mini|Generalleutnant James Longstreet rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Signatur James Longstreet (* 8. Januar 1821 im Edgefield District, South Carolina; † 2. Januar 1904 in Gainesville, Georgia) war bis 1861 Offizier des US-Heeres, danach General im konföderierten Heer und nach dem Sezessionskrieg Inspekteur der Zollverwaltung in New Orleans, Kommandeur der Staatspolizei und der Miliz in New Orleans und Botschafter im Osmanischen Reich.

Longstreet war der wichtigste Untergebene General Robert E. Lees, der ihn „My Old War Horse“ (dt.: Mein altes Schlachtross) nannte. Er diente als Kommandierender General, sowohl in der Nord-Virginia-Armee auf dem östlichen Kriegsschauplatz als auch unter General Braxton Bragg in der Tennessee-Armee auf dem westlichen Kriegsschauplatz.

Longstreet nahm an allen wichtigen Schlachten 1862 und 1863 auf dem östlichen Kriegsschauplatz teil. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz verstärkte er entscheidend die Tennessee-Armee während der Schlacht am Chickamauga und führte autonom den Knoxville-Feldzug. Zurück auf dem östlichen Kriegsschauplatz wurde er während der Schlacht in der Wilderness schwer verwundet. Nach seiner Genesung führte er erneut ein Korps unter Lee und nahm an der Belagerung von Petersburg und dem Appomattox-Feldzug teil.

Der am meisten kontrovers diskutierte Einsatz fand in der Schlacht von Gettysburg statt, bei der er die taktische Auffassung General Lees nicht teilte und den verheerenden Infanterieangriff – später bekannt als Picketts Charge – nur zögernd führte.

Nach dem Sezessionskrieg trat er der Republikanischen Partei bei und arbeitete mit seinem Freund, Präsident Ulysses S. Grant, eng zusammen. In seinen Memoiren beschrieb Longstreet einige von General Lees Handlungen kritisch, was ihm bei einigen ehemaligen Generalen des konföderierten Heeres Hass eintrug. Das führte schließlich dazu, dass die Verfechter des Lost Cause Longstreets Verhalten bei Gettysburg die Hauptschuld am Verlust des Krieges gaben.

Leben

Familie Longstreet war das fünfte Kind und der dritte Sohn von James und Mary Ann Dent Longstreet, die eine Baumwollplantage nahe Gainesville, Georgia bewirtschafteten. Deren Vorfahren waren aus den Niederlanden 1657 in die Neu-Niederlande im Nordosten des Kontinents eingewandert. Longstreets Vater gab ihm wegen seines unerschütterlichen Charakters den Spitznamen Saint Peter, der ihm als Old Pete zeit seines Lebens erhalten blieb.

West Point und Heirat Longstreet lebte vom neunten bis zum siebzehnten Lebensjahr bei seinem Onkel Augustus Baldwin Longstreet in der Nähe von Augusta, Georgia, um eine ausreichende Ausbildung für die Aufnahme in die Militärakademie in West Point, New York zu erhalten. 1838 an die Akademie berufen erwies er sich als mittelmäßiger und disziplinloser Schüler. Die Akademie schloss er 1842 als 54. von 56 Jahrgangskameraden ab. Bei seinen Mitkadetten war er beliebt und mit vielen befreundet, die später im Sezessionskrieg Berühmtheit erlangten: George Henry Thomas, William S. Rosecrans, John Pope, Daniel Harvey Hill, Lafayette McLaws, George E. Pickett, John Bell Hood sowie sein bester Freund, der ein Jahr nach ihm die Akademie beendete, Ulysses S. Grant. Longstreet wurde zum Leutnant befördert und zum 4. US-Infanterie-Regiment nach St. Louis, Missouri versetzt.

Ein Jahr später wurde auch Grant dorthin versetzt und heiratete Julia Dent, eine Cousine Longstreets. Longstreet lernte dort die Tochter seines Regimentskommandeurs kennen und heiratete Maria Louisa Garland nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg im März 1848. Die Ehe dauerte mehr als 40 Jahre. Das Paar hatte zehn Kinder.

Mexikanisch-Amerikanischer Krieg und Austritt Während des mexikanischen Krieges erwarb Longstreet sich Verdienste im 8. US-Infanterie-Regiment und wurde für seine Leistungen bei Contreras und Churubusco zum Brevet-Hauptmann und für die in der Schlacht bei Molino del Rey zum Brevet-Major ernannt. Bei Chapultepec wurde Longstreet verwundet.

