur Geschichte der Honschaft Rath, Düsseldorfer Jahrbuch 1951, S. 187, Fußnote 9. errichteten Bahnhof Unterrath an der Bahnlinie zwischen Derendorf und Kalkum an der Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn für den Stadtteil festgeschrieben.
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