Nach dem Krieg wurde Longstreet in das Grenzland von Texas versetzt und diente mit dem Dienstgrad Major als Zahlmeister. Für die Sezession konnte er sich nicht begeistern, er hatte jedoch von seinem Onkel schon früh die Doktrin über Rechte der Einzelstaaten verinnerlicht. Longstreet verließ im Juni 1861 das US-Heer und bot seine Dienste dem Staat Alabama an, der ihn nach West Point nominiert hatte. Als ältesten Westpointer dieses Staates sollte ihm das einen angemessenen Rang sichern.

Bürgerkrieg

Die Schlacht am Bull Run Longstreet meldete sich bei Präsident Jefferson Davis in Richmond, Virginia und wurde mit Wirkung vom 17. Juni 1861 zum Brigadegeneral befördert. Er wurde Brigadegeneral P. T. G. Beauregard bei Manassas, Virginia unterstellt und mit der Führung einer virginischen Brigade beauftragt.

Longstreets erste bewaffnete Auseinandersetzung mit Truppen der Union war das Gefecht an Blackburns Ford am 18. Juli 1861. An der anschließenden ersten Schlacht am Bull Run war er nicht beteiligt. Longstreet wurde am 7. Oktober 1861 zum Generalmajor befördert und zum Divisionskommandeur ernannt.

Schicksalsschlag und die Sieben-Tage-Schlacht Im Januar 1862 verstarben – innerhalb einer Woche – drei seiner Kinder an Scharlach. War Longstreet vor dieser Tragödie Alkohol, Partys und dem Pokerspiel nicht abgeneigt, kehrte er von der Beerdigung in sich gekehrt zurück, trank nur mehr sehr selten und wurde Mitglied der Episkopalkirche.

Longstreet zeigte während des Halbinsel-Feldzuges unterschiedliche Leistungen. Die Nachhutgefechte bei Yorktown und Williamsburg führte er umsichtig, bei der Schlacht von Seven Pines führte er die Division auf der falschen Straße in die falsche Richtung und verwässerte so den Erfolg des Angriffs. Longstreet machte dafür Generalmajor Benjamin Huger, den Divisionskommandeur der Nachbardivision verantwortlich.

Während der Sieben-Tage-Schlacht führte er angriffslustig und erfolgreich fast die Hälfte der Nord-Virginia-Armee – 15 Brigaden – nun unter dem Kommando General Lees. Diesmal führten tatsächlich Fehler seiner Untergebenen dazu, dass der Nord-Virginia-Armee der vollständige Erfolg versagt blieb. Seine solide Führerleistung festigte seinen Ruf als wichtigster Untergebener Lees.

Die zweite Schlacht am Bull Run Longstreet führte im August 1862 den rechten Flügel der Armee. Den linken Flügel führte Generalmajor Thomas Jonathan Jackson, der die Virginia-Armee der Nordstaaten unter Generalmajor John Pope links umging. Den beiden Kommandierenden Generalen wird häufig nachgesagt, Jackson führe den offensiven, Longstreet den defensiven Teil der Armee. Während der Zweiten Schlacht am Bull Run war es allerdings genau andersherum. Jackson verteidigte sich zwei Tage gegen die Virginia-Armee, bevor Longstreet am dritten Tag die Virginia-Armee in der Flanke angriff und gegen heftigen Widerstand zum Ausweichen zwang, das teilweise der Flucht der Unionstruppen von vor einem Jahr glich.

Longstreet wurde später vorgeworfen, das Schlachtfeld zu langsam erreicht zu haben. Tatsächlich marschierten die Soldaten ungefähr 50 km in wenig mehr als 24 Stunden. Das Zusammenwirken von Offensive und Defensive führte zur Überzeugung Longstreets, dass es in einer strategischen Offensive notwendig sei, defensive Taktiken anzuwenden.

Der Maryland-Feldzug und Aufstieg Diese Überzeugung festigte sich während des Maryland-Feldzuges. Am South Mountain verteidigte er sich gegen doppelt so starke Unionskräfte erfolgreich, am Antietam gelang ihm die Abwehr durch geschickte Geländeausnutzung. Am Ende des „blutigsten Tages“ des Bürgerkrieges begrüßte Lee ihn mit den Worten:

(deutsch: „Hier kommt Longstreet; hier kommt mein altes Schlachtross!“).

Longstreet wurde am 11. Oktober 1862 zum Generalleutnant befördert, rückwirkend zum 9. Oktober. Er wurde dadurch zum dienstältesten Generalleutnant im konföderierten Heer. In der Nord-Virginia-Armee führte er das I. Korps mit fünf Divisionen und ungefähr 41.000 Soldaten.

Schlacht von Fredericksburg und Longstreets Plan Während der Schlacht von Fredericksburg spielte Longstreet mit dem I. Korps eine entscheidende Rolle. Er wehrte aus Stellungen an Marye’s Height 14 Angriffe der Union ab und verlor dabei ungefähr 500 Soldaten. Dieser defensiv errungene Erfolg ergab sich aus der geschickten Ausnutzung des Geländes, dem Bau von Stellungen und dem konzentrisch geleiteten Feuer der Artillerie.

Im Frühjahr 1863 schlug Longstreet General Lee vor, das I. Korps auf den westlichen Kriegsschauplatz zu verlegen und der Tennessee-Armee zu unterstellen, weil sein Mitbewohner in Westpoint, Generalmajor William S. Rosecrans, General Braxton Bragg in Bedrängnis brachte. Stattdessen beorderte Lee ihn ins südliche Virginia, wo er als Befehlshaber der Wehrbereiche North Carolina und südliches Virginia durch die Belagerung von Suffolk, Virginia, der Nord-Virginia-Armee ermöglichte, dringend benötigte Versorgungsgüter zu beschaffen.

Nach dem Sieg bei Chancellorsville erörterte Longstreet mit Lee das weitere Vorgehen. Longstreet sprach sich erneut dafür aus, mit einem Teil der Nord-Virginia-Armee die Tennessee-Armee zu verstärken. Lee lehnte eine Teilung der Armee jedoch weiter ab. Durch die Umgliederung der Nord-Virginia-Armee bestand das I. Korps zu Beginn des Gettysburg-Feldzuges aus den Divisionen McLaws, Picketts und Hoods.

Die Schlacht von Gettysburg Longstreet erreichte das Schlachtfeld mit den vordersten Teilen des I. Korps am Nachmittag des 1. Juli. Da er die Stellungen der Potomac-Armee entlang des Cemetery Ridge als sehr stark beurteilte, schlug er Lee vor, das Gefecht abzubrechen und die Nord-Virginia-Armee zwischen die Potomac-Armee und Washington, D.C. zu verschieben. Damit sollte der Oberbefehlshaber der Potomac-Armee, Generalmajor George G. Meade, gezwungen werden, die Südstaatler seinerseits anzugreifen. Lee lehnte diesen Vorschlag jedoch ab.

Lee beauftragte Longstreet stattdessen, am 2. Juli den linken Flügel der Potomac-Armee frühestmöglich anzugreifen. McLaws Division erreichte das Schlachtfeld erst gegen Mittag, Picketts Division marschierte noch. Wegen mangelhafter Aufklärung verzögerte sich die Annäherung und der Angriff begann schließlich gegen 16:00 Uhr. Den Angriff führte Longstreet gewohnt kompetent und entsprechend den Aufträgen Lees, konnte den entscheidenden Durchbruch trotz einiger Geländegewinne jedoch nicht erzwingen.

Am 3. Juli sollte Longstreet mit Picketts Division und unterstellten Brigaden aus dem III. Korps den Angriff gegen die Mitte der Potomac-Armee führen. Er selbst gab dem Vorhaben jedoch nur eine geringe Erfolgschance. Während des vorbereitenden Artilleriefeuers quälte er sich mit dem Gedanken, welch große Verluste der Angriff mit sich bringen würde. Er versuchte die Verantwortung für den Angriffsbeginn an seinen Artillerieführer zu übergeben. Als Pickett ihn fragte, ob er jetzt antreten solle, fehlten Longstreet die Worte und er nickte nur. Als Pickett einen Offizier zurückschickte, um die zweite Angriffswelle anzufordern, befahl Longstreet dem angriffsbereiten Generalmajor Anderson die Bewegungen anzuhalten:

, Serie I, Band XXVII, Teil II S. 615: Keine Unterstützung (deutsch: „...ich war gerade dabei, Wrights und Poseys Brigaden in Marsch zu setzen, als Generalleutnant Longstreet mir befahl, die Bewegungen anzuhalten und hinzufügte, dass das nutzlos sei,...“).

Die Schlacht von Chickamauga und die versuchte Ablösung von Bragg